Europa - Griechenland - Peloponnes (Nafplio)

Reisebericht Europa - Griechenland - Peloponnes (Nafplio)

Die Luft roch nach Salz, Staub und irgendetwas blumigem, das ich nicht zuordnen konnte. Ein bisschen wie Lavendel, aber anders. Ich stand am Kai von Nafplio, die Schultertasche mit dem Equipment drückte unangenehm in die Haut. Es war heiß. Nicht dieser angenehme, sommerliche Hauch von Wärme, sondern eine drückende Hitze, die einem die Luft zum Atmen nahm. Der Bus hatte mich hier ausspuckt, und ich brauchte einen Moment, um mich zu orientieren.

Der Plan und das Chaos

Eigentlich war das alles ziemlich spontan. Ich hatte eine Anfrage bekommen, einige Aufnahmen für ein kleines Magazin zu machen, das sich auf Wildtiere und Landschaften im Mittelmeerraum spezialisiert hat. Der Peloponnes. Klingte gut. Besser als der nächste urbane Dschungel, den ich für irgendwelche Werbekunden abfotografieren sollte. Ich brauche das. Brauche die Stille, die Weite, die Möglichkeit, einfach nur zu beobachten. Und fotografieren, klar. Aber nicht dieses inszenierte, glattgebügelte Zeug. Echte Momente. Echte Tiere. Echte Landschaft.

Ich bin kein Tierfotograf im klassischen Sinne. Ich jage nicht den perfekten Schuss, stalke keine scheuen Kreaturen stundenlang. Ich will die Geschichten erzählen, die sich hinter den Bildern verbergen. Das Licht, die Textur, die Atmosphäre. Und die Tiere, natürlich. Aber als Teil ihres Lebensraums, nicht als Trophäe.

Erste Eindrücke

Nafplio ist…überwältigend. Eine Mischung aus venezianischer Eleganz und griechischer Lebensfreude. Enge Gassen, bunte Häuser, Bougainvillea, die sich über die Mauern ergießen. Überall Cafés und Restaurants, die nach Olivenöl und gegrilltem Fisch duften. Und Touristen. Viele Touristen. Das war absehbar.

Ich hatte mir ein kleines Zimmer in einem der alten Stadthäuser gemietet. Einfach, aber sauber und mit einem Balkon, der einen Blick auf die Festung Palamidi freigab. Die Festung, die über der Stadt thront, eine steile, weiße Masse, die wie ein stummer Wächter wirkt. Ich werde morgen hinaufgehen. Muss man gesehen haben, sagt man.

Ich schlendere ein bisschen durch die Stadt, versuche, mich zu orientieren. Beobachte die Leute. Die alten Männer, die auf ihren Stühlen vor den Cafés sitzen und Schach spielen. Die Kinder, die auf den Plätzen Fußball spielen. Die Frauen, die auf dem Markt Obst und Gemüse verkaufen. Es ist ein lebendiges, pulsierendes Bild. Aber auch ein bisschen anstrengend. Ich brauche einen Ort, um mich zurückzuziehen, um zur Ruhe zu kommen.

Die Suche nach dem Besonderen

Ich beschließe, den Hafen zu verlassen und mich in die Umgebung zu begeben. Ich miete ein kleines Boot und fahre entlang der Küste. Das Wasser ist kristallklar und türkisblau. Ich sehe einige Möwen und Pelikane, die über dem Wasser kreisen. Und dann, in einer kleinen Bucht, entdecke ich etwas, das mich neugierig macht. Eine kleine Kolonie von Seevögeln, die in den Felsen nisten. Ich halte das Boot an und beobachte sie. Sie sind scheu, aber lassen mich trotzdem näherkommen. Ich fotografiere sie. Versuche, ihre Persönlichkeit einzufangen. Ihre Verletzlichkeit. Ihre Stärke.

Später fahre ich ins Landesinnere, zu den Olivenhainen und Weinbergen. Die Landschaft ist karg und steinig, aber wunderschön. Ich sehe einige Wildziegen, die auf den Hügeln grasen. Und dann, in einem kleinen Tal, entdecke ich eine Quelle. Das Wasser ist klar und kalt. Ich trinke davon. Es schmeckt nach Erde und Leben. Hier, inmitten der Natur, fühle ich mich endlich angekommen. Das ist es, was ich gesucht habe. Die Stille, die Weite, die Möglichkeit, einfach nur zu sein.

