Mérida: Tacos, Mariachi und die leere Geldbörse
Ankunft im Yucatán – Budget-Backpacking Deluxe
Ich war ja nicht gerade unerfahren im Backpacking, aber Südamerika hatte mich irgendwie verwöhnt. Da gab es Hostels an jeder Ecke, die mit Frühstück und Happy Hour lockten. Hier? Naja, das "Hostel" sah eher aus wie eine ehemalige Garage, die man mit bunten Tüchern und ein paar Palmen aufgepeppt hatte. Aber hey, 200 Pesos pro Nacht, das nehme ich. Hauptsache, es gibt ein Dach, über dem ich schlafen kann. Und WLAN. Das WLAN ist heilig. Ich hatte beschlossen, nach Mexiko zu kommen, weil es günstig sein sollte. So die Theorie. Eigentlich wollte ich ja ein Semester in Buenos Aires verbringen, aber das BAföG hat sich mal wieder als löchrig erwiesen und irgendjemand in der Behörde fand offenbar, dass ich mit meinem Lebensstil zu viel Geld verbrate. Als ob ich mir ein Schloss auf Sylt baue. Naja, dann eben Mérida. Weniger Tango, mehr Maya-Ruinen, dachte ich mir. Und billigeres Bier. Das ist auch wichtig.Die Suche nach dem perfekten Taco
Ich hatte mir vorgenommen, die ersten Tage einfach mal treiben zu lassen. Keine festen Pläne, kein Sightseeing-Marathon. Einfach nur durch die Straßen schlendern und das Leben aufsaugen. Und natürlich: Tacos essen. So viele Tacos, wie ich irgendwie runterkriegte. Das ist ja fast schon kulturelle Aneignung, oder? Egal. Ich brauchte dringend eine Kohlenhydrat-Therapie. Der erste Taco, den ich probierte, war… interessant. Mit irgendwas undefinierbarem Fleisch, das nach Hund schmeckte (hoffentlich nicht), und einer Soße, die meine Geschmacksknospen in einen Schockzustand versetzte. Ich glaube, ich habe kurz daran gedacht, meine Mutter anzurufen und mich beschweren. Aber dann habe ich den zweiten Taco bestellt. Man muss ja schließlich die lokale Küche unterstützen. Ich hatte mich im Hostel mit einer Gruppe anderer Backpacker angefreundet. Ein paar Deutsche, ein paar Briten, ein paar Amerikaner. Alle auf der Suche nach Abenteuer und billigem Alkohol. Wir planten, am nächsten Tag gemeinsam die nahegelegene Maya-Stätte Uxmal zu besuchen. Aber zuerst brauchten wir Kaffee. Und zwar viel Kaffee.Erste kulturelle Missverständnisse
Ich hatte versucht, ein paar Brocken Spanisch zu lernen, bevor ich hierher kam. Aber irgendwie waren alle meine Lektionen im Gehirn verschwunden, sobald ich tatsächlich jemanden ansprach. Ich landete meistens in einer Mischung aus gebrochenem Spanisch, wilder Gestik und peinlichem Lachen. Die Einheimischen waren aber zum Glück sehr geduldig. Oder sie hatten Mitleid mit mir. Einmal versuchte ich, eine Verkäuferin auf dem Markt nach dem Preis für eine Mango zu fragen. Ich sagte etwas in der Art von: "Cuánto cuesta la… äh… cosa amarilla?" (Wie viel kostet die… äh… gelbe Sache?). Sie schaute mich an, als ob ich von einem anderen Planeten kam. Aber dann lachte sie und gab mir eine Mango geschenkt. Ich glaube, sie fand mich einfach nur urkomisch.Der erste Eindruck von Mérida
Mérida ist chaotisch, laut und manchmal auch ein bisschen schmutzig. Aber es hat auch etwas charmantes an sich. Die bunten Häuser, die alten Kirchen, die freundlichen Menschen. Und das Essen. Oh, das Essen. Ich habe mich schon jetzt in die lokale Küche verliebt. Vor allem in die Tacos. Und das Bier. Ich saß gerade auf der Dachterrasse des Hostels und beobachtete den Sonnenuntergang. Der Himmel war in ein Farbenmeer aus Rot, Orange und Violett getaucht. Es war wunderschön. Und ich war froh, hier zu sein. Auch wenn es nicht ganz so romantisch war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber hey, das Leben ist sowieso immer ein bisschen anders, als man es sich vorstellt. Und das ist auch gut so. Ich glaube, Uxmal kann kommen. Und vielleicht finde ich ja noch den perfekten Taco.Uxmal und der Kampf gegen die Sonnenbrand-Apokalypse
