Salty Air and Tiny Hands
Ein langer Weg und eine stille Hoffnung
Es war ein bisschen ein Spontaneinkauf, diese Reise. Nicht im negativen Sinne, eher… ein stiller Aufschrei. Die ersten Monate mit Lotte waren wunderschön, natürlich, aber auch anstrengend, überwältigend. Wir waren beide so in der Blase aus Windeln und Stillen, dass wir fast vergessen hatten, wer wir als Paar waren. Peter hatte vorgeschlagen, wegzugehen, einfach nur zu zweit – naja, zu dritt – dem Alltag zu entfliehen. Und dann, bei der Recherche, stießen wir auf Südafrika. Bilder von goldenen Stränden, freundlichen Menschen, einem Klima, das uns im November eine kleine Pause vom grauen deutschen Winter versprach. Es schien… richtig.Wir hatten uns viel vorgenommen, bevor Lotte kam. Rucksackreisen durch Südamerika, ein Jahr in Neuseeland, all die großen Pläne, die man eben so hat, wenn das Leben noch weit entfernt von Brei und Schlafentzug zu sein scheint. Natürlich waren diese Pläne nicht komplett verworfen, aber sie hatten sich verschoben, verändert. Und irgendwie fühlte sich diese Reise nach Port Elizabeth wie ein kleiner, vorsichtiger Schritt in Richtung dieser alten Träume an. Ein Beweis, dass wir es trotzdem schaffen könnten, dass wir noch Abenteuer erleben würden, auch mit einem kleinen Menschen an unserer Seite.
Erste Eindrücke
Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war… interessant. Auf der einen Seite diese atemberaubende Landschaft, die Hügel, das Meer, das Licht. Auf der anderen Seite diese kleinen, baufälligen Häuser am Straßenrand, die Armut, die man nicht ignorieren konnte. Es war ein Kontrast, der uns sofort auffiel und uns zum Nachdenken anregte. Wir hatten uns natürlich informiert, gewusst, dass es in Südafrika große soziale Unterschiede gibt. Aber es ist etwas anderes, es mit eigenen Augen zu sehen.
Unser kleines Ferienhaus lag in einem ruhigen Viertel, etwas außerhalb des Stadtzentrums. Es war einfach, aber sauber und gemütlich. Ein kleiner Garten, eine Veranda mit Blick auf den Ozean. Lotte wachte auf, als wir unser Gepäck ins Haus trugen. Sie schaute sich neugierig um, lächelte und kicherte. Alle Müdigkeit war vergessen. In diesem Moment wussten wir, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten.
Die Suche nach Normalität
Die ersten Tage verbrachten wir damit, uns einzuleben, die Umgebung zu erkunden und einen Rhythmus zu finden. Peter und ich wechselten uns mit der Betreuung von Lotte ab, damit jeder Zeit für sich hatte, um die Seele baumeln zu lassen. Ich lief am Strand entlang, las Bücher, schrieb Tagebuch. Peter erkundete die Stadt, besuchte kleine Cafés und Museen. Wir versuchten, eine Art Normalität zu schaffen, auch wenn wir weit weg von zu Hause waren. Es war nicht immer einfach. Lotte hatte ihren eigenen Willen, ihre eigenen Bedürfnisse. Und manchmal, wenn sie nachts nicht schlafen wollte, fühlte ich mich einfach nur erschöpft und überfordert. Aber dann sah ich Peter, wie er Lotte im Arm hielt und ihr vorsang, und ich wusste, dass wir das zusammen schaffen würden. Wir waren ein Team, eine Familie. Und das war alles, was zählte.
Die Sonne ging unter, tauchte den Himmel in ein leuchtendes Orange und Rot. Lotte schlief friedlich in ihrem Kinderbettchen. Peter und ich saßen auf der Veranda, hielten Händchen und blickten aufs Meer. Es war ein Moment der Stille, der Ruhe, der Dankbarkeit. Wir hatten noch viele Abenteuer vor uns, viele neue Eindrücke zu sammeln. Aber in diesem Moment, in diesem kleinen, unscheinbaren Moment, fühlte es sich an, als hätten wir schon einen kleinen Teil davon gefunden. Die Seele atmete auf. Und während das Rauschen der Wellen uns in den Schlaf wiegte, ahnte ich, dass diese Reise mehr war als nur ein Urlaub. Es war ein Neuanfang.
