Asien - Malaysia - Malakka

Malakka mit Husten und Glücksmomenten

Der Geruch von frittiertem Essen und Motorenöl hing in der Luft, vermischt mit einer feuchten Süße, die ich nicht sofort zuordnen konnte. Wir standen also da, am Flughafen von Malakka, mitten in der Rushhour, offensichtlich am falschen Ausgang. Mein Mann, Jürgen, versuchte, sich mit der sehr begrenzten Englischkenntnis der Einheimischen zu verständigen, während ich verzweifelt nach einem Schild suchte, das uns den Weg zu unserem Hotel wies. Eigentlich wollten wir ja erst mal ein bisschen entspannen, aber das Konzept von „reibungsloser Ankunft“ schien hierzulande anders definiert zu sein.

Warum Malakka? Eine spontane Idee

Die Idee nach Malakka war eher ein Zufallsprodukt. Wir hatten schon lange von einer Asienreise geträumt, aber irgendwie immer alles aufgeschoben. „Irgendwann…“, sagten wir immer. Irgendwann kamen dann die grauen Haare, die ersten Knieschmerzen und das Gefühl, dass „irgendwann“ vielleicht doch nie kommt. Also haben wir kurzerhand zwei Tickets gebucht. Malakka schien uns ein guter Kompromiss: nicht zu touristisch, nicht zu abgelegen, und mit einer interessanten Geschichte. Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten und wollten nicht gleich im Dschungel verschwinden. Jürgen ist der Geschichtsfuchs unter uns, also mussten wir unbedingt die Spuren der verschiedenen Kolonialmächte erkunden. Ich wiederum brauche gutes Essen und die Möglichkeit, ein bisschen zu shoppen. Malakka versprach beides.

Erste Orientierung

Nach etwa einer halben Stunde und einigen missverständlichen Gesten hatten wir dann doch endlich den richtigen Ausgang gefunden. Ein kleiner, abgewrackter Bus brachte uns für umgerechnet zwei Euro in die Stadt. Die Fahrt war…interessant. Der Fahrer schien ein persönlicher Freund jedes einzelnen Fußgängers, jedes Motorradfahrers und jedes anderen Verkehrsteilnehmers. Hupen waren nicht nur ein Warnsignal, sondern ein Gruß, eine Entschuldigung und eine Lebensphilosophie. Jürgen kommentierte grinsend, dass wir in Deutschland dafür wahrscheinlich lebenslänglich bekommen hätten.

Unser Hotel, das „The River Museum“, war eine nette Überraschung. Ein umgebautes Herrenhaus direkt am Fluss Malakka. Nicht luxuriös, aber charmant und mit einem kleinen Garten. Die Besitzerin, eine freundliche Dame namens Lily, begrüßte uns mit einem Glas eiskalten Fruchtsaft und einer Flut von Informationen.

Der erste Spaziergang

Nach dem Einchecken machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Malakka ist eine seltsame Mischung aus Kulturen. Chinesische Tempel stehen neben moslemischen Moscheen und portugiesischen Festungen. Überall sind bunte Geschäfte, Straßenhändler und Essensstände. Wir waren sofort gefangen.

Die Jonker Street, die Hauptstraße der Altstadt, war ein einziges Chaos. Menschenmassen schoben sich durch die engen Gassen, während Verkäufer ihre Waren anpriesen. Wir probierten verschiedene Streetfood-Spezialitäten: Nudelsuppen, gegrillte Satay-Spieße, und eine seltsame Süßspeise, die nach Kokos und Glücksmomenten schmeckte. Jürgen war ganz begeistert von den historischen Gebäuden, während ich mich mehr für die kleinen Läden mit Antiquitäten und Textilien interessierte.


Wir entdeckten die Stadthuys, das ehemalige Rathaus aus der Zeit der niederländischen Kolonialherrschaft, die Christ Church, eine anglikanische Kirche, und die St. Paul’s Church, eine Ruine, die von den Portugiesen erbaut wurde. Überall spürte man die Geschichte, die in diesen Mauern steckt.

