Nordamerika - Costa Rica - Puerto Viejo

Affenterror und Casado-Glück: Unser Costa Rica-Abenteuer

Das Geräusch von quietschenden Flip-Flops auf feuchtem Beton und der süßliche, undefinierbare Geruch von tropischer Verwesung – das war meine erste Begegnung mit Puerto Viejo de Talamanca. Und ehrlich gesagt, ich hätte mir schlimmere Begrüßungen vorstellen können. Wir waren gerade aus dem überfüllten Minibus gekrabbelt, der uns von San José hergebracht hatte, und ich versuchte verzweifelt, die beiden Kinder – Leo, 7, und Mia, 5 – im Blick zu behalten, bevor sie in den Dschungel entlaufen. Der Dschungel bestand in diesem Fall aus einer Handvoll Souvenirläden, einer Surfschule und einer überraschend großen Anzahl von Hühnern.

Warum eigentlich Costa Rica?

Die Idee zu dieser Reise kam, wie die meisten unserer Familienabenteuer, aus einer Kombination aus chronischem Geldmangel und dem unbändigen Wunsch, dem deutschen Winter zu entfliehen. „Costa Rica ist zwar nicht ganz so billig wie Südostasien“, sagte mein Mann, Thomas, während er auf irgendeinem Vergleichsportal recherchierte, „aber es ist relativ sicher, hat schöne Strände und man kann dort Tiere sehen.“ Tiere! Das war’s. Die Kinder waren sofort überzeugt. Ich war skeptisch, aber der Gedanke an zehn Tage ohne Schnee, grauen Himmel und die ewige Frage nach der richtigen Kleidung überwog. Also buchten wir Flüge, packten unsere Rucksäcke (und die Hälfte des Kinderzimmers) und machten uns auf den Weg.

Camping und Ferienwohnungen – die goldene Mitte

Wir sind keine Luxusreisende, das sollte klar sein. Fünf-Sterne-Hotels sind für uns eher etwas für Gewinnspiele als für die Realität. Stattdessen bevorzugen wir eine Mischung aus Camping und kleinen Ferienwohnungen. Camping, weil es günstig ist und die Kinder die Natur lieben (zumindest, wenn es nicht regnet und keine Insekten sie fressen). Ferienwohnungen, weil ich nach einem Tag voller Sand, Sonne und wilder Tiere einfach mal eine Dusche mit warmem Wasser und ein anständiges Bett brauche. In Puerto Viejo hatten wir uns für eine kleine Holzhütte etwas außerhalb des Stadtzentrums entschieden. „Mit Dschungelblick“, wie es in der Anzeige hieß. Das stellte sich als eine freundliche Umschreibung für „direkt neben einem Hühnerstall“ heraus.

Erste Eindrücke: Hühner, Faultiere und ein Hauch von Chaos

Puerto Viejo selbst ist… speziell. Es ist eine Mischung aus karibischer Entspanntheit, Surfer-Vibes und einem gewissen Hauch von Chaos. Überall stehen bunte Holzhäuser, Reggae-Musik schallt aus den Bars und die Luft ist erfüllt vom Duft von frischem Obst, gebratenem Fisch und eben… Hühnern. Die Straßen sind eng und oft voller Motorräder, Fahrräder und Fußgänger. Man muss ständig aufpassen, nicht über eine Wurzel stolpern oder von einem vorbeifahrenden Tuktuk überfahren zu werden. Aber irgendwie ist das alles Teil des Charmes.

Die Kinder waren sofort begeistert. Leo entdeckte ein Faultier, das gemütlich in einem Baum chillte, und Mia war ganz aus dem Häuschen über die bunten Tuk-Tuks. Ich hingegen versuchte, herauszufinden, wo wir am besten Lebensmittel einkaufen konnten, ohne uns zu verirren oder von irgendwelchen zwielichtigen Gestalten über den Tisch gezogen zu werden. Der erste Supermarktbesuch endete mit einem Einkaufstütenchaos, einem verlorenen Kind und einem Preis, der mich fast umgehauen hätte. Aber hey, das ist Reisen, oder?

Die Suche nach dem perfekten Strand

Ein großer Teil unserer Reisepläne drehte sich um die Suche nach dem perfekten Strand. Costa Rica hat ja unzählige davon, aber nicht alle sind gleich gut geeignet für kleine Kinder. Wir wollten einen Strand, der relativ ruhig ist, sauberes Wasser hat und wo man nicht ständig Angst haben muss, dass die Kinder von einer riesigen Welle mitgerissen werden. Die ersten Strände, die wir ausprobierten, waren entweder voller Surfer, voller Müll oder einfach nur zu gefährlich. Aber dann entdeckten wir Playa Cocles, einen langen, sandigen Strand mit sanften Wellen und einer entspannten Atmosphäre. Hier konnten die Kinder im flachen Wasser planschen, Sandburgen bauen und nach Muscheln suchen, während wir Eltern versuchten, ein bisschen Sonne zu tanken und uns von den Strapazen der Reise zu erholen.

