Katzen, Chaos und Koshari: Mein Kairo-Abenteuer
Die Suche nach dem Fahrer (und meiner Geduld)
Ich war ja nicht zum ersten Mal in Afrika, aber Ägypten stand noch nicht auf meiner Liste. Eigentlich wollte ich nach Botswana, Löwen beobachten. Aber meine Frau, sie hat diese Phase, in der sie „Kultur“ braucht. Und da Kairo angeblich voller Kultur ist (und Pyramiden, die sind ja auch ganz nett), waren wir uns einig. Ein Kompromiss, der mich zumindest vor dem nächsten Tierparkbesuch bewahrte. Ich stand also da, inmitten eines Chaos, das selbst für meine verwöhnten, safari-erprobten Nerven etwas fordernd war. Mein vorbestellter Fahrer, angeblich mit einem Schild mit meinem Namen, war nirgends zu sehen. Natürlich. Es dauerte ungefähr dreißig Minuten und eine sehr lautstarke Diskussion mit einem Mann, der vehement beteuert, *mich* vor einer Stunde schon abgeholt zu haben (ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch nicht mal aus dem Flugzeug war, als er das behauptete), bis ich ihn endlich entdeckte. Er hielt ein Schild mit der Aufschrift „Mr. Smith“ hoch. Mein Name ist Müller. Na toll.Der Verkehr – Eine neue Definition von Stau
Die Fahrt in die Stadt war…interessant. Ich hatte ja gelesen, dass der Verkehr in Kairo chaotisch sein soll, aber das ist untertrieben. Es ist, als hätte jemand einen riesigen Kasten mit Legosteinen ausgeschüttet und dann eine Horde Autofahrer losgeschickt, die alle gleichzeitig versuchen, durch das Durcheinander zu kommen. Hupen sind hier nicht nur ein Signal, sondern eine Lebensform. Man hupt, wenn man sich freut, wenn man sich ärgert, wenn man einfach nur existiert. Ich bin mir sicher, dass es hier eine eigene Symphonie der Hupen gibt, die von den Einheimischen als beruhigend empfunden wird.Das Hotel – Luxus inmitten des Chaos
Unser Hotel war eine Oase des Luxus, inmitten dieses brodelnden Chaos. Eine Klimaanlage, die tatsächlich funktionierte, ein Pool, der irgendwie sauber aussah, und eine Auswahl an exotischen Früchten, die ich alle noch nie gesehen hatte. Ich hatte ja keine allzu hohen Erwartungen, nachdem ich die ersten paar Kilometer durch die Stadt gedüst war, aber dieses Hotel war eine positive Überraschung.Erste Beobachtungen – Menschen, Katzen und Müll Die ersten paar Stunden verbrachte ich damit, von unserem Balkon aus das Treiben auf der Straße zu beobachten. Kairo ist eine Stadt der Kontraste. Armut und Reichtum liegen hier oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Es gibt wunderschöne, alte Gebäude, die von Verfall und Vernachlässigung gezeichnet sind, und moderne Wolkenkratzer, die in den Himmel ragen. Überall Menschen, die versuchen, ihren Alltag zu meistern. Und Katzen. Überall Katzen. Sie scheinen die eigentlichen Herrscher dieser Stadt zu sein, und ehrlich gesagt, kann ich ihnen nur zustimmen. Sie ignorieren den Verkehr, schlafen auf den Autos und lassen sich von niemandem etwas sagen. Der Müll… naja, der Müll ist ein eigenes Kapitel. Überall liegen Plastiktüten, Papier und anderer Abfall herum. Es ist, als hätte jemand die Mülltonnen vergessen, bevor er in den Urlaub gefahren ist. Aber irgendwie funktioniert das alles auch wieder, zumindest scheint es so. Ich hatte mir ja vorgenommen, während dieser Reise zumindest ein paar kulturelle Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, aber im Moment fühle ich mich eher wie ein Beobachter. Ich will einfach nur das Leben hier aufsaugen, die Gerüche, die Geräusche, das Chaos. Und vielleicht, nur vielleicht, ein paar Fotos von den Katzen machen. Das hier ist jedenfalls ein ganz anderer Trip als meine Safaris, bei denen man wenigstens weiß, wo die Löwen sind und sie nicht mitten im Verkehr suchen muss. Und bevor wir uns den Pyramiden und Tempeln zuwenden, muss ich erst einmal herausfinden, wie ich mit dem ständigen Gefühl von leichtem Chaos und dem Drang, alles zu desinfizieren, umgehe.