Doch je tiefer ich in die Landschaft eintauche, desto mehr spüre ich, dass der Peloponnes mehr zu bieten hat, als nur malerische Küsten und idyllische Täler. Eine Geschichte, die tief in der Erde verborgen liegt, eine Geschichte von Göttern und Helden, von Kriegen und Frieden, von Leben und Tod. Und ich habe das Gefühl, dass ich erst am Anfang stehe, diese Geschichte zu entdecken und mit meiner Kamera festzuhalten.

Der Geruch von Zypressen und Staub

Ich bin am nächsten Tag früh aufgestanden, noch bevor die Hitze richtig zugeschlagen hat. Ich wollte die Festung Palamidi sehen, ja, aber nicht im Touristenstrom. Ich brauchte den Blick, die Atmosphäre für mich allein. Der Aufstieg war steinig und anstrengend, aber die Aussicht…die war es wert. Nafplio lag zu meinen Füßen, ein Mosaik aus roten Ziegeldächern und weißen Mauern, umrahmt vom tiefblauen Meer. Ich stand da oben, atmete die trockene Luft ein, die nach Zypressen und Staub roch, und fühlte mich frei.

Verlorene Gassen von Nafplio

Nach dem Abstieg habe ich mich absichtlich in den Gassen von Nafplio verloren. Nicht die Hauptverkehrsstraßen mit den Souvenirläden, sondern die kleinen, verwinkelten Gassen, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Hier wohnen die Menschen, hier leben sie ihr Leben. Ich bin an alten Häusern vorbeigekommen, deren Fassaden von Efeu überwuchert waren. An kleinen Werkstätten, in denen Handwerker an ihren Projekten arbeiteten. Ich habe den Geruch von frisch gebackenem Brot und starkem griechischem Kaffee gerochen.

Ich bin an einem kleinen Platz gelandet, auf dem ein paar alte Männer Karten spielten. Sie haben mich neugierig beäugt, aber freundlich gelächelt. Ich habe mich zu ihnen gesetzt und sie beobachtet. Sie haben in einer seltsamen Mischung aus Griechisch und Gesten miteinander kommuniziert. Ich habe kein Wort verstanden, aber ich habe die Wärme und die Lebensfreude gespürt. Ich habe ein Foto gemacht, natürlich, aber ich habe versucht, es so zu tun, als wäre ich nicht da. Als würde ich nur einen Moment ihrer Welt teilnehmen.

Ein Missverständnis auf dem Markt

Am Nachmittag bin ich auf den Markt gegangen. Ein lauter, bunter, chaotischer Ort. Überall standen Stände mit frischem Obst, Gemüse, Käse, Olivenöl und Gewürzen. Ich wollte ein paar Oliven kaufen, aber ich habe mich mit den Mengenangaben vertan. Ich habe dem Händler gesagt, ich möchte "fünf", aber er hat mich falsch verstanden und mir fünf Kilo Oliven in den Sack gefüllt!

Ich war erschrocken, aber auch amüsiert. Ich habe versucht, ihm das zu erklären, aber er sprach kein Englisch und ich kein Griechisch. Wir haben uns lange angestarrt und gestikuliert, bis ein anderer Händler uns geholfen hat. Er sprach ein bisschen Englisch und konnte die Situation klären. Wir haben alle gelacht und ich bin mit einem Kilo Oliven nach Hause gegangen. Es war ein kleines Missverständnis, aber es hat mir gezeigt, dass es manchmal die kleinen, unerwarteten Momente sind, die eine Reise so besonders machen.

Die Bourtzi – Eine Festung im Meer

Am letzten Abend bin ich mit einem kleinen Boot zur Bourtzi gefahren, einer kleinen Festung, die auf einer winzigen Insel vor der Küste von Nafplio liegt. Die Festung ist nur bei Flut erreichbar und sieht aus, als wäre sie direkt aus dem Meer aufgestiegen. Ich bin durch die alten Mauern gewandert, habe die Kanonen betrachtet und den Blick auf die Stadt genossen. Die Sonne ging unter und tauchte alles in ein warmes, goldenes Licht. Es war ein magischer Moment.

