Südamerika - Kolumbien - Santa Marta

Reisebericht Südamerika - Kolumbien - Santa Marta

Der Geruch von Mango und Abgasen hing in der Luft, vermischt mit dem salzigen Hauch des Meeres. Ich stand also da, am Ausgang des kleinen Flughafens von Santa Marta, Kolumbien, mit meinem viel zu schweren Rucksack auf dem Rücken und dem vagen Gefühl, dass ich vielleicht doch nicht so gut vorbereitet war, wie ich dachte. 21 Jahre alt, knapp 500 Euro für den ersten Monat und die fixe Idee, Südamerika "richtig" zu erleben – ohne durchorganisierte Touren, ohne Luxushotels, einfach nur… leben. Klingt romantisch, oder?

Ankunft in der Karibik

Die Hitze schlug mir ins Gesicht, fast schon aggressiv. Ich hatte gehofft, es wäre irgendwie gemäßigter. Die Realität war allerdings, dass es hier einfach heiß ist. Sehr heiß. Und feucht. Unbedingt. Ich hatte mich auf alles vorbereitet, dachte ich, aber diese Wand aus Wärme war anders. Der kleine Flughafen war ein einziges Gewusel aus Taxifahrern, die um die Touristen buhlten, und Einheimischen, die ihre Angehörigen abholten. Ich ignorierte sie alle und versuchte, mich an die Karte zu erinnern, die ich mir am Flughafen in Bogotá ausgedruckt hatte. Hostal „La Sirena“ – irgendwie sollte ich da hinkommen.

Ich war nicht zum ersten Mal Backpacking unterwegs, aber Südamerika war etwas Neues. Davor hatte ich ein paar Wochen in Südostasien verbracht, wo man sich mit wenig Geld gut zurechtkam. Aber Kolumbien hatte einen anderen Ruf. Unsicher, gefährlich, teuer – zumindest hatte ich das so gehört. Ich wollte das natürlich alles selbst herausfinden. Stereotypen sind sowieso doof.

Der erste Bus

Der Weg zum Hostal führte mich an einem Sammeltaxi vorbei, das sogenannte "Collectivo". Ich war erst zögerlich, aber dann beschloss ich, es auszuprobieren. Die Fahrt war... interessant. Vier Leute vorne, sechs hinten, alle dicht an dicht und der Fahrer, der so fuhr, als hätte er gerade einen Wettlauf gegen die Zeit verloren. Irgendwie kam ich heil an und der Fahrer verlangte, nachdem ich mit mühseligem Spanisch erklärt hatte, wo ich hin wollte, die lächerliche Summe von 2.000 Pesos – umgerechnet vielleicht 50 Cent.

Das Hostal „La Sirena“ war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte: Einfach, sauber, mit einer kleinen Innenhof-Terrasse und einer entspannten Atmosphäre. Ich bezog einen 6-Bett-Dorm für 12.000 Pesos pro Nacht – also um die 3 Euro. Ich teilte mir den Raum mit einem deutschen Pärchen, einer Französin und einem Amerikaner, der unbedingt Spanisch lernen wollte. Die ersten Gespräche waren kurz und oberflächlich, aber ich hatte das Gefühl, dass sich daraus vielleicht Freundschaften entwickeln könnten.

Warum eigentlich Kolumbien?

Ich muss zugeben, Kolumbien war nicht mein erstes Wahlziel. Eigentlich hatte ich geplant, nach Ecuador zu reisen. Aber dann hatte ich im Internet ein paar Blogbeiträge über die kolumbianische Karibikküste gelesen, und die Bilder von den Stränden, den Bergen und den bunten Städten hatten mich irgendwie gefesselt. Außerdem wollte ich bewusst ein Land besuchen, das nicht so "durchgebacken" ist vom Tourismus. Ich wollte die echte Kultur erleben, die Menschen kennenlernen, und nicht nur in touristischen Blasen leben.

Und ehrlich gesagt, ich war auch ein bisschen gelangweilt von meinem Leben zurück in Deutschland. Ich hatte gerade mein Abitur gemacht und wollte unbedingt eine Pause einlegen, bevor ich mit dem Studium anfing. Ich wollte etwas Neues sehen, etwas Neues lernen, und mich selbst herausfordern. Und ich hatte das Gefühl, dass Kolumbien der perfekte Ort dafür war.

Erste Eindrücke vom Stadtbild

Santa Marta selbst ist eine interessante Mischung aus kolonialer Architektur, modernen Gebäuden und heruntergekommenen Vierteln. Die Altstadt ist relativ klein, aber charmant, mit ihren bunten Häusern, engen Gassen und kleinen Plätzen. Aber außerhalb der Altstadt sieht es oft ziemlich heruntergekommen aus. Es gibt viele Armut, viel Müll und viele Menschen, die auf der Straße leben. Das ist natürlich nicht schön, aber es ist auch wichtig, sich das anzusehen und sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Ich hatte mir vorgenommen, nicht wegzuschauen.