Uxmal war beeindruckend, keine Frage. Riesige Pyramiden, kunstvoll verzierte Fassaden, die Sonne, die erbarmungslos vom Himmel brannte. Ich hatte, in meiner unendlichen Weisheit, beschlossen, dass ein dünnes Baumwollshirt und eine Sonnenbrille ausreichend Schutz bieten würden. Falsch gedacht. Ich sah aus wie ein gekochter Hummer, bevor ich überhaupt die Hälfte der Stätte erkundet hatte. Der Verkäufer von Kokosnüssen am Eingang musterte mich amüsiert. Ich kaufte drei. Und zog das Shirt über den Kopf. Das sah wahrscheinlich genauso bescheuert aus, aber zumindest fühlte es sich ein bisschen besser an. Die anderen Backpacker hatten sich mit Hüten und Sonnencreme gerüstet. Sie lachten mich aus. Berechtigterweise. Aber hey, ich lerne aus meinen Fehlern. Zumindest theoretisch. Wir stolperten von Pyramide zu Pyramide, bewunderten die Architektur und versuchten, uns nicht gegenseitig aus Versehen mit den Selfiesticks zu treffen. Es war heiß, staubig und anstrengend. Aber es war auch wunderschön. Und ich hatte endlich ein ordentliches Foto für Instagram.Paseo de Montejo – Schicke Fassaden und leere Taschen
Am nächsten Tag wollten wir uns den Paseo de Montejo ansehen. Die Prachtstraße von Mérida, gesäumt von wunderschönen Herrenhäusern aus der Kolonialzeit. Wir stolperten also, wieder einmal, durch die Hitze, in der Hoffnung, etwas beeindruckendes zu sehen. Und das taten wir auch. Die Häuser waren wirklich atemberaubend. Aber sie waren auch hinter hohen Mauern verborgen. Wir sahen hauptsächlich Tore und Sicherheitskameras. Wir versuchten, in ein paar der Häuser zu schauen, aber wurden von Wachhunden und misstrauischen Blicken abgewiesen. Wir fühlten uns ein bisschen wie Voyeure. Und ein bisschen arm. Die Leute, die dort wohnten, hatten offensichtlich mehr Geld, als wir alle zusammen. Wir entschieden uns, in einem der Cafés am Paseo einzukehren. Die Preise waren astronomisch. Wir bestellten uns einen Kaffee und teilten ihn zu dritt.Santiago-Viertel – Farben, Kunst und zufällige Mariachi-Bands
Das Santiago-Viertel war das genaue Gegenteil des Paseo de Montejo. Bunte Häuser, kleine Kunstgalerien, Straßenhändler, die handgemachte Souvenirs verkauften. Und überall Musik. Wir schlenderten durch die engen Gassen, bewunderten die Streetart und versuchten, nicht über die herumliegenden Hühner zu stolpern.
Plötzlich tauchte eine Mariachi-Band auf und begann, fröhlich zu spielen. Wir waren völlig überrascht. Aber auch begeistert. Die Band spielte unsere Lieblingslieder (oder zumindest Lieder, die uns bekannt vorkamen) und wir tanzten und sangen mit. Es war chaotisch, laut und unglaublich lustig. Wir spendeten ein paar Pesos und bedankten uns bei den Musikern.
Wir entdeckten einen kleinen Markt, auf dem es jede Menge lokale Spezialitäten gab. Wir probierten verschiedene Sorten von Saucen, Käse und Tamales. Alles war scharf und lecker. Ich kaufte ein paar Souvenirs für meine Familie. Und ein paar für mich selbst. Ich brauchte dringend einen neuen Schlüsselanhänger.
