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Lanzarote: Sonnenbrand, Ziegen und der strategische Bankrott

Der Geruch von Sonnencreme, leicht verbranntem Plastik und einem Hauch von Verzweiflung hing in der Luft. Nicht die angenehmste Mischung, aber irgendwie definierte sie schon den Flughafen Lanzarote. Ich stand also da, mit meinem viel zu großen Rucksack, der gefühlt halb Spanien leergefegt hatte, und fragte mich, ob ich vielleicht doch hätte lieber nach Thailand fliegen sollen. Naja, zu spät jetzt.

Lanzarote oder die Kunst des strategischen Bankrotts

Also, warum Lanzarote? Gute Frage. Eigentlich war es eher so, dass mein Kontostand nach einem besonders intensiven Backpacking-Trip durch Portugal und Marokko ungefähr so aussah, als hätte er selbst mit einem Mini-Job Urlaub gemacht. Workaway-Plätze sind super, wirklich, aber "kostenlos" bedeutet meistens "du schrubbst Toiletten für deine Unterkunft". Und dann kam Lanzarote ins Spiel. Günstige Flüge, relativ preiswerte Hostels (wenn man Glück hat) und die Hoffnung, dass ich nicht komplett verhungern würde. Klingt romantisch, oder?

Der Plan (der garantiert schiefgehen würde)

Der Plan war eigentlich ganz simpel: Zwei Wochen Island-Hopping, gefolgt von einem längeren Workaway-Aufenthalt auf Lanzarote, um den Rest des Sommers zu überleben. Ich hatte mir vorgenommen, endlich mal wieder richtig zu entspannen, die vulkanische Landschaft zu erkunden und vielleicht sogar ein paar Surfstunden zu nehmen. Surfstunden… ich lach mich ja schlapp. Ich bin ungefähr so sportlich wie ein Faultier auf Valium. Aber hey, man darf ja träumen.

Der Flug war… nun ja, ein Flug. Enge Sitze, kreischende Kinder und ein älterer Herr, der unbedingt mit mir über seine Fußpilzerkrankung reden musste. Ich habe gelernt, dass man in solchen Situationen einfach nickt und so tut, als würde man zustimmen. Das erspart einem zumindest eine lange Erklärung.

Erste Eindrücke: Mondlandschaft und Touristenhorden

Als ich endlich aus dem Flughafen kam, wurde ich von einer Wand aus Hitze empfangen. Lanzarote ist nicht gerade für sein gemäßigtes Klima bekannt. Aber was noch beeindruckender war, war die Landschaft. Schwarz, karg, vulkanisch. Es sah aus, als wäre ich auf dem Mond gelandet. Und dann kamen die Touristen. Überall. Sie schoben sich durch die Straßen, bewaffnet mit Sonnenhüten, Sonnenbrillen und Kameras. Die waren alle auf der Jagd nach dem perfekten Instagram-Foto.

Ich hatte mir ein Hostel in Puerto del Carmen gebucht. Die erste Nacht war…interessant. Mein Schlafsaal-Nachbar schnarchte so laut, dass ich dachte, ein Elefant sei im Raum. Und dann gab es noch die Gruppe von betrunkenen Briten, die bis in die frühen Morgenstunden Karaoke gesungen haben. Ich habe beschlossen, dass ich Ohropax in Zukunft als Standardausrüstung betrachten werde.

Der Workaway-Deal

Mein Workaway-Platz befand sich in einem kleinen Öko-Bauernhof in der Nähe von Teguise. Ein älteres Ehepaar, Hans und Helga, hatte sich vor ein paar Jahren hierher zurückgezogen, um einen nachhaltigen Lebensstil zu führen. Klingt idyllisch, oder? Naja, idyllisch bis man feststellt, dass "nachhaltig" in diesem Fall bedeutete, dass man den ganzen Tag Unkraut jäten, Ziegen füttern und Tomaten ernten durfte. Aber hey, zumindest gab es frisches Gemüse und eine unglaubliche Aussicht.

Ich versuchte, mich an das langsame Lebenstempo zu gewöhnen. Morgens wachte ich mit dem Krähen der Hähne auf (was ehrlich gesagt ziemlich nervig war), trank einen Kaffee (der so stark war, dass er fast meine Venen verstopft hätte) und machte mich dann auf den Weg zur Arbeit. Hans und Helga waren zwar etwas exzentrisch, aber auch sehr freundlich und gastfreundlich. Sie haben mir viel über die lokale Kultur und die Geschichte der Insel erzählt.

Die ersten Tage waren hart. Meine Hände waren wund vom Unkrautjäten, mein Rücken schmerzte vom Bücken und meine Füße schmerzten vom Laufen. Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Ich wollte beweisen, dass ich auch ohne viel Geld und ohne luxuriöse Annehmlichkeiten eine gute Zeit haben kann.

