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Ein halbes Jahr in Osaka: Mehr als nur Takoyaki

Der süßliche Duft von Sojasauce und gebratenem Essen hing schon in der Luft, bevor ich überhaupt den Ärmel meiner Jacke zurückschlug. Es war heißer, feuchter, anders, als alles, was ich bisher kannte. Der Flughafen Kansai International war riesig, ein Glas- und Stahlkonstrukt, das sich endlos zu erstrecken schien. Aber es waren nicht die Dimensionen, die mich überwältigten, sondern die Menschen. Eine Flut von Gesichtern, die mit einer Mischung aus Neugier und Geschäftigkeit an mir vorbeischoss.

Ankunft in Osaka – Ein bisschen verloren, aber voller Tatendrang

Ich war erschöpft, das stimmt. Der lange Flug aus Berlin hatte seine Spuren hinterlassen. Aber die Müdigkeit wurde schnell von einer aufregenden Energie überdeckt. Ich war tatsächlich in Japan. Osaka, um genau zu sein. Ich hatte mich vor einem halben Jahr für das Freiwilligenprogramm beworben, ein sechsmonatiges Projekt in einer lokalen Gemeinschaftsorganisation, die sich um benachteiligte Kinder kümmert. Ich hatte mich bewusst für Osaka entschieden, weil ich gehört hatte, dass die Stadt authentischer und weniger touristisch ist als Tokio. Außerdem wollte ich unbedingt die berühmte Streetfood-Szene erleben.

Die Passkontrolle verlief reibungslos, obwohl meine Japanischkenntnisse sich auf ein paar wenige Floskeln beschränkten. Zum Glück sprachen die Flughafenmitarbeiter gut Englisch. Ich löste mir eine Japan Rail Pass, die ich für die nächsten Wochen nutzen würde, um das Land zu erkunden. Dann ging es mit dem Haruka Express in Richtung Namba, dem Viertel, in dem sich mein Hostel befand.

Erste Eindrücke von Namba

Der Zug war pünktlich, sauber und unglaublich ruhig. Ich saß am Fenster und beobachtete die Landschaft, die an uns vorbeizog. Felder, kleine Dörfer, dann immer mehr Gebäude. Osaka wirkte schon aus der Ferne wie eine riesige Metropole. Als wir in Namba ankamen, war ich überwältigt. Eine Explosion von Farben, Lichtern und Geräuschen. Neonreklamen flackerten, Musik dröhnte aus den Lautsprechern, Menschenmassen drängten sich durch die Straßen.

Mein Hostel war versteckt in einer kleinen Seitenstraße, ein unscheinbarer Bau, der sich zwischen Restaurants und Geschäften befand. Die Rezeptionistin, eine freundliche junge Frau namens Hana, begrüßte mich mit einem Lächeln. Sie erklärte mir alles Notwendige und gab mir den Schlüssel zu meinem Zimmer, einem kleinen, aber gemütlichen Raum mit einem Bett, einem Schreibtisch und einem Fenster, das auf einen Innenhof blickte.

Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, wollte ich sofort los und die Stadt erkunden. Ich wanderte ziellos durch die Straßen, ließ mich treiben und saugte die Atmosphäre auf. Ich passierte den Dotonbori, einen berühmten Unterhaltungsviertel mit riesigen, animierten Reklametafeln. Ich sah den Glico Running Man, ein ikonisches Wahrzeichen von Osaka. Ich roch den Duft von Takoyaki, kleinen, frittierten Teigbällchen mit Tintenfischfüllung. Ich sah Menschen, die sich in langen Schlangen vor Imbissständen bildeten.

Ich war hungrig und beschloss, mir selbst etwas Gutes zu tun. Ich stellte mich in eine Schlange vor einem Takoyaki-Stand und bestellte eine Portion. Der Verkäufer, ein älterer Mann mit einem freundlichen Gesicht, wirbelte geschickt mit den Stäbchen und zauberte mir eine dampfende Schüssel Takoyaki. Es war unglaublich lecker, warm, würzig und einfach perfekt.

Ein neues Leben beginnt

Ich verbrachte den restlichen Tag damit, die Gegend um mein Hostel zu erkunden. Ich besuchte den Kuromon Market, einen riesigen Markt mit einer unglaublichen Auswahl an frischen Lebensmitteln. Ich sah exotische Fische, seltsames Gemüse und unbekannte Früchte. Ich probierte verschiedene lokale Spezialitäten, darunter frittiertes Gemüse, gedämpfte Knödel und süße Reisgebäcke.

Ich lernte ein paar andere Freiwillige kennen, die ebenfalls in Osaka lebten. Wir trafen uns in einer kleinen Bar und tauschten unsere Geschichten aus. Wir sprachen über unsere Erwartungen, unsere Ängste und unsere Hoffnungen. Wir stellten fest, dass wir alle dasselbe Ziel verfolgten: etwas Sinnvolles zu tun und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Es war ein guter erster Tag in Osaka. Ich war müde, aber glücklich. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier etwas Besonderes erleben würde. Ich freute mich auf die kommenden Monate, auf die Herausforderungen, die auf mich zukamen, und auf die Möglichkeiten, die sich mir bieten würden. Ich wusste, dass ich hier nicht nur lernen würde, wie man Takoyaki zubereitet, sondern auch viel über mich selbst und über die Welt.

