Sand unter den Rädern
Ankunft in der Wildnis
Ich bin spät dran. Nicht im Sinne von pünktlich oder unpünktlich, das ist hier sowieso relativ. Eher im Sinne von „älter werdend und die Zeit rennt“. Mit 45 Jahren beschloss ich, dass Bürostühle und Meetings nicht das sind, was ich noch die nächsten Jahrzehnte machen will. Also verkaufte ich alles, was nicht niet- und nagelfest war, und kaufte mir eine zuverlässige BMW R1200GS. Die soll mich durch Namibia bringen. Und hoffentlich noch ein bisschen weiter.Namibia. Das Land, das mich schon lange fasziniert hat. Die endlosen Weiten, die roten Dünen, die Tierwelt. Ich habe schon viel gelesen, viele Bilder gesehen. Aber das hier… das ist anders. Die Luft flirrt vor Hitze. Die Sonne brennt erbarmungslos. Es ist eine Landschaft, die dich klein macht. Und das ist gut so.
Die Vorbereitung
Die Idee kam mir während einer ziemlich deprimierenden Präsentation über Quartalszahlen. Ich saß da, hörte irgendwelchen Blödsinn über Umsatzsteigerungen und Marktanteile, und dachte: „Das ist es nicht.“ Ich brauche etwas Echtes. Etwas, das mich herausfordert. Etwas, das mich wieder mit mir selbst verbindet.
Also begann ich zu planen. Monatelang recherchierte ich, studierte Karten, las Reiseberichte. Ich wollte nicht einfach nur durch Namibia fahren, ich wollte es erleben. Ich wollte die Menschen kennenlernen, die Kultur verstehen, die Landschaft spüren.
Die Vorbereitung war anstrengend, aber auch aufregend. Ich musste das Motorrad warten lassen, neue Reifen aufziehen lassen, eine spezielle Ausrüstung kaufen. Und natürlich die Visumsanträge stellen, Impfungen auffrischen, eine Reiseversicherung abschließen.
Erste Eindrücke
Windhoek selbst ist… überraschend. Eine Mischung aus afrikanischer und europäischer Kultur. Deutsche Kolonialarchitektur steht neben modernen Bürogebäuden. Es gibt gute Restaurants, nette Cafés, aber auch viel Armut. Es ist eine Stadt der Gegensätze.
Ich habe mir ein einfaches Hotelzimmer genommen, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Es ist sauber, zweckmäßig, und hat eine Dusche mit warmem Wasser. Luxus, den ich nach den langen Stunden im Flugzeug zu schätzen weiß.
Ich bin noch etwas müde, aber ich kann es kaum erwarten, loszufahren. Ich habe mir eine Route über Sossusvlei ausgesucht, eine der berühmtesten Landschaften Namibias. Die roten Dünen, die tief in die Wüste ragen, sollen atemberaubend sein. Ich habe Bilder gesehen, aber ich will sie mit eigenen Augen sehen.
Ich habe noch ein paar letzte Dinge zu erledigen: Proviant kaufen, Wasser auffüllen, die Reifen kontrollieren. Dann geht es los. In Richtung Süden. In Richtung der Wüste. In Richtung des Abenteuers.
Die ersten Kilometer führen mich durch eine karge Landschaft. Steppe, Dornbüsche, vereinzelte Bäume. Es ist heiß, trocken, staubig. Aber es ist auch wunderschön. Die Weite der Landschaft, die Stille, die nur vom Wind und dem Motorrad durchbrochen wird. Das ist Freiheit.
Ich fahre langsam, genieße die Fahrt. Ich will nicht hetzen, ich will alles in mich aufnehmen. Die Gerüche, die Geräusche, die Farben. Ich will spüren, wie die Sonne auf meiner Haut brennt, wie der Wind in meinem Gesicht spielt, wie der Sand unter meinen Reifen knirscht.
Die Landschaft verändert sich allmählich. Die Steppe weicht sanften Hügeln, die Hügel werden zu Bergen, die Berge zu Dünen. Die Dünen werden immer höher, immer roter, immer beeindruckender. Sossusvlei ist in Sichtweite.
Ich spüre, dass ich mich dem Kern meiner Reise nähere, dass das wahre Abenteuer erst noch beginnt. Und ich bin bereit. Bereit, mich der Wüste zu stellen, bereit, mich selbst herauszufordern, bereit, mich von der Schönheit Namibias verzaubern zu lassen.
Der erste Eindruck von Namibia ist überwältigend, aber ich ahne, dass die eigentliche Reise erst jetzt beginnt, mit der Entdeckung der versteckten Schönheit und Herausforderungen, die Sossusvlei und die umliegende Wüste bereithalten.
Die Luft wird trockener, je näher ich Sossusvlei komme. Fast schon kratzig in der Lunge. Ich übernachte in Sesriem, einem kleinen Ort, der hauptsächlich aus einer Campingplatz, einer Tankstelle und ein paar Hütten besteht. Nicht gerade ein Touristenziel im klassischen Sinne, aber genau das gefällt mir. Keine Massen, keine Hektik, nur die raue Schönheit der Wüste.
Sesriem Canyon – ein erster Eindruck
Am nächsten Morgen erkunde ich den Sesriem Canyon. Eine enge, wind- und wassererosion entstandene Schlucht, die sich tief in den roten Sandstein gegraben hat. Ich spaziere hinein, tiefer und tiefer, bis die Sonne kaum noch zu sehen ist. Die Wände sind glatt und kühl, und das Echo meines Schrittes hallt zwischen ihnen wider. Ein faszinierender Ort, und eine willkommene Abkühlung von der Hitze.
