Europa - Portugal - Porto

Salzluft, Azulejos und ein bisschen Fado

Der Geruch von Salz und irgendwie auch alten Fliesen kitzelte in meiner Nase, als ich aus dem Metro-Schacht in Porto stieg. Es war heiß, diese stickige, feuchte Hitze, die einem sofort in die Lungen kriecht und einen daran erinnert, dass man nicht mehr in grauem, verregnetem Deutschland ist. Meine sieben Kilo schwere Backpack-Last fühlte sich plötzlich noch schwerer an, aber egal. Ich war da.

Ankunft in der Stadt der Brücken

Die Metro hatte mich direkt vom Flughafen gebracht. Super praktisch und für knapp drei Euro ein echtes Schnäppchen. Ich hatte mich vorher schon ein bisschen informiert, aber die Realität war trotzdem überwältigend. Enges Kopfsteinpflaster, bunte, verfallene Häuser, überall Wäscheleinen zwischen den Gebäuden – ein bisschen wie eine Mischung aus Lissabon und Neapel, zumindest vom ersten Eindruck. Und dann diese Fliesen! Überall sind die Häuser mit diesen wunderschönen, blau-weißen Azulejo-Fliesen verziert. Manche sind noch ganz intakt, andere bröckeln und erzählen ihre eigene Geschichte. Ich hatte Porto schon lange auf meiner Liste. Eigentlich wollte ich schon vor zwei Jahren nach Portugal, aber dann kam Corona dazwischen. Jetzt, mit 20 und dem Abi in der Tasche, war es endlich soweit. Ich hatte mir gesagt: Entweder jetzt oder nie. Ich wollte nicht nur Urlaub machen, sondern wirklich eintauchen, die Kultur erleben und nicht nur als Tourist durch die Gegend laufen.

Workaway und Backpacker-Leben

Deshalb hatte ich mich auch für eine Kombination aus Backpacking und Workaway entschieden. Workaway ist eine Plattform, wo man sich gegen Unterkunft und Verpflegung bei lokalen Familien oder Projekten einsetzen kann. Ich hatte vor ein paar Wochen einen Platz bei einer kleinen Quinta – so einer Art Weingut – in der Nähe von Porto gefunden. Dort helfe ich jetzt für ein paar Wochen mit, bei der Weinernte und anderen Arbeiten auf dem Hof. Die letzten Monate waren schon ziemlich aufregend. Ich habe nach dem Abi erstmal ein bisschen gearbeitet, um mir genug Geld für die Reise zusammenzukratzen. Kellnern, Babysitten, Nachhilfe geben – alles, was irgendwie ging. War nicht immer super spannend, aber es hat gereicht. Und jetzt? Jetzt kann ich endlich losziehen und die Welt entdecken.

Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu viel zu planen. Klar, ich wusste, dass ich in Porto anfange und dann weiter nach Lissabon und in den Süden will. Aber alles andere sollte spontan passieren. Ich wollte mich treiben lassen, neue Leute kennenlernen und einfach schauen, was passiert. So richtig unbeschwert.


Meine Unterkunft für die erste Nacht war ein kleines Hostel im Ribeira-Viertel, direkt am Douro-Fluss. Ich hatte es online gebucht und war froh, dass es so zentral gelegen war. Als ich mein Zimmer gefunden hatte, warf ich meinen Rucksack ab und machte mich direkt auf den Weg, die Gegend zu erkunden.

