Reisebericht Afrika - Ägypten - Alexandria
Ein Traum wird wahr
Schon als Kind habe ich von Ägypten gelesen, von Pharaonen, Pyramiden und dem alten Alexandria mit seiner berühmten Bibliothek. Diese Faszination ist nie vergangen. Jetzt, mit 25, hatte ich endlich beschlossen, diesen Traum zu verwirklichen. Nicht nur als Tourist, sondern als jemand, der wirklich eintauchen, verstehen und die Sprache lernen möchte. Ich hatte mich für einen Sprachkurs in Alexandria entschieden, weil ich gehört hatte, dass die Stadt authentischer und weniger touristisch ist als Kairo. Und ehrlich gesagt, ich wollte auch mal etwas abseits der ausgetretenen Pfade erleben.
Warum Alexandria?
Es war nicht nur die Geschichte, die mich zog. Ich hatte mich intensiv mit der arabischen Sprache beschäftigt, autodidaktisch, mit Apps und Büchern. Aber das ist natürlich nicht dasselbe wie das Eintauchen in die Kultur, das Sprechen mit Einheimischen, das Verstehen der Nuancen. Ich wollte die Sprache leben, nicht nur lernen. Und Alexandria schien mir der perfekte Ort dafür. Eine Stadt, die von Geschichte durchdrungen ist, aber gleichzeitig lebendig und modern ist. Eine Stadt, in der sich Tradition und Fortschritt die Hand reichen.
Erste Schritte in einer fremden Stadt
Der Taxifahrer, der mich von der Flughafen abholte, sprach kaum Englisch, aber er lächelte viel und zeigte auf alles, was wir passierten. Er versuchte, mir die Namen der Straßen und Sehenswürdigkeiten auf Arabisch beizubringen, und ich versuchte, sie auszusprechen. Es klang mehr nach Gebrabbel, aber er lachte nur freundlich und korrigierte mich geduldig. Ich fühlte mich sofort willkommen und entspannt.
Die Stadt selbst war überwältigend. Ein chaotisches Durcheinander aus Geräuschen, Gerüchen und Farben. Ältere Gebäude mit verblichener Pracht standen neben modernen Wohnhäusern. Auf den Straßen herrschte ein ständiges Hupen und Geschrei, aber irgendwie hatte es alles etwas Charmantes. Die Menschen waren offen und freundlich, immer bereit zu helfen oder einfach nur zu lächeln. Ich hatte mich in der Wohnung bei einer Familie untergebracht, und sie empfingen mich mit offenen Armen und einer riesigen Portion hausgemachtem Essen.
Sprachkurs und erste Begegnungen
Der Sprachkurs begann am nächsten Tag. Die anderen Teilnehmer kamen aus aller Welt – aus den USA, Deutschland, Japan, Brasilien. Wir alle hatten unterschiedliche Hintergründe und Motivationen, aber wir alle teilten die Leidenschaft für die arabische Sprache und Kultur. Der Lehrer war ein junger Mann namens Ahmed, der unglaublich geduldig und humorvoll war. Er brachte uns nicht nur die Grammatik und den Wortschatz bei, sondern erzählte uns auch viel über die Geschichte, die Traditionen und das tägliche Leben in Ägypten.
Nach dem Unterricht ging ich oft mit den anderen Teilnehmern in die Stadt, um das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Wir bestellten Tee in kleinen Cafés, handelten auf den Märkten und versuchten, uns mit den Einheimischen zu unterhalten. Es war nicht immer einfach, aber es machte unglaublich viel Spaß. Und jedes Mal, wenn ich einen Satz richtig formulierte oder ein Gespräch verstand, fühlte ich mich euphorisch.
