Ein Flüstern von Cambridge
Eine Sehnsucht wird geweckt
Ich hatte schon lange von dieser Reise geträumt. Eigentlich seit ich als junges Mädchen Elizabeth Bennet in „Stolz und Vorurteil“ gelesen hatte. Cambridge, so schien es, war ein Ort, der in der Literatur lebendig wurde, ein Ort, an dem Geister der Vergangenheit flüsterten und die Zeit eine andere Bedeutung hatte. Mein Mann, Robert, hatte immer gesagt, ich sei ein hoffnungsloser Romantiker. Er hatte Recht, natürlich. Aber ich fand Schönheit in den kleinen Dingen, in den Geschichten, die hinter den Fassaden verborgen lagen. Robert… es war unsere erste große Reise ohne ihn. Er hatte im Frühjahr seinen Kampf verloren, und ich hatte beschlossen, diese Reise, die wir immer geplant hatten, trotzdem zu machen. Nicht um ihn zu ersetzen, sondern um ihn zu ehren, um all die schönen Momente, die wir geteilt hatten, in diesem besonderen Ort widerzuspiegeln. Ich spürte seinen Geist an meiner Seite, während ich die College-Gärten durchschritt, und ein leises Lächeln umspielte meine Lippen.Erste Schritte in der Stadt
Ich hatte ein kleines Hotel in der Nähe des Marktplatzes gefunden, ein charmantes Haus mit blumengeschmückten Fensterbänken und einem kleinen Innenhof. Die Besitzerin, eine freundliche Dame namens Mrs. Hawthorne, hatte mir gleich einen Tee angeboten und mir einige Tipps für die Erkundung der Stadt gegeben. Sie erzählte mir von den Punting-Touren auf dem River Cam, von den kleinen Buchläden in der Mill Road und von den versteckten Cafés, in denen man die besten Kuchen der Stadt fand.
Ich beschloss, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Die engen Gassen waren voller Leben, Studenten huschten mit Büchern unter dem Arm vorbei, Touristen machten Fotos von den historischen Gebäuden, und Straßenmusiker spielten sanfte Melodien. Ich ging an der University Church of St Mary the Great vorbei, deren Turm einen herrlichen Blick über die Stadt bot. Ich betrachtete die alten Bücher in einem kleinen Antiquariat in der Petty Curry Lane, und ich ließ mich in einem Café nieder, um einen Scone mit Clotted Cream und Marmelade zu genießen.
Ein Hauch von Melancholie
Die Abende verbrachte ich oft am River Cam. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete die Punts, die gemächlich den Fluss entlang glitten. Die Sonne spiegelte sich im Wasser, und die Lichter der Stadt schimmerten wie kleine Sterne. Es war ein friedlicher, melancholischer Ort, der mir Trost spendete. Manchmal las ich ein Buch, manchmal schrieb ich in mein Reisetagebuch, und manchmal saß ich einfach nur da und dachte über mein Leben nach. Ich besuchte das Fitzwilliam Museum, das eine beeindruckende Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Antiquitäten beherbergt. Ich bewunderte die Werke von Monet, Renoir und Degas, und ich fühlte mich inspiriert von ihrer Schönheit und ihrem Ausdruck. Ich besuchte das Sedgwick Museum of Earth Sciences, wo ich mich in die faszinierende Welt der Fossilien und Mineralien vertiefte. Und ich besuchte das Cambridge University Botanic Garden, wo ich mich an den Farben und Düften der Pflanzen erfreute. Es gab so viel zu entdecken, so viel zu sehen, so viel zu fühlen. Cambridge war ein Ort, der meine Seele berührte, ein Ort, der mir neue Kraft und Inspiration gab. Ein Ort, an dem ich mich mit der Vergangenheit verbinden und die Gegenwart genießen konnte. Und während ich durch die Straßen schlenderte, begann ich, die tieferen Schichten dieser Stadt zu ergründen, die Geschichten hinter den Fassaden und die verborgenen Schönheiten, die darauf warteten, entdeckt zu werden.Die Mill Road und ihre Geschichten
