Südamerika - Argentinien - Mendoza

Reisebericht Südamerika - Argentinien - Mendoza

Der Duft von süßem Gebäck und irgendwie auch nach Staub lag in der Luft, als ich aus dem klimatisierten Flughafengebäude in Mendoza trat. Es war warm, aber nicht drückend, eher ein angenehmes Kribbeln auf der Haut. Sofort wurde ich von einer Kakophonie aus Geräuschen empfangen: Hupen, Gespräche auf Hochgeschwindigkeitspanisch, das Rattern eines alten Busses. Ich hatte mich schon lange auf diese Reise gefreut, eine Art Spätherbst-Abenteuer, wie ich es nenne. Mit 65 Jahren hat man ja ein paar Herbst hinter sich, aber das bedeutet nicht, dass man aufhören muss, neue Welten zu entdecken.

Warum Mendoza? Ein bewusster Entschluss

Die Entscheidung für Mendoza fiel mir nicht schwer. Ich hatte genug von den üblichen Touristenpfaden und wollte etwas Echtes, etwas, das nicht nur schöne Fotos liefert, sondern auch meine Seele berührt. Ich interessiere mich schon immer für Kultur, Museen, Galerien, Theater – alles, was das menschliche Schaffen ausmacht. Aber in den letzten Jahren ist mir auch die ökologische Nachhaltigkeit sehr wichtig geworden. Ich möchte reisen, ohne die Umwelt zu belasten, und die lokale Bevölkerung unterstützen. Argentinien, und besonders die Region Mendoza, schien mir da ein guter Kompromiss zu sein. Hier verbinden sich Tradition, Kultur und ein wachsendes Bewusstsein für Umweltschutz.

Der Flug und die Vorfreude

Der Flug war lang, natürlich. Von Deutschland nach Buenos Aires und dann weiter nach Mendoza. Aber ich liebe das Reisen mit dem Flugzeug, irgendwie. Es ist eine Art Zwischenraum, in dem man die Zeit anhält und sich auf das Kommende vorbereiten kann. Ich habe während des Fluges ein paar Bücher gelesen, hauptsächlich über die Geschichte Argentiniens und die Weinregion Mendoza. Und ich habe mir Notizen gemacht, welche Museen und Galerien ich unbedingt besuchen wollte.

Die erste Orientierung

Ich hatte ein kleines, charmantes Hotel in der Nähe des Plaza Independencia gebucht. Es war einfach, aber sauber und gemütlich, und das Personal war unglaublich freundlich. Nach dem Einchecken bin ich sofort auf die Straße gegangen, um mich zu orientieren. Der Plaza Independencia ist das Herzstück der Stadt, ein großer Platz mit Bäumen, Brunnen und Denkmälern. Überall waren Menschen unterwegs, Familien mit Kindern, Studenten, Geschäftsleute. Ich habe mir einen Kaffee in einem kleinen Café bestellt und die Atmosphäre auf mich wirken lassen.

Es war faszinierend zu beobachten, wie das Leben hier pulsiert. Die Menschen waren offen und freundlich, und ich fühlte mich sofort wohl. Ich habe mich mit einem älteren Herrn unterhalten, der mir ein paar Tipps für die Stadt gegeben hat. Er hat mir empfohlen, das Museo Municipal de Arte Moderno zu besuchen und unbedingt einen Ausflug in die umliegenden Weinberge zu machen.