Natürlich war es nicht perfekt. Es gab immer noch Müll am Strand, Quallen im Wasser und einen Händler, der uns ständig Sonnenbrillen andrehen wollte. Aber es war gut genug. Und manchmal, wenn man mit kleinen Kindern reist, ist „gut genug“ schon ein großer Erfolg.

Wir hatten uns gerade halbwegs eingerichtet und die ersten Strandtage hinter uns, als sich herausstellte, dass unser vermeintlicher „Dschungelblick“ doch nicht nur aus Hühnern bestand, sondern auch aus einer überraschend großen Anzahl von frechen Affen. Und das führte zu einer völlig neuen Herausforderung.Die Affen waren ein Kapitel für sich. Nicht niedlich-knuffig, wie man es sich vielleicht vorstellt, sondern kleine, freche Gangster mit einer Vorliebe für alles, was glänzte oder essbar aussah. Sie stahlen uns die Bananen aus der Hand, klauten die Sonnenbrille von Leo und versuchten sogar, Thomas’ Handy aus der Hosentasche zu ziehen. Wir mussten ständig aufpassen, dass sie nicht in unsere Holzhütte einfallen und alles verwüsten.

Die Affen-Herausforderung und der Kampf um das Frühstück

Das Frühstück wurde zu einem logistischen Albtraum. Man konnte die Milch nicht für eine Sekunde unbeaufsichtigt lassen, sonst war ein Affe schneller und trank sie aus. Das Brot lag unter einem Wäscheklammer-Sicherheitsnetz, und wir aßen alle gleichzeitig, um das Essen nicht den kleinen Räubern zu überlassen. Thomas meinte ironisch, wir sollten einen Affen-Wachdienst einrichten. Ich war zu müde, um zu lachen.

Entdeckungstour durch Puerto Viejo: Buntes Chaos und Reggae-Rhythmen

Abgesehen von den Affen hatten wir aber auch Zeit, Puerto Viejo selbst zu erkunden. Das Stadtzentrum ist ein einziges buntes Sammelsurium aus kleinen Läden, Restaurants und Bars. Überall spielen Reggae-Bands, und die Luft ist erfüllt vom Duft von karibischer Küche. Wir haben uns durch die Gassen treiben lassen, Souvenirs gekauft (die Leo sofort wieder verloren hat) und in einem kleinen Restaurant leckere Casado-Gerichte gegessen. Casado, das ist Reis, Bohnen, Fleisch, Salat und Kochbananen – eine perfekte Energiequelle für einen Tag voller Abenteuer.

Cocles und die Surfer-Szene

Wir verbrachten viel Zeit an Playa Cocles. Leo und Mia liebten es, im Wasser zu planschen und Sandburgen zu bauen. Ich versuchte, ein bisschen zu entspannen und die Sonne zu genießen, aber es war schwierig, da ich ständig darauf achten musste, dass die Kinder nicht zu weit ins Wasser schwimmen oder von einem Surfer überfahren werden. Der Strand war zwar relativ ruhig, aber es waren immer ein paar Surfer unterwegs, die mit ihren Brettern durch die Wellen bretterten. Thomas, der sich für Surfen interessiert, war ganz begeistert und wollte unbedingt einen Surfkurs machen. Ich habe ihn davon abgehalten, da ich befürchtete, dass er sich dabei das Bein bricht und wir den Rest des Urlaubs im Krankenhaus verbringen.

Ein Ausflug zum Jaguar Rescue Center

Ein Highlight unserer Reise war ein Besuch im Jaguar Rescue Center, einer Art Tierheim für verletzte und verwaiste Tiere. Wir haben Faultiere, Affen, Tukane und sogar einen kleinen Jaguar gesehen. Die Mitarbeiter des Zentrums haben uns viel über die Tiere und ihre Lebensweise erzählt und uns erklärt, wie wichtig der Schutz des Regenwaldes ist. Es war eine sehr informative und berührende Erfahrung, und die Kinder waren total begeistert. Leo hat beschlossen, dass er Tierarzt werden möchte, wenn er groß ist. Mia hat nur gefragt, ob wir uns auch ein Faultier mit nach Hause nehmen können.