Erste Eindrücke vom Ribeira-Viertel

Das Ribeira-Viertel ist unglaublich lebendig. Überall sind kleine Gassen und Plätze, die voller Cafés, Restaurants und Bars sind. Die Luft ist erfüllt von dem Duft von gegrilltem Fisch und dem Lachen der Menschen. Ich schlenderte einfach ziellos durch die Gassen, beobachtete das Treiben und genoss die Atmosphäre. Ich kam an dem Praça da Ribeira vorbei, dem zentralen Platz des Viertels. Dort saßen Menschen an kleinen Tischen, tranken Kaffee und unterhielten sich. Ein paar Straßenmusiker spielten portugiesische Fado-Musik – traurige, melancholische Lieder, die einen direkt ins Herz treffen. Ich setzte mich an einen kleinen Tisch in einem Café und bestellte einen "Café com leite" – Kaffee mit Milch. Der Kellner war ein älterer Mann mit freundlichen Augen und einem verschmitzten Lächeln. Er sprach kaum Englisch, aber wir verstanden uns trotzdem irgendwie. Als ich meinen Kaffee trank und die Aussicht auf den Douro-Fluss genoss, wurde mir klar, dass ich genau an der richtigen Stelle war. Ich hatte mich schon in Porto verliebt. Und ich konnte es kaum erwarten, die nächsten Wochen zu erkunden und all die Geschichten zu entdecken, die diese Stadt zu erzählen hatte. Die steilen Uferhänge, die historischen Gebäude und die Brücken, die sich majestätisch über den Fluss spannen, ließen mich schon jetzt ahnen, dass ich hier noch viele unvergessliche Momente erleben würde. Es war Zeit, tiefer einzutauchen und herauszufinden, was Porto wirklich ausmacht.

Vila Nova de Gaia und der Portwein

Am nächsten Morgen wachte ich ziemlich früh auf. Nicht, weil ich besonders ausgeschlafen hätte – das Hostel war nicht gerade die ruhigste Unterkunft – sondern weil ich unbedingt nach Vila Nova de Gaia wollte. Auf der anderen Seite des Douro-Flusses liegen die berühmten Portweinkellereien. Ich hatte mir vorgenommen, mindestens eine davon zu besichtigen. Ich überquerte die Dom Luís I Brücke zu Fuß. Ein beeindruckendes Bauwerk! Von oben hatte man einen fantastischen Blick auf Porto und den Douro. Es war ein bisschen windig, aber die Aussicht war die Mühe wert. In Vila Nova de Gaia angekommen, war ich überwältigt von der Anzahl der Kellereien. Taylor's, Sandeman, Graham's – überall standen riesige Gebäude mit historischen Fassaden. Ich entschied mich für eine Tour bei Calem. Die war nicht so überlaufen wie die anderen und der Guide sprach ganz gutes Englisch. Wir erfuhren alles über die Herstellung von Portwein, von den Trauben bis zum fertigen Produkt. Und natürlich durften wir am Ende auch ein paar Sorten probieren. War lecker, aber auch ganz schön süß! Ich merkte, dass ich nicht so der Portweinkenner bin, aber das Erlebnis war trotzdem toll.

Ein kleiner Fauxpas auf dem Mercado do Bolhão

Am Nachmittag wollte ich unbedingt den Mercado do Bolhão besuchen, den berühmten Markt von Porto. Ich hatte Bilder gesehen und war gespannt auf das bunte Treiben. Als ich dort ankam, war es richtig voll. Händler schrien ihre Waren an, Kunden feilschten um Preise und überall lagen Früchte, Gemüse und Fisch ausgestellt. Ich wollte ein paar lokale Früchte kaufen, um sie zu probieren. Ich zeigte auf ein paar saftig aussehende Beeren und sagte "Quanto custa?". Der Händler schaute mich verwirrt an und antwortete auf Portugiesisch. Ich verstand natürlich kein Wort. Ich versuchte es mit Händen und Füßen, aber das machte die Situation nur noch schlimmer. Schließlich kam eine ältere Dame vorbei und übersetzte. Ich hatte nach den Stielen der Erdbeeren gefragt, anstatt nach den Erdbeeren selbst! Alle lachten, auch ich. War zwar peinlich, aber irgendwie auch lustig. Die Dame kaufte mir dann noch eine Handvoll Erdbeeren und erklärte mir, wie man richtig fragt.

