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Schottische Schnitzeljagd: Eine Familienreise nach Edinburgh und darüber hinaus

Der Geruch von feuchter Wolle und salziger Luft kitzelte in meiner Nase, während ich versuchte, den Teenager-Protest in den Augen meiner beiden Kinder zu ignorieren. Es war Edinburgh, und wir waren gerade aus dem Bus gestiegen, direkt vor diesem riesigen, viktorianischen Bahnhof. Nicht das romantischste Setting, klar, aber hey, pragmatisch war das Motto dieser Reise. Ich meine, wer will schon Stunden mit Koffer schleppen, wenn man stattdessen direkt ins Getümmel springen kann?

Warum überhaupt Edinburgh?

Die Idee zu dieser Schottland-Reise kam eigentlich ziemlich spontan. Meine Frau, Lisa, hatte sich im letzten Winter einen grippalen Infekt eingefangen, und während sie fiebrig im Bett lag, hatte sie eine Dokumentation über die schottischen Highlands gesehen. Seitdem redete sie unaufhörlich von Burgen, Seen und mystischen Geschichten. Unsere Kinder, Jonas (16) und Lena (12), waren anfangs eher skeptisch. Sie bevorzugten eigentlich Strandurlaube mit All-Inclusive-Angeboten. Aber ich hatte ihnen versprochen, dass wir auch etwas "Abenteuerliches" unternehmen würden, und Schottland schien da ein guter Kompromiss. Außerdem hatten wir beschlossen, die Reise nicht als klassischen "Kultur-Trip" zu verkaufen, sondern als eine Art Schnitzeljagd durch die Geschichte.

Der Plan (oder das Fehlen davon)

Lisa hatte sich wochenlang in Reiseblogs und Foren verloren und eine grobe Route zusammengestellt. Wir wollten uns Edinburgh anschauen, dann ein paar Tage in die Highlands fahren und eventuell noch einen Abstecher zur Isle of Skye machen. Aber wir hatten uns bewusst gegen ein enges Zeitprogramm entschieden. Wir wollten die Freiheit haben, spontan zu sein, uns treiben zu lassen und einfach zu schauen, was passiert. Ich glaube, das ist wichtig, wenn man mit Teenagern unterwegs ist. Sie wollen nicht das Gefühl haben, Teil eines vorgefertigten Plans zu sein. Sie wollen ihren eigenen Raum haben, ihre eigenen Interessen verfolgen und ihre eigenen Entscheidungen treffen.

Erste Eindrücke von Edinburgh

Die Stadt empfing uns mit einem chaotischen, aber irgendwie charmanten Trubel. Überall waren Touristen, Straßenmusiker und Verkäufer von Souvenirs. Die Gebäude waren überwiegend aus grauem Stein gebaut, was der Stadt einen leicht düsteren, aber gleichzeitig auch majestätischen Charakter verlieh. Ich erinnere mich, wie Lena meckerte, dass alles so "grau" sei. Aber Jonas, der sich für Geschichte interessiert, war sofort begeistert von den alten Gebäuden und den vielen Statuen. Wir checkten in unser kleines Apartment im Stadtzentrum ein, das zum Glück einen tollen Blick auf die Edinburgh Castle hatte. Das war ein großer Pluspunkt, denn Jonas wollte die Burg unbedingt als erstes besichtigen.

Der Kampf mit dem Jetlag und den Teenagern

Der Jetlag schlug uns allerdings schneller ein, als erwartet. Wir waren alle müde und erschöpft, und die Teenager waren entsprechend schlecht gelaunt. Ich versuchte, sie mit dem Versprechen von echtem schottischem Fudge zu motivieren, aber das half nur bedingt. Lisa übernahm die Rolle der geduldigen Mutter und versuchte, die Stimmung aufzulockern. Ich hingegen konzentrierte mich darauf, ein Café zu finden, in dem wir einen starken Kaffee bekommen konnten. Nach ein paar Stunden und ein paar Tassen Kaffee fühlten wir uns langsam wieder etwas besser. Wir beschlossen, einen kleinen Spaziergang durch die Stadt zu machen, um die Gegend zu erkunden.

Ein Hauch von Mystik

Die Straßen von Edinburgh waren voller Leben und Energie. Überall gab es kleine Läden, Pubs und Restaurants. Ich erinnere mich, wie wir an einem alten, verwinkelten Gässchen vorbeikamen, in dem ein Mann Dudelsack spielte. Die Musik war melancholisch und eindringlich, und sie verstärkte das Gefühl von Mystik und Geheimnis, das die Stadt umgab. Lena, die normalerweise nicht viel für traditionelle Musik übrig hat, blieb stehen und lauschte andächtig. Ich glaube, in diesem Moment spürte sie zum ersten Mal die besondere Atmosphäre von Edinburgh. Der erste Tag neigte sich dem Ende zu, und während wir in einem kleinen Pub ein traditionelles schottisches Abendessen genossen, begann ich zu ahnen, dass diese Reise vielleicht doch etwas Besonderes werden könnte. Und ich spürte, dass das eigentliche Abenteuer erst noch bevorstand, während wir uns fragten, welche Geschichten dieser altehrwürdige Ort uns noch offenbaren würde.

