Afrika - Senegal - Saint-Louis

Reisebericht Afrika - Senegal - Saint-Louis

Der Geruch von Salz, Staub und irgendwas Süßem hing in der Luft, als ich aus dem kleinen, weißen Toyota stieg. Um mich herum ein bunter Tumult – Gelb, Blau, Rot, alles an Motiven und Mustern, das ich bisher nur von Fotos kannte. Saint-Louis, Senegal. Der Flughafen war… nun, sagen wir mal "minimalistisch". Eher ein paar Gebäude und ein Feld voller Hühner, aber hey, das ist ja das Abenteuer, oder?

Ankunft in Saint-Louis – Mehr als nur ein Stopp

Ich bin Lena, 20, und eigentlich wollte ich nur für ein paar Monate aus Deutschland raus. Irgendwas Neues sehen, andere Kulturen kennenlernen, und dabei nicht gleich mein ganzes Erspartes verpulvern. Backpacking und Workaway sind da perfekt. Im Gegenzug für ein paar Stunden Arbeit am Tag gibt’s Unterkunft und Verpflegung. So hab ich’s geschafft, mit relativ wenig Geld einen längeren Aufenthalt in Afrika zu planen. Senegal war nicht unbedingt mein erster Gedanke, aber ein Freund, der schon mal hier war, meinte, Saint-Louis sei ein besonderer Ort – eine Stadt mit Geschichte, Seele und einer entspannten Atmosphäre. Und er hatte Recht.

Die Stadt der Könige und Künstler

Saint-Louis ist die ehemalige Hauptstadt Senegals und steht seit 2000 auf der UNESCO-Welterbeliste. Das merkt man sofort. Die französische Kolonialarchitektur ist zwar etwas verfallen, aber immer noch beeindruckend. Überall stehen alte Herrenhäuser mit bröckelndem Putz, bunte Fensterläden und verwilderte Gärten. Man fühlt sich fast wie in einem Film. Aber Saint-Louis ist mehr als nur eine historische Stadt. Es ist auch ein Zentrum der Kunst und Kultur. Überall gibt es kleine Galerien, Werkstätten und Musikclubs. Besonders bekannt ist die Stadt für den *Nder*, ein traditioneller Tanz, der hier seinen Ursprung hat. Ich hab ihn schon ein paar Mal auf der Straße gesehen, und es ist wirklich faszinierend. Die Energie, die Leidenschaft, die Bewegungen… einfach unglaublich.

Erste Begegnungen und kleine Missverständnisse

Die Leute hier sind super freundlich, aber es ist nicht immer einfach, sich zu verständigen. Mein Schulfranzösisch ist leider etwas eingerostet, und Wolof, die Landessprache, ist für mich komplett neu. Deswegen gibt es oft witzige Missverständnisse. Gestern wollte ich zum Beispiel in einem kleinen Laden nach Bananen fragen, aber ich hab irgendwie "Affen" gesagt. Der Verkäufer hat erstmal komisch geschaut, aber dann haben wir beide gelacht. So entstehen die besten Geschichten, oder? Ich wohne bei einer Familie in einem kleinen Viertel etwas außerhalb des Stadtzentrums. Die Unterkunft habe ich über Workaway gefunden. Ich helfe der Familie ein paar Stunden am Tag im Haushalt und bei der Betreuung ihrer Kinder, im Gegenzug bekomme ich ein Zimmer und Essen. Es ist eine tolle Erfahrung, so nah an den Leuten dran zu sein und ihren Alltag kennenzulernen.
Ich hab mich gestern auf den Markt gewagt. Ein einziger Farbenrausch! Berge von Mangos, Papayas, Ananas, Gemüse, Gewürzen… und überall Leute, die feilschen und lachen. Ich hab versucht, ein paar Fotos zu machen, aber es war schwierig, weil ich ständig von freundlichen Senegalesen angesprochen wurde. Sie wollten alle wissen, woher ich komme und was ich hier mache. Ich hab versucht, alles zu erklären, aber ich glaube, sie haben nur Bahnhof verstanden. Aber das ist ja auch egal. Hauptsache, wir hatten alle Spaß.