Und dann, nach ein paar Tagen, fing ich an, die Insel wirklich zu lieben. Die vulkanische Landschaft, die leuchtenden Farben, die freundlichen Menschen, das einfache Leben. Es war alles so anders als das, was ich gewohnt war. Und genau das war es, was ich gesucht hatte.

Nach einer Woche auf dem Hof hatte ich das Gefühl, mich langsam einzuleben. Ich hatte eine Routine gefunden, neue Freunde kennengelernt und sogar angefangen, mich an den starken Wind zu gewöhnen. Jetzt ging es darum, die Insel zu erkunden und all die Sehenswürdigkeiten zu entdecken, die Lanzarote zu bieten hatte. Und vielleicht, ganz vielleicht, würde ich es ja doch noch schaffen, ein paar Surfstunden zu nehmen. Die nächsten Tage würden zeigen, ob mein Plan, Lanzarote ohne Bankrott zu überleben, auch wirklich funktionieren würde.

Timanfaya und die Kunst des Grillens mit Erdwärme

Also, der Timanfaya-Nationalpark. Wow. Das ist so eine von diesen Orten, wo man sich wirklich klein fühlt. Und heiß. Verdammt heiß. Ich hatte mir gedacht, ich schaue mir die vulkanische Landschaft an, mache ein paar Fotos und gehe dann wieder. Aber nein. Dort gab es eine Demonstration, bei der sie mit Erdwärme Essen gegrillt haben. Wirklich. Sie haben ein Loch in den Boden gebohrt, und plötzlich sprühte heißer Dampf heraus. Und dann haben sie Hähnchen daraufgelegt. Ich schwöre, das Hähnchen war in fünf Minuten gar. Und es schmeckte… nun ja, nach Hähnchen. Aber mit einem Hauch von Schwefel. Ich glaube, ich hätte lieber einen Döner gegessen.

Das ganze Ding war natürlich völlig überlaufen von Touristen. Jeder wollte ein Foto von sich selbst mit dem rauchenden Vulkan machen. Ich habe mich dann doch lieber etwas abseits in die bizarre Landschaft gewagt. Schwarze Lavafelder, rote Krater, und überall dieser seltsame Geruch. Es war irgendwie unheimlich, aber auch faszinierend.

Puerto Calero: Wenn Luxus und Verzweiflung sich die Hand geben

Nach dem Vulkan brauchte ich dringend etwas Abkühlung. Also bin ich nach Puerto Calero gefahren. Das ist so ein Yachthafen voller Luxusboote. Riesige, glänzende Yachten, die wahrscheinlich mehr wert waren als mein ganzes Leben. Ich fühlte mich, als wäre ich in einem falschen Film gelandet.

Ich bin dann am Hafen entlangspaziert und habe die Reichen und Schönen beobachtet, wie sie ihre Cocktails schlürften und ihre Sonnenbrillen polierten. Ich habe mich dann in einem kleinen Café niedergelassen und mir einen Espresso bestellt. Der war zwar total überteuert, aber wenigstens schmeckte er gut. Ich habe dann noch eine Stunde dort gesessen und die Leute beobachtet. Es war irgendwie unterhaltsam, aber auch deprimierend. Es hat mir gezeigt, wie groß die Kluft zwischen Arm und Reich sein kann.

Teguise: Marktlärm und Souvenir-Irrsinn

Eines meiner Highlights war der Markt in Teguise. Am Sonntag verwandelt sich die ganze Stadt in einen riesigen Trödelmarkt. Überall gab es Stände mit Souvenirs, Kleidung, Schmuck, Kunsthandwerk und Essen. Der Lärmpegel war unglaublich. Die Leute schrien, feilschten und drängelten sich durch die engen Gassen.

Ich habe versucht, mich durch die Menge zu kämpfen und ein paar Schnäppchen zu finden. Ich habe ein paar Postkarten, ein paar Magnete und ein T-Shirt gekauft. Alles total überteuert, aber egal. Es war ein lustiges Erlebnis. Ich habe dann noch einen lokalen Käse probiert und ein Glas Wein getrunken. Der Wein war zwar ziemlich stark, aber er hat mir geholfen, den Lärm und die Hektik zu ertragen.

Dabei habe ich dann auch festgestellt, dass ich fast pleite war. Der Workaway-Deal hatte zwar meine Unterkunft gesichert, aber die restlichen Ausgaben hatten mein Budget ganz schön strapaziert. Ich musste dringend einen Plan schmieden, um mein Geld zu sparen. Vielleicht sollte ich anfangen, Unkraut zu verkaufen?

