Nordamerika - Mexiko - Puerto Vallarta

Schatten und Sonnenstrahlen in Puerto Vallarta

Die Luft roch nach Salz und Abgasen, ein seltsames Gemisch, das mich sofort an diesen Ort band. Ich stand am Flughafen Puerto Vallarta, die Hitze schlug mir entgegen, und versuchte, meinen alten Koffer aus dem Bauch des Flugzeugs zu ziehen. Es war ein bisschen schwerer, als ich es in Erinnerung hatte. 70 Jahre wiegen schließlich auch.

Ein alter Mann und seine Träume

Ich hatte schon immer davon geträumt, Mexiko zu sehen. Als junger Mann, nach dem Krieg, hatte ich gespart und geplant, doch dann kamen die Kinder, das Haus, die Verantwortung. Das Leben eben. Und die Träume… nun ja, die hatte ich in eine Schublade gelegt, wo sie friedlich vor sich hin staubten. Bis meine Else, meine liebe Else, vor zwei Jahren plötzlich ging.

Sie hatte immer gesagt: „Franz, lebe dein Leben! Mach, was du willst!” Das war leichter gesagt als getan. Aber nach dem ersten Trauerjahr, als die Leere nicht mehr ganz so schmerzte, beschloss ich, es zu tun. Ich verkaufte das Haus, gab meinen Kindern einen Teil des Geldes – sie hatten ihre eigenen Familien, das war gut so – und buchte eine einfache Flugkarte nach Puerto Vallarta. Mein Sparplan war bescheiden, aber ich wollte nicht in einem Luxusresort versauern. Ich wollte das echte Mexiko sehen, die einfachen Leute kennenlernen, die Wärme der Sonne spüren.

Die erste Begegnung

Der Taxifahrer, ein freundlicher Mann mit wettergegerbtem Gesicht, sprach kaum Englisch, aber mit Händen und Füßen verstand ich, dass er mich zu einem kleinen Hotel in der Altstadt bringen würde. Die Straßen waren eng und kurvig, voller bunter Häuser und kleiner Geschäfte. Überall spielten Mariachis, und der Duft von Tacos und Zimt lag in der Luft. Es war anders, als ich es mir vorgestellt hatte, aber auf eine gute Art und Weise.

Das Hotel war einfach, aber sauber. Ein paar Zimmer um einen kleinen Innenhof mit einem alten Mango-Baum. Die Besitzerin, eine ältere Dame namens Señora Elena, begrüßte mich mit einem warmen Lächeln und einem Glas frisch gepressten Orangensaft. Sie sprach ein bisschen Deutsch, hatte sie mir erzählt, sie hatte als junge Frau in einem Deutschen Restaurant gearbeitet. Ich fühlte mich sofort wohl.

Erinnerungen an eine andere Zeit

Ich saß auf der kleinen Terrasse meines Zimmers und blickte auf den Innenhof. Der Mango-Baum war voller Früchte, und ein Kolibri schwirrte um die Blüten. Es erinnerte mich an meinen Garten zu Hause, an die Sommer, die ich mit Else verbracht hatte. Wir hatten auch einen Mango-Baum gehabt, und wir hatten stundenlang im Schatten gesessen und Kartenspiele gespielt.

Manchmal, wenn ich die Augen schloss, konnte ich sie noch sehen, ihr Lachen hören, ihre Hand in meiner spüren. Es war ein schmerzliches Gefühl, aber auch ein schönes. Ich wusste, dass sie wollte, dass ich glücklich bin, dass ich mein Leben lebe. Und das versuchte ich auch, so gut ich konnte.

Aufbruch in die Altstadt

Am nächsten Morgen brach ich auf, um die Altstadt zu erkunden. Ich schlenderte durch die engen Gassen, vorbei an kleinen Läden und Galerien, an Kirchen und Plätzen. Überall waren Menschen unterwegs, verkauften Obst und Gemüse, handwerkliche Souvenirs, oder saßen einfach nur auf der Straße und unterhielten sich. Ich fühlte mich wie in einer anderen Zeit, in einer anderen Welt.