Von Geistern und Gassen: Erkundung der Altstadt

Am nächsten Morgen, nach einem überraschend guten Frühstück (Lisa hatte tatsächlich Porridge-Zubereitung gemeistert!), machten wir uns auf den Weg, um die Altstadt von Edinburgh zu erkunden. Wir begannen mit der Royal Mile, der Hauptschlagader, die Edinburgh Castle mit dem Palace of Holyroodhouse verbindet. Ich muss sagen, die Touristenmassen waren schon überwältigend. Aber selbst zwischen all den Menschen konnte man die Geschichte spüren. Die alten Gebäude, die engen Gassen, die versteckten Höfe – es war wie ein Labyrinth, das uns in eine andere Zeit versetzte. Jonas war sofort Feuer und Flamme und fotografierte alles, was ihm vor die Linse kam. Lena hingegen beklagte sich, dass es zu viele Souvenirläden gäbe und sie lieber in ein richtiges Einkaufszentrum gehen würde. Ich versuchte, ihr zu erklären, dass die Altstadt eben keine normale Einkaufsstraße ist, sondern ein lebendiges Museum.

Mary King’s Close: Unterirdische Geschichten

Ein absolutes Highlight war der Besuch von Mary King’s Close. Diese unterirdische Gasse ist ein Teil von Edinburghs “verlorenen” Altstadt, die im 17. Jahrhundert zugemauert wurde, um die Ausbreitung der Pest einzudämmen. Die Führung war wirklich faszinierend, und die Geschichten über die Menschen, die hier einst lebten, waren unheimlich und bewegend. Die Atmosphäre war drückend und beklemmend, und ich konnte mir gut vorstellen, wie die Menschen hier unter den miserablen Bedingungen litten. Lena war allerdings nicht begeistert. Sie fand die Geschichten zu gruselig und klammerte sich die ganze Zeit an meinen Arm. Nach dem Besuch von Mary King’s Close brauchten wir alle erstmal etwas frische Luft.

Dean Village: Eine Oase der Ruhe

Wir entschieden uns, einen Spaziergang zum Dean Village zu machen. Dieses kleine Dorf liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums und ist eine wahre Oase der Ruhe. Die alten Mühlenhäuser, der Flüsschen Water of Leith, die grünen Wiesen – es war wie eine andere Welt. Hier konnten wir dem Trubel der Stadt entfliehen und einfach die Natur genießen. Wir machten ein Picknick am Flussufer und ließen die Seele baumeln. Sogar Lena war begeistert und vergaß ihre anfängliche schlechte Laune. Ich beobachtete Jonas, wie er versuchte, die Landschaft mit seiner neuen Drohne zu filmen. Das ging allerdings nicht ganz auf, weil der Wind ziemlich stark war. Er gab aber nicht auf und kämpfte verbissen gegen die Elemente. Das war schon beeindruckend.

Ein kulinarisches Missgeschick

Am Abend wollten wir unbedingt Haggis probieren, das schottische Nationalgericht. Wir fanden ein kleines Restaurant in der Nähe unseres Apartments und bestellten Haggis für alle. Ich muss sagen, das Gericht sah nicht besonders appetitlich aus. Es bestand aus Schafinnereien, Zwiebeln, Haferflocken und Gewürzen. Aber wir waren uns einig, dass wir es zumindest probieren mussten. Lisa war die erste, die einen Bissen nahm. Sie verzog das Gesicht und meinte, es schmecke nach "alter Socke". Jonas fand es "interessant", während Lena es kategorisch ablehnte und lieber Pommes bestellte. Ich versuchte, positiv zu bleiben und meinte, es sei "gewöhnungsbedürftig". Aber selbst ich konnte mir nicht helfen, dass es mir im Magen grummelte. Nach ein paar Bissen gaben wir das Experiment auf und bestellten uns Pizza. So viel für die kulinarische Entdeckungstour.