Mehr als nur ein touristischer Ort

Was mir sofort aufgefallen ist: Saint-Louis ist nicht auf den Tourismus ausgelegt. Hier leben echte Menschen mit ihren alltäglichen Problemen und Freuden. Man spürt, dass die Stadt ein echtes Leben hat, das nicht nur für die Touristen inszeniert wird. Das macht sie so besonders. Natürlich gibt es auch ein paar Souvenirläden und Restaurants für Touristen, aber sie sind nicht aufdringlich und fügen sich gut in das Gesamtbild ein. Ich hab mich gefragt, wie es weitergeht. Was wird mein nächstes Abenteuer sein? Welche Menschen werde ich kennenlernen? Welche Geschichten werde ich erleben? Die Möglichkeiten sind endlos. Und ich bin gespannt darauf, all das zu entdecken. Aber bevor es so weit ist, möchte ich erst einmal Saint-Louis richtig kennenlernen und die Seele dieser faszinierenden Stadt aufsaugen. Denn ich spüre, dass dieser Ort mich noch lange begleiten wird.Ich hab mich gestern auf den Weg zum *Marché de Guet Ndar* gemacht, dem großen Fischmarkt. Das ist echt ein Spektakel! Schon von Weitem konnte ich den intensiven Geruch von Fisch, Salz und Algen riechen. Es war unglaublich heiß, die Sonne brannte unbarmherzig auf meine Haut, und überall wimmelte es von Menschen. Fischer, Händler, Käufer, Touristen – ein buntes Treiben.

Guet Ndar – Das Herz des Fischhandels

Der Markt liegt direkt am Fluss Senegal und ist das Zentrum des Fischhandels in Saint-Louis. Hier kommen die Fischer morgens mit ihren Booten an und verkaufen ihren Fang direkt an die Händler. Ich war total überwältigt von der Menge an Fisch, die hier angeboten wurde. Riesige Thunfische, Sardinen, Garnelen, Muscheln – alles, was das Meer so hergibt. Ich hab versucht, ein paar Fotos zu machen, aber das war gar nicht so einfach. Die Leute waren zwar freundlich, aber sie waren auch sehr beschäftigt und wollten nicht auf mich warten. Ich hab mich dann entschlossen, einfach ein paar Fotos aus der Hüfte zu schießen und mich treiben zu lassen.
Ich bin dann an einem Stand vorbeigekommen, wo gerade frische Sardinen gegrillt wurden. Der Geruch war einfach unwiderstehlich. Ich hab den Händler gefragt, ob ich auch probieren darf, und er hat mir großzügig eine Handvoll Sardinen auf einen Teller gelegt. Die waren unglaublich lecker! Einfach gegrillt, mit etwas Zitrone und Salz gewürzt – mehr braucht man nicht. Ich hab dann noch eine Weile mit dem Händler geplaudert. Er hat mir erzählt, dass er schon seit über 30 Jahren auf dem Markt arbeitet und dass er seinen Beruf liebt. Er hat mir auch erklärt, dass der Fischfang in den letzten Jahren immer schwieriger wird, weil die Fischbestände immer weiter schrumpfen. Das war traurig zu hören, aber ich war froh, dass er trotzdem noch optimistisch war.

Die Ruheoase Île de Ndiaw

Nach dem Trubel auf dem Fischmarkt hab ich mir eine Auszeit auf der *Île de Ndiaw* gegönnt. Das ist eine kleine Insel im Fluss Senegal, die mit einer langen Brücke mit dem Stadtzentrum verbunden ist. Die Insel ist ein echtes Naturparadies. Überall gibt es üppige Vegetation, exotische Vögel und kleine Affen. Ich hab mich auf eine Bank gesetzt und einfach die Ruhe genossen. Der Wind rauschte in den Bäumen, und das Wasser plätscherte sanft an den Ufern. Es war herrlich entspannend.
Ich bin dann noch durch die kleinen Gassen der Insel spaziert. Hier leben die traditionellen Fischerfamilien von Saint-Louis. Ich hab ein paar Einblicke in ihr Leben bekommen und war beeindruckt von ihrer Gastfreundschaft. Eine ältere Frau hat mir sogar eine Tasse selbstgemachten Tee angeboten. Wir haben uns zwar nicht wirklich unterhalten können, aber wir haben uns trotzdem verstanden.

