Südamerika - Uruguay - Colonia del Sacramento

Reisebericht Südamerika - Uruguay - Colonia del Sacramento

Der Geruch von süßem Mate und etwas undefinierbar salzigem hing in der Luft, vermischt mit dem leisen Tuckern der Fähre. Wir hatten gerade die Überfahrt von Buenos Aires nach Colonia del Sacramento hinter uns, und ich konnte spüren, wie die Anspannung der letzten Tage endlich von meinen Schultern wich. Die Kids, Leon (16) und Mia (12), starrten gebannt aus den Fenstern, als wir langsam auf die mittelalterlich anmutende Stadt zusteuerten.

Ein Traum wird wahr

Dieser Trip nach Südamerika war schon lange ein gemeinsamer Traum. Wir wollten weg vom digitalen Alltag, raus aus dem Hamsterrad, und stattdessen etwas erleben, das uns als Familie verbindet. Leon ist total in Geschichte versessen, Mia liebt alles, was mit Tieren und Natur zu tun hat, und mein Mann und ich… naja, wir brauchen einfach mal eine Pause von allem. Uruguay schien uns da der perfekte Kompromiss. Nicht so riesig und überwältigend wie Brasilien oder Argentinien, aber trotzdem mit einer reichen Kultur und einer atemberaubenden Landschaft. Colonia del Sacramento stand ganz oben auf unserer Liste. Diese kleine Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, versprach eine Mischung aus Geschichte, Kultur und ganz viel Charme.

Die Wahl des Reiseziels

Die Idee kam mir eigentlich im letzten Winter. Ich saß abends vor dem Kamin und las einen Artikel über die Kolonialgeschichte Südamerikas. Irgendwie hat mich das gefesselt. Ich begann, immer mehr darüber zu lesen, und entdeckte Colonia del Sacramento. Die Fotos von den Kopfsteinpflasterstraßen, den farbenfrohen Häusern und der alten Stadtmauer haben mich sofort begeistert. Ich zeigte sie meinem Mann und den Kids, und alle waren sofort Feuer und Flamme. Wir begannen, uns intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, planten die Route und buchten die Flüge. Es war ein bisschen chaotisch, ehrlich gesagt, aber irgendwie auch wunderschön. So viele Erwartungen, so viele Hoffnungen…

Erster Eindruck: Kopfsteinpflaster und bunte Fassaden

Als wir von der Fähre stiegen, waren wir sofort von der Atmosphäre der Stadt gefangen. Alles war ruhig, beschaulich, fast schon ein bisschen verloren in der Zeit. Die Kopfsteinpflasterstraßen waren uneben und abgenutzt, die Häuser in allen erdenklichen Farben gestrichen. Überall blühten Bougainvilleen und Geranien, und der Duft von Jasmin lag in der Luft. Es war, als wären wir in eine andere Welt eingetaucht. Leon zog sofort sein Notizbuch heraus und begann, die alten Gebäude zu skizzieren, während Mia versuchte, die vielen Straßenkatzen zu zählen (eine unmögliche Aufgabe, wie sie bald feststellte). Mein Mann und ich tauschten einen Blick. Das war genau das, was wir uns erhofft hatten.

Unterkunftssuche und erste Erkundungen

Wir hatten keine Unterkunft im Voraus gebucht, weil wir uns bewusst waren, dass wir flexibel bleiben wollten. Wir entschieden uns für ein kleines Hostal in der Nähe der Plaza Mayor, das von einer sehr freundlichen älteren Dame namens Elena geführt wurde. Die Zimmer waren einfach, aber sauber und gemütlich, und der Innenhof mit seinem kleinen Garten war ein Paradies. Elena gab uns gleich ein paar Tipps für die Erkundung der Stadt und empfahl uns ein paar gute Restaurants. Nach dem Einchecken machten wir uns auf den Weg, um die Plaza Mayor zu erkunden. Der Platz war voller Leben, mit Straßenkünstlern, Händlern und Touristen. Wir setzten uns in ein Café und bestellten Mate, den Nationalgetränk Uruguays. Es schmeckte bitter und süß zugleich, und war eine willkommene Erfrischung.