Ich habe mich auf eine der Mauern gesetzt und einfach nur dasitzen und beobachten. Die Stadt glitzerte im Dunkeln, das Meer rauschte und die Sterne funkelten am Himmel. Ich fühlte mich ruhig und zufrieden. Diese Reise war nicht nur eine fotografische Expedition, sondern auch eine persönliche Suche. Ich habe nicht nur atemberaubende Landschaften und faszinierende Tiere dokumentiert, sondern auch etwas über mich selbst gelernt. Und ich wusste, dass dies nicht meine letzte Reise zum Peloponnes sein würde, denn die Geschichten, die hier verborgen liegen, sind noch lange nicht erzählt.

Die Tage hier sind wie ein langsamer Tanz zwischen Licht und Schatten. Die Sonne brennt erbarmungslos auf die weißen Mauern der Häuser, während die Zypressen dunkle, spitze Silhouetten gegen den blauen Himmel zeichnen. Ich sitze oft auf meinem Balkon, trinke starken griechischen Kaffee und beobachte das Leben unter mir. Es ist ein langsames, entspanntes Leben, weit entfernt vom hektischen Treiben der Stadt, das ich gewohnt bin.

Mehr als nur Postkartenmotive

Es ist leicht, sich von der Schönheit der Landschaft überwältigen zu lassen. Die türkisblauen Buchten, die steilen Klippen, die grünen Olivenhaine… Es sind alles Postkartenmotive, die man schon tausendmal gesehen hat. Aber ich versuche, tiefer zu blicken, hinter die Fassade der Schönheit. Ich versuche, die Seele dieses Ortes zu erfassen, die Geschichten, die in den Steinen und Bäumen verborgen liegen.

Ich habe Stunden damit verbracht, die kleinen Gassen von Nafplio zu erkunden, abseits der Touristenpfade. Ich habe alte Männer beim Schachspielen beobachtet, Kinder beim Fußballspielen, Frauen beim Einkaufen auf dem Markt. Ich habe versucht, ihre Gesichter, ihre Gesten, ihre Lebensfreude einzufangen. Ich habe versucht, ihre Geschichten zu erzählen.

Die Stille des Landesinneren

Ich bin oft ins Landesinnere gefahren, zu den kleinen Dörfern und abgelegenen Tälern. Dort, wo die Zeit stillzustehen scheint. Dort, wo die Menschen noch auf traditionelle Weise leben, ohne den Einfluss der modernen Welt. Ich habe Bauern bei der Olivenernte beobachtet, Hirten mit ihren Schafen, Fischer bei der Arbeit. Ich habe versucht, ihre Verbundenheit zur Natur, ihre Lebensweise, ihre Werte einzufangen.

Ich habe gelernt, dass wahre Schönheit nicht nur im Äußeren liegt, sondern auch im Inneren. In der Einfachheit, der Authentizität, der Ehrlichkeit. Ich habe gelernt, dass das Glück oft in den kleinen Dingen liegt, in einem Lächeln, einem Sonnenuntergang, einem guten Gespräch.

Ein paar Gedanken zum Mitnehmen

Wenn ich jemandem eine Reise nach Nafplio empfehlen würde, würde ich ihm sagen, dass er sich nicht nur auf die Sehenswürdigkeiten konzentrieren soll. Er soll sich Zeit nehmen, um die Stadt zu erkunden, abseits der Touristenpfade. Er soll sich Zeit nehmen, um die Menschen kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören. Er soll sich Zeit nehmen, um die Natur zu genießen, die Ruhe zu schätzen.

Ich würde ihm sagen, dass er sich nicht scheuen soll, sich zu verirren, neue Wege zu gehen, sich von der Schönheit des Landes überraschen zu lassen. Und ich würde ihm sagen, dass er sich daran erinnern soll, dass das Glück oft in den kleinen Dingen liegt.

Ich werde diesen Ort vermissen. Die Wärme, die Sonne, das Essen, die Menschen. Aber ich werde auch die Erinnerungen mitnehmen, die Bilder, die Geschichten. Und ich werde wissen, dass ich einen kleinen Teil meiner Seele hier zurückgelassen habe.

    👤 Wanderer (55) der lange Wanderwege und Naturpfade erkundet ✍️ sarkastisch und ironisch