Nordamerika - Bahamas - Exumas

Salzige Füße und Schweineglück: Ein Familienurlaub auf den Exumas

Die salzige Luft hat uns schon am Flughafen von Nassau empfangen, bevor wir überhaupt aus dem Flugzeug gestiegen waren. Nicht so ein feuchter, tropischer Dunst, eher trocken und herb. Meine Tochter, die kleine Emma, hat sofort angefangen zu husten, der Ältere, Leon, hat nur gelangweilt die Augen verdreht. Ich hab’s ihm nicht übelgenommen, die Reise war lang. Wir waren fast 24 Stunden unterwegs, mit zwei Zwischenstopps. Aber endlich waren wir da, auf den Bahamas.

Ein bisschen Hintergrund

Wir sind keine Luxus-Reisende, das muss man erstmal sagen. Mein Mann, Thomas, und ich arbeiten beide Vollzeit, und das Geld wächst uns nicht auf den Bäumen. Wir wollen unseren Kindern aber trotzdem die Welt zeigen, und das geht eben am besten mit ein bisschen Kreativität. Also heißt es: Camping, Ferienwohnungen, Selbstversorgung. Und dieses Jahr hatten wir uns für die Exumas entschieden. Die Idee kam mir eigentlich zufällig. Ich war auf der Suche nach einem Ziel, das nicht zu überlaufen ist, wo man noch ein bisschen Natur findet, und wo es nicht gleich den Geldbeutel sprengt. Die Exumas schienen genau das Richtige zu sein. Eine Kette von kleinen Inseln, bekannt für ihre türkisfarbenen Gewässer und die berühmten schwimmenden Schweine. Ja, das mit den Schweinen war natürlich auch ein Argument für Leon.

Die erste Unterkunft

Der Transfer vom Flughafen zur Fähre war schon mal ein kleines Abenteuer. Ein alter, klappriger Minivan, der gefühlt mehr Rost als Lack hatte, brachte uns zum Fährterminal. Auf dem Weg dorthin bekamen wir einen ersten Eindruck von Nassau: bunte Häuser, überall Palmen, und eine gewisse Gelassenheit, die uns sofort entgegenströmte. Die Fähre war dann überraschend modern und komfortabel. Wir hatten eine kleine Ferienwohnung auf Great Exuma gebucht, etwas abseits vom Touristenrummel. Als wir ankamen, war die Unterkunft einfacher, als auf den Fotos, aber sauber und zweckmäßig. Eine kleine Küche, zwei Schlafzimmer, und eine Terrasse mit Blick auf den Garten. Perfekt für uns.

Erste Eindrücke

Die ersten Tage waren geprägt vom Entdecken. Wir sind viel mit dem gemieteten Jeep unterwegs gewesen, haben kleine Buchten erkundet, und einfach die Landschaft genossen. Die Strände sind wirklich so schön, wie man sie sich vorstellt: weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, und Palmen, die im Wind rauschen. Emma hat sofort angefangen, Muscheln zu sammeln, Leon hat sich direkt ins Wasser gestürzt. Was uns aber am meisten beeindruckt hat, ist die Ruhe. Im Vergleich zu anderen Karibikinseln ist hier noch viel Natur und wenig Massentourismus. Wir haben kaum andere Touristen getroffen, und konnten die Strände oft ganz für uns alleine haben. Es ist ein bisschen so, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Die Suche nach den Schweinen

Natürlich durfte ein Besuch der berühmten Schweine nicht fehlen. Wir haben eine Bootstour gebucht, die uns zu den Inseln brachte, auf denen die Tiere leben. Das war schon ein Erlebnis. Die Schweine sind gar nicht scheu, und kommen direkt ans Boot, um Futter zu bekommen. Emma war ganz begeistert, Leon eher amüsiert. Aber auch ich muss sagen, es war schon etwas Besonderes, diese Tiere aus nächster Nähe zu sehen. Allerdings war es auch etwas touristisch, und die Inseln waren ziemlich überlaufen. Aber das hat uns nicht wirklich gestört, wir hatten ja noch genug Zeit, um die anderen Inseln zu erkunden. Und das haben wir auch getan. Wir sind geschnorchelt, haben Kajak gefahren, und einfach die Seele baumeln lassen. Es war genau das, was wir uns von diesem Urlaub erhofft hatten.
Die nächsten Tage wollen wir uns vor allem auf die kleineren Inseln konzentrieren, die noch etwas abseits der Touristenpfade liegen und hoffen, dort ein noch authentischeres Bahamas-Erlebnis zu finden.

Abseits der Pfade

Nach den Schweinen wollten wir etwas mehr Abgeschiedenheit. Great Exuma ist zwar wunderschön, aber es gibt doch einige Hotspots, an denen sich die Touristenmassen tummeln. Also beschlossen wir, einen Tagesausflug auf die Insel Staniel Cay zu machen. Die Fähre war zwar etwas wackelig, aber die Fahrt selbst war ein Erlebnis. Vorbei an kleinen, unbewohnten Inseln, türkisfarbenem Wasser, und mit etwas Glück konnte man sogar Delfine sehen. Staniel Cay ist winzig, aber charmant. Ein kleiner Yachthafen, ein paar Restaurants, und eine Handvoll Geschäfte. Aber das Besondere an Staniel Cay ist die „Thunderball Grotto“, eine Unterwasserhöhle, die in einigen James Bond Filmen zu sehen war. Wir haben eine Bootstour gebucht, die uns dorthin gebracht hat. Das Schnorcheln in der Grotte war unglaublich. Das Wasser war kristallklar, und die Sonnenstrahlen, die durch die Öffnung in der Decke fielen, erzeugten ein faszinierendes Lichtspiel. Emma war zwar anfangs etwas ängstlich, aber dann war auch sie begeistert. Leon hat sich wie ein kleiner James Bond gefühlt.

