Windy City, grüne Daumen und ein Hauch von Soul Food
Ein neuer Anfang
Ich bin Lisa, 25, und arbeite gerade als Freiwillige in einem Community-Garten hier in Chicago. Zugegeben, „Garten“ ist vielleicht etwas zu großzügig. Eher eine kleine Grünfläche zwischen ein paar Backsteinhäusern, die wir gemeinsam mit den Anwohnern bepflanzen. Ich bin über ein Programm hier gelandet, das Freiwillige in soziale Projekte vermittelt. Eigentlich wollte ich nach Südamerika, aber irgendwie hat es mich dann doch hierher verschlagen. Und ehrlich gesagt, ich bereue es nicht. Ich bin keine klassische Reisende. Backpacking und Partyurlaube sind nicht so mein Ding. Ich will etwas Sinnvolles machen, Leute kennenlernen, die anders leben als ich, und vielleicht meinen kleinen Beitrag dazu leisten, die Welt ein bisschen besser zu machen. Klingt kitschig, ich weiß. Aber ist auch egal.Erste Schritte in der Windy City
Die ersten Tage waren… chaotisch. Ich wohne in einer WG mit drei anderen Freiwilligen – ein Engländer, eine Kanadierin und ein Mädchen aus Südafrika. Wir verstehen uns gut, aber jeder hat seinen eigenen Rhythmus. Die Stadt selbst ist riesig. Ich bin aus einem kleinen Dorf in Brandenburg, also ist das hier schon eine ganz andere Hausnummer.Ich habe mich schon ein paar Mal verlaufen, bin in die falsche U-Bahn gestiegen und habe versucht, mich mit Händen und Füßen zu erklären, weil mein Englisch gerade nicht so mitspielen wollte. Aber die Leute hier sind wirklich hilfsbereit. Sogar, wenn sie nicht verstehen, was ich sage, versuchen sie immer, mir zu helfen.
Der Community-Garten
Der Garten ist mein Ankerpunkt. Hier fühle ich mich wohl. Die Anwohner sind supernett und freuen sich riesig über unsere Hilfe. Wir pflanzen Gemüse, Kräuter und Blumen. Es ist schön zu sehen, wie aus einem brachliegenden Grundstück etwas Lebendiges entsteht.Ich habe gelernt, wie man Tomaten pflanzt, wie man Unkraut jätet und wie man die richtige Erde mischt. Klingt banal, aber es ist unglaublich befriedigend, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen.
Außerdem lerne ich hier die Geschichten der Menschen kennen, die in diesem Viertel leben. Eine alte Dame namens Maria erzählt mir immer von ihrer Jugend in Puerto Rico, ein junger Mann namens Jamal träumt davon, ein erfolgreicher Rapper zu werden, und eine alleinerziehende Mutter namens Aisha versucht, ihren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen.
Chicago entdecken
Wenn ich nicht gerade im Garten arbeite, versuche ich, die Stadt zu erkunden. Ich bin schon am Millennium Park entlanggeschlendert, habe den Navy Pier besucht und habe mir das Art Institute of Chicago angesehen. Chicago ist eine wunderschöne Stadt mit einer beeindruckenden Architektur und einer lebendigen Kulturszene.Ich liebe es, einfach durch die Straßen zu laufen und die Atmosphäre aufzusaugen. Ich habe mich in die kleinen Cafés, die Buchläden und die Musikclubs verliebt. Ich habe auch gelernt, dass Chicago für seine Pizza bekannt ist. Und ich muss sagen, die ist wirklich gut.
Ich habe mich auch schon ein paar Mal mit anderen Freiwilligen getroffen und wir haben gemeinsam die Stadt erkundet. Wir haben uns in einem Jazzclub verabredet, wir haben einen Baseballspiel besucht und wir haben einen Spaziergang entlang des Michigansees gemacht.
Es ist schön, Leute kennenzulernen, die die gleichen Interessen haben wie ich und mit denen ich meine Erfahrungen teilen kann. Ich beginne, mich in dieser Stadt wohlzufühlen, und langsam, aber sicher, entdecke ich, dass Chicago mehr zu bieten hat, als nur Wolkenkratzer und Deep-Dish-Pizza.