Nachhaltigkeit im Alltag

Schon bei der Ankunft fiel mir auf, dass viele Menschen hier Fahrräder benutzen. Die Stadt hat ein gut ausgebautes Radwegenetz, und es ist eine tolle Möglichkeit, die Umgebung zu erkunden. Ich habe mir gleich am ersten Tag ein Fahrrad gemietet und bin durch die Straßen gefahren. Es war herrlich, die Stadt aus einer anderen Perspektive zu sehen und dabei etwas für die Umwelt zu tun. Auch das öffentliche Verkehrssystem ist gut ausgebaut und preiswert. Ich habe mich entschlossen, so oft wie möglich Bus oder Fahrrad zu benutzen, um meinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren.
Ich begann, die kleinen Dinge zu schätzen: das lokale Obst auf dem Markt, die Gespräche mit den Einheimischen, die Ruhe in den Parks. Es war eine ganz andere Art des Reisens, als ich es früher gewohnt war. Ich wollte nicht nur Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern wirklich in die Kultur eintauchen und die Menschen kennenlernen. Ich habe mich entschlossen, in den nächsten Tagen verschiedene Museen und Galerien zu besuchen, um mehr über die Geschichte und Kunst dieser Region zu erfahren. Und ich freue mich darauf, die umliegenden Weinberge zu erkunden und die berühmten Malbec-Weine zu probieren. Es versprach ein unvergessliches Abenteuer zu werden, das mich mit neuen Eindrücken und Erfahrungen bereichern würde.

Kulturelle Entdeckungen in Mendoza

Das Museo Municipal de Arte Moderno, empfohlen von dem freundlichen Herren auf dem Plaza Independencia, war mein erster kultureller Halt. Es war nicht riesig, aber die Sammlung war überraschend vielfältig. Viele lokale Künstler wurden hier ausgestellt, was ich sehr schätzte. Nicht nur die bekannteren Namen, sondern auch junge, aufstrebende Talente. Ich verbrachte dort Stunden, betrachtete die Bilder, Skulpturen und Installationen und versuchte, die Gedanken und Gefühle der Künstler zu verstehen. Besonders beeindruckt hat mich eine Reihe von Fotografien, die das Leben der einfachen Bevölkerung in den umliegenden Dörfern dokumentierten. Es war eine sehr berührende und authentische Darstellung des argentinischen Alltags.

Ein Spaziergang durch das Viertel Chacras de Coria

Am nächsten Tag wagte ich mich etwas außerhalb des Stadtzentrums, in das Viertel Chacras de Coria. Es ist bekannt für seine Kunsthandwerksläden und Galerien. Ich bin mit dem Bus gefahren, was eine tolle Möglichkeit war, die Umgebung zu erkunden und die lokale Bevölkerung kennenzulernen. Chacras de Coria ist viel ruhiger und entspannter als das Stadtzentrum. Überall gibt es kleine Cafés und Restaurants, in denen man gemütlich sitzen und die Atmosphäre genießen kann. Ich habe in einem kleinen Atelier eine Künstlerin getroffen, die wunderschöne Keramiken herstellte. Wir haben uns lange unterhalten, und sie hat mir viel über ihre Arbeit und ihre Inspiration erzählt. Ich habe natürlich ein paar ihrer Keramiken gekauft, als Erinnerung an diesen besonderen Tag.

Weinprobe mit ökologischem Gewissen

Ein Besuch in Mendoza wäre natürlich nicht komplett ohne eine Weinprobe. Aber ich wollte nicht einfach nur in irgendeinem großen Weingut vorbeigehen. Ich hatte im Vorfeld recherchiert und ein kleines, familiengeführtes Weingut gefunden, das auf ökologischen Anbau und nachhaltige Produktion setzt. Bodega Casa del Naranjo, so der Name, liegt etwas außerhalb von Mendoza, inmitten der Weinberge. Die Familie, die das Weingut betreibt, empfing mich herzlich und führte mich durch die Weinberge. Sie erklärte mir, wie sie auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden verzichten und stattdessen auf natürliche Methoden setzen. Die Weinprobe war ein Genuss. Der Malbec, den sie dort produzierten, war einfach hervorragend, voller Aromen und Charakter. Es war schön zu wissen, dass ich einen Beitrag zur Unterstützung eines nachhaltigen Unternehmens leisten konnte.