Ich entdeckte schnell, dass Cambridge mehr zu bieten hatte, als nur die berühmten Colleges. Die Mill Road, ein etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegenes Viertel, zog mich mit ihrer lebhaften Atmosphäre und ihren bunten Geschäften magisch an. Es war ein Schmelztiegel der Kulturen, ein Ort, an dem man exotische Gewürze, handgemachte Kunstwerke und antike Möbel finden konnte. Ich verbrachte Stunden damit, die kleinen Läden zu durchstöbern, mit den freundlichen Händlern zu plaudern und die Aromen verschiedener Küchen zu genießen. In einem kleinen, versteckten Buchladen stieß ich auf eine erste Ausgabe von „Middlemarch“ – ein Geschenk für meine Enkelin, die wie ich eine begeisterte Leseratte war. Der Besitzer, ein älterer Herr mit freundlichen Augen, erzählte mir, dass er den Laden seit über vierzig Jahren führte und die Geschichten hinter jedem Buch kannte. Es war ein magischer Moment, ein Beweis dafür, dass Bücher uns verbinden und über Generationen hinweg Freude bereiten können.Ein Missgeschick am Markt
Der Cambridge Market war ein weiteres Highlight. Ein pulsierendes Labyrinth aus Ständen, an denen frische Lebensmittel, Blumen, Kleidung und Souvenirs angeboten wurden. Ich wollte unbedingt einige lokale Käsesorten probieren, aber in meiner Begeisterung rempelte ich einen älteren Herrn an und ließ seine Äpfel zu Boden fallen. Ich war untröstlich, entschuldigte mich tausendmal und bot ihm an, die Äpfel zu ersetzen. Er lachte nur und sagte, dass es ihm gut ging und dass er froh sei, jemanden zu sehen, der sich für die lokalen Produkte begeisterte. Es war ein kleiner Vorfall, aber er zeigte mir, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen in Cambridge waren. Ich kaufte ihm als Wiedergutmachung einen Laib Brot von einem der Bäckerstände und wir unterhielten uns noch eine Weile über das Wetter, die Stadt und die Bedeutung von gutem Essen.Die Chapel und der Friedhof von St. John’s College
Eines Nachmittags wagte ich mich ins St. John’s College, dessen Chapel mich mit ihrer gotischen Pracht tief beeindruckte. Die Buntglasfenster erzählten biblische Geschichten, und das Licht, das durch sie fiel, schuf eine fast spirituelle Atmosphäre. Ich saß lange in einer der Kirchenbänke und ließ die Ruhe und Erhabenheit des Ortes auf mich wirken. Hinter der Chapel lag ein alter Friedhof, ein Ort der Stille und des Friedens. Ich schlenderte zwischen den Grabsteinen hindurch, las die Namen und Daten und versuchte, mir die Leben der Menschen vorzustellen, die hier ruhten. Es war ein melancholischer, aber auch tröstlicher Ort, der mich daran erinnerte, dass das Leben vergänglich ist, aber dass die Erinnerung an uns weiterlebt. Ich entdeckte das Grab eines Mathematikers, der im 19. Jahrhundert gelebt hatte, und erinnerte mich an Robert, der selbst ein begeisterter Mathematiker gewesen war. Ich legte eine kleine Blume auf das Grab und flüsterte ihm eine liebevolle Botschaft zu. Als die Sonne langsam unterging und die Stadt in ein goldenes Licht tauchte, spürte ich eine tiefe Verbundenheit mit diesem besonderen Ort. Cambridge hatte nicht nur meine Seele berührt, sondern auch meine Trauer gelindert und mir neue Hoffnung gegeben. Ich wusste, dass ich diesen Ort nie vergessen würde, und dass ich immer wieder hierher zurückkehren würde, um die Schönheit, die Geschichte und die Ruhe zu genießen, die er bot. Cambridge hatte mir gezeigt, dass man auch inmitten des Verlustes noch Schönheit und Freude finden kann, und ich war dankbar für jede einzelne Sekunde, die ich hier verbringen durfte.Der letzte Abend in Cambridge war still. Ich saß noch einmal am River Cam, die Lichter spiegelten sich tanzend auf dem Wasser. Es war, als würde die Stadt mir zuflüstern, Geschichten von vergangenen Zeiten, von Liebe und Verlust, von Hoffnung und Neubeginn. Ich schloss die Augen und atmete tief ein, versuchte, den Zauber dieses Ortes in mir aufzunehmen, bevor ich wieder in die Realität zurückkehrte.
