Afrika - Marokko - Casablanca

Reisebericht Afrika - Marokko - Casablanca

Der Geruch von Minztee und etwas Süßem, undefinierbar exotisch, hing schon in der Luft, bevor ich überhaupt den Ärmel der Jacke zurückschlagen konnte. Es war warm, fast schon feucht, und die Luft vibrierte von einem Lärm, der nicht chaotisch, sondern lebendig war. Ich stand also da, am Flughafen Mohammed V in Casablanca, nach gut zehn Stunden Flug, und versuchte, erstmal tief durchzuatmen.

Ankunft in einer anderen Welt

Ich bin Anna, 32, und unterrichte Yoga. Nicht nur Yoga, eigentlich. Ich versuche, Yoga mit Reisen zu verbinden, mit bewusstem Reisen, und vor allem mit dem Finden von Orten, die nicht nur schön sind, sondern auch eine gewisse Seele haben. Dieses Mal hat es mich nach Marokko verschlagen. Die Idee kam mir während eines Retreats in Portugal. Eine Teilnehmerin, eine ältere Dame mit unglaublich strahlenden Augen, erzählte immer wieder von Casablanca, von den Gärten, von der Wärme der Menschen und der ganz besonderen Energie der Stadt. Irgendwie hat sich das in meinem Kopf festgesetzt. Ich bin nicht die Typfrau für Pauschalreisen. Mir ist es wichtig, vor Ort zu sein, wirklich in das Leben einzutauchen, nicht nur als Tourist dazustehen. Das bedeutet für mich, kleine Riads statt großer Hotelketten, Märkte statt Einkaufszentren und den Versuch, die lokale Kultur so respektvoll wie möglich kennenzulernen. Und natürlich, viel Yoga, Meditation und gesunde, regionale Küche.

Die ersten Schritte

Der Flughafen war, wie gesagt, lebendig. Überall Menschen, die sich begrüßten, Koffer rollten über den Boden und die Durchsagen waren auf Arabisch und Französisch. Ich hatte im Voraus einen Transfer zu meinem Riad gebucht, einem kleinen, traditionellen Haus in der Medina. Der Fahrer, ein freundlicher Mann mit einem breiten Lächeln, erwartete mich mit einem Schild mit meinem Namen. Die Fahrt durch die Stadt war faszinierend. Erst moderne Boulevards, dann immer enger werdende Gassen, die sich durch die Medina schlängelten. Überall kleine Werkstätten, Händler mit ihren Waren und Kinder, die spielten. Ein unglaublicher Farbenrausch, der von den bunten Fassaden, den Gewürzen und den Textilien noch verstärkt wurde. Ich konnte kaum aufhören, aus dem Fenster zu schauen. Mein Riad, das Riad Dar El Fenn, war eine kleine Oase der Ruhe inmitten des Trubels. Ein wunderschöner Innenhof mit einem kleinen Pool, umgeben von Orangenbäumen und blühenden Pflanzen. Die Zimmer waren traditionell eingerichtet, mit bunten Kissen, Teppichen und Holzschnitzereien. Es war genau das, was ich mir vorgestellt hatte.

Warum Marokko?

Ich hatte mich bewusst für Marokko entschieden, weil ich eine Mischung aus Kultur, Natur und spiritueller Energie suchte. Ich hatte viel über die Sufi-Tradition gelesen, die in Marokko tief verwurzelt ist, und wollte gerne mehr darüber erfahren. Außerdem hatte ich mich in die marokkanische Küche verliebt, mit ihren aromatischen Gewürzen, frischen Kräutern und köstlichen Tajines. Und dann war da noch das Thema Nachhaltigkeit. Ich achte sehr darauf, wo ich meine Zeit und mein Geld investiere, und unterstütze gerne Unternehmen und Projekte, die sich für den Schutz der Umwelt und die Förderung der lokalen Bevölkerung einsetzen. Marokko hat in den letzten Jahren viel in den Bereich des Ökotourismus investiert, und ich wollte gerne Teil davon sein. Ich habe mir vorgenommen, während meiner Reise an einigen Yoga- und Meditationskursen teilzunehmen, die von lokalen Lehrern angeboten werden, und mich mit Menschen auszutauschen, die sich für ein nachhaltiges Leben einsetzen. Ich möchte nicht nur die Schönheit des Landes genießen, sondern auch etwas zurückgeben und einen positiven Beitrag leisten. Es war ein sonniger Nachmittag, als ich nach dem kurzen Check-in endlich mein Zimmer bezog und die Tür hinter mir schloss. Der Duft von Orangenblüten drang durch das offene Fenster, und ich spürte, wie eine tiefe Entspannung in mir aufstieg. Ich lehnte mich ans Fenster und blickte über die Dächer der Medina. Es war ein magischer Moment. Ich wusste, dass diese Reise etwas Besonderes werden würde. Und während ich dort stand, wurde mir klar, dass die Reise noch lange nicht begonnen hatte – sie würde erst richtig losgehen, wenn ich mich wirklich auf die Suche nach der Seele Casablancas begab.

