Europa - Deutschland - Hamburg

Reisebericht Europa - Deutschland - Hamburg

Der Geruch von feuchtem Stein und Salz lag in der Luft, als ich aus dem Zug stieg. Hamburg. Nicht das erste Mal, aber jedes Mal anders. Die Alster glitzerte grau unter einem schweren Himmel. Ich war eigentlich schon auf dem Weg nach Bordeaux, hatte mir eine Woche für die Weingüter rund um Saint-Émilion erhofft. Aber dann die Nachricht von meinem alten Freund Klaus.

Kurzerhand umgebucht

Klaus, den ich aus einer gemeinsamen Zeit in der Weinbranche kenne, hatte mich angerufen. Er war vor ein paar Wochen nach Hamburg gezogen, um eine kleine Weinhandlung zu eröffnen. Ein Traum von ihm. Und er brauchte Hilfe. Nicht beim Weinkaufen, das hatte er im Griff. Sondern beim Einrichten, beim ersten Probentermin, beim Kennenlernen der lokalen Szene. Ich hatte keine Sekunde gezögert. Bordeaux konnte warten. Freunde gehen vor.

Die ersten Tage waren geprägt von Kartons, Regalen und dem ständigen Duft von Eiche. Klaus hatte sich ein kleines Geschäft in St. Pauli ausgesucht, ein bisschen versteckt, aber mit viel Potenzial. Die Gegend ist rau, aber ehrlich. Und die Leute hier haben Geschmack, das merkt man. Wir haben tagelang Weine einsortiert, Etiketten geprüft, Preise kalkuliert. Es war anstrengend, aber auch befriedigend.

Die Weinhandlung "Zum goldenen Anker"

Klaus nannte seine Weinhandlung "Zum goldenen Anker". Ein witziger Name, fand ich. Passte zur Lage, nahe des alten Hafens, und zu seiner Vorliebe für maritime Motive. Er hatte alles selbst renoviert, die Wände in einem warmen Grau gestrichen, alte Holzdielen verlegt. Es war kein steriles Weinparadies, sondern ein gemütlicher Ort, an dem man sich wohlfühlen konnte.

Wir hatten uns vorgenommen, nicht nur die üblichen Verdächtigen ins Sortiment aufzunehmen. Klaus wollte auch kleinere, unbekanntere Weingüter aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien vorstellen. Weine mit Geschichte, mit Charakter, mit Seele. Das war ihm wichtig. Und mir auch. Wir haben Stunden damit verbracht, Flaschen zu probieren, Notizen zu machen, Gespräche zu führen.

Die erste Weinprobe war ein kleines Experiment. Wir hatten ein paar Freunde und Bekannte eingeladen, um Feedback zu bekommen. Die Resonanz war überwältigend. Die Leute waren begeistert von der Auswahl, von der Atmosphäre, von Klaus' Fachwissen. Es war ein schöner Abend, voller guter Gespräche und köstlicher Weine.

Erste Erkundungen

Neben der Arbeit in der Weinhandlung hatte ich auch etwas Zeit, die Stadt zu erkunden. Hamburg ist eine faszinierende Stadt, voller Kontraste. Der alte Hafen mit seinen historischen Speicherhäusern, die moderne Elbphilharmonie, die grünen Parks und Alsterwiesen. Es gibt so viel zu entdecken.

Ich bin durch die verwinkelten Gassen von St. Pauli geschlendert, habe mir den Fischmarkt angesehen, bin mit der Fähre über die Elbe gefahren. Ich habe in kleinen Cafés gesessen und das Leben beobachtet. Ich habe mich in die Atmosphäre der Stadt verliebt.

Besonders beeindruckt hat mich die kulinarische Szene. Neben den klassischen Fischbrötchen gibt es eine große Auswahl an Restaurants und Bars, die regionale und internationale Küche anbieten. Ich habe einige interessante Weinbars entdeckt, in denen man gut glasweise verschiedene Weine probieren kann.

Es gab auch ein paar Entdeckungen abseits der üblichen Touristenpfade. Ein kleines Weingut in den Vierlanden, das biologische Weine produziert. Ein versteckter Keller, in dem man alte Weine lagert. Ein gemütliches Café, in dem man selbstgebackene Kuchen und Torten genießt.

Die Tage vergingen wie im Flug. Klaus und ich haben viel gelacht, viel gelernt, viel getrunken. Wir haben gemeinsam die Weinhandlung aufgebaut, die Stadt erkundet und neue Freunde gefunden.