Ich schlenderte ein bisschen durch die Straßen, aß eine Arepa mit Käse (super lecker!) und versuchte, meinen Spanisch aufzubessern. Es war zwar anstrengend, sich ständig zu verständigen, aber es hat auch Spaß gemacht. Die Menschen waren zwar oft misstrauisch, aber wenn man sie einmal ins Gespräch gebracht hatte, waren sie sehr freundlich und hilfsbereit.

Nachdem ich mich ein bisschen eingelebt hatte, begann ich, mich nach Möglichkeiten umzusehen, wie ich mein knappes Budget aufbessern konnte. Es gab zwar ein paar Jobangebote für Touristen, aber die waren meistens schlecht bezahlt oder erforderten gute Sprachkenntnisse. Ich überlegte, ob ich vielleicht Nachhilfe in Deutsch oder Englisch geben könnte, aber ich war mir nicht sicher, ob es dafür einen Markt gab. Und so begann ich, mich mit anderen Backpackern auszutauschen und nach Tipps und Tricks zu suchen, wie man in Kolumbien mit wenig Geld überleben kann.

Das Getümmel am Mercado

Ich landete irgendwann auf dem "Mercado Central", dem riesigen Markt von Santa Marta. Ein absolutes Chaos, aber genau das, was ich sehen wollte. Obst und Gemüse türmten sich zu bunten Bergen auf, Fischhändler preisten lautstark ihre Ware an, und überall wuselten Menschen herum. Der Geruch von frischen Mangos, reifen Bananen und... nun ja, auch etwas anderem, lag in der Luft. Ich versuchte, mir ein paar Früchte zu kaufen, aber mein Spanisch war einfach nicht gut genug, um die Preise zu verstehen. Irgendwie landete ich mit einem riesigen Sack voll roter Paprika und zwei winzigen Bananen am Stand. Die Verkäuferin lachte herzhaft.

Das Mercado war nicht nur ein Ort, um einzukaufen, sondern auch ein soziales Zentrum. Menschen trafen sich, tauschten Neuigkeiten aus und stritten über Preise. Ich setzte mich in ein kleines Café am Rande des Marktes und beobachtete das Treiben. Ein alter Mann bot mir an, mir die Karten zu legen. Ich lehnte ab, aber er bestand darauf, mir wenigstens meine Handlinie zu zeigen. Er prophezeite mir eine lange Reise und viele Abenteuer – mal sehen, ob er Recht hat.

Rodadero: Touristenfalle oder doch nicht?

Ein paar Tage später beschloss ich, einen Ausflug nach Rodadero zu machen, dem Badeort in der Nähe von Santa Marta. Ich hatte im Vorfeld viel Negatives darüber gehört – eine Touristenfalle, überfüllt, teuer. Und ja, es stimmte zum Teil. Der Strand war voll mit Liegestühlen und Sonnenschirmen, die Händler versuchten, einem ständig etwas zu verkaufen, und die Preise in den Restaurants waren deutlich höher als in Santa Marta.

Aber es gab auch positive Seiten. Das Wasser war kristallklar und warm, und die Landschaft war atemberaubend. Ich wanderte ein Stück am Strand entlang und entdeckte eine kleine Bucht, in der nur wenige Menschen waren. Dort konnte ich in Ruhe schwimmen und die Sonne genießen. Ich aß in einem kleinen Imbiss ein "Arepa con Huevo" (eine Maisfladen mit Ei) und schaute den Surfern zu. Rodadero war vielleicht nicht das authentische Kolumbien, das ich gesucht hatte, aber es war trotzdem ein schöner Ort, um ein paar Stunden zu entspannen.

Das Viertel "La Magdalena": Zwischen Armut und Lebensfreude

Am beeindruckendsten war für mich das Viertel "La Magdalena", ein eher ärmeres Viertel am Stadtrand von Santa Marta. Hier gab es keine Touristen, keine schicken Restaurants, sondern nur einfache Häuser, kleine Läden und viele Kinder, die auf der Straße spielten. Ich war zuerst zögerlich, mich dort alleine hinzubewegen, aber dann fasste ich meinen Mut zusammen und schlenderte durch die Gassen.