Erste Erkundungen: Medina und der Duft von Leder

Nach einer kurzen Pause und einem Glas Minztee – der hier wirklich allgegenwärtig ist – machte ich mich auf den Weg, die Medina zu erkunden. Ich hatte mir vorgenommen, mich einfach treiben zu lassen, ohne festes Ziel, und mich dem Leben in den Gassen hinzugeben. Es war unglaublich. Ein Labyrinth aus engen Gassen, überfüllt mit Menschen, Händlern, Eselskarren und Motorrollern. Überall roch es nach Gewürzen, frischem Brot und – ganz intensiv – nach Leder. Ich landete in der Nähe des Tannerii, der Gerberei. Der Geruch dort war…gewöhnungsbedürftig, sagen wir mal. Eine Mischung aus Ammoniak und animalischen Düften, die in der Nase brannte. Aber auch faszinierend. Ich sah zu, wie die Männer in den riesigen Becken arbeiteten, das Leder färbten und bearbeiteten – eine uralte Handwerkskunst, die seit Generationen weitergegeben wird. Es war körperlich anstrengend, und der Geruch war wirklich intensiv, aber ich konnte spüren, wie viel Stolz diese Männer auf ihre Arbeit hatten. Ich kaufte dort eine kleine, handgefertigte Lederhandtasche, als kleines Andenken und um die Handwerker zu unterstützen.

Ein Missverständnis auf dem Souk

Am nächsten Tag wagte ich mich auf den Souk, den Markt. Ein wahres Paradies für alle Sinne. Bunte Textilien, glitzernder Schmuck, kunstvolle Keramik, exotische Gewürze – alles dicht an dicht und in den schönsten Farben. Ich wollte etwas Arganöl kaufen, das hier in Marokko hergestellt wird und für seine pflegenden Eigenschaften bekannt ist. Ich sprach einen Händler an, der einen Stand voller Flaschen hatte. Ich versuchte, mein gebrochenes Französisch anzuwenden, aber irgendwie kam es zu einem Missverständnis. Ich wollte eine kleine Flasche, aber er schien zu denken, ich hätte gleich zehn bestellt. Er begann, Flaschen aus dem Regal zu holen und sie auf den Tisch zu stellen, und wurde immer aufgeregter. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass ich nur eine brauche, aber er hörte nicht zu. Schließlich kam eine andere Verkäuferin vorbei und übersetzte für uns. Es stellte sich heraus, dass ich ihm versehentlich signalisiert hatte, dass ich alles kaufen wollte. Wir konnten beide herzlich darüber lachen, und ich bekam meine kleine Flasche Arganöl.

Die Hassan-II-Moschee: Architektur und Spiritualität

Ein absolutes Highlight meiner Reise war der Besuch der Hassan-II-Moschee. Sie ist eine der größten Moscheen der Welt und ein Meisterwerk islamischer Architektur. Sie steht direkt am Meer, und die Aussicht ist atemberaubend. Die Moschee ist unglaublich prächtig, mit kunstvollen Mosaiken, verzierten Holzschnitzereien und einem riesigen Gebetssaal. Ich nahm an einer Führung teil und lernte viel über die Geschichte und Bedeutung der Moschee. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel Liebe zum Detail in den Bau investiert wurde. Aber es war nicht nur die Architektur, die mich beeindruckte, sondern auch die spirituelle Atmosphäre. Ich spürte eine tiefe Ruhe und Ehrfurcht, als ich durch die Säle wanderte. Ich saß eine Weile am Meer und beobachtete die Wellen, die an die Küste schlugen. Es war ein magischer Moment. Ich verbrachte den Abend in einem kleinen, lokalen Restaurant und aß Tajine mit Gemüse und Oliven. Das Essen war köstlich, und die Atmosphäre war gemütlich. Ich unterhielt mich mit dem Besitzer über das Leben in Casablanca und die Herausforderungen des Alltags. Er erzählte mir, dass er sich wünschte, dass mehr Touristen die Stadt besuchen und die lokale Kultur unterstützen. Die Tage in Casablanca waren intensiv und erfüllend. Ich hatte viel gesehen, viel gelernt und viele neue Menschen kennengelernt. Aber ich hatte auch das Gefühl, dass ich erst an der Oberfläche gekratzt hatte. Es gibt noch so viel mehr zu entdecken, zu erleben und zu verstehen. Die Stadt hatte mich verzaubert, mit ihrer Schönheit, ihrer Vielfalt und ihrer Energie. Und während ich an diesem Abend in meinem Riad saß und über meine Erlebnisse nachdachte, wusste ich, dass ich Casablanca und Marokko nicht vergessen würde, denn diese Reise hatte meine Sichtweise auf das Leben und das bewusste Reisen nachhaltig verändert.

