Ein Schluck Sonne: Wein und Leben in Peru
Ein Leben für den Wein
Ich bin Thomas, 53, und seit gefühlten ewigkeiten begeisterter Weinliebhaber. Angefangen hat alles mit den Weinproben in den kleinen Winzerdörfern rund um meinen Heimatort im Rheingau. Später wurde daraus mehr: Ich habe einen kleinen Weinhandel aufgebaut, der sich auf ungewöhnliche und handwerkliche Weine spezialisiert hat. Im Grunde lebe ich für den Wein, für die Geschichten hinter den Flaschen, für die Menschen, die mit Herzblut daran arbeiten. Die Idee zu dieser Reise entstand bei einer Weinverkostung. Ein peruanischer Winzer hatte einige seiner Tropfen vorgestellt, und ich war sofort begeistert. Nicht von den Weinen selbst – die waren gut, aber nicht außergewöhnlich – sondern von der Geschichte dahinter. Weinbau in Peru? Das klang nach einer Herausforderung, nach etwas ganz Besonderem. Und ich, als jemand, der immer auf der Suche nach dem Neuen und Ungewöhnlichen ist, musste einfach hin.Erste Schritte in Miraflores
Mein Hotel lag in Miraflores, einem der sichereren und touristischeren Viertel Limas. Sofort fiel mir auf, wie grün die Stadt ist. Überall Parks, Bäume, kleine Gärten. Das hatte ich so nicht erwartet. Ich hatte eher ein Bild von einer grauen, trostlosen Metropole vor Augen. Nach dem Einchecken wagte ich mich gleich auf die Straße. Miraflores ist relativ übersichtlich und lädt zum Bummeln ein. Überall kleine Cafés, Restaurants, Kunsthandwerksläden. Ich entdeckte eine kleine Bar, die Pisco Sour anbot, das peruanische Nationalgetränk. Natürlich musste ich das probieren. Es war süß, fruchtig, und hatte ganz schön Alkohol drin. Aber lecker war es trotzdem. Ich saß dort, beobachtete die Leute, und genoss einfach die Atmosphäre. Es war anders als alles, was ich bisher erlebt hatte. Die Menschen waren freundlich, offen, und hatten eine Lebensfreude, die ansteckend war. Und dann noch diese Musik, die aus allen Ecken drang, diese lateinamerikanischen Rhythmen, die einen sofort in Bewegung versetzen.Ein kleiner Kulturschock
Aber natürlich gab es auch Dinge, an die ich mich erst gewöhnen musste. Der Verkehr zum Beispiel. Ein einziges Chaos. Hupende Autos, Busse, Taxis, Motorräder, alles dicht an dicht. Und dann noch die vielen Straßenverkäufer, die ihre Waren anpriesen. Es war laut, hektisch, und manchmal auch ein bisschen überwältigend. Und dann noch die Armut. Man sah sie überall, in den Gesichtern der Menschen, in den heruntergekommenen Gebäuden, in den Elendsvierteln, die sich an die Hänge der Hügel klammerten. Es war ein scharfer Kontrast zu dem wohlhabenden Viertel, in dem ich mich befand. Es war deprimierend, aber es war auch wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Ich wusste, dass Peru ein Land der Gegensätze ist, aber ich hatte nicht erwartet, dass diese so offensichtlich sind. Es war ein kleiner Kulturschock, aber er war auch lehrreich. Er hat mir gezeigt, wie privilegiert ich bin, und er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, dankbar zu sein für das, was man hat. Ich beschloss, mich nicht von den negativen Dingen runterziehen zu lassen, sondern mich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Auf die freundlichen Menschen, die leckere Küche, die faszinierende Kultur, und natürlich auf den Wein. Denn das war es, was mich hierhergeführt hatte. Und ich war fest entschlossen, das Beste aus dieser Reise zu machen. Morgen würde ich mich auf den Weg in die Weinregionen machen, um die peruanischen Tropfen zu erkunden und die Menschen hinter den Flaschen kennenzulernen. Ich spürte, dass mich dort einige interessante Geschichten erwarten würden.Aufbruch ins Weinland