Die Sonne begann langsam unterzugehen, und die Stadt tauchte in ein warmes, goldenes Licht. Wir schlenderten weiter durch die engen Gassen, vorbei an alten Kirchen und Kolonialhäusern. Überall hörten wir Musik, Gelächter und das leise Rauschen des Flusses Río de la Plata. Es war eine magische Atmosphäre, die uns alle verzauberte. Leon entdeckte eine kleine Buchhandlung mit einer riesigen Auswahl an historischen Büchern, während Mia in einem Souvenirladen eine bunte Armband für ihre beste Freundin kaufte. Wir fühlten uns so gut, so frei, so glücklich. Colonia del Sacramento hatte uns sofort in seinen Bann gezogen, und wir wussten, dass dieser Trip etwas ganz Besonderes werden würde. Aber erst am nächsten Tag würden wir die tiefere Geschichte hinter diesen alten Mauern entdecken und uns der eigentlichen Seele dieser Stadt nähern.

Auf den Spuren der Geschichte: Der Leuchtturm und das Barrio Portugués

Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischem Obst und leckerem Pan Dulce (Elena backt einfach fantastisch!), beschlossen wir, den Leuchtturm zu erklimmen. Er ragt hoch über der Stadt empor und bietet einen atemberaubenden Blick über Colonia del Sacramento und den Río de la Plata. Der Aufstieg war ganz schön anstrengend, besonders für Mia, aber die Aussicht war jede Mühe wert. Man konnte die gesamte Stadt überblicken, die alten Kolonialhäuser, die engen Gassen, den Hafen und die weite Flusslandschaft. Leon war begeistert, er fotografierte alles, was ihm vor die Linse kam, und versuchte, die historischen Gebäude zu identifizieren. Ich dagegen genoss einfach den Moment, die frische Luft und das Gefühl, weit weg vom Alltag zu sein.

Verloren im Labyrinth des Barrio Portugués

Nach dem Leuchtturm tauchten wir tiefer in das Barrio Portugués ein, das portugiesische Viertel. Es ist ein Labyrinth aus engen, verwinkelten Gassen und alten Häusern, die einst von portugiesischen Siedlern bewohnt wurden. Es ist ein ganz besonderer Ort, der eine ganz eigene Atmosphäre hat. Wir irrten stundenlang durch die Gassen, entdeckten kleine Kunstgalerien, gemütliche Cafés und versteckte Innenhöfe. Einmal verloren wir uns komplett und landeten in einer kleinen Werkstatt, in der ein alter Mann wunderschöne Modelle von Schiffen baute. Er sprach kaum Spanisch, aber er lächelte uns freundlich an und zeigte uns seine Werke. Leon war sofort begeistert und stellte ihm unzählige Fragen. Wir kauften ihm einen kleinen hölzernen Segler als Andenken.

Pannen und Überraschungen am Hafen

Am Nachmittag beschlossen wir, einen Spaziergang am Hafen zu machen. Es war ein geschäftiger Ort, mit Fischerbooten, Segelyachten und kleinen Cafés. Mia wollte unbedingt eine Bootstour machen, aber leider war das Wetter nicht so gut. Es zog sich zu und der Wind wurde stärker. Wir setzten uns stattdessen in ein kleines Café und bestellten Empanadas. Plötzlich fing es an zu regnen, und zwar in Strömen. Wir waren völlig durchnässt, bevor wir uns unter ein Vordach retten konnten. Es war zwar unangenehm, aber irgendwie auch lustig. Leon machte ein Foto von uns, völlig durchnässt und mit zerzausten Haaren. Es ist ein schönes Andenken an diesen Tag. Danach kauften wir uns bunte Regenschirme und schlenderten weiter am Hafen entlang. Wir beobachteten die Fischer beim Ausladen ihrer Fänge und die Segler beim Manövrieren ihrer Boote. Es war ein faszinierendes Schauspiel.

