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Yogyakarta: Eine Reise zur inneren Mitte

Der feine Staub der Straße kitzelte in meiner Nase, vermischt mit dem süßlichen Duft von Räucherwerk. Wir standen gerade vor dem kleinen Hotel in Yogyakarta, die Tuk-Tuks hupen um uns herum, ein lebendiges Chaos, das irgendwie beruhigend war. Die Luft war warm, feucht, und roch nach Leben. Es war anders, als alles, was wir bisher kannten.

Eine Reise der inneren Einkehr

Diese Reise nach Indonesien war schon lange ein Traum, aber es war mehr als nur ein Urlaubsplan. Wir, mein Mann und ich, mit unseren beiden Teenagern, Lena (16) und Max (12), hatten das Gefühl, dass wir eine Art Wendepunkt erreicht hatten. Die Kinder wurden erwachsen, die Pubertät tobte, und wir als Eltern spürten, dass wir etwas mehr sein wollten als nur Organisatoren von Freizeitaktivitäten. Wir wollten gemeinsam wachsen, tiefer verbinden, und uns wieder bewusst werden, was wirklich zählt. Yogyakarta schien uns der perfekte Ort dafür. Es ist ein kulturelles Zentrum Javas, bekannt für seine Tempel, seine Kunst, seine Musik, aber auch für seine spirituelle Atmosphäre. Wir hatten uns vorgenommen, nicht einfach nur Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern uns wirklich auf die Kultur einzulassen, die Menschen kennenzulernen und uns von der Energie dieses Ortes inspirieren zu lassen.
Max war sofort begeistert von den Tuk-Tuks, Lena eher skeptisch. Sie brauchte etwas länger, um sich auf diese neue Umgebung einzulassen. Ich erinnere mich, wie sie anfangs immer ihr Handy gezückt hat, um Fotos zu machen, als wäre das eine Art Schutzschild gegen das Unbekannte. Mein Mann, Thomas, lächelte nur und sagte: „Lass ihr Zeit, sie wird es verstehen.“ Er hatte immer ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Kinder.

Die Suche nach Achtsamkeit

Wir hatten uns vor der Reise intensiv mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt. Ich hatte ein Buch über buddhistische Meditation gelesen, Thomas hatte einen Kurs in Yoga absolviert, und wir hatten versucht, die Kinder dafür zu begeistern. Es war nicht immer einfach, sie von ihren Bildschirmen wegzubekommen, aber wir hatten ihnen erklärt, dass es uns wichtig ist, dass sie lernen, den Moment zu genießen, anstatt immer in der Zukunft oder Vergangenheit zu leben. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Lena, kurz bevor wir abgereist waren. Sie hatte gefragt: „Warum müssen wir eigentlich immer so spirituell sein?“ Ich hatte ihr erklärt, dass es uns nicht darum geht, irgendwelche esoterischen Dogmen zu befolgen, sondern einfach darum, bewusster zu leben, dankbarer zu sein und die kleinen Dinge im Leben zu schätzen.

Erste Eindrücke von Yogyakarta

Das Hotel war einfach, aber sauber und freundlich. Der kleine Innenhof war mit tropischen Pflanzen und bunten Blumen geschmückt. Eine alte Frau saß davor und flechtete Körbe. Sie lächelte uns freundlich zu und bot uns ein Glas frischen Saft an. Das war ein guter Anfang. Wir erkundeten die Umgebung zu Fuß. Die Straßen waren eng und belebt, voller Menschen, Motorräder und kleinen Verkaufsständen. Wir sahen Frauen in traditioneller Kleidung, Kinder, die spielten, und Männer, die Schach spielten. Es war ein buntes, lebendiges Treiben, das uns sofort in seinen Bann zog.
Der Geruch von gegrilltem Essen lag in der Luft. Wir probierten verschiedene lokale Spezialitäten, wie Nasi Goreng (gebratener Reis) und Sate (Fleischspieße). Es schmeckte unglaublich lecker. Lena war anfangs etwas vorsichtig, aber auch sie ließ sich von der Vielfalt der Aromen begeistern. Max aß mit Begeisterung alles, was ihm angeboten wurde. Wir besuchten einen lokalen Markt, auf dem man alles von frischem Obst und Gemüse bis hin zu Kleidung und Souvenirs kaufen konnte. Es war ein riesiges Chaos, aber auch ein faszinierendes Erlebnis. Wir handelten mit den Verkäufern, lachten viel und lernten ein paar Worte Indonesisch.