Ich brauchte dringend einen Plan. Einfach nur auf dem Balkon sitzen und Katzen beobachten war zwar entspannend, aber nicht der Grund, warum ich tausende Kilometer gereist war. Also beschloss ich, mich ins Getümmel zu stürzen, oder zumindest in ein weniger chaotisches Viertel. Mein Hotel hatte eine Art "privaten" Fahrer, einen Typen namens Omar, der mir versicherte, mich zu den "echten" Sehenswürdigkeiten zu bringen – also nicht nur die Pyramiden, die angeblich von Touristen überlaufen sind.
Khan el-Khalili – Ein Souk für Fortgeschrittene (und Verhandlungsduelle)
Omar brachte mich zuerst in den Khan el-Khalili, einen riesigen Souk, der angeblich der älteste Markt Kairo ist. Ich hatte ja schon Souks in Marokko gesehen, aber dieser hier war nochmal eine andere Liga. Enge Gassen, überfüllt mit Menschen, Händlern, die einem alles andrehen wollten, und einem Geruch, der nach Gewürzen, Leder, Rauch und leichtem Verwesung roch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man hier alles kaufen kann – von antiken Fälschungen bis hin zu echtem Kamelhaar.
Ich wollte eigentlich nur ein paar Postkarten kaufen, aber das erwies sich als schwierig. Jeder Händler versuchte, mich mit seinem „allerbesten“ Angebot zu ködern, und die Preise stiegen und fielen wie Aktienkurse. Ich habe dann widerwillig eine kleine, kitschige Pyramidenfigur gekauft, einfach um die Verhandlungen zu beenden. Ich bin mir sicher, ich hätte sie für die Hälfte des Preises bekommen können, aber ich hatte keine Lust mehr auf Gezänk. Währenddessen wurde ich von einem Verkäufer von Papyrusrollen fast überrannt, der mir versicherte, dass sein Papyrus "echt 100% ägyptisch" sei, während er gleichzeitig versuchte, mir ein gefälschtes Zertifikat unterzujubeln. Ich hätte schwören können, dass er mich anlächelte, als ich misstrauisch dreinblickte.
Ein Mittagessen – Oder der Kampf gegen die Darmflora
Omar schlug vor, in einem kleinen Restaurant in der Nähe zu Mittag zu essen. Es sah zwar etwas heruntergekommen aus, aber er versicherte mir, dass das Essen "sehr authentisch" sei. Ich bestellte Koshari, ein traditionelles ägyptisches Gericht aus Reis, Linsen, Makkaroni und einer Tomatensauce. Es sah lecker aus, aber mein Magen rebellierte bereits bei der ersten Gabel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Wasser, das zum Kochen verwendet wurde, älter war als die Pyramiden selbst. Ich habe dann widerwillig das meiste Essen stehen lassen und mich auf eine Flasche Wasser konzentriert, die hoffentlich desinfiziert war.
Islamisches Kairo – Zwischen Moscheen und Tauben
Am Nachmittag besuchten wir das islamische Kairo, ein Viertel mit wunderschönen Moscheen und historischen Gebäuden. Es war ein angenehmer Kontrast zum chaotischen Khan el-Khalili. Die Moscheen waren beeindruckend, mit ihren kunstvollen Verzierungen und hohen Minaretten. Aber auch hier waren überall Tauben, die auf den Köpfen der Touristen landeten und für Chaos sorgten. Ich habe gelernt, dass Tauben in Kairo eine eigene Liga spielen – sie sind dreist, unverschämt und scheinen immun gegen jegliche Versuche, sie zu vertreiben.