Die nächsten Tage würden uns zeigen, welche Schätze diese Küste noch barg, welche Begegnungen uns prägen würden. Und so begannen wir, uns langsam, vorsichtig, auf die Suche nach den kleinen Wundern des Lebens.
Die Summerstrand Promenade und der Duft von Braai
Der Summerstrand war unser Ankerplatz, fast jeden Tag. Eine lange Promenade, gesäumt von kleinen Cafés und Restaurants, direkt am Strand. Lotte liebte es, den Möwen hinterherzuschauen und im Sand zu spielen. Wir bestellten uns oft Kaffee und Croissants, saßen einfach nur da und genossen die Atmosphäre. Es war nicht der glamouröseste Strand, aber er hatte etwas Echtes, etwas Warmes. Wir beobachteten Surfer, Jogger, Familien, die Picknick machten. Das Leben pulsierte hier, ganz ungezwungen. Einmal, als Lotte ein Nickerchen im Kinderwagen machte, versuchte Peter, einen Eisbecher zu essen, bevor er komplett geschmolzen war. Er schaffte gerade zwei Löffel, bevor Lotte aufwachte und sich mit lautem Gebrüll nach dem Löffel selbst verlangte. Es war chaotisch, lustig und perfekt.
Walnüsse und bunte Häuser in Richmond Hill
Richmond Hill war anders. Ein Viertel mit einer ganz eigenen Seele. Bunte viktorianische Häuser, verwunschene Gärten, kleine Kunstgalerien. Hier fühlten wir uns wie in einem anderen Jahrhundert versetzt. Wir spazierten durch die engen Gassen, bewunderten die Architektur und stöberten in den Geschäften. In einem kleinen Laden entdeckte ich handgemachte Schmuckstücke aus lokalen Materialien. Peter kaufte Lotte einen kleinen Holz-Elefanten. Der Besitzer erzählte uns, dass in diesem Viertel früher die Walnuss-Händler ihren Sitz hatten. Der Duft von Walnüssen hing angeblich noch immer in der Luft, wenn der Wind günstig stand. Wir rochen zwar keine Walnüsse, aber wir rochen etwas anderes: den Duft von Braai, dem südafrikanischen Grillen. Aus einem der Gärten drang der verlockende Geruch von gegrilltem Fleisch und Gewürzen. Wir wurden sofort hungrig.
Ein kleiner Ausflug nach Schoenmakerskop und eine missglückte Strandspaziergang
Schoenmakerskop war etwas weiter außerhalb, ein kleiner, abgelegener Strand, umgeben von Felsen und Dünen. Wir wollten einen Spaziergang am Strand machen, Lotte in der Trage. Aber das Wetter spielte nicht mit. Es war windig, regnerisch und kalt. Lotte weinte, Peter fluchte und ich versuchte, die Stimmung zu retten. Wir suchten Schutz unter einem Felsvorsprung, wickelten Lotte in eine Decke und tranken heißen Tee aus einem Thermosbecher. Der Strand war leer, die Wellen schlugen hoch. Es war nicht der Traum-Strandspaziergang, den wir uns vorgestellt hatten, aber es war trotzdem schön. In diesem Moment, unter dem Felsvorsprung, mit dem Regen im Gesicht, fühlten wir uns verbunden – als Familie, als Paar, mit der Natur. Es war ein Beweis dafür, dass Glück nicht von perfekten Umständen abhängt, sondern von der Art und Weise, wie wir sie annehmen.