Und so begann mein Leben in Osaka, voller neuer Eindrücke, ungewohnter Gerüche und der Vorfreude auf die Arbeit, die mich in den nächsten Monaten erwarten würde.

Die Arbeit beginnt – Ein Einblick in das Gemeindezentrum

Am nächsten Morgen war es Zeit, mich der Realität zu stellen. Das Hostel war gemütlich, die Stadt aufregend, aber ich war hier, um zu arbeiten. Ich machte mich auf den Weg zum Gemeindezentrum in Shin-Osaka, wo ich in den kommenden Monaten meinen Freiwilligendienst leisten würde. Das Zentrum war ein unscheinbares Gebäude in einem Wohngebiet, weit entfernt vom Glanz und Glamour des Stadtzentrums.

Ich wurde von Frau Tanaka empfangen, der Leiterin des Zentrums. Sie war eine energiegeladene Frau mittleren Alters mit einem herzlichen Lächeln. Sie erklärte mir, dass das Zentrum sich um benachteiligte Kinder aus der Gegend kümmert, die nicht die Möglichkeit haben, an außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen oder Nachhilfe zu erhalten. Wir boten ihnen kostenlose Lernhilfe, Sportkurse und kreative Workshops an.

Ich sollte vor allem bei der Lernhilfe helfen, insbesondere in Englisch und Mathematik. Die Kinder waren zwischen 6 und 15 Jahre alt und kamen aus unterschiedlichen Familienverhältnissen. Einige waren schüchtern und zurückhaltend, andere quirlig und neugierig. Es war eine Herausforderung, auf die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes einzugehen, aber es machte auch unglaublich viel Spaß.

Erste Sprachbarrieren und kulturelle Missverständnisse

Die erste Woche war nicht einfach. Meine Japanischkenntnisse waren begrenzt, und ich hatte Schwierigkeiten, mich mit den Kindern zu verständigen. Ich versuchte, einfache Sätze zu verwenden und Gesten einzusetzen, aber es gab immer wieder Missverständnisse. Einmal wollte ich einem kleinen Jungen erklären, dass er eine Pause machen sollte, aber ich benutzte das falsche Wort und er begann zu weinen. Frau Tanaka musste einschreiten und die Situation entschärfen. Ich fühlte mich blöd und frustriert, aber ich lernte schnell, dass Fehler dazugehören und dass es wichtig ist, geduldig und respektvoll zu sein.

Entdeckung von Tennoji – Ein Kontrast zur modernen Stadt

Um dem Stress etwas entgegenzuwirken, begann ich, die Stadt in meiner Freizeit zu erkunden. Eines Wochenendes besuchte ich Tennoji, ein Viertel südlich des Bahnhofs. Es war ein starker Kontrast zum modernen, glitzernden Stadtzentrum. Hier fand man kleine, traditionelle Geschäfte, alte Tempel und verwinkelte Gassen. Ich besuchte den Tennoji-Park, einen wunderschönen Park mit einem Teich, einem Zoo und einem botanischen Garten. Ich saß am Ufer des Teichs und beobachtete die Enten und Karpfen, die im Wasser schwammen. Es war ein friedlicher Ort, an dem ich zur Ruhe kommen und neue Energie tanken konnte.

Ich entdeckte auch den Abeno Harukas, das höchste Gebäude Japans. Ich fuhr auf die Aussichtsplattform und genoss den atemberaubenden Blick über die Stadt. Von dort oben konnte man die ganze Weite von Osaka erkennen, die modernen Wolkenkratzer, die historischen Tempel und die grünen Parks. Es war ein beeindruckendes Erlebnis.

Ein Ausflug zum Osaka Aquarium Kaiyukan

Eines der Highlights meiner Zeit in Osaka war der Besuch des Osaka Aquarium Kaiyukan. Es ist eines der größten und beeindruckendsten Aquarien der Welt. Ich verbrachte Stunden damit, die verschiedenen Becken zu erkunden, von den farbenprächtigen Korallenriffen bis zu den riesigen Walhaien und Mantarochen. Ich war besonders beeindruckt vom Pazifikbecken, das ein riesiges, offenes Becken ist, in dem verschiedene Meeresbewohner frei schwimmen können. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt.

Es war ein Tag voller Wunder und Entdeckungen. Ich lernte viel über die faszinierende Unterwasserwelt und die Bedeutung des Schutzes der Meere. Ich ging mit einem Gefühl der Demut und Dankbarkeit nach Hause.