Ein kleiner Fauxpas im Viertel Fass-Chambert

Ich hab mich dann noch ins Viertel *Fass-Chambert* gewagt. Das ist ein etwas gehobeneres Viertel mit vielen alten Herrenhäusern und Boutiquen. Ich wollte mir ein paar Souvenirs kaufen, aber ich hab mich dann total im Labyrinth der Gassen verirrt. Ich hab versucht, jemanden nach dem Weg zu fragen, aber mein Französisch war einfach nicht gut genug. Ich hab dann versehentlich in den Garten eines reichen Mannes gelaufen und bin fast in seinen Pool gefallen. Zum Glück hat er mich rechtzeitig entdeckt und mich gerettet. Er war zwar erst mal etwas verärgert, aber dann hat er angefangen zu lachen und mir den Weg zur nächsten Souvenir-Boutique gewiesen. Ich war total peinlich berührt, aber ich war froh, dass alles gut gegangen ist.
Die Mischung aus dem authentischen Leben auf dem Fischmarkt, der ruhigen Natur der Île de Ndiaw und den kleinen Pannen im Stadtteil Fass-Chambert hat Saint-Louis zu einem unvergesslichen Ort gemacht. Ich glaube, ich habe hier nicht nur eine Stadt, sondern eine ganze Lebensart kennengelernt – eine, die mich noch lange begleiten wird und die mir gezeigt hat, dass das Glück oft in den kleinen Dingen zu finden ist.

Der letzte Tag in Saint-Louis fühlte sich komisch an. Einerseits war ich unglaublich froh, all die Eindrücke mitnehmen zu können, andererseits tat es ein bisschen weh, mich von dieser besonderen Stadt zu verabschieden. Ich saß am Morgen noch einmal am Flussufer, beobachtete die Fischer, die ihre Netze auswarfen, und atmete die salzige Luft ein. Es ist schwer zu beschreiben, aber Saint-Louis hat etwas Magisches. Es ist nicht nur die Schönheit der Stadt, sondern auch die Energie, die Lebensfreude der Menschen, die unkomplizierte Art, wie hier gelebt wird.

Ich hab mich nochmal mit meiner Gastfamilie unterhalten. Sie waren total traurig, dass ich schon wieder weiterziehen muss. Wir haben uns fest umarmt und versprochen, in Kontakt zu bleiben. Ich hab ihnen ein paar Fotos von mir aus Deutschland gezeigt, und sie waren total fasziniert. Sie haben noch nie einen Schneeberg gesehen!

Bevor ich zum Busbahnhof gegangen bin, hab ich mir noch einmal den Marché de Guet Ndar angeschaut. Es war wieder voller Leben, voller Farben, voller Gerüche. Ich hab mir noch ein paar Mangos gekauft und bin dann auf den Bus gestiegen. Als der Bus losgefahren ist, hab ich noch einmal zurückgeschaut. Saint-Louis wurde immer kleiner und kleiner, bis sie schließlich am Horizont verschwunden ist.

Ich bin zwar erst ein paar Wochen in Afrika unterwegs, aber ich habe jetzt schon so viel gelernt. Ich habe gelernt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben. Ich habe gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Und ich habe gelernt, dass es sich lohnt, aus seiner Komfortzone herauszutreten und die Welt zu erkunden.

Saint-Louis war für mich nicht nur ein Stopp auf meiner Reise, sondern ein Erlebnis, das mich verändert hat. Es hat mir gezeigt, dass es noch so viel zu entdecken gibt, und dass das Leben voller Überraschungen steckt. Ich bin dankbar für all die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, und für all die Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Was ich in Saint-Louis gelernt habe

Manchmal ist es das Beste, einfach mal loszulassen und sich treiben zu lassen. Nicht alles muss geplant sein. Manchmal passieren die schönsten Dinge, wenn man sich einfach dem Moment hingibt. Saint-Louis hat mir gelehrt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, die unkomplizierte Art, wie hier gelebt wird, die Freundlichkeit der Menschen, die Schönheit der Natur.

Meine Tipps für Saint-Louis

Wenn du nach Saint-Louis reist, solltest du unbedingt den Marché de Guet Ndar besuchen. Hier kannst du das authentische Leben der Stadt erleben und die frischesten Meeresfrüchte probieren. Sei aber darauf vorbereitet, dass es dort etwas chaotisch zugehen kann. Und vergiss nicht zu feilschen!

Mach einen Spaziergang durch das Viertel Fass-Chambert. Hier kannst du die wunderschönen alten Herrenhäuser bewundern und in den kleinen Boutiquen nach Souvenirs suchen. Aber pass auf, dass du dich nicht verirrst!

Nimm dir Zeit für die Île de Ndiaw. Hier kannst du die Ruhe genießen und die Natur beobachten. Es ist ein perfekter Ort, um dem Trubel der Stadt zu entfliehen.

Und ganz wichtig: Sei offen für neue Erfahrungen und lerne die Menschen kennen. Die Senegalesen sind unglaublich freundlich und gastfreundlich. Sie werden dir gerne ihre Kultur näherbringen und dir unvergessliche Momente bescheren.


    👤 Fotograf (35) der atemberaubende Landschaften und Tierwelt dokumentieren möchte ✍️ authentisch und ehrlich