Brügge – Eine stille Entdeckung
Ein bisschen Hintergrund
Ich bin jetzt 60, und nach vielen Jahren, in denen ich für andere gearbeitet und mich um alles gekümmert habe, dachte ich mir, jetzt ist es Zeit, einfach mal zu sein. Keine Verpflichtungen, keine Termine, einfach nur die Welt sehen, in meinem eigenen Tempo. Ich habe mich bewusst für Brügge entschieden, weil es nicht zu groß, nicht zu touristisch und irgendwie… gemütlich aussah. Auf den Bildern wirkte es so, als könnte man hier wirklich zur Ruhe kommen. Meine Frau, sie ist leider vor zwei Jahren verstorben, hätte es hier auch gefallen. Sie liebte mittelalterliche Städte und gute Schokolade.Die Zugfahrt
Die Zugfahrt von Brüssel war angenehm ruhig. Ich hatte ein Fensterplatz und konnte die Landschaft vorbeiziehen sehen. Felder, Kühe, kleine Dörfer – alles in sanften Herbstfarben getaucht. Es war eine wohltuende Abwechslung zum Großstadtdunst von Brüssel. Ich hatte mich bewusst für die Zugverbindung entschieden, um die Landschaft zu sehen und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun. Ich mag das Reisen mit dem Zug. Es hat etwas Entschleunigendes. Man ist nicht so gehetzt wie im Auto oder im Flugzeug.Das Hotel
Ich hatte ein kleines Hotel etwas außerhalb des Stadtzentrums gebucht, das "Bonifacius". Es war kein Luxusresort, aber die Bewertungen waren gut und es sollte ruhig sein. Und tatsächlich: Als ich dort ankam, empfing mich eine freundliche ältere Dame, die mir ein gemütliches Zimmer im ersten Stock gab. Es war nicht riesig, aber sauber und mit Blick auf einen kleinen Innenhof. Eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen wurden mir direkt angeboten. So muss es sein.Erste Schritte
Ich ließ meine Tasche im Zimmer und machte mich direkt auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Brügge ist relativ klein, man kann gut zu Fuß gehen. Ich folgte einfach den kleinen Gassen und ließ mich treiben. Überall diese alten Häuser mit ihren verzierten Fassaden, die sich im Wasser der Kanäle spiegeln. Es war, als wäre die Zeit stehen geblieben.Der Grote Markt
Natürlich führte mich mein Weg irgendwann zum Grote Markt, dem zentralen Platz der Stadt. Er war voller Touristen, aber trotzdem beeindruckend. Das Belfort, der mittelalterliche Glockenturm, ragte hoch in den Himmel. Ich stellte mich in die Schlange, um hinaufzusteigen. Die Aussicht war fantastisch. Man konnte die ganze Stadt überblicken. Die roten Ziegeldächer, die grünen Bäume, die Kanäle – ein wunderschönes Bild.Ein kleiner Imbiss
Nach dem Abstieg brauchte ich etwas Stärkung. Ich entdeckte einen kleinen Imbissstand, der frittierte Muscheln anbot. Das war genau das Richtige. Ich setzte mich an einen der Tische am Platz und genoss die Muscheln mit einer kühlen Erfrischung. Die Sonne kam kurz durch die Wolken und tauchte den Platz in ein warmes Licht.Die Rozenhoedkaai
Später am Nachmittag wanderte ich zur Rozenhoedkaai, einem der berühmtesten Fotomotive von Brügge. Die Kanäle treffen sich hier und bieten einen atemberaubenden Blick auf die alten Häuser und die Brücken. Es war zwar voll mit Touristen, aber trotzdem konnte ich einen ruhigen Moment finden, um die Schönheit des Ortes zu genießen. Ein kleiner alter Mann spielte auf seiner Geige. Die Musik passte perfekt zur Stimmung. Ich stand dort und dachte, ja, hier kann ich zur Ruhe kommen. Es war ein guter erster Tag, voller Eindrücke und kleiner Entdeckungen. Und ich spürte, dass dies erst der Anfang von etwas Besonderem war. Ich hatte das Gefühl, dass ich in den nächsten Tagen noch viele versteckte Winkel und charmante Plätze entdecken würde. Und dass ich hier, in Brügge, endlich wieder zu mir selbst finden würde.Ein Tag im Bonifaciusviertel
Am nächsten Morgen wachte ich früh auf. Die Luft war kühl und klar. Nach einem einfachen Frühstück im Hotel – Brot mit Käse und ein starker Kaffee – machte ich mich auf den Weg, um das Bonifaciusviertel zu erkunden. Es liegt etwas abseits der großen Touristenströme und ist viel ruhiger und authentischer. Kleine Werkstätten, Antiquitätenläden und gemütliche Cafés säumten die Straßen. Ich entdeckte eine kleine Brauerei, die handwerklich Bier herstellte. Der Braumeister nahm sich die Zeit, mir den Prozess zu erklären und mir verschiedene Sorten probieren zu lassen. Sehr nett. Ich kaufte gleich noch ein paar Flaschen für mein Zimmer.Die St. Janshuiskerk
Ein Highlight im Bonifaciusviertel war die St. Janshuiskirk, eine ehemalige mittelalterliche Heilig-Geist-Kirche. Sie ist zwar klein und unscheinbar, aber innen unglaublich beeindruckend. Die hohen gotischen Fenster und die filigrane Ausstattung strahlten eine besondere Atmosphäre aus. Ich setzte mich eine Weile in eine der Kirchenbänke und lauschte der Stille. Es war ein Ort der Besinnung und des Friedens.Ein Missgeschick beim Mittagessen
