Zwischen Frangipani und Chili Chicken
Ein alter Traum wird wahr
Singapur. Ich hatte so lange davon geträumt, diesen Ort zu sehen. Eigentlich hatte ich mir gedacht, das mache ich, wenn ich in Rente bin, mit mehr Zeit und weniger Verpflichtungen. Aber dann kam das Gefühl: Warum eigentlich warten? Das Leben ist jetzt, und wenn ich ständig auf den “richtigen” Zeitpunkt warte, verpasse ich es vielleicht. Also habe ich kurzerhand einen Flug gebucht.Ich bin ja kein Mensch, der lange in Städten verweilt. Meine Leidenschaft gehört den Wanderwegen, den abgelegenen Pfaden, den Bergen und Wäldern. Ich habe schon so viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt – die Cinque Terre, der Appalachian Trail, Teile des Jakobswegs. Aber Singapur war anders. Es war kein Ziel für Wanderungen im klassischen Sinne, sondern eher ein Ort, den ich mir anschauen wollte, bevor ich mich aufmachen würde, um die Natur Südostasiens zu erkunden. Borneo stand als nächstes auf der Liste, und Singapur war sozusagen der Auftakt.
Der kleine Rucksack
Ich habe nur einen kleinen Rucksack mitgenommen. Brauche nicht viel. Eine gute Kamera, ein paar T-Shirts, meine geliebten Wanderschuhe – auch wenn ich sie hier wahrscheinlich kaum brauchen werde – und ein Notizbuch, um meine Gedanken festzuhalten. Ich schreibe gerne. Nicht, um etwas zu veröffentlichen, sondern für mich selbst. Es hilft mir, die Dinge zu ordnen und die Erlebnisse besser zu verarbeiten.
Ich bin ja schon seit über 30 Jahren unterwegs. Angefangen hat alles mit einer spontanen Reise nach Irland, direkt nach dem Abitur. Ich wollte einfach raus, etwas Neues sehen, den Kopf frei bekommen. Und dann hat es mich gepackt. Das Fernweh, die Sehnsucht nach dem Unbekannten, die Faszination für andere Kulturen. Ich habe meinen Job gekündigt, meine Wohnung aufgegeben und bin einfach losgezogen. Ich habe in Hostels geschlafen, in Zügen mitgefahren, mit Einheimischen gesprochen und so viel gelernt.
Manchmal fragen mich Leute, ob ich nicht einsam bin, wenn ich so viel alleine unterwegs bin. Aber das ist es nicht. Ich genieße die Freiheit, die Unabhängigkeit, die Möglichkeit, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Und ich bin nie wirklich alleine. Ich treffe immer wieder interessante Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme, die mir ihre Geschichten erzählen, die mir neue Perspektiven eröffnen.
Erste Eindrücke
Die Taxifahrt in die Stadt war beeindruckend. Alles so sauber, so ordentlich, so grün. Überall Blumen, Bäume, Parks. Die Gebäude waren modern, elegant, aber auch irgendwie futuristisch. Ich hatte das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Und der Verkehr! So viel Verkehr, aber trotzdem alles so ruhig, so geordnet. Kein Hupen, kein Gebrüll, kein Chaos.
Ich hatte mir ein kleines Hotel in Chinatown gebucht. Ich mag es, in den Vierteln der Städte zu wohnen, wo das echte Leben stattfindet, wo die Menschen wohnen und arbeiten, wo man die Kultur hautnah erleben kann. Chinatown war lebendig, bunt, voller Gerüche und Klänge. Überall kleine Läden, Restaurants, Tempel. Ich konnte es kaum erwarten, die Gassen zu erkunden, die Menschen kennenzulernen, die Spezialitäten zu probieren.
Ich hatte mich für dieses Hotel entschieden, weil es angeblich einen kleinen, versteckten Garten hatte. Und tatsächlich, als ich mein Zimmer gefunden hatte und durch den Hinterausgang ging, öffnete sich vor mir eine kleine grüne Oase. Bambus, Orchideen, Koi-Karpfen im Teich. Es war, als wäre man in einer anderen Welt. Ich setzte mich auf eine Bank, schloss die Augen und atmete tief ein. Die Hitze, die Feuchtigkeit, die Gerüche, die Klänge – es war einfach perfekt.
Ich hatte das Gefühl, dass dieser Ort mir mehr zu bieten hatte, als ich erwartet hatte. Eine Mischung aus moderner Architektur, kultureller Vielfalt und grüner Natur, die es wert war, genauer erkundet zu werden.Ich hatte das Gefühl, dass dieser Ort mir mehr zu bieten hatte, als ich erwartet hatte. Eine Mischung aus moderner Architektur, kultureller Vielfalt und grüner Natur, die es wert war, genauer erkundet zu werden.Ein Tag in Little India
Am nächsten Morgen bin ich früh aufgestanden und habe mich auf den Weg nach Little India gemacht. Ich liebe es, diese Art von Vierteln zu erkunden, wo man in eine andere Welt eintauchen kann, wo die Farben, die Gerüche, die Klänge einen überwältigen. Und Little India war genau so. Überall leuchtende Saris, Gewürzeläden, Tempel, Blumenkränze. Es war ein Fest für die Sinne. Ich bin durch die engen Gassen geschlendert, habe die Menschen beobachtet, bin in kleine Geschäfte gegangen und habe mich von den Verkäufern beraten lassen. Ich habe verschiedene Gewürze gekauft – Curry, Kreuzkümmel, Koriander – und mir versprochen, zu Hause indische Gerichte zu kochen. Ich bin in einen kleinen Tempel gegangen und habe die Gebete der Gläubigen belauscht. Es war eine sehr friedliche, spirituelle Atmosphäre.Ich hatte mich ein bisschen verfranzt und musste dann meinen Weg zurück zum MRT (der U-Bahn) suchen. Ich bin immer wieder an denselben Geschäften vorbeigekommen und habe mich im Labyrinth der Gassen verirrt. Zum Glück hat mir ein freundlicher Taxifahrer den Weg gewiesen. Er hat mir erzählt, dass er schon seit 30 Jahren in Singapur lebt und dass er Little India genauso liebt wie ich.