Ich stellte fest, dass das Budget langsam, aber sicher schrumpfte. Die billigen Tacos und der Kaffee für drei waren schon lange her. Ich musste mir dringend einen neuen Plan überlegen. Aber das war ein Problem für später. Im Moment genoss ich einfach die Atmosphäre, die Musik und das Essen.
Mérida – Mehr als nur Maya-Ruinen und billiges Bier
Mérida war nicht das romantische Paradies, das ich mir vorgestellt hatte. Aber es war etwas viel Besseres. Es war ein authentischer, lebendiger und chaotischer Ort, der mich überrascht und begeistert hatte. Und obwohl mein Geldbeutel leerer wurde, hatte ich das Gefühl, reich an Erfahrungen zu sein. Und ich wusste, dass ich diese Reise noch lange in Erinnerung behalten würde. Auch wenn es bedeutet, dass ich für die nächsten Monate Nudeln essen muss.
Ich saß am nächsten Morgen im Hostel, versuchte, meinen Instantkaffee so zu trinken, als wäre es ein edler Espresso, und überlegte, wie ich mein Budget retten konnte. Die letzten Tage waren zwar fantastisch, aber mein Geldbeutel hatte schon bessere Zeiten gesehen. Ich hatte geplant, noch ein paar Tage in Yucatán zu bleiben, aber ich musste realistisch sein. Ich glaube, ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und ohne die Tacos.
Letzte Tage in Mérida – Zwischen Hitze und Glück
Ich beschloss, noch einmal durch das Santiago-Viertel zu schlendern. Die bunten Häuser, die kleinen Kunstgalerien und die freundlichen Menschen hatten mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Ich kaufte mir noch ein paar Souvenirs für meine Familie. Ein kleines, handbemaltes Bild und einen Schlüsselanhänger in Form eines Chili. Ich konnte einfach nicht widerstehen.
Danach ging ich zum Paseo de Montejo zurück. Ich wollte noch einmal die Pracht der Herrenhäuser bewundern. Aber ich begnügte mich damit, von außen zu schauen. Ich hatte kein Geld für einen Kaffee in einem der schicken Cafés. Ich saß stattdessen auf einer Parkbank und beobachtete die Leute. Und ich stellte fest, dass auch reiche Leute manchmal gelangweilt aussehen können.
Kulturelle Erkenntnisse und unerwartete Begegnungen
Ich hatte ein paar interessante Gespräche mit Einheimischen geführt. Ich hatte gelernt, dass die Menschen in Mérida sehr stolz auf ihre Kultur sind. Und dass sie sehr gastfreundlich sind. Ich hatte auch gelernt, dass man in Yucatán sehr gut scharf essen kann. Ich hatte sogar einen Kochkurs besucht. Ich hatte gelernt, wie man Tamales und Salsas zubereitet. Und ich hatte festgestellt, dass ich ein ziemliches Talent dafür habe. Vielleicht sollte ich nach meiner Reise ein mexikanisches Restaurant eröffnen.
Abschied von Yucatán – Mit leerem Geldbeutel und vollem Herzen
Am nächsten Morgen saß ich im ADO-Bus, auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel. Ich war müde, aber glücklich. Ich hatte viel erlebt, viel gesehen und viel gelernt. Und ich hatte festgestellt, dass man nicht viel Geld braucht, um ein erfülltes Leben zu führen. Man braucht nur ein bisschen Neugier, ein bisschen Mut und ein bisschen Humor. Und vielleicht noch ein paar Tacos.
Ich schaute aus dem Fenster und beobachtete die Landschaft. Die grüne Vegetation, die kleinen Dörfer, die freundlichen Menschen. Ich lächelte. Ich wusste, dass ich Yucatán nie vergessen würde. Und ich wusste, dass ich irgendwann zurückkommen würde. Mit mehr Geld. Und mit noch mehr Appetit auf Tacos.
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