Zum Mittagessen suchte ich mir ein kleines Bistro in einer Seitenstraße. Es gab Moules Frites, meine Lieblingsspeise. Ich bestellte und freute mich auf die Muscheln. Als das Gericht kam, sah es zwar gut aus, aber dann stellte ich fest, dass ich meine Brille vergessen hatte. Ich versuchte, die Muscheln zu essen, aber es war schwierig, die Schalen zu öffnen, ohne die Finger zu verletzen. Ein Kellner bemerkte meine Schwierigkeiten und brachte mir prompt eine Pinzette. Das war sehr aufmerksam.Entdeckung des Begijnhofs
Am Nachmittag wagte ich mich in den Begijnhof, eine ehemalige Wohnanlage für Beguinen, fromme Frauen, die ein gemeinschaftliches Leben führten. Der Begijnhof ist eine grüne Oase mitten in der Stadt. Die weißen Häuser mit ihren kleinen Gärten strahlten eine besondere Ruhe aus. Ich schlenderte durch die Gassen und bewunderte die Architektur. Es war ein Ort der Schönheit und der Harmonie.Ein Gespräch mit einer Bewohnerin
Ich kam ins Gespräch mit einer älteren Dame, die seit vielen Jahren im Begijnhof wohnt. Sie erzählte mir von der Geschichte des Begijnhofs und von den Beguinen. Sie sagte, dass der Begijnhof ein Ort der Gemeinschaft und der Solidarität sei. Ich fragte sie, wie es sei, hier zu leben. Sie antwortete, dass es ein friedliches und erfülltes Leben sei. Ich konnte spüren, dass sie mit ihrem Leben zufrieden war.Abendliche Kanalfahrt
Zum Abschluss des Tages unternahm ich eine abendliche Kanalfahrt. Die Kanäle waren im sanften Licht der Laternen wunderschön. Wir glitten an den alten Häusern und Brücken vorbei. Der Bootsführer erzählte uns interessante Geschichten über die Stadt. Es war ein romantisches und unvergessliches Erlebnis. Die Reflexionen der Lichter tanzten auf dem Wasser. Es war ein weiterer wunderbarer Tag in Brügge, voller Eindrücke und Begegnungen, und ich spürte, dass ich langsam aber sicher wirklich ankam und mich auf eine innere Reise begeben konnte.Der letzte Tag in Brügge kam schneller als gedacht. Ich saß am Fenster meines Zimmers, trank meinen Kaffee und beobachtete die ersten Sonnenstrahlen, die über die Ziegeldächer glitten. Es war ein ruhiger Morgen, fast still. Ich spürte eine tiefe Zufriedenheit. Diese Reise hatte mir mehr gegeben, als ich erwartet hatte. Es war nicht nur ein Urlaub, es war eine Art von innerer Reinigung.
Die kleinen Dinge
Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen. Das Lächeln des alten Mannes, der mir jeden Morgen frisches Brot brachte. Das Zwitschern der Vögel im Bonifaciusviertel. Die Reflexionen der Lichter im Wasser der Kanäle. Das sind die Momente, die in Erinnerung bleiben. Ich habe mich bewusst von den großen Touristenströmen ferngehalten und die Stadt in meinem eigenen Tempo erkundet. Ich habe mich verloren in den kleinen Gassen und entdeckt versteckte Winkel, die niemand sonst zu sehen scheint.
Rückblick
Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag, als ich am Bahnhof ankam und mich sofort in die mittelalterliche Atmosphäre verliebte. Die alten Häuser, die Kanäle, die Brücken – alles wirkte wie aus einem Märchen. Ich habe den Grote Markt besucht, bin auf den Belfort gestiegen und habe die Aussicht genossen. Ich habe Moules Frites gegessen und belgische Schokolade probiert. Aber es waren nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die mich beeindruckt haben. Es war die Atmosphäre, die Ruhe, die Freundlichkeit der Menschen.
Der Begijnhof als Ruhepol
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Begijnhof. Dieser grüne Oase mitten in der Stadt war ein Ort der Stille und der Besinnung. Ich habe mich dort oft hingelegt und einfach nur die Natur genossen. Es war ein wunderbarer Kontrast zum Trubel der Stadt.
Meine Empfehlungen
Wenn ich jemandem Brügge empfehlen würde, dann würde ich ihm sagen, er solle sich Zeit nehmen. Keine Hektik, kein Stress. Einfach nur die Stadt auf sich wirken lassen. Gehe nicht nur zu den bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern erkunde auch die kleinen Gassen und Viertel. Sprich mit den Einheimischen und lass dich von ihnen inspirieren. Und vergiss nicht, die belgische Schokolade zu probieren!
Ein paar konkrete Tipps:
- Bonifaciusviertel: Abseits der Touristenpfade findet man hier authentisches Brügge.
- Rozenhoedkaai: Ja, es ist touristisch, aber der Blick ist einfach atemberaubend.
- Lokale Brauereien: Probiere das lokale Bier und lerne die Braukunst kennen.
Ich weiß nicht, wie viele Reisen ich noch unternehmen werde. Aber ich weiß, dass Brügge immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben wird. Es war eine Reise, die mir geholfen hat, zu mir selbst zurückzufinden. Und das ist das wertvollste Geschenk, das man sich machen kann.
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- Rozenhoedkaai (Fotografischer Höhepunkt)
- Grote Markt (Zentraler Platz)
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- Groeningemuseum (Kunstmuseum mit flämischer Malerei)
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- Bonifaciusviertel (Authentisches Viertel)