Die Wochen vergingen wie im Flug. Ich lernte die Kinder im Gemeindezentrum immer besser kennen, und ich konnte ihnen endlich helfen, ihre schulischen Leistungen zu verbessern. Ich freundete mich mit einigen der anderen Freiwilligen an, und wir unternahmen gemeinsam Ausflüge und erkundeten die Stadt. Osaka wurde für mich zu einem Zuhause, einem Ort, an dem ich mich wohl und geborgen fühlte. Und so ging ein weiteres Kapitel in meinem Leben zu Ende, voller Erfahrungen, Herausforderungen und unvergesslicher Momente, die mich für immer prägen würden.

Die letzten Wochen in Osaka sind wie im Flug vergangen. Es fühlt sich an, als wäre ich erst gestern aus dem Flugzeug gestiegen, überwältigt von der Hitze, dem Lärm und den ungewohnten Gerüchen. Aber gleichzeitig fühlt es sich an, als hätte ich hier ein ganzes Leben verbracht. Ich habe so viel gelernt, so viele tolle Menschen kennengelernt und so viele unvergessliche Erfahrungen gemacht.

Abschiednehmen vom Gemeindezentrum

Der Abschied vom Gemeindezentrum fiel mir besonders schwer. Die Kinder waren mir ans Herz gewachsen, und ich werde ihre kleinen Gesichter und ihre strahlenden Augen nie vergessen. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag, als ich mich noch unsicher und unbeholfen fühlte. Ich konnte kaum Japanisch sprechen und hatte Angst, etwas falsch zu machen. Aber die Kinder haben mir mit ihrer Offenheit und Neugier geholfen, mich schnell einzuleben. Sie haben mir meine Fehler verziehen und mich mit ihrer Lebensfreude angesteckt.

Ich werde nie vergessen, wie stolz ich war, als ein kleiner Junge, der früher große Schwierigkeiten mit Englisch hatte, plötzlich einen ganzen Satz auf Englisch sagen konnte. Oder als ein Mädchen, das früher sehr schüchtern war, plötzlich selbstbewusst eine Präsentation vor der Klasse gehalten hat. Diese kleinen Erfolge haben mir gezeigt, dass ich wirklich etwas bewirken kann, und dass meine Arbeit einen Sinn hat.

Die kleinen Dinge, die bleiben

Es sind nicht nur die großen Erlebnisse, die ich in Osaka in Erinnerung behalten werde, sondern auch die kleinen Dinge des Alltags. Der Duft von Ramen am Morgen, das bunte Treiben auf dem Kuromon Market, das leise Rauschen des Windes in den Tempelgärten, das Lachen meiner Freunde. Diese kleinen Momente haben Osaka zu einem besonderen Ort gemacht, und ich werde sie für immer in meinem Herzen tragen.

Osaka jenseits der Touristenpfade

Ich habe gelernt, dass Osaka mehr zu bieten hat als nur Dotonbori und Osaka Castle. Ich habe die versteckten Gassen von Shinsekai erkundet, die traditionellen Tempel von Tennoji besucht und die ruhige Atmosphäre der Parks genossen. Ich habe mich abseits der Touristenpfade verirrt und dabei so viele authentische und einzigartige Orte entdeckt.

Ein paar Tipps für deine Reise nach Osaka

Wenn du Osaka besuchst, möchte ich dir ein paar Tipps geben. Erstens: Probiere unbedingt das Essen. Osaka ist eine wahre Streetfood-Hochburg, und du solltest dich nicht scheuen, alles zu probieren, was dir vor die Nase kommt. Takoyaki, Okonomiyaki, Kushikatsu – du wirst es nicht bereuen. Zweitens: Verliere dich in den Vierteln der Stadt. Osaka hat viele verschiedene Gesichter, und du solltest dir die Zeit nehmen, sie alle kennenzulernen. Drittens: Sprich mit den Einheimischen. Die Menschen in Osaka sind sehr freundlich und hilfsbereit, und sie werden dir gerne Tipps geben und dir helfen, die Stadt zu erkunden.

Und viertens: Sei offen für neue Erfahrungen. Osaka ist eine Stadt, die dich überraschen wird, und du solltest dich darauf einlassen. Lass dich treiben, entdecke neue Orte und lerne neue Menschen kennen. Du wirst sehen, dass Osaka mehr zu bieten hat, als du dir vorstellen kannst.

Auf Wiedersehen, Osaka

Ich verlasse Osaka mit einem schweren Herzen, aber auch mit vielen schönen Erinnerungen und neuen Erfahrungen. Ich habe hier nicht nur gelernt, wie man Takoyaki zubereitet, sondern auch viel über mich selbst und über die Welt. Ich werde Osaka nie vergessen, und ich hoffe, dass ich eines Tages wieder zurückkehren kann.

    • Kuromon Market (Authentischer Markt mit vielen lokalen Spezialitäten)
    • Dotonbori (Buntes Unterhaltungsviertel)
    • Tennoji Park (Ruhiger Park mit Tempeln und Gärten)
    • Shinsekai (Viertel mit authentischem Flair und vielen kleinen Restaurants)
👤 Freiwillige (25) die in sozialen Projekten im Ausland mitarbeitet ✍️ beschreibend und detailliert