Ein Abschied voller Dankbarkeit
Diese Reise war mehr als nur ein Urlaub. Sie war eine Pilgerfahrt zu einem Ort, der mir schon lange am Herzen lag, und eine Möglichkeit, Robert zu ehren und unsere gemeinsame Liebe zur Literatur und Geschichte zu feiern. Ich hatte nicht erwartet, so viel Trost und Inspiration in dieser Stadt zu finden. Jede Ecke, jeder Stein, jedes Gebäude schien eine Geschichte zu erzählen, und ich fühlte mich als Teil dieser Geschichte.
Erinnerungen für die Ewigkeit
Ich hatte so viele wunderbare Momente erlebt: die majestätischen Colleges, die lebhaften Märkte, die versteckten Buchläden, die freundlichen Menschen. Ich hatte neue Freunde gefunden, alte Erinnerungen aufgefrischt und neue geschaffen. Ich hatte gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und die Schönheit in der Vergänglichkeit zu erkennen.
Ein letzter Blick auf die Colleges
Am Morgen vor meiner Abreise machte ich einen letzten Spaziergang durch die Stadt. Ich besuchte noch einmal King’s College, um die Chapel in all ihrer Pracht zu bewundern. Ich setzte mich in den Garten von St. John’s College und lauschte dem Gesang der Vögel. Ich schlenderte durch die engen Gassen und atmete die frische Luft ein. Ich wollte jeden Moment genießen, bevor ich wieder Abschied nehmen musste.
Meine Empfehlungen für Cambridge
Für alle, die Cambridge besuchen möchten, habe ich ein paar Empfehlungen. Zunächst sollten Sie sich Zeit nehmen, um die Colleges zu erkunden. Jedes College hat seinen eigenen Charme und seine eigene Geschichte. Besonders beeindruckend sind King’s College, St. John’s College und Trinity College. Nehmen Sie an einer Führung teil oder erkunden Sie die Colleges auf eigene Faust.
Zweitens sollten Sie den Cambridge Market besuchen. Hier finden Sie frische Lebensmittel, lokale Produkte und Souvenirs. Es ist ein lebhafter Ort, an dem Sie das lokale Leben kennenlernen können. Probieren Sie unbedingt einige der lokalen Käsesorten und Gebäck.
Drittens sollten Sie einen Spaziergang am River Cam machen. Sie können einen Punt mieten und den Fluss entlang fahren, oder einfach nur am Ufer entlang spazieren und die Landschaft genießen. Es ist ein friedlicher Ort, an dem Sie dem Trubel der Stadt entfliehen können.
Und schließlich sollten Sie sich Zeit nehmen, um die kleinen Buchläden zu erkunden. Cambridge ist ein Paradies für Buchliebhaber, und hier finden Sie alles, von klassischen Werken bis hin zu modernen Bestsellern.
Auf Wiedersehen, Cambridge
Als ich den Bahnhof verließ, warf ich noch einmal einen Blick auf die Stadt. Die Sonne schien, und die Lichter spielten auf den alten Steinen. Ich lächelte und flüsterte: „Auf Wiedersehen, Cambridge. Ich werde dich nie vergessen.“
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- King’s College Chapel
- Cambridge Market
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- Fitzwilliam Museum
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- Mill Road