Der nächste Morgen begann früh. Ich hatte mir ein Taxi bestellt, das mich in die Weinregion Ica bringen sollte, etwa vier Stunden südlich von Lima. Die Fahrt war…interessant. Der Fahrer fuhr, als ob er an einem Autorennen teilnehmen würde, hupte unaufhörlich und überholte jedes Fahrzeug, das sich ihm in den Weg stellte. Ich klammerte mich an den Sitz und betete innerlich, dass wir heil ankommen. Aber irgendwie war es auch aufregend. Es war ein Vorgeschmack auf das peruanische Lebensgefühl, wild, ungestüm und voller Energie.Ica: Zwischen Wüste und Wein
Ica selbst ist eine kleine, staubige Stadt, umgeben von Wüstenlandschaft. Es sah zuerst nicht gerade nach einem Paradies für Weinliebhaber aus. Aber dann sah ich die grünen Streifen in der Wüste, die Weinberge, die durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem am Leben erhalten wurden. Es war beeindruckend, wie die Winzer es geschafft hatten, in dieser unwirtlichen Umgebung Wein anzubauen. Ich hatte mich für ein kleines, familiengeführtes Weingut entschieden, Bodega El Catador. Es war abseits der Touristenpfade und versprach ein authentisches Erlebnis. Und das versprach es. Don Ramon, der Besitzer, empfing mich persönlich und führte mich durch die Weinberge. Er erklärte mir, wie er die Reben an das trockene Klima angepasst hatte und wie er mit traditionellen Methoden Wein herstellte. Es war faszinierend, einem Winzer zuzuhören, der mit so viel Leidenschaft und Hingabe bei der Sache war. Die Weinprobe selbst war eine Offenbarung. Ich probierte Pisco, den peruanischen Tresterbrand, und verschiedene Weine, darunter ein ungewöhnlichen Tannat, der überraschend fruchtig und ausgewogen war. Der Wein schmeckte nach Sonne, Erde und Leidenschaft. Und er passte perfekt zu den kleinen Tapas, die Don Ramons Frau zubereitet hatte.Ein Missverständnis in Barranca
Nach Ica wollte ich noch das Küstenstädtchen Barranca besuchen, das für seine Pisco-Destillerien bekannt ist. Die Fahrt dorthin war allerdings etwas chaotisch. Mein Taxifahrer sprach kein Wort Englisch, und ich konnte nur rudimentär Spanisch. Irgendwann kam es zu einem Missverständnis, und wir fuhren nicht zur Destillerie, sondern zu einem kleinen Fischerdorf am Rande der Stadt. Zuerst war ich etwas enttäuscht. Aber dann stellte ich fest, dass es auch ganz schön war, einfach am Strand zu sitzen, den Fischern bei ihrer Arbeit zuzusehen und die entspannte Atmosphäre zu genießen. Ich aß ein köstliches Ceviche in einem kleinen Restaurant am Strand und lernte einen alten Fischer kennen, der mir viel über das Leben am Meer erzählte. Es war ein unerwarteter Abstecher, der mir gezeigt hat, dass es manchmal gut ist, vom geplanten Weg abzuweichen.Die Suche nach dem perfekten Pisco
Zurück in Barranca besuchte ich dann endlich eine Pisco-Destillerie. Dort lernte ich, wie Pisco hergestellt wird und welche verschiedenen Sorten es gibt. Ich probierte verschiedene Pisco-Sorten und versuchte, den perfekten Pisco für mich zu finden. Es war gar nicht so einfach, denn jede Sorte hatte ihren eigenen Charakter und ihre eigene Geschichte. Aber ich fand schließlich einen Pisco, der mir besonders gut schmeckte, einen aromatischen Pisco Quebranta, der nach Blüten und Früchten roch. Der Tag neigte sich dem Ende zu, und ich beschloss, zurück nach Lima zu fahren. Die Fahrt war lang, aber ich war müde, aber glücklich. Ich hatte viel gesehen, viel gelernt und viele neue Eindrücke gesammelt. Und ich hatte eine neue Wertschätzung für den peruanischen Wein und Pisco gewonnen. Die Reise hatte mich daran erinnert, dass es in der Welt noch so viel zu entdecken gibt und dass es sich lohnt, offen zu sein für neue Erfahrungen und Kulturen. Es war an der Zeit, die gesammelten Eindrücke zu sortieren, bevor es weiterging und das nächste Abenteuer rief.Die letzten Tage in Lima und Umgebung sind wie im Flug vergangen. Ich sitze gerade in einem kleinen Café in Miraflores, trinke einen Café con leche und lasse die vielen Eindrücke auf mich wirken. Peru ist ein Land, das einen berührt, der einen herausfordert und der einem unvergessliche Momente schenkt.