Aber trotz allem war Lanzarote ein unglaubliches Erlebnis. Eine bizarre, faszinierende Insel mit einer einzigartigen Landschaft und freundlichen Menschen. Ich hatte viel gelernt, viel erlebt und viel gelacht. Und ich hatte bewiesen, dass man auch mit wenig Geld und viel Optimismus eine gute Zeit haben kann. Jetzt blieb nur noch die Frage, ob ich es schaffen würde, bis zum Ende meines Aufenthalts über die Runden zu kommen, und ob ich diesen Bericht überhaupt noch zu Ende schreiben würde.

Also, wo soll ich anfangen? Vielleicht damit, dass ich dringend einen neuen Sonnenhut brauche. Mein alter sieht aus, als hätte er einen Krieg überlebt. Und ich habe definitiv zu viel Zeit damit verbracht, zu überlegen, ob Ziegen wirklich so intelligente Tiere sind, wie sie tun. Ich meine, sie starren einen an, als wüssten sie genau, dass man gerade versucht, sie auf einem Foto festzuhalten und dass man dabei total ungeschickt aussieht.

Der große Kosten-Nutzen-Rechnung

Nach zwei Wochen Lanzarote muss ich sagen: es war… interessant. Nicht unbedingt das Paradies, das ich mir vorgestellt hatte, aber auch nicht die Katastrophe, die ich befürchtet hatte. Ich habe gelernt, dass man mit wenig Geld viel erleben kann, wenn man bereit ist, auf ein paar Annehmlichkeiten zu verzichten. Und dass Ziegen wirklich faszinierende Tiere sind. Ich habe zwar immer noch nicht herausgefunden, warum sie so gerne an meinen Hosen knabbern, aber ich habe mich damit abgefunden. Der Workaway-Deal hat mich definitiv gerettet. Hans und Helga waren zwar etwas exzentrisch, aber sie haben mir ein Dach über dem Kopf und frisches Gemüse geboten. Und ich konnte meine Toiletten-Schrubb-Skills perfektionieren.

Die Erkenntnisse eines pleite Reisenden

Was habe ich gelernt? Nun, ich habe gelernt, dass man nicht unbedingt teure Hotels und Luxusrestaurants braucht, um eine gute Zeit zu haben. Man kann auch in einem Hostel übernachten, auf dem Markt einkaufen und sich selbst ein Essen kochen. Ich habe gelernt, dass man nicht jeden Tag aufs Neue versuchen muss, perfekt auszusehen. Man kann auch einfach so sein, wie man ist, mit all seinen Macken und Schrulligkeiten. Und ich habe gelernt, dass man nicht alles kontrollieren kann. Manchmal muss man einfach loslassen und sich treiben lassen.

Ich habe auch festgestellt, dass Lanzarote eine Insel der Kontraste ist. Auf der einen Seite gibt es die bizarre, vulkanische Landschaft, die an eine andere Welt erinnert. Auf der anderen Seite gibt es die touristischen Orte, die voll sind mit Menschen und Geschäften. Und dann gibt es die kleinen, versteckten Orte, die noch authentisch und ursprünglichen sind. Es ist eine Insel, die einem viel zu bieten hat, wenn man bereit ist, sie zu entdecken.

Die Top 3 Pleite-Reise-Tipps für Lanzarote

Okay, hier sind meine Top 3 Tipps für alle, die Lanzarote mit einem kleinen Budget bereisen möchten:
  1. Nutzt Workaway oder andere Freiwilligenprogramme. Das ist die beste Möglichkeit, um Unterkunft und Verpflegung zu sparen.
  2. Kocht selbst. Die Supermärkte auf Lanzarote sind gut sortiert und die Preise sind angemessen.
  3. Erkundet die Insel mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Das ist nicht nur günstiger, sondern auch umweltfreundlicher.

Und noch ein Tipp: Nehmt genügend Sonnencreme mit. Die Sonne auf Lanzarote ist gnadenlos.

Abschied vom Vulkan

So, das war’s dann wohl. Mein Lanzarote-Abenteuer ist zu Ende. Ich bin zwar immer noch nicht reich, aber ich bin um eine Erfahrung reicher. Und ich habe gelernt, dass man auch mit wenig Geld glücklich sein kann. Ich werde Lanzarote in guter Erinnerung behalten. Als die Insel der Ziegen, des Vulkans und des strategischen Bankrotts. Und wer weiß, vielleicht komme ich ja irgendwann wieder. Aber dann bringe ich einen besseren Sonnenhut mit.

    • Timanfaya-Nationalpark
    • Playa Blanca (habe ich zwar nicht besucht, aber gehört, dass sie schön ist)
    • Teguise (Markt)
👤 Budget-Reisende (20) die Backpacking und Workaways kombiniert ✍️ sarkastisch und ironisch