Ich begann, die Stadt zu erkunden, nicht nur als Touristin, sondern als Teil ihrer pulsierenden Atmosphäre. Ich besuchte die Zitadelle Qaitbay, eine beeindruckende Festung am Mittelmeer, die anstelle des berühmten Leuchtturms von Alexandria erbaut wurde. Ich wanderte durch die alten Gassen der Altstadt, vorbei an Moscheen, Kirchen und traditionellen Handwerksläden. Und ich verbrachte Stunden am Corniche, der Uferpromenade, wo ich den Blick auf das Meer genoss und das bunte Treiben beobachtete. Diese ersten Tage waren intensiv und aufregend, und ich spürte, dass dies der Beginn eines unvergesslichen Abenteuers sein würde.
Doch all diese Eindrücke waren nur der Anfang. Ich ahnte, dass ich noch viele Geheimnisse dieser faszinierenden Stadt entdecken und tief in ihre Kultur eintauchen würde – und ich freute mich darauf, diese Reise fortzusetzen und meine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern.
Das echte Alexandria entdecken
Nach den ersten Tagen des Eintauchens in den Unterricht und die touristischen Hotspots, wollte ich das “echte” Alexandria kennenlernen. Nicht die Postkartenmotive, sondern das Leben, das hinter den Fassaden der historischen Gebäude pulsiert. Also verließ ich mich bewusst auf Empfehlungen meiner Gastfamilie und verbrachte mehr Zeit in den weniger frequentierten Vierteln.
Der Souk El-Attarine – ein Fest für die Sinne
Eines meiner Lieblingsviertel wurde schnell der Souk El-Attarine, der Duftmarkt. Allein der Geruch, wenn man dort entlangging, war überwältigend – eine Mischung aus Weihrauch, Gewürzen, ätherischen Ölen und frischen Kräutern. Ich liebte es, einfach nur dazustehen und dem geschäftigen Treiben zuzusehen. Die Händler riefen ihre Waren an, die Kunden feilschten, und überall herrschte eine lebhafte, fast hypnotische Atmosphäre. Ich kaufte dort eine kleine Dose mit Ras el Hanout, einer komplexen Gewürzmischung, die ich unbedingt nach Hause mitnehmen wollte, um die Aromen Ägyptens zu konservieren. Ein kleiner Tipp: Feilschen ist hier nicht nur üblich, sondern gehört zum Ritual! Am Anfang war ich etwas schüchtern, aber meine Gastmutter hatte mir einige Tipps gegeben, und mit der Zeit wurde ich immer sicherer im Handeln. Es war nicht immer erfolgreich, aber es machte Spaß und brachte mich mit den Einheimischen in Kontakt.
Kaffeehaus-Kultur im Viertel Moharram Bey
Ein weiteres Viertel, das mich faszinierte, war Moharram Bey. Es ist ein eher Wohngebiet, abseits der Touristenströme, und dort fand man unzählige kleine Kaffeehäuser, die von Männern jeden Alters besucht wurden. Ich traute mich anfangs nicht hinein, da ich befürchtete, als Frau fehl am Platz zu sein. Aber meine Gastbruder ermutigte mich, und eines Tages setzte ich mich in ein kleines Café und bestellte einen starken arabischen Kaffee. Ich wurde sofort freundlich empfangen, und obwohl meine arabischen Sprachkenntnisse noch begrenzt waren, versuchten die Männer, mit mir zu kommunizieren. Wir redeten mit Händen und Füßen, lachten viel und teilten Kekse. Ich fühlte mich unglaublich willkommen und merkte, dass diese kleinen, ungezwungenen Begegnungen viel mehr wert waren als alle Sightseeing-Touren. Es war ein tiefer Einblick in die lokale Kultur und eine wunderbare Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse in der Praxis zu verbessern.
Eine kleine Sprachpanne im Gemüsegarten
Einmal versuchte ich, auf dem Markt frische Tomaten zu kaufen. Ich hatte den arabischen Begriff für "Tomate" gelernt, aber leider verwechselte ich ihn mit dem Wort für "Kartoffel”. Der Gemüsehändler schaute mich verwirrt an, dann begann er laut zu lachen. Zum Glück waren einige andere Kunden in der Nähe und erklärten die Situation. Wir alle lachten zusammen, und der Gemüsehändler schenkte mir am Ende nicht nur Tomaten, sondern auch ein paar Kartoffeln! Es war eine peinliche, aber lustige Erfahrung, die mir gezeigt hat, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen, und dass Humor die beste Brücke zwischen Kulturen sein kann.