Der letzte Morgen in Casablanca begann mit dem Ruf zum Gebet, der durch die Gassen hallte. Ich saß auf der Dachterrasse meines Riads, trank einen letzten Minztee und beobachtete, wie die Stadt erwachte. Es war ein friedlicher Moment, ein stiller Abschied von einem Ort, der mich tief berührt hatte.

Es ist schwer zu beschreiben, was Casablanca so besonders macht. Es ist nicht nur die Schönheit der Architektur, die Vielfalt der Kultur oder die Wärme der Menschen. Es ist eine bestimmte Atmosphäre, eine Mischung aus Tradition und Moderne, aus Hektik und Entschleunigung. Hier, inmitten des geschäftigen Treibens, kann man zur Ruhe kommen, sich mit sich selbst verbinden und die kleinen Dinge des Lebens genießen.

Mehr als nur Sehenswürdigkeiten

Ich habe viele Städte bereist, aber Casablanca hat mich auf eine andere Weise berührt. Es geht nicht darum, Sehenswürdigkeiten abzuklappern oder ein volles Programm zu haben. Es geht darum, sich treiben zu lassen, sich auf das Hier und Jetzt einzulassen und die Energie der Stadt zu spüren. Ich habe Stunden in den Souks verbracht, einfach nur beobachtet, wie die Händler ihre Waren anbieten, wie die Menschen miteinander interagieren. Ich habe mich in den kleinen Gassen verirrt, habe neue Gerüche und Geschmäcker entdeckt.

Ich habe auch versucht, bewusst mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu treten. Ich habe mich mit dem Besitzer meines Riads unterhalten, mit dem Kellner im Restaurant, mit den Händlern auf dem Souk. Ich habe versucht, ihre Geschichten zu hören, ihre Perspektiven zu verstehen. Es war eine bereichernde Erfahrung, die mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, sich auf Menschen einzulassen und sich mit ihnen zu verbinden.

Nachhaltigkeit im Alltag

Mir ist es wichtig, auch im Urlaub nachhaltig zu leben. Ich habe versucht, lokale Produkte zu kaufen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und meinen Konsum zu reduzieren. Ich habe auch darauf geachtet, meinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren, indem ich zum Beispiel auf Plastik verzichtet habe und Wasser und Energie gespart habe.

Ich habe auch einige lokale Initiativen kennengelernt, die sich für den Schutz der Umwelt und die Förderung der nachhaltigen Entwicklung einsetzen. Es hat mich gefreut zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich engagieren und versuchen, einen positiven Beitrag zu leisten.

Meine persönlichen Empfehlungen

Wenn du nach Casablanca reist, möchte ich dir ein paar Tipps geben. Erstens, nimm dir Zeit, um die Medina zu erkunden. Verirr dich in den Gassen, entdecke neue Orte und lass dich von der Atmosphäre verzaubern. Zweitens, besuche die Hassan-II-Moschee. Sie ist ein architektonisches Meisterwerk und ein beeindruckendes Beispiel islamischer Kunst. Drittens, probiere die lokale Küche. Es gibt viele köstliche Gerichte zu entdecken, wie zum Beispiel Tajine, Couscous und Pastilla.

Und schließlich, sei offen und neugierig. Lass dich auf die Menschen ein, lerne ihre Kultur kennen und lass dich von der Energie der Stadt mitreißen. Casablanca ist ein Ort, der dich verändern kann. Ein Ort, der dir zeigt, dass das Leben mehr ist als nur Arbeit und Konsum. Ein Ort, der dich dazu einlädt, im Moment zu leben und die kleinen Dinge des Lebens zu genießen.

Ich verlasse Casablanca mit einem Gefühl der Dankbarkeit und der Inspiration. Ich habe viel gelernt, viel erlebt und viel mitgenommen. Ich werde diesen Ort nie vergessen. Und ich hoffe, dass ich bald wiederkommen kann.

    👤 Outdoor-Enthusiast (30) der Wandern, Klettern und Mountainbiken liebt ✍️ kritisch und hinterfragend