Ich wurde sofort von den Menschen empfangen. Kinder winkten mir zu, alte Frauen lächelten mich an, und ein Mann bot mir an, mir seinen selbstgemachten Aguardiente (ein lokaler Schnaps) zu probieren. Ich nahm dankend an und unterhielt mich mit ihm auf gebrochenem Spanisch. Er erzählte mir von seinem Leben, von seinen Sorgen und Hoffnungen. Es war ein sehr bewegendes Gespräch. La Magdalena war kein schöner Ort im klassischen Sinne, aber es war ein Ort voller Leben, voller Wärme und voller Lebensfreude. Und es war ein Ort, der mir gezeigt hat, dass Glück nicht vom Geld abhängt.

Nach einigen Tagen in Santa Marta begann ich, die Stadt wirklich zu lieben. Es war nicht perfekt, aber es war authentisch, lebendig und voller Überraschungen. Und es war ein Ort, der mir geholfen hat, meine Vorurteile abzubauen und die Welt mit anderen Augen zu sehen. Die Reise war bisher anstrengend, herausfordernd und manchmal auch frustrierend, aber sie hatte sich jetzt schon mehr als gelohnt – und ich wusste, dass das Abenteuer noch lange nicht vorbei war.

Die Tage in Santa Marta vergingen wie im Flug. Irgendwie hatte ich mich hier eingelebt, meine kleine Routine gefunden. Jeden Morgen früh aufstehen, einen starken Kaffee trinken, auf den Markt gehen, um frisches Obst zu kaufen, und dann einfach treiben lassen. Ich hatte mich bewusst dafür entschieden, keine festen Pläne zu machen, keine Touren zu buchen, sondern einfach zu sehen, was passiert. Und es funktionierte überraschend gut.

Die Herausforderungen des Low-Budget-Reisens

Natürlich war es nicht immer einfach. Das Geld war knapp, und ich musste ständig darauf achten, wo ich sparen konnte. Essen gehen war ein Luxus, und ich kochte meistens selbst in der Hostelküche. Die Busse waren oft überfüllt und unbequem, und ich musste mich ständig vor Taschendieben in Acht nehmen. Aber all das war es wert. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, die Menschen, die ich kennengelernt habe, waren unbezahlbar.

Die kleinen Dinge, die zählen

Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen: Ein Lächeln von einem Fremden, ein Sonnenuntergang über dem Meer, ein gutes Gespräch mit einem anderen Backpacker. Ich habe gelernt, dass Glück nicht vom Geld abhängt, sondern von der Art und Weise, wie man die Welt betrachtet. Und ich habe gelernt, dass man mit wenig Geld viel erreichen kann, wenn man bereit ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Was ich anders gemacht hätte… vielleicht

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mich vielleicht besser auf die Sprachbarriere vorbereiten sollen. Mein Spanisch war zwar rudimentär, aber es reichte oft nicht aus, um mich wirklich verständlich zu machen. Das hat manchmal zu frustrierenden Situationen geführt. Und ich hätte vielleicht auch etwas mehr recherchiert, bevor ich nach Kolumbien gereist bin. Ich war zwar nicht naiv, aber ich hätte vielleicht etwas besser gewusst, worauf ich mich einlasse.

Tipps für andere Backpacker

Aber all das ist jetzt Schnee von gestern. Ich bin dankbar für jede Erfahrung, die ich gemacht habe, und ich würde jederzeit wieder nach Kolumbien reisen. Und wenn ich anderen Backpackern einen Tipp geben könnte, dann wäre es dieser: Seid offen für Neues, seid mutig, seid neugierig, und habt keine Angst, Fehler zu machen. Und vergesst nicht, die kleinen Dinge zu schätzen.

Ich habe gelernt, dass Reisen nicht nur darum geht, neue Orte zu sehen, sondern auch darum, sich selbst besser kennenzulernen. Es ist eine Reise der Selbstentdeckung, die einen verändert und prägt. Und ich bin dankbar dafür, dass ich diese Reise machen durfte.

Abschied von Santa Marta

Nach einigen Wochen in Santa Marta war es Zeit, weiterzuziehen. Ich hatte noch viele andere Orte auf meiner Liste, die ich sehen wollte. Aber ich würde Santa Marta nie vergessen. Es war ein Ort, der mir viel bedeutet hat, und ich würde gerne eines Tages wiederkommen.

Ich packte meinen Rucksack, verabschiedete mich von meinen neuen Freunden und stieg in den Bus, der mich zu meinem nächsten Ziel bringen sollte. Ich blickte ein letztes Mal auf die Stadt zurück und lächelte. Ich wusste, dass ich hier etwas Besonderes erlebt hatte. Und ich wusste, dass das Abenteuer noch lange nicht vorbei war.

    👤 Alleinerziehende Mutter (35) mit einem Teenager (15) ✍️ sozial und engagiert