Die Tempel und die Stille

Am nächsten Tag besuchten wir den Borobudur, einen buddhistischen Tempel aus dem 9. Jahrhundert. Er war atemberaubend schön. Wir wanderten über die verschiedenen Ebenen, bewunderten die kunstvollen Reliefs und genossen die Aussicht auf die umliegende Landschaft. Es war unglaublich still dort, trotz der vielen Besucher. Wir setzten uns auf eine der Plattformen und schlossen die Augen. Ich atmete tief ein und aus. Ich spürte, wie die Energie dieses Ortes mich durchströmte. Es war ein Gefühl von Frieden und Gelassenheit.
Auch Lena und Max schienen von der Atmosphäre des Tempels berührt zu sein. Sie waren ruhig und nachdenklich. Wir saßen lange zusammen, ohne ein Wort zu sagen. Es war ein besonderer Moment, den wir nie vergessen werden. Die ersten Tage in Yogyakarta waren geprägt von neuen Eindrücken, Begegnungen und Erfahrungen. Wir hatten das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg waren, auf der Suche nach Achtsamkeit und innerer Einkehr. Es war eine Reise, die uns verändern würde. Und während wir uns tiefer in die Kultur und Spiritualität Javas vertieften, begannen wir zu spüren, dass dies erst der Anfang einer wundervollen Entdeckung war.

Das Künstlerviertel und die Batik-Werkstätten

Am nächsten Tag beschlossen wir, uns ins Künstlerviertel Kampong Prawirotaman zu wagen. Thomas hatte im Reiseführer gelesen, dass es dort viele kleine Galerien, Werkstätten und Cafés gibt. Die Gassen waren eng und verwinkelt, aber voller Leben. Überall hingen Bilder und Skulpturen aus, und in den Werkstätten arbeiteten Künstler an ihren Werken. Max war sofort begeistert von den Holzschnitzereien. Er verbrachte eine ganze Weile damit, einem Künstler bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und ihm Fragen zu stellen. Lena interessierte sich mehr für die Malerei. Sie bewunderte die Farben und die Motive, die oft von der javanischen Mythologie inspiriert waren.
Wir besuchten eine Batik-Werkstatt, in der wir lernten, wie die traditionellen Stoffmuster entstehen. Es war eine faszinierende Technik, bei der geschmolzenes Wachs auf den Stoff aufgetragen wird, um bestimmte Bereiche zu schützen, bevor der Stoff gefärbt wird. Lena und ich probierten es selbst aus, aber es stellte sich heraus, dass es viel schwieriger war, als es aussah. Unser Ergebnis war eher ein chaotisches Durcheinander als ein kunstvolles Muster. Wir lachten viel darüber, aber es war eine lustige Erfahrung.

Ein Missverständnis auf dem Markt

Einen Tag später wagten wir uns auf den Beringharjo-Markt, einen riesigen Markt im Herzen Yogyakartas. Wir wollten ein paar Souvenirs kaufen und das lokale Leben beobachten. Es war ein echtes Gedränge, und wir mussten uns unseren Weg durch die Menschenmassen bahnen.
Thomas wollte ein paar traditionelle javanische Hüte kaufen. Er zeigte dem Verkäufer, wie viele er wollte und verhandelte den Preis. Irgendwie kam es zu einem Missverständnis, und der Verkäufer dachte, wir wollten alle Hüte kaufen, die er hatte. Plötzlich stand er da mit einem riesigen Stapel Hüten und wollte uns den ganzen Stapel verkaufen. Wir mussten uns mit Händen und Füßen verständigen, um ihm klarzumachen, dass wir nur ein paar Hüte wollten. Es war eine amüsante Situation, die uns alle zum Lachen brachte.

Der Sultanpalast und die Stille des Wasserschlosses

Der Kraton, der Sultanpalast, war ein weiteres Highlight unserer Reise. Er ist ein wunderschöner Komplex aus Gebäuden, Höfen und Gärten, der die Geschichte und Kultur Javas widerspiegelt. Wir besuchten die verschiedenen Hallen und bewunderten die kunstvollen Verzierungen und die reichen Farben.
Besonders beeindruckend war das Taman Sari, das Wasserschloss. Es war einst ein Ort der Entspannung und Erholung für den Sultan und seine Familie. Heute ist es ein ruhiger und friedlicher Ort, an dem man dem Trubel der Stadt entfliehen kann. Wir spazierten durch die Gärten, bewunderten die Brunnen und die kleinen Pavillons und genossen die Stille. Lena, die normalerweise immer mit ihrem Handy beschäftigt war, legte es tatsächlich für eine ganze Weile weg und schien die Atmosphäre voll und ganz aufzusaugen. Es war ein schöner Moment, der uns allen gezeigt hat, wie wichtig es ist, im Moment zu leben und die Schönheit der Umgebung zu genießen.