Abschied von Edinburgh

Als wir am nächsten Morgen Edinburgh verließen, waren wir alle etwas müde, aber auch voller Eindrücke. Die Stadt hatte uns mit ihrer Geschichte, ihrer Atmosphäre und ihren Eigenheiten in ihren Bann gezogen. Trotz der kleinen Pannen und Missgeschicke hatten wir eine unvergessliche Zeit. Wir hatten nicht nur die Sehenswürdigkeiten erkundet, sondern auch einiges über die schottische Kultur und Lebensart gelernt. Und wir hatten als Familie zusammen gelacht, gestritten und neue Erinnerungen geschaffen. Die kommenden Tage in den Highlands versprachen noch mehr Abenteuer, aber Edinburgh hatte bereits einen besonderen Platz in unseren Herzen erobert, und wir wussten, dass wir irgendwann wiederkommen würden, um die verborgenen Schätze dieser faszinierenden Stadt erneut zu entdecken.

Der Duft von Moos und feuchter Erde stieg uns in die Nase, als wir Edinburgh hinter uns ließen und in die sanften Hügel der Highlands eintauchten. Die Stadt, mit ihren verwinkelten Gassen und der imposanten Burg, hatte uns gefangen genommen. Aber jetzt wartete das echte Abenteuer: eine Reise durch eine Landschaft, die so wild und ungezähmt war, dass man sich fast in einer anderen Zeit wiederfand.

Highland-Fieber

Wir hatten uns für eine Mietwagenrundreise entschieden, um flexibel zu sein und die versteckten Ecken Schottlands erkunden zu können. Lisa hatte eine Route ausgearbeitet, die uns zu einigen der berühmtesten Sehenswürdigkeiten führte, aber auch abseits der Touristenpfade entlangführte. Die Straßen waren eng und kurvenreich, und die Landschaft wechselte ständig zwischen grünen Tälern, schroffen Bergen und glitzernden Seen. Jonas, der sich für Geologie interessiert, war ständig am Ausrufen von Gesteinsformationen und Vulkanlandschaften. Lena hingegen war mehr an den Schafen und Ponys interessiert, die überall auf den Weiden grasten.

Loch Ness und Monsterjagd

Natürlich durfte ein Besuch am Loch Ness nicht fehlen. Wir hatten uns ein kleines Boot gemietet und sind auf dem See herumgefahren, auf der Suche nach dem berühmten Monster. Jonas hatte sogar eine Unterwasserkamera mitgebracht, um Beweise zu sammeln. Natürlich haben wir Nessie nicht gesehen, aber die Fahrt war trotzdem schön. Die Landschaft war atemberaubend, und die Luft war frisch und klar. Wir haben ein Picknick auf einem kleinen Strand gemacht und die Ruhe genossen. Lisa erzählte uns die Legende von Nessie, und Lena stellte sich vor, wie das Monster unter der Wasseroberfläche lauerte.

Eilean Donan Castle: Postkarte aus Schottland

Eilean Donan Castle war ein weiteres Highlight unserer Reise. Die Burg, die auf einer kleinen Insel am Zusammenfluss von drei Seen liegt, ist eines der meistfotografierten Motive Schottlands. Wir haben die Burg besichtigt und uns in die Zeit der Klans und Burgenherren zurückversetzt. Jonas war begeistert von den Waffen und Rüstungen, die in den Räumen ausgestellt waren. Lena interessierte sich mehr für die Geschichten über die Geister, die in der Burg spuken sollen.

Abschied und Erkenntnisse

Unsere Reise neigte sich dem Ende zu, und wir fuhren zurück nach Edinburgh, um den Rückflug anzutreten. Wir waren alle müde, aber auch voller Eindrücke. Wir hatten nicht nur die Schönheit Schottlands entdeckt, sondern auch als Familie zusammengefunden. Die Reise hatte uns gezeigt, dass es nicht immer darum geht, das perfekte Urlaubsziel zu finden, sondern darum, die Zeit miteinander zu genießen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Edinburgh, mit seiner einzigartigen Atmosphäre und seinen historischen Sehenswürdigkeiten, hatte uns in seinen Bann gezogen. Die Highlands, mit ihrer wilden Schönheit und ihren beeindruckenden Landschaften, hatten uns verzaubert. Schottland war mehr als nur ein Reiseziel – es war ein Abenteuer, das wir nie vergessen werden.

Ich glaube, das Wichtigste, das wir auf dieser Reise gelernt haben, ist, dass man sich manchmal einfach treiben lassen und die Dinge auf sich zukommen lassen sollte. Wir hatten keinen festen Plan, und das war gut so. Wir haben uns von der Stimmung leiten lassen und die Dinge einfach passieren lassen. Und das hat uns die Freiheit gegeben, neue Dinge zu entdecken und unvergessliche Erinnerungen zu schaffen.

    • Edinburgh Castle: Die imposante Burg ist ein Muss für jeden Besucher.
    • Eilean Donan Castle: Die romantische Burg ist ein beliebtes Fotomotiv.
    • Edinburgh: Die historische Hauptstadt Schottlands.
👤 Familie mit älteren Kindern (12 und 16) die Abenteuer und Kultur verbinden ✍️ experimentell und unkonventionell