Kleine Pannen und unerwartete Begegnungen

Natürlich gab es auch kleine Pannen. Einmal habe ich den falschen Bus genommen und bin am Ende ganz woanders gelandet. Aber zum Glück konnte ich mich mit Händen und Füßen verständigen und fand schließlich den Weg zurück. Und dann war da noch die Begegnung mit einer alten Dame auf dem Markt, die mir ein paar köstliche Empanadas angeboten hat. Sie sprach kein Wort Englisch, und ich kein Wort Spanisch, aber wir haben uns trotzdem verstanden. Es war eine sehr herzliche und authentische Begegnung, die mir gezeigt hat, dass man auch ohne Worte kommunizieren kann.
Die Tage in Mendoza vergingen wie im Flug. Ich habe viel gesehen, viel erlebt und viele neue Menschen kennengelernt. Und ich habe gelernt, dass nachhaltiges Reisen nicht nur gut für die Umwelt ist, sondern auch für die Seele. Die Mischung aus Kultur, Natur und Gastfreundschaft hat mich tief beeindruckt, und ich wusste, dass dies nicht meine letzte Reise nach Argentinien sein würde. Die entspannte Atmosphäre und das Bewusstsein für die Umwelt werden mir lange in Erinnerung bleiben.

Der letzte Tag in Mendoza war geprägt von einem bittersüßen Gefühl. Ich saß in einem kleinen Café am Plaza Independencia, trank einen letzten Cortado und beobachtete das bunte Treiben. Die Zeit war wie im Flug vergangen, und ich hatte das Gefühl, erst langsam wirklich angekommen zu sein. Ich hatte so viel erlebt, so viele interessante Menschen kennengelernt und so viel über die Kultur und die Lebensweise in Argentinien gelernt.

Rückblick auf eine besondere Reise

Es war nicht nur die Schönheit der Landschaft, die mich beeindruckt hat, sondern auch die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen. Überall wurde ich freundlich aufgenommen und mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ich habe gelernt, dass man auch ohne große Sprachkenntnisse kommunizieren kann und dass ein Lächeln oft mehr sagt als tausend Worte.

Besonders positiv fiel mir auf, dass viele Menschen hier ein Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit entwickelt haben. Es gibt immer mehr kleine Unternehmen, die auf ökologische Anbaumethoden setzen und sich für eine verantwortungsvolle Tourismusentwicklung einsetzen. Das hat mir gezeigt, dass man auch im Urlaub etwas Gutes für die Umwelt tun kann.

Empfehlungen für zukünftige Reisende

Wenn ich jemandem eine Reise nach Mendoza empfehlen würde, würde ich ihm raten, sich nicht nur auf die bekannten Sehenswürdigkeiten zu konzentrieren, sondern auch abseits der Touristenpfade zu erkunden. Es gibt so viele kleine Dörfer und Weingüter, die einen Besuch wert sind. Und ich würde ihm empfehlen, sich Zeit zu nehmen, um die Kultur und die Lebensweise der Menschen kennenzulernen.

Vergesst nicht, die kleinen Dinge zu schätzen: den Duft der Weinberge, den Geschmack des Malbec, das Lächeln der Menschen. Es sind oft die kleinen Momente, die eine Reise unvergesslich machen.

Drei konkrete Tipps

Erstens: Mietet euch ein Fahrrad. So könnt ihr die Stadt und die Umgebung auf eine ganz andere Art und Weise entdecken und dabei etwas für die Umwelt tun. Zweitens: Besucht ein kleines, familiengeführtes Weingut, das auf ökologischen Anbau setzt. So unterstützt ihr die lokale Wirtschaft und tragt zu einer nachhaltigen Tourismusentwicklung bei. Und drittens: Lernt ein paar Brocken Spanisch. Es wird euch helfen, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten und die Kultur besser zu verstehen.

Ich habe mich in Mendoza wohlgefühlt und werde sicherlich wiederkommen. Es ist ein Ort, der mir viel zu bieten hat: Kultur, Natur, Gastfreundschaft und ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit.


Als ich mich am Flughafen verabschiedete, versprach ich mir selbst, dass dies nicht meine letzte Reise nach Argentinien sein würde. Es gibt noch so viel zu entdecken und zu erleben. Und ich freue mich schon darauf, wieder in dieses wunderschöne Land zurückzukehren.

    👤 Backpackerin Anfang 20 mit sehr kleinem Budget ✍️ inspirierend und motivierend