Botanic Gardens – eine grüne Oase
Am Nachmittag habe ich dann die Botanic Gardens besucht. Es war eine willkommene Abwechslung vom Trubel der Stadt. Die Gärten waren riesig, wunderschön angelegt und voller verschiedener Pflanzenarten. Ich bin stundenlang durch die Parks geschlendert, habe die Blumen bewundert und die Vögel beobachtet.Besonders beeindruckend fand ich den National Orchid Garden. Dort gab es hunderte verschiedene Orchideenarten, in allen Farben und Formen. Es war wie ein Paradies für Orchideenliebhaber. Ich habe Fotos gemacht, bis meine Speicherkarte voll war.
Ich hatte mir ein kleines Picknick mitgebracht und habe es auf einer Bank unter einem schattigen Baum genossen. Es war eine sehr entspannte, friedliche Atmosphäre. Ich habe die Ruhe und die Natur genossen und den Stress des Alltags vergessen.
Ein kleines Missverständnis
Am Abend wollte ich in einem Hawker Centre essen, einem dieser riesigen Freiluft-Food-Märkte, von denen Singapur so viele hat. Ich hatte mir vorgenommen, das berühmte Hainanese Chicken Rice zu probieren. Ich bin also zu einem Stand gegangen, habe mir eine Portion bestellt und mich dann an einen Tisch gesetzt.Als das Essen kam, war ich etwas überrascht. Es sah nicht aus wie auf den Fotos, die ich im Internet gesehen hatte. Das Hähnchen war komplett rot und mit einer scharfen Soße bedeckt. Ich habe vorsichtig probiert und festgestellt, dass es extrem scharf war. Ich konnte kaum etwas essen. Ich habe dann den Kellner gefragt, ob das wirklich Hainanese Chicken Rice sei. Er hat gelacht und erklärt, dass ich versehentlich Chili Chicken bestellt hatte. Ein kleines Missverständnis, aber es hat für einige Lacher gesorgt.
Singapur hatte mich mit seiner Vielfalt, seiner Sauberkeit und seiner Gastfreundschaft überrascht und begeistert, und ich wusste, dass ich noch viele weitere Geschichten mitnehmen würde.Die letzten Tage in Singapur sind wie im Flug vergangen. Ich habe mich getrieben gefühlt, nicht im negativen Sinne, sondern eher so, als würde die Stadt mich an der Hand nehmen und mir ihre vielen Facetten zeigen wollen. Es war anders, als ich erwartet hatte. Ich bin ja eher der Mensch für die stille Natur, für die Berge und Wälder, aber Singapur hat mich überrascht und bereichert.
Ein Fazit für mich
Ich habe gelernt, dass Schönheit in vielen Formen existieren kann. Nicht nur in der unberührten Natur, sondern auch in der pulsierenden Energie einer Großstadt, in der Vielfalt der Kulturen, in der Kreativität der Menschen. Singapur ist ein Beweis dafür, dass man Fortschritt und Tradition, Moderne und Natur miteinander verbinden kann.
Ich war skeptisch, ob es für mich als Wanderer hier etwas zu entdecken gibt, aber ich habe mich geirrt. Die Botanic Gardens waren eine Oase der Ruhe und Schönheit, Little India hat meine Sinne überwältigt und Chinatown hat mir die faszinierende Welt der chinesischen Kultur nähergebracht. Selbst der scheinbar sterile Flughafen Changi hat mich beeindruckt – mit seinen Schmetterlingsgärten und Wasserfällen.
Ein paar Tipps, wenn es dich hierher verschlägt
Wenn du nach Singapur reist, dann nimm dir Zeit, um die verschiedenen Viertel zu erkunden. Verliere dich in den Gassen, sprich mit den Menschen, probiere die lokale Küche. Scheue dich nicht, abseits der touristischen Pfade zu wandern. Du wirst überrascht sein, was du alles entdecken kannst.
Und noch ein Tipp: Sei offen für neue Erfahrungen. Singapur ist ein Schmelztiegel der Kulturen, und es gibt so viel zu lernen und zu entdecken. Probiere neue Gerichte, lerne ein paar Worte Chinesisch oder Malaiisch, besuche einen Tempel oder eine Moschee. Lass dich von der Vielfalt und der Energie der Stadt inspirieren.
Der Abschied fällt schwer
Ich sitze gerade in einem kleinen Café und trinke meinen letzten Singapur Sling. Draußen regnet es, aber es ist ein warmer, angenehmer Regen. Ich schaue auf die Menschen, die an mir vorbeihuschen, und ich fühle eine gewisse Wehmut. Singapur hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Borneo ruft, und ich freue mich auf die unberührte Natur, die dichten Dschungel und die exotischen Tiere. Aber ich werde Singapur nicht vergessen. Es war ein unvergessliches Erlebnis, und ich hoffe, dass ich eines Tages wiederkommen kann. Vielleicht nicht für einen längeren Aufenthalt, aber zumindest für einen kurzen Zwischenstopp, um ein paar alte Freunde zu besuchen und einen Singapur Sling zu trinken.
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