Asien - Indonesien - Jakarta

Reisebericht Asien - Indonesien - Jakarta

Der Geruch von frittiertem irgendwas hing schwer in der Luft, vermischt mit Abgasen und einer süßlichen Note, die ich nicht einordnen konnte. Irgendwie roch Jakarta nach Abenteuer, und ehrlich gesagt, auch ein bisschen nach Chaos. Ich stand also da, am Flughafen Soekarno-Hatta, umgeben von einem wimmelnden Menschenmeer, meinem viel zu schweren Rucksack auf dem Rücken und dem leisen Gefühl, dass ich vielleicht doch nicht die allerbeste Idee der Welt hatte.

Eine Idee und tausend Zweifel

Okay, das mit der „Selbstfindungstour“ war vielleicht ein bisschen kitschig formuliert, als ich meiner besten Freundin Sarah erklärt hatte, warum ich gerade meinen Job kündige und nach Asien fliege. Aber was soll ich sagen? Die Vierzig war da, und mit ihr eine leichte Panik, dass das Leben an mir vorbeizieht, ohne dass ich wirklich gelebt habe. Ich hatte jahrelang brav meine Karriere gemacht, die Wohnung renoviert und mir am Wochenende neue Deko-Kissen gekauft. Alles sehr ordentlich, alles sehr sicher. Und dann, eines Tages, dieser unbändige Drang, einfach mal was Verrücktes zu machen. Etwas, das mich aus meiner Komfortzone reißt und mich dazu zwingt, mich selbst neu zu definieren. Sarah hatte zwar genervt gefragt, ob ich nicht einfach erst mal einen Wochenendtrip nach Sylt machen könnte. Aber ich bestand drauf. Asien! Indonesien! Jakarta! Irgendwie klang das exotisch genug, um meine inneren Dämonen zu besiegen. Oder zumindest, um sie für ein paar Wochen zu ignorieren.

Der erste Kulturschock

Der Weg vom Flughafen in die Stadt war…interessant. Ich hatte mir in meiner Wohnung noch ein Bild von friedlichen Reisfeldern und mystischen Tempeln ausgemalt. Die Realität sah eher nach einem permanenten Stau mit Millionen Motorrollern und Bussen aus, die gefühlt alle gleichzeitig hupen. Und die Motorroller! Die fuhren einfach *überall*. Auf den Gehwegen, zwischen den Autos hindurch, manchmal sogar, wenn man gerade versuchte, die Straße zu überqueren. Ich fühlte mich, als wäre ich in einem Videospiel gelandet, in dem die Regeln komplett anders sind. Mein Hotel, das ich online gebucht hatte, lag in einem belebten Viertel, und ich brauchte eine gefühlte Ewigkeit, um es zu finden. Die Gassen waren eng, voller Marktstände, die alles Mögliche anboten – von frischen Mangos über bunte Stoffe bis hin zu lebenden Hühnern. Der Lärmpegel war enorm, und ich fühlte mich ziemlich überfordert. Ich bin ja nicht zimperlich, aber ich musste kurz durchatmen, als ein Hühnchen mir fast ins Bein sprang.

Ein bisschen verloren, aber nicht verzweifelt

Ich checkte ein und stellte fest, dass mein Zimmer zwar klein, aber sauber und zweckmäßig war. Und das Wichtigste: Es gab eine funktionierende Klimaanlage. Ich war klitschnass vom Schwitzen und brauchte dringend eine Dusche. Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, wagte ich mich vorsichtig wieder nach draußen. Ich wollte unbedingt etwas essen und das lokale Leben aufsaugen. Ich landete in einem kleinen Warung, einer Art Imbissstand, und bestellte Nasi Goreng, gebratener Reis. Es roch unglaublich lecker und schmeckte noch besser. Ich saß an einem kleinen Plastiktisch, umgeben von Einheimischen, und versuchte, mich mit Händen und Füßen zu verständigen. Es war anstrengend, aber auch unglaublich befreiend. Ich merkte, dass ich nicht mehr die gestresste, überforderte Frau war, die am Flughafen ausgestiegen war. Ich entspannte mich langsam und begann, die Atmosphäre zu genießen. Das Chaos, der Lärm, die Gerüche – alles gehörte dazu. Es war anders, es war ungewohnt, aber es war auch aufregend. Und ich hatte das Gefühl, dass ich hier nicht nur ein neues Land, sondern auch mich selbst neu entdecken würde. Ich wusste, dass die nächsten Wochen voller Herausforderungen sein würden, aber ich war bereit, sie anzunehmen. Denn ich hatte das Gefühl, dass ich am Anfang von etwas Großem stand. Und das allein war schon genug, um mich glücklich zu machen. Ich glaube, ich habe noch einiges vor, hier in Jakarta, und ich bin gespannt, wo mich diese Reise noch hinführen wird.