Ein bisschen Chaos in Georgetown

Ein Tag führte uns nach Georgetown, der Hauptstadt von Exuma. Ehrlich gesagt, war Georgetown etwas chaotisch. Enge Straßen, viele Autos, und überall Menschen. Wir wollten eigentlich nur ein paar Lebensmittel und Souvenirs kaufen, aber das war gar nicht so einfach. Die Supermärkte waren klein und überfüllt, und die Souvenirläden boten meistens die gleichen Artikel an. Was uns aber an Georgetown gefallen hat, ist der Straw Market. Dort verkaufen die Einheimischen handgefertigte Waren aus Stroh, Holz und Muscheln. Emma hat sich eine kleine Strohtasche gekauft, und Leon einen geschnitzten Holzfisch. Ich habe versucht, zu feilschen, aber ich war nicht sehr erfolgreich. Die Verkäufer waren freundlich, aber hartnäckig. Am Ende haben wir ein paar Dinge gekauft, die uns gefallen haben, und sind wieder abgefahren.

Der ruhige Strand von Coco Plum Beach

Was uns aber am besten gefallen hat, ist der Strand von Coco Plum Beach. Dieser Strand liegt etwas abseits von Georgetown und ist viel ruhiger und entspannter. Der Sand ist weiß und fein, das Wasser kristallklar, und es gibt viele Palmen, die Schatten spenden. Wir haben den ganzen Tag dort verbracht, mit Schwimmen, Sonnenbaden und Muscheln sammeln. Es gab nur ein kleines Problem: Die Sandfliegen. Diese kleinen Biester haben uns regelrecht gestochen. Wir hatten zwar Mückenspray dabei, aber das hat nicht viel geholfen. Emma hat angefangen zu weinen, und auch ich war genervt. Thomas hat dann versucht, ein Feuer mit ein paar Blättern und Zweigen zu machen, um die Fliegen zu vertreiben. Das hat zwar nicht ganz funktioniert, aber es hat zumindest ein bisschen geholfen. Am Ende sind wir mit vielen Stichen, aber auch mit vielen schönen Erinnerungen von Coco Plum Beach abgefahren.
Die Tage auf den Exumas waren eine Mischung aus Abenteuer, Entspannung und kleinen Pannen. Es war nicht immer alles perfekt, aber das war es ja auch nicht, was wir erwartet hatten. Wir haben gelernt, dass es nicht darum geht, den perfekten Urlaub zu haben, sondern darum, die Zeit mit der Familie zu genießen und neue Erfahrungen zu sammeln. Und das haben wir definitiv getan.

Die letzten Tage sind wie im Flug vergangen. Wir haben noch einen Ausflug zu einem kleinen, unbewohnten Inselchen gemacht, das wir fast für uns alleine hatten. Thomas hat Muscheln gesammelt, Emma Sandburgen gebaut, Leon versucht, einen Fisch zu fangen (ohne Erfolg), und ich einfach nur die Sonne genossen. Es war perfekt.

Rückblick und Fazit

Die Exumas sind anders, als ich es erwartet hatte. Ruhiger, ursprünglicher, und irgendwie ehrlicher. Natürlich ist es kein Paradies, es gibt auch Mücken, Sandfliegen und gelegentlich etwas Chaos. Aber genau das macht es ja aus. Es ist ein Ort, an dem man sich wirklich entspannen und vom Alltag abschalten kann.

Wir haben gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Ein paar schöne Strände, freundliche Menschen, und die Zeit mit der Familie sind wichtiger als jeder Luxus. Und wir haben bewiesen, dass man auch mit kleinem Budget einen unvergesslichen Urlaub haben kann.

Ein paar Tipps für eure Reise

Mietwagen lohnt sich

Unbedingt einen Mietwagen nehmen! Die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht gerade zuverlässig, und mit dem Auto seid ihr flexibler und könnt die Inseln auf eigene Faust erkunden. Und achtet auf einen Geländewagen, manche Straßen sind nicht gerade in Top-Zustand.

Mückenspray nicht vergessen

Die Mücken und Sandfliegen können ganz schön lästig werden. Also packt ausreichend Mückenspray ein, und tragt lange Kleidung, besonders abends.

Plant Zeit für Entspannung ein

Die Exumas sind ein Ort, an dem man einfach mal abschalten und die Seele baumeln lassen kann. Also plant nicht zu viel ein, und nehmt euch Zeit für lange Strandspaziergänge, entspannte Sonnenbäder und gemütliche Abende mit der Familie.

Es war ein wunderschöner Urlaub, und wir werden die Exumas definitiv nicht vergessen. Vielleicht kommen wir ja irgendwann noch einmal wieder. Bis dahin bleiben uns die salzigen Füße und das Schweineglück.

    • Die Insel Staniel Cay mit der Thunderball Grotto
    • Coco Plum Beach (trotz der Mücken!)
    • Georgetown (als Ausgangspunkt für Ausflüge)
👤 Familie mit kleinem Budget (Eltern mit 2 Kindern unter 10) die Camping und Ferienwohnungen bevorzugt ✍️ dokumentarisch und beobachtend