Wicker Park und die Suche nach dem perfekten Kaffee
Wicker Park ist ein Viertel, das ich schnell ins Herz geschlossen habe. Es ist viel entspannter als die Gegend rund um den Magnificent Mile. Kleine Boutiquen, Secondhand-Läden, Kunstgalerien und jede Menge Cafés. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, den perfekten Kaffee zu finden. Klingt bescheuert, ich weiß, aber es ist eine gute Ausrede, um neue Orte zu erkunden. Bisher habe ich drei vielversprechende Kandidaten entdeckt, aber die Suche geht weiter. Einmal habe ich mich in einem dieser Cafés komplett verpeilt. Ich wollte einen „iced latte with oat milk“ bestellen, aber mein amerikanisches Englisch hat mich im Stich gelassen. Stattdessen habe ich etwas bestellt, das sich anhörte wie „ice cat with boat milk“. Die Barista hat mich verständnislos angestarrt, dann musste ich kichern und es nochmal versuchen. Peinlich, aber lustig.Der Duft von Soul Food in Bronzeville
Bronzeville ist ganz anders als Wicker Park. Hier ist die Geschichte spürbar. Es war früher ein Zentrum der afroamerikanischen Kultur in Chicago und hat bis heute seinen eigenen Charakter. Ich war dort, um mir das National Museum of African American History and Culture anzusehen. Das Museum ist beeindruckend, aber was mich noch mehr berührt hat, ist die Atmosphäre in dem Viertel. Ich bin an einem kleinen Soul-Food-Restaurant vorbeigekommen, aus dem ein unglaublicher Duft strömte. Ich musste einfach reingehen. Ich habe mir Fried Chicken mit Collard Greens und Mac and Cheese bestellt. Es war das beste Essen, das ich seit langem gegessen habe. Die Leute dort waren superfreundlich und haben mir erzählt, wie sich das Viertel verändert hat. Es war ein sehr authentisches Erlebnis.Pannkakor und ein kleiner Kulturschock
In einem kleinen schwedischen Laden in Andersonville habe ich versucht, Pannkakor (Pfannkuchen) zu kaufen. Ich dachte, ich wäre gut vorbereitet, weil ich ein paar schwedische Wörter gelernt hatte. Aber als ich die Verkäuferin nach „pannkakor“ gefragt habe, hat sie mich komplett verdutzt angestarrt. Dann hat sie erklärt, dass sie hier in Chicago sind und kein Schwedisch sprechen. Tja, das war ein Fail. Ich habe dann einfach auf Englisch nach Pfannkuchen gefragt. Manchmal sind es diese kleinen Momente, die einem bewusst machen, wie anders die Kulturen sind. In Deutschland würde man erwarten, dass man in einem schwedischen Laden auch schwedisch spricht. Aber hier in Chicago ist alles ein bisschen bunter und vielfältiger.Mehr als nur eine Stadt
Chicago ist mehr als nur eine Stadt mit beeindruckender Architektur und leckerer Pizza. Es ist ein Schmelztiegel der Kulturen, ein Ort, an dem man immer wieder neue Dinge entdeckt und an dem man lernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ich fange an zu verstehen, warum sich so viele Menschen in diese Stadt verlieben. Und ich glaube, ich bin auch dabei, es zu tun. Langsam, aber sicher, beginnt sich Chicago wie ein zweites Zuhause anzufühlen, und ich bin gespannt darauf, was die nächsten Wochen noch bringen werden.Die Zeit hier in Chicago rennt einfach vorbei. Es fühlt sich an, als wäre ich erst gestern am Flughafen gelandet, überfordert und mit einem viel zu schweren Rucksack. Mittlerweile habe ich mich eingelebt, zumindest ein bisschen. Ich habe gelernt, die U-Bahn zu navigieren, ohne mich zu verlaufen (meistens), und ich habe sogar ein paar Lieblingscafés entdeckt.
Rückblick auf die Wochen
Der Community-Garten ist nach wie vor mein Ankerpunkt. Es ist unglaublich, zu sehen, wie aus einem kleinen Stück Land etwas so Lebendiges entstehen kann. Maria, Jamal und Aisha – ihre Geschichten haben mich tief berührt. Ich habe gelernt, dass es nicht nur darum geht, Gemüse anzupflanzen, sondern auch darum, Beziehungen aufzubauen und Gemeinschaft zu schaffen.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Versuch, Pannkakor zu bestellen. Ein kultureller Fauxpas, der mir in Erinnerung bleibt. Aber genau diese kleinen Missverständnisse und Pannen machen das Reisen doch erst richtig spannend. Und natürlich an das Fried Chicken in Bronzeville. Ich muss sagen, Soul Food ist wirklich etwas Besonderes.
Mehr als nur Sehenswürdigkeiten
Chicago hat so viel mehr zu bieten als nur Wolkenkratzer und Museen. Es ist eine Stadt mit Seele, eine Stadt mit Geschichte, eine Stadt mit Menschen. Ich habe gelernt, die Vielfalt der Kulturen zu schätzen und die kleinen Dinge im Leben zu genießen. Einen Spaziergang am See bei Sonnenuntergang, ein gutes Gespräch mit einem Anwohner, eine Tasse Kaffee in einem gemütlichen Café – das sind die Momente, die ich am meisten in Erinnerung behalten werde.
Ein paar Tipps für alle, die nach Chicago reisen
Wenn ich jemandem eine Reise nach Chicago empfehlen würde, würde ich ihm sagen: Lass dich treiben. Verlier dich in den Vierteln, probiere die lokale Küche, sprich mit den Menschen. Und vergiss nicht, den Community-Garten zu besuchen.
Und noch ein Tipp: Nimm dir Zeit für die kleinen Dinge. Setz dich an den See, lies ein Buch, beobachte die Leute. Chicago ist eine Stadt, die man mit allen Sinnen genießen sollte.
Ich werde diese Zeit hier nie vergessen. Ich habe so viel gelernt, so viele tolle Menschen kennengelernt und so viele unvergessliche Momente erlebt. Chicago hat mein Herz erobert, und ich bin sicher, dass ich bald wiederkommen werde.
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- Community-Garten (als Beispiel für authentische Erfahrungen)
- Millennium Park (besucht während der Erkundungstouren)
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- Art Institute of Chicago (während der Erkundungstouren besucht)
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- Wicker Park (beliebtes Viertel für Cafés und Boutiquen)