Mehr als nur Wein
Es war nicht nur die Suche nach guten Weinen und Pisco, die mich hierhergeführt hat. Es war die Neugier auf eine andere Kultur, auf ein anderes Lebensgefühl. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe freundliche, offene Menschen kennengelernt, die trotz aller Schwierigkeiten voller Lebensfreude sind. Ich habe eine faszinierende Kultur entdeckt, die von Traditionen und Geschichte geprägt ist. Und ich habe eine Landschaft erlebt, die von extremer Schönheit und Vielfalt geprägt ist.
Die kleinen Dinge, die zählen
Es waren oft die kleinen Dinge, die mir am meisten in Erinnerung bleiben. Das Lachen der Kinder auf den Straßen, der Duft von gegrilltem Fleisch in den Gassen, die Melodie der Musik, die aus den Bars drang. Diese kleinen Momente haben dazu beigetragen, dass ich mich in Peru wie zu Hause gefühlt habe.
Ein paar Tipps für Reisende
Wenn ich jemandem eine Reise nach Peru empfehlen würde, hätte ich ein paar Tipps parat. Erstens: Seien Sie offen für Neues. Peru ist ein Land der Kontraste, und es ist wichtig, sich darauf einzulassen. Zweitens: Lernen Sie ein paar grundlegende Spanischkenntnisse. Es wird Ihnen helfen, mit den Menschen in Kontakt zu treten und das Land besser kennenzulernen. Und drittens: Probieren Sie die lokale Küche. Die peruanische Küche ist eine der besten der Welt, und es gibt so viel zu entdecken.
Ica: Mehr als nur Pisco
Ica, die Weinregion südlich von Lima, ist zwar vor allem für ihren Pisco bekannt, aber es gibt auch einige interessante Weingüter, die Wein in guter Qualität produzieren. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch bei Bodega El Catador, wo man die traditionelle Weinbereitung kennenlernen und hervorragende Weine probieren kann. Aber Ica hat auch noch mehr zu bieten: Die Sanddünen in Huacachina sind ein beliebtes Ausflugsziel für Abenteuerlustige. Hier kann man mit Sandboards die Dünen hinunterrasen oder eine Buggy-Fahrt durch die Wüste unternehmen.
Barranco: Das Künstlerviertel
Barranco, das Künstlerviertel von Lima, ist ein Muss für alle, die sich für Kunst und Kultur interessieren. Hier findet man zahlreiche Galerien, Museen und Ateliers. Das Viertel ist bekannt für seine bunten Häuser, seine engen Gassen und seine romantische Atmosphäre. Besonders sehenswert ist die Puente de los Suspiros (Brücke der Seufzer), von der aus man einen herrlichen Blick auf den Pazifik hat.
Miraflores: Ein sicherer Hafen
Miraflores ist eines der sichersten und touristischsten Viertel Limas. Hier findet man zahlreiche Hotels, Restaurants, Cafés und Geschäfte. Das Viertel ist bekannt für seine Parks, seine Gärten und seine Promenade am Pazifik. Hier kann man gut spazieren gehen, joggen oder einfach die Sonne genießen.
Ich packe gerade meinen Koffer und mache mich bereit für die Heimreise. Ich bin traurig, Peru zu verlassen, aber ich weiß, dass ich dieses Land nie vergessen werde. Ich nehme viele unvergessliche Erinnerungen mit nach Hause und ich hoffe, bald wiederzukommen. Peru, du hast mein Herz erobert!
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- Bodega El Catador (Ica)
- Puente de los Suspiros (Barranco)
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- Die Küstenpromenade von Miraflores
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- Ateliers und Galerien in Barranco
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- Miraflores (Sicheres Viertel)