Wir besuchten die Ibn Tulun Moschee, die angeblich die älteste Moschee in Kairo ist. Sie war wunderschön, aber auch überfüllt mit Touristen, die Selfies machten. Ich habe dann versucht, ein ruhiges Plätzchen zu finden, um die Atmosphäre aufzusaugen, aber das erwies sich als schwierig. Überall waren Menschen, die laut telefonierten oder aufgeregt diskutierten. Ich fragte mich, ob es in Kairo überhaupt einen Ort gibt, an dem man Ruhe finden kann.
Als wir dann in Richtung Hotel zurückfuhren, passierte es. Omar geriet in einen Verkehrsstau, der sich als endlos herausstellte. Wir standen eine halbe Stunde lang auf einer Straße, die von Hupenden Autos und Motorrädern blockiert war. Ich begann, mich zu fragen, ob ich jemals wieder aus diesem Chaos herauskommen würde. Und dann, mitten im Stau, sah ich eine Katze, die gelassen auf einem Autodach saß und die ganze Szene beobachtete. Sie schien zu sagen: "Willkommen in Kairo." Dieser Trip war definitiv anders als alles, was ich bisher erlebt hatte, und ich vermutete, dass die nächsten Tage noch einige Überraschungen bereithalten würden.
Ich saß gerade im Hotelzimmer, versuchte, das Gefühl von leichtem Chaos aus meinem System zu bekommen, als mir klar wurde: Kairo ist nicht Botswana. Es gibt keine Löwen, keine Elefanten, keine endlosen Savannen. Hier gibt es Autos, Motoren und eine Unmenge an Menschen. Und Katzen. Überall Katzen. Aber hey, zumindest hatten die Katzen eine gewisse Würde. Etwas, das ich von manchen Fahrern nicht behaupten konnte.
Fazit: Zwischen Kultur und Chaos
Ehrlich gesagt, war Kairo anstrengend. Es ist eine Stadt, die einen ständig fordert, die deine Nerven strapaziert und dich dazu zwingt, dich an ein völlig anderes Tempo anzupassen. Aber genau das ist es, was Kairo auch so faszinierend macht. Es ist eine Stadt der Gegensätze, in der Armut und Reichtum, Tradition und Moderne, Chaos und Kultur nebeneinander existieren. Ich hatte mir zwar erhofft, ein paar schöne Tierbeobachtungen zu machen, aber stattdessen habe ich eine ganze Reihe von Katzen beobachtet, die das Stadtbild prägen. Und das ist auch etwas wert, oder?
Was ich gelernt habe (und was du wissen solltest)
Wenn du nach Kairo reisen möchtest, hier ein paar Tipps, die ich dir mit auf den Weg geben möchte:
1. Sei vorbereitet auf das Chaos
Vergiss alles, was du über Verkehrsregeln gelernt hast. In Kairo gibt es keine. Es ist ein ständiges Hupen, Drängeln und Ausweichen. Sei geduldig, sei vorsichtig und lass dich nicht stressen. Und nimm Ohrenstöpsel mit. Ernsthaft.
2. Probiere das Essen (aber sei vorsichtig)
Die ägyptische Küche ist köstlich, aber auch tückisch. Koshari ist ein Muss, aber achte darauf, dass du in einem sauberen Restaurant isst. Und trinke nur Wasser aus Flaschen. Dein Magen wird es dir danken.
3. Verhandle (und lass dich nicht über den Tisch ziehen)
In den Souks ist Handeln ein Muss. Fang niedrig an und sei bereit, wegzugehen. Die Händler sind geschickt, aber du kannst sie austricksen, wenn du hartnäckig bist. Und hab Spaß dabei!
Abschließende Gedanken
Kairo ist nicht das Paradies für Tierliebhaber, das ich mir erhofft hatte. Aber es ist ein Ort, der mich zum Nachdenken angeregt hat, der mich herausgefordert hat und der mir gezeigt hat, dass es mehr gibt als nur Safaris und Löwen. Es ist eine Stadt, die man lieben oder hassen kann, aber die man nie vergessen wird. Und die Katzen? Die Katzen waren einfach großartig. Ich vermute, ich werde sie vermissen.
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- Khan el-Khalili (Souk)
- Islamisches Kairo (Moscheen und historische Gebäude)
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- Kairo (als Ganzes - die Stadt selbst ist der Ort)