Langsam aber sicher begann ich, mich in Hamburg zu verlieben. Es ist eine Stadt, die mich an meine Jugend erinnert, an meine Zeit als freier Journalist, als ich noch mit dem Rucksack durch die Welt reiste. Es ist eine Stadt, in der man sich wohlfühlen kann, in der man sich zu Hause fühlen kann.

Aber es war auch klar, dass meine Zeit hier begrenzt war. Bordeaux wartete. Die Weingüter, die Weinproben, die Gespräche mit den Winzern. Ich musste mich entscheiden, wie es weitergehen sollte.

Doch bevor ich mich endgültig auf den Weg nach Frankreich machen konnte, lag noch einiges vor uns. Klaus wollte noch eine größere Weinprobe organisieren, um die Weinhandlung offiziell zu eröffnen. Und ich wollte noch ein paar interessante Weingüter in der Umgebung besuchen, um meine Kenntnisse über deutsche Weine zu erweitern.

Die kommenden Tage würden zeigen, wie sich die Dinge entwickeln würden. Aber eines war sicher: Ich würde Hamburg nicht so schnell vergessen.

Und so begannen wir, die nächste Herausforderung anzugehen, fest entschlossen, "Zum goldenen Anker" zu einem Erfolg zu führen und gleichzeitig die einzigartige Atmosphäre dieser faszinierenden Stadt zu genießen.

Der Stadtteil Karolinenviertel

Klaus hatte sich für die größere Weinprobe das Karolinenviertel ausgesucht. Eine gute Wahl, dachte ich. Ein bisschen alternativ, ein bisschen schräg, aber mit viel Potenzial. Kleine Boutiquen, Galerien, Cafés, Bars. Genau das richtige Publikum für unsere Weine. Wir hatten uns einen leerstehenden Raum gemietet, der vorher als Werkstatt genutzt worden war. Viel Platz, hohe Decken, rohe Wände. Perfekt, um eine lockere, ungezwungene Atmosphäre zu schaffen.

Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Wir haben Tische und Stühle gemietet, Dekoration besorgt, Flaschen geöffnet und probiert. Klaus kümmerte sich um die Musik, ich um die kleinen Snacks, die zu den Weinen passen sollten. Käse, Brot, Oliven, Wurst. Alles regionales, alles handgemacht. Wir wollten den Leuten zeigen, dass Wein nicht nur etwas für Kenner ist, sondern auch ein Lebensgefühl, ein Genussmittel.

Am Tag der Weinprobe herrschte ein buntes Treiben. Die Leute strömten in den Raum, probierten die Weine, tauschten sich aus, lachten und unterhielten sich. Es war eine tolle Stimmung, eine Mischung aus Neugier, Freude und Entspannung. Einige Gäste waren echte Weinliebhaber, andere waren einfach nur neugierig, was wir zu bieten hatten. Aber alle waren offen und interessiert.

Es gab auch ein paar Pannen. Ein Korken sprang, ein Glas fiel zu Bruch, ein Gast verschüttete Wein über seine Hose. Aber wir haben alles mit Humor genommen und schnell behoben. Schließlich geht es bei einer Weinprobe nicht um Perfektion, sondern um Geselligkeit und Genuss.

Ein Besuch in den Vierlanden

Zwischen den Vorbereitungen und der Weinprobe hatte ich noch Zeit für einen Ausflug in die Vierlande. Ein Gebiet südlich von Hamburg, das für seinen Gemüse- und Obstbau bekannt ist. Aber auch für seine kleinen Weinberge. Ich hatte von einem Weingut gehört, das biologische Weine produziert und wollte mir das mal ansehen.

Die Fahrt dorthin führte mich durch eine flache Landschaft, vorbei an Deichen, Kanälen und grünen Wiesen. Es war ein wunderschöner Tag, die Sonne schien und der Himmel war blau. Ich fühlte mich wie in einem Urlaub. Das Weingut lag etwas versteckt, hinter einem alten Bauernhaus und einem großen Gemüsegarten.

Der Winzer, ein freundlicher Mann namens Johannes, empfing mich herzlich und führte mich durch seine Weinberge. Er erzählte mir von seiner Philosophie, von seinem Respekt vor der Natur, von seiner Leidenschaft für den Weinbau. Er zeigte mir, wie er seine Reben pflegt, wie er die Trauben erntet, wie er den Wein herstellt. Es war ein interessantes Gespräch, voller Wissen und Erfahrung.