Ich setzte mich in ein kleines Café und bestellte einen Café de Olla, einen traditionellen mexikanischen Kaffee mit Zimt und Piloncillo-Zucker. Der Kellner, ein junger Mann mit freundlichen Augen, sprach zwar kein Deutsch, aber er verstand, dass ich ein bisschen einsam war. Er brachte mir einen Teller mit frischem Obst und einen kleinen Blumenstrauß. Es waren kleine Gesten, aber sie bedeuteten mir viel.

Ich spürte, dass dieser Ort etwas Besonderes war, dass ich hier nicht nur eine Reise machen würde, sondern eine Art von Heilung finden könnte. Und so begann meine Reise, die mich tiefer in das Herz Mexikos führen würde, in eine Welt voller Farben, Klänge und Geschichten, die ich noch lange nicht kannte.

Ich verbrachte den Nachmittag am Malecon, der berühmten Strandpromenade. Es war ein buntes Treiben, Touristen und Einheimische mischten sich, Straßenkünstler boten ihre Werke an, und überall gab es Musik. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Geschehen. Es erinnerte mich an die Kurpromenaden, die wir früher in Deutschland besucht hatten, aber hier war alles viel lebendiger, viel farbenfroher.

Ein Besuch im Künstlerviertel

Am nächsten Tag wagte ich mich in das Künstlerviertel, Zona Romántica. Die Straßen waren schmal und verwinkelt, die Häuser bunt bemalt und mit Bougainvilleen bewachsen. Überall hingen Gemälde, Skulpturen und andere Kunstwerke aus. Ich besuchte einige Galerien und Werkstätten, und ich war beeindruckt von der Kreativität und dem Talent der Künstler. Ich kaufte ein kleines Holzbüldchen, einen Delfin, als Andenken. Es war nicht viel, aber es erinnerte mich an diesen besonderen Ort.

Ein missglücktes Mittagessen

Auf dem Weg zurück zum Hotel wollte ich in einem kleinen Restaurant zu Mittag essen. Ich bestellte Tacos al Pastor, eine Spezialität aus gegrilltem Schweinefleisch. Ich hatte mir vorgestellt, dass sie köstlich sein würden, aber leider waren sie etwas zu scharf für meinen alten Gaumen. Ich musste mehrere Gläser Wasser trinken, um die Schärfe zu lindern. Der Kellner entschuldigte sich höflich, und er brachte mir einen Teller mit Reis, um die Schärfe zu neutralisieren. Es war eine lustige Erfahrung, und ich musste lachen.

Der Markt und das Chaos

Ein weiteres Highlight war der Besuch des Mercado Municipal, des städtischen Marktes. Es war ein einziges Chaos, ein Meer aus Menschen, Gerüchen und Geräuschen. Überall gab es Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Gewürze, Kleidung und Souvenirs. Ich war überwältigt von der Vielfalt und der Hektik. Ich kaufte ein paar Mangos und Papayas, die ich in meinem Hotelzimmer genoss. Es war ein authentisches Erlebnis, das ich nicht vergessen würde.

Ein stiller Moment am Strand

Ich verbrachte einige Stunden am Strand, einfach nur sitzend und dem Rauschen des Meeres lauschend. Die Sonne wärmte meine Haut, und der Wind spielte mit meinen Haaren. Es war ein friedlicher Moment, in dem ich zur Ruhe kommen und meine Gedanken sammeln konnte. Ich beobachtete die Möwen, die über das Wasser flogen, und die Fischerboote, die am Horizont verschwanden. Es war ein schöner Kontrast zu dem Trubel der Stadt.