Der Abschied von Yogyakarta

Unsere Zeit in Yogyakarta neigte sich dem Ende zu. Wir hatten so viel erlebt und gelernt, dass wir uns fast schuldig fühlten, die Stadt schon wieder verlassen zu müssen. Aber wir wussten, dass wir die Erfahrungen und die Erinnerungen für immer mitnehmen würden. Der Duft von Räucherwerk und Gewürzen, die freundlichen Gesichter der Menschen, die spirituelle Atmosphäre der Tempel – all das würde uns noch lange in Erinnerung bleiben. Die Reise hatte uns als Familie näher zusammengebracht und uns geholfen, uns wieder bewusst zu werden, was wirklich wichtig ist im Leben. Wir hatten gelernt, langsamer zu werden, den Moment zu genießen und dankbar zu sein für die kleinen Dinge. Und während wir am nächsten Morgen am Flughafen saßen, wussten wir, dass dies nicht unsere letzte Reise nach Indonesien gewesen sein würde, denn die Suche nach Achtsamkeit und innerer Einkehr ist ein Weg, der nie endet.

Der Morgen brach über Yogyakarta an, und die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die Lücken der Jalousien. Es war unser letzter Tag in dieser faszinierenden Stadt, und ein Gefühl der Wehmut machte sich breit. Wir hatten so viel erlebt und gelernt, dass es schwerfiel, sich zu verabschieden. Aber wir wussten auch, dass wir die Erfahrungen und die Erinnerungen für immer mitnehmen würden.

Reflexionen einer besonderen Reise

Die Reise nach Yogyakarta war mehr als nur ein Urlaub. Sie war eine Art Initiation, ein Weg, der uns als Familie näher zusammengebracht und uns geholfen hat, uns wieder bewusst zu werden, was wirklich wichtig ist im Leben. Wir hatten gelernt, langsamer zu werden, den Moment zu genießen und dankbar zu sein für die kleinen Dinge.

Lena, die anfangs noch skeptisch war, hatte sich überraschenderweise am meisten verändert. Sie hatte gelernt, ihr Handy öfter wegzulegen und sich auf die Umgebung einzulassen. Sie hatte sich für die javanische Kunst und Kultur begeistert und sogar angefangen, Batik-Muster zu zeichnen. Max, der immer schon ein neugieriger und abenteuerlustiger Junge war, hatte sich in die Tempel und die Geschichten der Götter verliebt. Er hatte unzählige Fragen gestellt und sich stundenlang mit den Einheimischen unterhalten.

Auch Thomas und ich hatten viel von dieser Reise gelernt. Wir hatten gelernt, uns mehr Zeit füreinander zu nehmen, achtsamer zu sein und die Schönheit des Augenblicks zu schätzen. Wir hatten erkannt, dass das Glück nicht in materiellen Dingen liegt, sondern in den Beziehungen zu den Menschen, die wir lieben, und in der Verbindung zur Natur und zur Spiritualität.

Konkrete Tipps für deine Reise

Wenn du selbst eine Reise nach Yogyakarta planst, möchte ich dir ein paar konkrete Tipps geben:

  1. Besuche den Borobudur bei Sonnenaufgang: Es ist ein unvergessliches Erlebnis, den Tempel im goldenen Licht der Morgensonne zu sehen. Nimm dir Zeit, um die Atmosphäre aufzusaugen und die Ruhe zu genießen.
  2. Erkunde das Künstlerviertel Prawirotaman: Dort findest du kleine Galerien, Werkstätten und Cafés, in denen du die lokale Kunst und Kultur kennenlernen kannst.
  3. Lerne ein paar Worte Indonesisch: Die Einheimischen werden sich freuen, wenn du versuchst, ihre Sprache zu sprechen. Ein einfaches „Selamat pagi“ (Guten Morgen) oder „Terima kasih“ (Vielen Dank) kann Wunder wirken.

Abschied von Yogyakarta

Als wir am Flughafen standen und auf unseren Flug warteten, blickten wir noch einmal zurück auf die Stadt, die uns so viel gegeben hatte. Die Erinnerungen an die Tempel, die Märkte, die Menschen und die spirituelle Atmosphäre würden uns für immer begleiten. Wir wussten, dass dies nicht unsere letzte Reise nach Indonesien gewesen sein würde, denn die Suche nach Achtsamkeit und innerer Einkehr ist ein Weg, der nie endet.

Yogyakarta, wir werden dich nie vergessen.

    • Borobudur Tempel
    • Kraton (Sultanpalast)
    • Atelier Batik (Batik-Werkstatt)
    • Kampong Prawirotaman (Künstlerviertel)
👤 Familie mit älteren Kindern (12 und 16) die Abenteuer und Kultur verbinden ✍️ spirituell und achtsam