Abendessen mit Blick auf den Río de la Plata

Am Abend fanden wir ein kleines Restaurant mit Blick auf den Río de la Plata. Wir bestellten frischen Fisch und Meeresfrüchte und ließen uns von der Aussicht verzaubern. Der Sonnenuntergang war spektakulär, der Himmel leuchtete in allen Farben. Wir saßen dort lange und redeten, lachten und genossen einfach die gemeinsame Zeit. Es war ein perfekter Abschluss eines wunderschönen Tages. Als wir später zurück zum Hostal gingen, fühlten wir uns glücklich und zufrieden. Colonia del Sacramento hatte uns verzaubert, und wir wussten, dass wir diese Stadt nie vergessen würden. Die kommenden Tage würden uns noch mehr verborgene Schätze offenbaren, aber dieser erste Eindruck hatte bereits einen tiefen Eindruck in unseren Herzen hinterlassen.

Und so näherten wir uns langsam dem Ende unseres Aufenthalts, bereit, die letzten Facetten dieser bezaubernden Stadt zu erkunden und die Erfahrungen zu verarbeiten, die uns als Familie für immer verbinden würden.

Die letzten Tage in Colonia del Sacramento flogen wie im Flug. Es ist schwer zu glauben, dass unsere Reise schon fast zu Ende ist. Wir haben noch einen letzten Spaziergang durch die Altstadt gemacht, noch einmal den Duft von Jasmin und Bougainvillea genossen und uns von der Ruhe und Gelassenheit dieser Stadt verzaubern lassen. Leon hat noch einige Skizzen angefertigt, Mia hat noch ein paar Souvenirs gekauft und mein Mann und ich haben einfach die Atmosphäre aufgesogen.

Ein Abschied vom Río de la Plata

Am Morgen vor unserer Abreise sind wir noch einmal zum Hafen gegangen, um einen letzten Blick auf den Río de la Plata zu werfen. Der Fluss war ruhig und glatt, die Sonne schien warm auf unsere Gesichter. Es war ein perfekter Moment, um sich von dieser Stadt zu verabschieden. Wir haben noch einen Kaffee in einem kleinen Café getrunken und uns gegenseitig versprochen, irgendwann wiederzukommen.

Die kleinen Dinge, die bleiben

Was uns am meisten an Colonia del Sacramento beeindruckt hat, sind die kleinen Dinge: die freundlichen Menschen, die bunten Häuser, die engen Gassen, der Duft von Jasmin und Bougainvillea, das leise Rauschen des Flusses. Es sind diese kleinen Dinge, die eine Stadt so besonders machen und die in Erinnerung bleiben. Wir haben gelernt, die einfachen Dinge im Leben wieder mehr zu schätzen und uns von der Hektik des Alltags zu lösen.

Fazit: Mehr als nur eine Reise

Diese Reise nach Colonia del Sacramento war mehr als nur ein Urlaub. Es war eine Erfahrung, die uns als Familie zusammengeschweißt hat und uns neue Perspektiven eröffnet hat. Wir haben gelernt, uns gegenseitig besser zuzuhören, uns gegenseitig zu unterstützen und die gemeinsame Zeit zu genießen. Leon hat seine Leidenschaft für Geschichte und Kunst noch weiter vertieft, Mia hat ihre Liebe zur Natur und zu Tieren entdeckt und mein Mann und ich haben einfach mal eine Pause vom Alltag gebraucht. Wir sind dankbar für all die schönen Momente, die wir in Colonia del Sacramento erlebt haben, und werden diese Reise nie vergessen.

Empfehlungen für andere Reisende

Wenn ihr nach einem Ort sucht, der euch verzaubert und euch die Seele baumeln lässt, dann solltet ihr Colonia del Sacramento unbedingt besuchen. Hier sind ein paar Tipps, die wir euch geben möchten:

  • Lasst euch einfach treiben: Verliert euch in den engen Gassen, entdeckt kleine Cafés und Kunstgalerien und lasst euch von der Atmosphäre der Stadt verzaubern.
  • Probiert die lokale Küche: Vergesst nicht, die Empanadas, den frischen Fisch und Meeresfrüchte sowie den lokalen Wein zu probieren.
  • Nehmt euch Zeit für die Menschen: Unterhaltet euch mit den Einheimischen, lernt ihre Kultur kennen und lasst euch von ihrer Gastfreundschaft begeistern.

Colonia del Sacramento ist ein Ort, der euch im Herzen bleiben wird. Wir wünschen euch eine unvergessliche Reise!

    👤 Abenteuersuchender Alleinreisender (28), Fokus auf Extremsportarten und abgelegene Orte ✍️ inspirierend und motivierend