Der Abschied naht

Die Tage vergingen wie im Flug, und bald war es Zeit, Abschied zu nehmen. Ich war traurig, Puerto Vallarta zu verlassen, aber ich war auch dankbar für die vielen schönen Erlebnisse und Begegnungen. Ich hatte das echte Mexiko kennengelernt, die Wärme der Menschen gespürt und die Schönheit der Landschaft bewundert. Ich hatte getrauert, gelacht und gelebt. Ich hatte mich wiedergefunden, zumindest ein bisschen. Und so stand ich wieder am Flughafen, mit einem schweren Koffer und einem leichten Herzen, wissend, dass diese Reise mehr war als nur ein Urlaub – sie war ein Neubeginn.

Die Sicherheitskontrolle am Flughafen war lästig, aber ich lächelte. Ich war auf dem Weg nach Hause, aber ein Teil von mir würde immer in Puerto Vallarta bleiben. Im Flugzeug blätterte ich in meinen Fotos. Das bunte Treiben auf dem Malecon, die freundlichen Gesichter der Künstler im Zona Romántica, die schattigen Gassen der Altstadt… Es waren keine perfekten Bilder, oft unscharf und verwackelt, aber sie fingen die Seele dieses Ortes ein.

Die Einfachheit des Lebens

Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu viel auszugeben, und ich hatte es geschafft. Ich hatte in kleinen Pensionen übernachtet, in einfachen Restaurants gegessen und öffentliche Verkehrsmittel benutzt. Es war nicht immer bequem, aber es war authentisch. Ich hatte gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen: ein freundliches Lächeln, ein warmes Gespräch, ein Sonnenuntergang am Strand.

Erinnerungen an Else

Manchmal, wenn ich am Strand saß und dem Rauschen des Meeres lauschte, fühlte ich Else ganz nah bei mir. Sie hätte diesen Ort geliebt, die Farben, die Musik, die Wärme. Ich stellte mir vor, wie wir Hand in Hand am Strand entlang spazieren würden, wie wir in einem kleinen Café einen Kaffee trinken würden, wie wir den Sonnenuntergang beobachten würden.

Mehr als nur ein Urlaub

Diese Reise war mehr als nur ein Urlaub gewesen. Sie war eine Art von Heilung, eine Möglichkeit, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und neue Hoffnung für die Zukunft zu finden. Ich hatte gelernt, dass das Leben auch nach dem Verlust eines geliebten Menschen schön sein kann, dass es immer noch Dinge gibt, für die es sich zu leben lohnt.

Ein paar Tipps für andere Reisende

Wenn ich anderen Reisenden einen Tipp geben könnte, würde ich sagen: Seien Sie offen für neue Erfahrungen, lassen Sie sich treiben, und scheuen Sie sich nicht, mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Die Menschen in Puerto Vallarta sind freundlich und hilfsbereit, und sie werden Ihnen gerne ihre Kultur und ihr Wissen teilen. Und vergessen Sie nicht, die kleinen Dinge zu schätzen, die das Leben schön machen.

Der Abschied fällt schwer

Als ich am Flughafen auf meinen Flug wartete, fühlte ich eine tiefe Traurigkeit. Ich würde diese Stadt, diese Menschen und diese Atmosphäre vermissen. Aber ich wusste auch, dass ich nicht für immer bleiben konnte. Ich hatte ein Leben zurückzulassen, eine Familie, Freunde. Aber ein Teil von mir würde immer in Puerto Vallarta bleiben, in den Farben, den Gerüchen, den Klängen, den Erinnerungen.

    • Malecon (die Strandpromenade mit ihrem bunten Treiben)
    • Zona Romántica (das Künstlerviertel mit seinen Galerien und Werkstätten)
    • Playa Los Muertos (der Hauptstrand mit seinen Strandbars und Restaurants)
    • Galerías Pacífico (ein Einkaufszentrum mit vielen Kunstgalerien)
    • Altstadt (mit ihren engen Gassen und historischen Gebäuden)
👤 Rentner (70) mit kleinem Budget ✍️ nostalgisch und melancholisch