St. Pauli bei Nacht

Eines Abends, nach der Weinprobe, sind Klaus und ich noch in St. Pauli unterwegs gewesen. Wir wollten die berühmte Reeperbahn sehen, das Nachtleben erleben, die Atmosphäre spüren. Es war ein bisschen chaotisch, ein bisschen laut, ein bisschen schräg. Aber auch faszinierend.

Wir sind durch die Gassen geschlendert, haben uns die Schaufenster angesehen, sind in eine Bar gegangen und haben ein Bier getrunken. Wir haben mit ein paar Einheimischen geplaudert, die uns von ihren Geschichten erzählten. Wir haben gelacht und gefeiert, bis spät in die Nacht. Es war ein unvergesslicher Abend.

Hamburg hatte mich überrascht. Es war eine Stadt, die viele Gesichter hat, die viel zu bieten hat, die viel zu entdecken hat. Eine Stadt, in der man sich wohlfühlen kann, in der man sich zu Hause fühlen kann. Und während ich meinen Koffer packte, wurde mir klar, dass dies nicht meine letzte Reise hierher gewesen sein würde, denn das Verweilen in der Verbindung von Wein und Freundschaft hatte tiefe Wurzeln geschlagen.

Der Abschied von Klaus fiel schwer. Wir hatten in den letzten Wochen so viel zusammen erlebt, so viel gelacht, so viel getrunken. Er hatte seine Weinhandlung gut aufgestellt, die erste größere Weinprobe war ein Erfolg, und er strahlte eine Zuversicht aus, die ansteckend war. Ich versprach ihm, bald wiederzukommen, und er versprach mir, mich mit guten Weinen zu versorgen.

Rückblick auf eine besondere Zeit

Hamburg hatte mich überrascht. Ich war eigentlich nur auf dem Weg nach Bordeaux, hatte mir eine Woche in den Weinbergen rund um Saint-Émilion erhofft. Aber dann die Nachricht von Klaus, und alles änderte sich. Ich hatte keine Sekunde gezögert, meine Reisepläne zu ändern. Freunde gehen vor, das war immer mein Motto.

Die Stadt ist rau, ehrlich und voller Kontraste. Der alte Hafen mit seinen Speicherhäusern, die moderne Elbphilharmonie, die grünen Parks und Alsterwiesen. Ich bin durch die verwinkelten Gassen von St. Pauli geschlendert, habe mir den Fischmarkt angesehen, bin mit der Fähre über die Elbe gefahren. Ich habe in kleinen Cafés gesessen und das Leben beobachtet.

Wein und Kulinarik

Besonders beeindruckt hat mich die kulinarische Szene. Neben den klassischen Fischbrötchen gibt es eine große Auswahl an Restaurants und Bars, die regionale und internationale Küche anbieten. Ich habe einige interessante Weinbars entdeckt, in denen man glasweise verschiedene Weine probieren kann. Und natürlich die kleinen Weingüter in den Vierlanden, die biologische Weine produzieren.

Ich habe gelernt, dass Wein nicht nur etwas für Kenner ist, sondern ein Lebensgefühl, ein Genussmittel. Und dass es wichtig ist, kleine, unbekanntere Weingüter zu unterstützen, die mit Leidenschaft und Herzblut arbeiten.

Drei Tipps für Hamburg-Reisende

Wenn jemand nach Hamburg reist, würde ich ihm drei Dinge empfehlen:

  1. Besuchen Sie St. Pauli bei Nacht. Die Reeperbahn ist ein einzigartiges Erlebnis, ein bisschen chaotisch, ein bisschen laut, aber auch faszinierend.
  2. Probieren Sie die Weine aus den Vierlanden. Die kleinen Weingüter produzieren hervorragende Weine, die man unbedingt probieren sollte.
  3. Machen Sie eine Schifffahrt auf der Elbe. So können Sie die Stadt aus einer anderen Perspektive sehen und die maritime Atmosphäre genießen.

Ich werde Hamburg nicht so schnell vergessen. Es ist eine Stadt, die mich an meine Jugend erinnert, an meine Zeit als freier Journalist, als ich noch mit dem Rucksack durch die Welt reiste. Es ist eine Stadt, in der man sich wohlfühlen kann, in der man sich zu Hause fühlen kann.

Und während ich meinen Zug nach Bordeaux besteige, weiß ich, dass ich bald wiederkommen werde. Denn Hamburg hat etwas Besonderes, etwas Magisches. Und ich freue mich darauf, Klaus wiederzusehen und mit ihm auf die guten Weine anzustoßen.

    👤 Paar Mitte 50, kulturinteressiert und genussorientiert ✍️ prägnant und kurzweilig