Am Abend setzten wir uns in ein kleines Restaurant am Fluss und aßen frischen Fisch. Die Lichter der Stadt spiegelten sich im Wasser, und die Luft war erfüllt von Musik und Gelächter. Es war ein perfekter Moment.

Aber so ganz perfekt war es doch nicht. Jürgen hatte nämlich schon eine Erkältung im Flug bekommen, und nun begann er zu husten und zu niesen. Das versprach, eine interessante Reise zu werden.

Trotzdem waren wir uns einig: Malakka hatte uns in seinen Bann gezogen. Und wir waren gespannt darauf, was die nächsten Tage bringen würden, denn die Stadt hatte noch viele Geheimnisse für uns parat.

Jürgens Husten und die Baba Nyonya

Jürgens Husten wurde tatsächlich zum Running Gag. Nicht, dass er sich beschwerte, nein, er kommentierte jede Sehenswürdigkeit mit einem theatralischen Husten, als wollte er der Geschichte noch mehr Würze verleihen. Manchmal fragte ich mich, ob er das nicht ein bisschen genoss. Aber gut, jeder hat so seine Macken.

Durch die Gassen von Kampung Kling

Am nächsten Tag erkundeten wir Kampung Kling, ein Viertel, das für seine religiöse Vielfalt bekannt ist. Dort stehen eine Moschee, ein Hindu-Tempel, eine chinesische Tempel und eine Kirche nebeneinander – ein wirklich faszinierender Anblick. Wir besuchten die Cheng Hoon Teng Tempel, die älteste chinesische Tempel in Malaysia. Die filigrane Holzschnitzerei und die bunten Drachen waren beeindruckend. Jürgen hustete, während er die Räucherstäbchen bewunderte. Ich versuchte, die verschiedenen Gottheiten zu identifizieren, aber gab bald auf. Dafür entdeckte ich einen kleinen Laden mit wunderschönen Seidentüchern. Natürlich musste ich eines kaufen. Und noch eines. Und noch eines…

Auf dem Weg zurück zum Hotel wurden wir von einem Regenschauer überrascht. Wir suchten Schutz unter einem Vordach und teilten uns eine Tüte mit gebratenen Bananen. Das war ein Glücksmoment, so einfach und schön. Jürgen hustete leicht, aber lächelte trotzdem.

Ein kulinarisches Abenteuer in Jonker Walk

Jonker Walk am Abend ist ein einziges Spektakel. Die Straße verwandelt sich in einen riesigen Nachtmarkt mit unzähligen Essensständen. Wir probierten alles, was uns in die Hände fiel: Chicken Rice Balls, Durian (das roch eher nach verfaulten Socken, aber Jürgen war mutig genug, es zu probieren), und eine Art süße Reispudding, der an Mamas Küche erinnerte.

Ich bestellte mir einen frisch gepressten Mangosaft, der leider etwas zu viel Eis enthielt. Jürgen, der gerade einen scharfen Laksa-Suppe löffelte, grinste und sagte: „Na, jetzt bist du diejenige, die hustet!“ Er hatte ja recht. Mein Hals war sofort eiskalt.

Ein Missverständnis im Antiquitätenladen

Am nächsten Morgen schlenderten wir durch einen kleinen Antiquitätenladen. Ich entdeckte eine wunderschöne Porzellanvase und fragte nach dem Preis. Der Verkäufer, ein älterer Mann mit freundlichem Gesicht, antwortete auf Chinesisch. Ich verstand kein Wort. Jürgen versuchte sich als Übersetzer, aber sein Chinesisch beschränkte sich auf „Ni hao“ und „Xie xie“. Es entwickelte sich eine pantomimische Verhandlung, bei der wir beide wild gestikulierten und Zahlen in die Luft schrieben. Am Ende einigten wir uns auf einen Preis, der wahrscheinlich viel zu hoch war, aber egal. Die Vase war wunderschön, und die Geschichte dahinter war unbezahlbar.