Kota Tua – Eine Reise in die Vergangenheit (und meine unbeholfene Gegenwart)

Am nächsten Tag beschloss ich, mich in die Altstadt von Jakarta, Kota Tua, zu wagen. Ich hatte Bilder von wunderschönen niederländischen Kolonialbauten gesehen und freute mich darauf, ein bisschen Geschichte zu schnuppern. Die Realität war…anders. Die Gebäude waren zwar beeindruckend, aber auch ziemlich heruntergekommen. Überall waren Touristen unterwegs, die um die besten Fotomotive kämpften, und Verkäufer, die versuchten, mir irgendwelche Souvenirs anzudrehen. Ich hatte mich vorgenommen, das Museum Fatahillah zu besichtigen, aber irgendwie schaffte ich es, mich im Labyrinth der Gassen zu verirren. Ich fragte eine ältere Dame nach dem Weg, aber sie sprach kein Englisch und ich kein Indonesisch. Wir versuchten uns gegenseitig mit Gesten zu erklären, was zu einer ziemlich amüsanten Vorstellung führte. Irgendwann gab sie auf und zeigte einfach in eine beliebige Richtung. Ich folgte ihrem Rat und landete schließlich vor einem Laden, der ausschließlich Puppen verkaufte. Puppen! Ich hatte gehofft, historische Artefakte zu sehen, aber stattdessen umgab mich eine Armee von Plastikbabys. Ich lachte so sehr, dass mir fast die Tränen kamen.

Ein bisschen Kultur, ein bisschen Chaos in Glodok

Nachdem ich mich von den Puppen erholt hatte, beschloss ich, das chinesische Viertel Glodok zu erkunden. Ich hatte gehört, dass es dort unglaublich gute chinesische Küche und bunte Märkte geben sollte. Und das stimmte! Die Straßen waren voller Menschen, die feilschen, essen und sich unterhalten. Überall duftete es nach exotischen Gewürzen und frischem Essen. Ich wagte mich in einen kleinen Dim Sum-Laden und bestellte eine Auswahl an verschiedenen Teigtaschen. Es war unglaublich lecker! Ich versuchte, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen, aber mein Indonesisch war leider noch sehr rudimentär. Ich schaffte es, ein paar Worte auszutauschen und ein paar freundliche Blicke zu ernten. Ich kaufte auf dem Markt ein paar bunte Seidentücher und einen kleinen Buddha aus Holz. Ich hatte zwar keine Ahnung, was ich mit dem Buddha anfangen sollte, aber er sah einfach zu niedlich aus, um ihn stehen zu lassen.

Monas – Der Blick über die Stadt (und meine Höhenangst)

Am nächsten Tag stand der Monas, das Nationalmonument, auf meinem Programm. Ich hatte mir sagen lassen, dass man von der Spitze einen atemberaubenden Blick über die ganze Stadt hat. Ich bin zwar nicht die größte Freundin von Höhen, aber ich dachte, ich könnte das für einen guten Ausblick überwinden. Falsch gedacht. Als ich in der Warteschlange stand, um den Aufzug zur Spitze zu nehmen, bekam ich plötzlich schwindrige Beine. Ich versuchte, mich abzulenken, indem ich die anderen Touristen beobachtete, aber es half nichts. Je höher wir stiegen, desto schlimmer wurde es. Als wir schließlich oben angekommen waren, wagte ich mich nur zögerlich an das Fenster. Der Blick war zwar beeindruckend, aber ich war zu sehr damit beschäftigt, mich festzukrallen, um ihn richtig genießen zu können. Ich verbrachte nur wenige Minuten oben und beeilte mich dann wieder nach unten. Ich glaube, ich bleibe lieber mit den Füßen auf dem Boden. Trotz meiner Höhenangst und all den kleinen Pannen hatte ich eine wundervolle Zeit in Jakarta. Ich hatte viel gelernt, viel gesehen und viel gelacht. Und ich hatte das Gefühl, dass ich einen Schritt näher an mir selbst war. Ich hatte noch viele Fragen offen, aber ich war bereit, sie auf meiner weiteren Reise zu beantworten. Jetzt, wo ich mich schon etwas eingelebt hatte, spürte ich, dass meine Selbstfindungstour erst richtig begonnen hatte.