Die Zeit in Alexandria verging wie im Flug. Ich fühlte mich immer wohler, sicherer und verbundener mit der Stadt und ihren Menschen. Jeder Tag brachte neue Erkenntnisse, neue Erfahrungen und neue Freundschaften. Und während ich mich darauf vorbereitete, meine Reise fortzusetzen, wusste ich, dass diese Zeit in Alexandria mich für immer geprägt und meine Perspektive auf die Welt verändert hatte.
Die letzten Wochen in Alexandria waren ein Wirbelwind aus neuen Eindrücken, Begegnungen und Erfahrungen. Ich hatte mir vorgenommen, die Stadt wirklich kennenzulernen, nicht nur als Touristin, sondern als Teil ihrer pulsierenden Atmosphäre. Und ich glaube, das ist mir gelungen.
Mehr als nur Sehenswürdigkeiten
Natürlich habe ich auch die klassischen Sehenswürdigkeiten besucht – die Zitadelle Qaitbay, die Bibliotheca Alexandrina, die Katakomben von Kom el Shoqafa. Aber das waren nur Bruchstücke des Puzzles. Die wahren Schätze Alexandrias liegen im Alltag, in den kleinen Gesten der Menschen, in den Geräuschen und Gerüchen der Straßen.
Ich erinnere mich noch gut an einen Nachmittag, an dem ich mich in den Gassen des Souk El-Attarine verirrt hatte. Der Duft von Gewürzen und Räucherstäbchen lag in der Luft, und ich fühlte mich wie in einer anderen Welt. Ich kaufte dort einen kleinen Beutel mit Kardamom, den ich als Souvenir mit nach Hause nehmen wollte. Aber viel wichtiger war die Begegnung mit dem alten Gewürzhändler, der mir geduldig die verschiedenen Sorten erklärte und mir sogar ein paar Tipps für die ägyptische Küche gab.
Sprache als Schlüssel
Die arabische Sprache war dabei mein Schlüssel zu dieser Welt. Je besser ich mich verständigen konnte, desto tiefer konnte ich in die Kultur eintauchen. Und je mehr ich mich bemühte, die Sprache zu sprechen, desto freundlicher und hilfsbereiter waren die Menschen mir gegenüber.
Ich habe gelernt, dass es nicht darum geht, perfekt zu sprechen, sondern darum, den Mut zu haben, sich auszuprobieren und Fehler zu machen. Und ich habe gelernt, dass Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel ist, sondern auch ein Ausdruck von Respekt und Wertschätzung.
Drei Tipps für deine Reise
Wenn du selbst nach Alexandria reisen möchtest, habe ich drei Tipps für dich:
- Sei offen und neugierig: Scheue dich nicht, dich auf neue Erfahrungen einzulassen und dich von der Stadt treiben zu lassen.
- Lerne ein paar grundlegende arabische Sätze: Auch wenn du kein Arabisch sprichst, werden die Einheimischen deine Bemühungen zu schätzen wissen.
- Verliere dich in den Gassen: Die schönsten Entdeckungen machst du oft abseits der Touristenpfade.
Ich bin dankbar für jede einzelne Sekunde, die ich in Alexandria verbringen durfte. Diese Zeit hat mich nicht nur sprachlich weitergebracht, sondern auch als Mensch verändert. Ich habe gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Und ich weiß, dass ich Alexandria niemals vergessen werde.
Ich nehme von dieser Stadt nicht nur Souvenirs mit, sondern auch unzählige Erinnerungen, neue Freundschaften und eine tiefe Sehnsucht nach dem Wiedersehen. Alexandria hat einen besonderen Platz in meinem Herzen gefunden, und ich hoffe, dass ich bald wieder an diesen magischen Ort zurückkehren kann.