Die Ruhe im Parque da Cidade

Nach dem Trubel auf dem Markt brauchte ich eine Auszeit. Ich hatte gelesen, dass es in Porto einen großen Stadtpark gibt, den Parque da Cidade. Ich nahm die Metro dorthin und war froh, der Hektik der Stadt zu entfliehen. Der Park war riesig! Es gab grüne Wiesen, schattige Bäume, kleine Seen und sogar einen botanischen Garten. Ich setzte mich auf eine Bank und las ein Buch. Es war herrlich ruhig und entspannend. Genau das, was ich gebraucht hatte. Ich beobachtete die Menschen, die spazieren gingen, joggten oder einfach nur die Sonne genossen. Es war schön zu sehen, wie die Portuenser ihre Freizeit verbringen. Ich fühlte mich langsam wirklich wohl in Porto. Die Stadt hatte mich mit ihrer Mischung aus Geschichte, Kultur und Lebensfreude gefangen genommen. Ich hatte schon so viel erlebt und gesehen, aber ich wusste, dass es noch so viel mehr zu entdecken gab. Die kommenden Tage würden sicherlich noch viele Überraschungen und unvergessliche Momente bringen, und ich war gespannt darauf, was die Stadt noch für mich bereithalten würde.

Die Tage auf der Quinta vergingen wie im Flug. Ich half bei der Weinlese, lernte portugiesische Schimpfwörter (die ich natürlich sofort wieder vergaß) und aß so viele Pastéis de Nata, dass ich wahrscheinlich noch ein Jahr lang keinen Zucker mehr brauche. Es war hart, körperlich anstrengend, aber unglaublich erfüllend. Ich hatte das Gefühl, wirklich Teil des Lebens hier zu sein, nicht nur ein Tourist, der schnell vorbeikommt.

Abschied vom Landleben

Als es dann Zeit war, weiterzuziehen, fiel mir der Abschied schwer. Die Familie, bei der ich wohnte, war so herzlich und gastfreundlich. Wir aßen zusammen, lachten zusammen und sprachen mit Händen und Füßen, weil mein Portugiesisch ja wirklich katastrophal war. Sie haben mir noch ein paar selbstgemachte Marmeladen und Wein mitgegeben – ein kleines Stück Portugal für die weitere Reise.

Zurück in die Stadt

Ich nahm den Zug zurück nach Porto und checkte in ein anderes Hostel ein, diesmal etwas näher am Zentrum. Ich wollte noch ein paar Tage die Stadt erkunden, bevor es weiterging. Ich schlenderte durch die engen Gassen des Ribeira-Viertels, trank Kaffee in kleinen Cafés und beobachtete das bunte Treiben. Ich kaufte ein paar Souvenirs – eine Azulejo-Fliese und einen Korken-Anhänger – und besuchte noch einmal den Mercado do Bolhão, um ein paar frische Früchte zu kaufen.

Ein paar letzte Eindrücke

Was mir an Porto am besten gefallen hat, war die Mischung aus Alt und Neu, Tradition und Moderne. Die Stadt ist voller Geschichte und Kultur, aber gleichzeitig auch lebendig und dynamisch. Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt, als ob ich schon immer hierher gehört hätte. Ich glaube, das liegt auch an den Menschen. Die Portuenser sind freundlich, offen und hilfsbereit. Sie sind stolz auf ihre Stadt und ihre Kultur und teilen diese gerne mit anderen.

Ein paar Tipps für Porto

Wenn du nach Porto reist, solltest du unbedingt Folgendes tun:

  • Erkunde das Ribeira-Viertel: Schlendere durch die engen Gassen, trinke Kaffee in kleinen Cafés und genieße die Atmosphäre.
  • Besuche die Portweinkellereien in Vila Nova de Gaia: Probiere den berühmten Portwein und lerne mehr über seine Herstellung.
  • Nimm dir Zeit für die Azulejo-Fliesen: Achte auf die wunderschönen Fliesen, die die Häuser und Gebäude zieren.
  • Probiere die lokale Küche: Francesinha, Tripas à Moda do Porto, und natürlich die Pastéis de Nata!

Ein bisschen Wehmut

Jetzt ist es Zeit, weiterzuziehen. Ich werde Porto vermissen – die Salzluft, die Azulejo-Fliesen, den Fado, die freundlichen Menschen. Aber ich weiß, dass ich wiederkommen werde. Porto hat einen besonderen Platz in meinem Herzen gefunden.

    • Ribeira-Viertel
    • Portweinkellereien in Vila Nova de Gaia
    • Azulejo-Fliesen (als kulturelles Element)
    • Mercado do Bolhão
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