Ich saß gerade in einem kleinen Café in Menteng, nippte an einem viel zu süßen Eistee und versuchte, die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Jakarta hatte mich definitiv überrascht. Es war nicht das Paradies, das ich mir vorgestellt hatte, aber es war auch nicht die Hölle, vor der ich mich gefürchtet hatte. Es war einfach… Jakarta. Eine Stadt voller Kontraste, voller Lärm, voller Leben und voller Menschen, die ihr Bestes geben, um irgendwie ihren Alltag zu meistern.

Was ich gelernt habe (und was nicht)

Ich hatte gehofft, in Jakarta die Antwort auf alle meine Lebensfragen zu finden. Klingt kitschig, ich weiß. Aber mal ehrlich, wer reist schon nicht mit irgendeiner Art von Erwartungshaltung? Nun, ich muss zugeben, dass ich keine magische Formel für ein glückliches Leben entdeckt habe. Aber ich habe gelernt, dass es okay ist, nicht alles zu wissen. Dass es okay ist, sich zu verlieren, um sich selbst wiederzufinden. Und dass es manchmal einfach gut tut, sich treiben zu lassen und den Moment zu genießen.

Ich habe auch gelernt, dass meine Deutschkenntnisse in Indonesien nicht besonders hilfreich sind. Ich hatte gehofft, zumindest ein paar grundlegende Sätze auf Indonesisch zu lernen, aber ich scheitere kläglich daran, die Aussprache einiger Wörter zu beherrschen. Ich habe schon so einige peinliche Situationen erlebt, in denen ich versucht habe, mich mit Händen und Füßen zu verständigen. Aber hey, immerhin sorgt das für ein paar lustige Geschichten.

Meine kleinen Jakarta-Empfehlungen

Wenn du vorhast, nach Jakarta zu reisen, hier ein paar Tipps von mir:

  • Sei offen für Neues: Jakarta ist eine Stadt, die dich herausfordert. Sei bereit, dich auf das Chaos einzulassen und dich von der Kultur überraschen zu lassen.
  • Probiere das Essen: Die indonesische Küche ist unglaublich lecker und vielfältig. Wag dich aus deiner Komfortzone und probiere neue Gerichte. Du wirst es nicht bereuen.
  • Lerne ein paar grundlegende Sätze auf Indonesisch: Es wird dir helfen, dich mit den Einheimischen zu verständigen und ihre Gastfreundschaft zu erleben.
  • Verhandle Preise: Auf den Märkten und in den kleinen Läden ist es üblich, zu verhandeln. Scheu dich nicht, um einen besseren Preis zu bitten.
  • Sei geduldig: Jakarta ist eine chaotische Stadt. Sei geduldig mit dir selbst und mit den anderen. Es wird nicht immer alles reibungslos laufen.

Ich bin froh, dass ich den Sprung gewagt und nach Jakarta gereist bin. Es war eine unvergessliche Erfahrung, die mich verändert hat. Ich habe gelernt, dass das Glück nicht darin besteht, das perfekte Leben zu führen, sondern darin, das Leben mit all seinen Fehlern und Unvollkommenheiten zu akzeptieren. Und das ist eine Lektion, die ich für immer mitnehmen werde.

Jetzt geht es weiter nach Bali. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet. Aber egal was passiert, ich bin bereit für das Abenteuer.

    👤 Junges Paar (Anfang 20) das romantische Städte und Strände erkunden möchte ✍️ sozial und engagiert