Die Erkenntnis: Perfektion ist überbewertet

Unser Urlaub in Puerto Viejo war alles andere als perfekt. Es gab Affen, die uns das Essen stahlen, Mücken, die uns zerstachen, und einen unaufhörlichen Regenschauer, der uns fast den ganzen Urlaub verdorben hätte. Aber irgendwie war das alles egal. Wir haben gelacht, wir haben geweint, wir haben uns gestritten und wir haben uns wieder versöhnt. Wir haben neue Erfahrungen gemacht, neue Leute kennengelernt und eine unvergessliche Zeit miteinander verbracht. Und am Ende haben wir erkannt, dass Perfektion überbewertet ist. Es sind die kleinen Pannen und Überraschungen, die ein Abenteuer erst richtig ausmachen. Und während wir am Abreiseflughafen saßen und auf unseren Flug warteten, waren wir uns einig: Dieser chaotische, verrückte, wundervolle Urlaub war genau das, was wir gebraucht haben – und wir würden jederzeit wiederkommen, auch wenn es bedeutet, dass wir wieder mit den frechen Affen kämpfen müssen.

Der letzte Morgen in Puerto Viejo fühlte sich seltsam an. Nicht traurig, eher… erleichtert. Ich meine, ich liebe Tiere, wirklich. Aber eine Woche lang ständig von Affen ausgeraubt zu werden, zehrt an den Nerven. Thomas hatte am Vorabend versucht, einen Deal mit den kleinen Banditen auszuhandeln – eine Banane gegen die Sonnenbrille von Leo. Er hatte kläglich versagt. Die Affen hatten die Banane genommen und die Sonnenbrille behalten.

Rückblick: War’s das wert?

Ehrlich gesagt, ja. Trotz des Affenterrors, der Mücken und des unaufhörlichen Regens, war dieser Urlaub eine Offenbarung. Nicht wegen der paradiesischen Strände oder der exotischen Tierwelt (obwohl das alles natürlich toll war), sondern weil er uns gezwungen hat, aus unserer Komfortzone auszubrechen und einfach mal mit dem Fluss zu schwimmen. Wir haben gelernt, dass nicht alles planbar ist, dass Chaos manchmal ganz lustig sein kann und dass eine Portion Humor in jeder Situation hilft.

Die Sache mit dem Essen

Das Essen war ein Highlight. Casado, das Gericht, das wir gefühlt jeden Tag gegessen haben, ist einfach genial. Reis, Bohnen, Fleisch, Salat, Kochbananen – eine perfekte Kombination, um neue Energie für den nächsten Tag zu tanken. Und der frische Obstsaft, den man an jeder Ecke bekommt, ist ein wahrer Gaumenschmaus. Wir haben auch versucht, uns an die lokale Küche heranzuwagen und ein paar exotische Früchte probiert. Einige davon waren köstlich, andere… nun ja, sagen wir mal, sie waren eine interessante Erfahrung. Leo hat versucht, eine Rambutan zu schälen und hat dabei fast die Hälfte des Fruchtfleisches verloren. Mia hat sich geweigert, irgendetwas zu essen, das nicht gelb war.

Was wir gelernt haben (und was nicht)

Wir haben gelernt, dass man in Costa Rica unbedingt Insektenschutzmittel mitnehmen sollte. Viel davon. Und dass man sich nicht auf das Wetter verlassen kann. Es kann innerhalb von fünf Minuten von strahlendem Sonnenschein zu einem tropischen Wolkenbruch kommen. Wir haben auch gelernt, dass man sich nicht mit Affen anlegen sollte. Sie sind cleverer, schneller und haben eine viel bessere Verhandlungsposition. Was wir nicht gelernt haben? Wie man eine Rambutan richtig schält.

Tipps für andere Familien

Wenn ihr mit kleinen Kindern nach Puerto Viejo reist, hier ein paar Tipps:

  • Packt ausreichend Insektenschutzmittel, Sonnencreme und Regenkleidung ein.
  • Nehmt genügend Snacks und Getränke mit, besonders wenn ihr einen Ausflug plant.
  • Seid flexibel und lasst euch auf das Abenteuer ein. Nicht alles wird nach Plan laufen, aber das ist okay.
  • Lernt ein paar grundlegende spanische Wörter und Sätze. Die Einheimischen werden es zu schätzen wissen.
  • Und seid vorsichtig mit den Affen. Wirklich.

Unser Urlaub in Puerto Viejo war nicht perfekt, aber er war unvergesslich. Wir haben gelacht, wir haben geweint, wir haben uns gestritten und wir haben uns wieder versöhnt. Und am Ende haben wir eine unvergessliche Zeit miteinander verbracht. Und das ist alles, was zählt.

    • Jaguar Rescue Center
    • Playa Cocles
    • Puerto Viejo (Stadtzentrum)
👤 Familie mit kleinem Budget (Eltern mit 2 Kindern unter 10) die Camping und Ferienwohnungen bevorzugt ✍️ sarkastisch und ironisch