Als wir den Laden verließen, stellte ich fest, dass Jürgen eine winzige Buddha-Statue in der Tasche versteckt hatte. „Das ist mein Glücksbringer“, erklärte er grinsend. „Ich brauche dringend einen, um diesen Husten loszuwerden.“

Malakka hatte uns in seinen Bann gezogen, mit seinen Farben, Gerüchen und Geschmäckern. Es war eine Reise voller kleiner Abenteuer, Missverständnisse und Glücksmomente – und mit einem Mann, der hartnäckig hustete, aber trotzdem immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. Die Mischung aus Kulturen, das leckere Essen und die freundlichen Menschen hatten uns verzaubert, und so wussten wir, dass diese Reise noch lange in unserer Erinnerung bleiben würde.

Der letzte Morgen in Malakka war seltsam ruhig. Jürgen, der immer noch leicht hustete, saß auf dem Balkon und trank seinen Kaffee. Ich schaute ihm zu und dachte, dass er aussah wie ein alter Seebär, der gerade von einer stürmischen Reise zurückgekehrt war. Nur dass unser Sturm aus Feuchtigkeit, Curry und gelegentlichen Hupkonzerten bestand.

Rückblick auf eine bunte Stadt

Malakka ist nicht perfekt. Es ist heiß, feucht und manchmal chaotisch. Aber genau das macht es so liebenswert. Die Stadt ist eine Mischung aus Kulturen, Geschichten und Aromen, die einen sofort in ihren Bann zieht. Wir haben uns verirrt in den engen Gassen, haben neue Geschmacksrichtungen entdeckt und haben Menschen kennengelernt, die uns mit ihrer Freundlichkeit berührt haben.

Jürgen, der Geschichtsfuchs, war in seinem Element. Er hat jede Festung, jede Kirche und jedes Museum erkundet und uns mit seinem Wissen begeistert. Ich, die Shopping-Queen, habe mich in den kleinen Läden mit Antiquitäten und Textilien wohlgefühlt und meine Koffer mit Souvenirs gefüllt. Und natürlich haben wir viel gegessen. Chicken Rice Balls, Satay-Spieße, Durian – wir haben alles probiert, was uns in die Hände fiel.

Die kleinen Glücksmomente

Es waren nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die uns am meisten in Erinnerung bleiben werden. Es waren die kleinen Glücksmomente: das Lachen der Einheimischen, der Duft von frischem Curry, das Gefühl von Regen auf der Haut, das gemeinsame Entdecken einer versteckten Gasse. Und natürlich Jürgens Husten, der uns immer wieder zum Lachen gebracht hat.

Ein paar Tipps für eure Reise

Wenn ihr Malakka besuchen möchtet, hier ein paar Tipps:

  • Packt leichte Kleidung ein. Es ist heiß und feucht in Malakka, also solltet ihr Kleidung aus atmungsaktiven Materialien einpacken.
  • Probiert das Streetfood. Malakka ist ein Paradies für Streetfood-Liebhaber. Lasst euch nicht scheuen, neue Geschmacksrichtungen zu entdecken.
  • Verliert euch in den Gassen. Die Altstadt von Malakka ist ein Labyrinth aus engen Gassen. Verliert euch einfach und entdeckt versteckte Schätze.
  • Seid offen für neue Kulturen. Malakka ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Seid offen für neue Erfahrungen und lasst euch von der Vielfalt der Stadt inspirieren.

Fazit

Malakka war eine Reise voller Überraschungen, Glücksmomente und Jürgens Husten. Wir sind mit vielen schönen Erinnerungen und einem Koffer voller Souvenirs nach Hause gefahren. Und wir sind uns sicher, dass wir eines Tages wiederkommen werden. Vielleicht mit einem größeren Koffer und einem Hustensaft für Jürgen.

    • Jonker Street
    • Stadthuys
    • Cheng Hoon Teng Tempel
    • Kampung Kling
👤 Paar Mitte 50, kulturinteressiert und genussorientiert ✍️ humorvoll und ironisch