Die Tage vergingen wie im Flug, gefüllt mit kleinen Abenteuern, unerwarteten Begegnungen und Momenten der Stille. Wir lernten, dass es in Ordnung ist, Pläne zu ändern, dass das Leben nicht immer nach Drehbuch verläuft. Und während wir uns langsam auf unsere Heimreise vorbereiteten, ahnten wir, dass diese Reise uns für immer verändern würde – dass wir ein Stück von Südafrika in unseren Herzen mitnehmen würden und dass wir irgendwann zurückkehren würden, um die Magie dieses Landes erneut zu erleben.
Die letzten Tage in Port Elizabeth fühlten sich an wie ein langsamer Abschied. Nicht von einem Ort, sondern von einer Stimmung. Eine Art entschleunigtes Leben, das wir hier entdeckt hatten. Wir hatten versucht, so viel wie möglich zu sehen und zu erleben, aber es waren die kleinen Momente, die uns am meisten in Erinnerung bleiben würden. Lotte, wie sie am Strand spielte und lachend ins Wasser platschte. Peter, wie er versuchte, einen perfekten Cappuccino zu zaubern, während Lotte an seinem Bein hochkletterte. Ich, wie ich einfach nur da saß und das Rauschen des Meeres lauschte, die salzige Luft in mir aufnahm.
Ein letzter Blick auf den Summerstrand
Wir kehrten immer wieder zum Summerstrand zurück. Es war unser Ankerpunkt, unser sicherer Hafen. Wir spazierten am Strand entlang, sammelten Muscheln und beobachteten die Surfer. Lotte liebte es, im Sand zu buddeln und kleine Türme zu bauen. Peter und ich saßen auf einer Bank und ließen die Sonne auf uns wirken. Es war ein Moment der Stille, der Ruhe, der Dankbarkeit. Wir wussten, dass wir diesen Ort vermissen würden. Es war nicht der spektakulärste Strand, aber er hatte etwas Besonderes. Etwas Echtes. Etwas Warmes.
Richmond Hill und die Farben der Vergangenheit
Richmond Hill hatte uns besonders berührt. Die bunten viktorianischen Häuser, die verwunschenen Gärten, die kleinen Kunstgalerien. Es war, als wären wir in eine andere Zeit zurückversetzt worden. Wir hatten stundenlang durch die Gassen geschlendert, die Architektur bewundert und uns in den kleinen Geschäften umgesehen. Der Duft von Braai hing in der Luft, vermischt mit dem Duft von Blumen und Gewürzen. Es war ein Fest für die Sinne. Wir hatten uns in dieses Viertel verliebt. Es war ein Ort, der Geschichten erzählte. Ein Ort, der uns inspiriert hatte.
Das Versprechen einer Wiederkehr
Die Abreise war schwer. Wir packten unsere Koffer, verabschiedeten uns von unserem kleinen Ferienhaus und fuhren zum Flughafen. Lotte schlief erschöpft in ihrem Autositz. Peter und ich hielten Händchen und blickten zurück. Wir wussten, dass wir irgendwann zurückkehren würden. Südafrika hatte uns verzaubert. Es hatte uns gezeigt, dass das Leben einfach sein kann. Dass Glück in den kleinen Dingen liegt. Dass es wichtig ist, sich Zeit zu nehmen, um die Schönheit der Welt zu genießen. Wir hatten ein Versprechen abgegeben: Wir würden wiederkommen. Und wir würden Lotte mitnehmen, damit auch sie die Magie dieses Landes erleben konnte.
Als das Flugzeug abhob, blickte ich aus dem Fenster und sah die Küste von Port Elizabeth immer kleiner werden. Ich fühlte eine Mischung aus Trauer und Dankbarkeit. Wir hatten einen wunderschönen Urlaub verbracht. Wir hatten neue Erfahrungen gesammelt. Wir hatten unsere Liebe neu entfacht. Und wir hatten ein neues Kapitel in unserem Leben aufgeschlagen. Das Rauschen des Meeres hallte noch in meinen Ohren nach. Und ich wusste, dass ein Teil von uns für immer in Südafrika bleiben würde.
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- Summerstrand
- Richmond Hill
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- Summerstrand
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- Die kleinen Kunstgalerien in Richmond Hill
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- Richmond Hill