Ich treffe einen älteren Ranger dort, der seit Jahrzehnten hier arbeitet. Er erzählt mir Geschichten von der Wüste, von den Tieren, die hier leben, von den Menschen, die hier überlebt haben. Er spricht langsam und bedächtig, als wolle er die Zeit anhalten. Ich könnte ihm stundenlang zuhören.
Dead Vlei – eine surreale Landschaft
Der Höhepunkt meiner Reise ist Dead Vlei. Eine Tonpfanne, die von hohen, roten Dünen umgeben ist. In der Mitte stehen skelettartige Kameldornbäume, die seit Jahrhunderten tot sind. Die Bäume sind schwarz und verwittert, aber ihre Formen sind noch immer beeindruckend. Der Kontrast zwischen dem weißen Tonboden, den roten Dünen und den schwarzen Bäumen ist atemberaubend.
Ich parke das Motorrad am Rande der Dünen und wandere hinein. Der Sand ist weich und warm unter meinen Stiefeln. Die Sonne brennt erbarmungslos, aber ich spüre es kaum. Ich bin zu sehr gefangen von der surreale Schönheit der Landschaft.
Ich versuche, Fotos zu machen, aber keine Kamera kann die Atmosphäre dieses Ortes einfangen. Es ist etwas, das man mit eigenen Augen erleben muss. Ein Gefühl von Ewigkeit, von Stille, von Frieden. Ich sitze stundenlang da, beobachte die Landschaft, atme die trockene Luft. Es ist ein magischer Moment.
Kleine Pannen und unerwartete Begegnungen
Natürlich gab es auch kleine Pannen. Einmal hatte ich einen Platten Reifen mitten in der Wüste. Ich konnte ihn selbst reparieren, aber es dauerte Stunden. Und einmal verirrte ich mich auf einer Nebenstrecke und musste mehrere Kilometer zurückfahren. Aber solche Dinge gehören dazu. Sie machen die Reise erst richtig spannend.
Ich habe auch einige interessante Menschen getroffen. Einen deutschen Fotografen, der seit Jahren in Namibia lebt. Eine Familie aus England, die mit einem Geländewagen unterwegs ist. Und einen namibischen Schäfer, der mir von seinem Leben in der Wüste erzählte. Alle waren freundlich und hilfsbereit, und ich habe viel von ihnen gelernt.
Eine unerwartete Begegnung hatte ich am Abend in meinem Camp. Ein Schakal schlich sich in der Nähe meines Zeltes herum, auf der Suche nach Essensresten. Ich versuchte, ihn zu verscheuchen, aber er war zu schlau. Am Ende teilte ich ihm einen kleinen Teil meines Abendessens. Er war dankbar und verschwand wieder in der Dunkelheit.
Die Tage in Sossusvlei vergehen viel zu schnell. Ich hätte noch Wochen hier bleiben können, die Landschaft erkunden, die Menschen kennenlernen, die Stille genießen. Aber ich muss weiter. Es gibt noch so viel mehr von Afrika zu entdecken. Die Reise geht weiter, doch die Erinnerung an diese atemberaubende Landschaft wird mich noch lange begleiten, und die Erkenntnis, dass die wahre Schönheit oft in den einfachsten Dingen zu finden ist.
Der Abschied von Sossusvlei fiel schwer. Ich saß noch eine Weile auf einer Düne und sah zu, wie die Sonne hinter den Bergen versank. Der Himmel leuchtete in allen Farben, und der Sand glühte in einem warmen Rot. Ein unvergesslicher Moment.
Weiter geht die Reise
Ich entschied mich, nicht direkt zurück nach Windhoek zu fahren, sondern noch einen Abstecher in den Namib-Naukluft-Nationalpark zu machen. Dort wollte ich die Mondlandschaft erkunden und vielleicht noch ein paar Tiere beobachten. Die Straßen waren holprig und staubig, aber das Motorrad kam gut voran. Ich fuhr langsam, genoss die Landschaft und atmete die frische Luft.
Die Stille der Wüste
Der Park ist riesig und leer. Ich sah nur wenige andere Fahrzeuge. Die Stille ist beeindruckend. Man hört nur den Wind und das Rauschen der Blätter. Ich hielt an einem Aussichtspunkt an und blickte über die weite Ebene. Es ist eine Landschaft, die einen demütig macht. Man fühlt sich klein und unbedeutend angesichts der Natur.
Rückblick und Erkenntnisse
Namibia hat mich tief beeindruckt. Die Landschaft ist atemberaubend schön, die Menschen sind freundlich und gastfreundlich, und die Atmosphäre ist einzigartig. Ich habe viel gelernt über mich selbst, über die Natur und über die Welt. Ich habe gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Man braucht nur eine gute Maschine, einen offenen Geist und die Bereitschaft, sich auf das Abenteuer einzulassen.
Ein paar Tipps für deine Reise
Wenn du auch nach Namibia reisen möchtest, hier ein paar Tipps:
- Plane genügend Zeit ein. Namibia ist ein großes Land und es gibt viel zu sehen. Nimm dir Zeit, um die Landschaft zu genießen und die Menschen kennenzulernen.
- Sei auf die Hitze vorbereitet. Es kann in Namibia sehr heiß werden, besonders im Sommer. Trinke viel Wasser und schütze dich vor der Sonne.
- Ein Allradfahrzeug ist empfehlenswert. Viele Straßen sind unbefestigt und nur mit einem Allradfahrzeug befahrbar.
- Vergiss nicht deine Kamera. Die Landschaft ist atemberaubend schön und du wirst viele Fotos machen wollen.
Abschied von Namibia
Der Abschied von Namibia fiel mir schwer. Ich saß noch ein letztes Mal am Strand und sah zu, wie die Sonne im Meer versank. Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit für all die Erfahrungen, die ich in diesem Land gemacht hatte. Namibia wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.
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- Sossusvlei
- Sesriem Canyon
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- Sesriem