Reisebericht Europa - Ungarn - Eger
Warum Eger?
Die Idee zu Eger kam eigentlich ganz zufällig. Lisa hatte in einem Reiseblog einen Artikel über unentdeckte Weinregionen Europas gelesen und Eger war dabei. Die Region ist bekannt für ihren Bikavér, den „Stierblut“-Wein, und das allein klang schon mal spannend. Aber es war mehr als das. Die Bilder von der Burg, den verwinkelten Gassen und den Thermalbädern versprachen eine Mischung aus Geschichte, Kultur und Entspannung, die uns sehr ansprach. Außerdem war Eger im Vergleich zu anderen europäischen Städten relativ günstig – ein wichtiger Faktor für uns als Studenten.Die Anreise
Die Anreise war etwas abenteuerlich. Wir sind mit dem Zug von Budapest aus gefahren, und das ungarische Eisenbahnnetz ist… sagen wir mal, nicht immer pünktlich. Aber die Fahrt selbst war wunderschön. Wir haben die sanften Hügel der ungarischen Landschaft an uns vorbeiziehen sehen, kleine Dörfer mit bunten Häusern und Felder voller Sonnenblumen. Und dann dieser Geruch am Bahnhof in Eger! Kümmelkartoffeln und Wein – ein Versprechen für die kommenden Tage.Erste Eindrücke
Eger ist eine Stadt, die sofort ins Herz geht. Es ist nicht groß, aber es hat eine unglaublich charmante Atmosphäre. Die Altstadt ist von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben, und innerhalb der Mauern schlängeln sich enge Gassen, gesäumt von historischen Gebäuden, kleinen Cafés und Weinkellern. Überall hängen Weinreben an den Fassaden, und es scheint, als ob die Stadt im Herbst ein Meer aus Rot und Gold wird. Uns hat sofort die Ruhe gefallen. Im Vergleich zu anderen Städten, die wir besucht haben, ist Eger nicht überlaufen. Es gibt Touristen, aber nicht so viele, dass es störend wäre. Man kann gemütlich durch die Gassen schlendern, ohne sich ständig von Menschenmassen durchdrängeln zu müssen. Das ist für uns als Paar sehr wichtig. Wir wollen die Möglichkeit haben, uns zu entspannen, zu zweit zu sein und die Atmosphäre des Ortes aufzusaugen.Die Burg von Eger
Natürlich haben wir uns als erstes auf den Weg zur Burg von Eger gemacht. Sie thront auf einem Hügel über der Stadt und bietet einen atemberaubenden Blick über die Umgebung. Die Burg ist zwar stark restauriert, aber sie hat ihren mittelalterlichen Charme nicht verloren. Wir haben die Kasematten erkundet, die Waffenkammer besichtigt und in einem der Restaurants auf der Burg zu Mittag gegessen. Es war ein perfekter Nachmittag, und der Ausblick war einfach unbezahlbar.Die ersten Stunden in Eger haben uns gezeigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Die Stadt ist wunderschön, die Atmosphäre ist entspannt und die Menschen sind freundlich. Wir haben uns sofort wohlgefühlt und konnten es kaum erwarten, die kommenden Tage zu erkunden. Jetzt, nachdem wir uns ein wenig eingelebt haben und die Stadt von oben gesehen haben, wollen wir tiefer eintauchen – in die Geschichte, die Kultur und natürlich in die Weine dieser faszinierenden Region.
Tief eintauchen ins Egerer Leben
Nach dem Burgbesuch wollten wir uns wirklich treiben lassen, abseits der offensichtlichen Touristenpfade. Lisa hatte in einem Forum gelesen, dass es ein Viertel gibt, das "Földváry" heißt, wo sich viele kleine Weinkeller und Handwerksbetriebe befinden. Das klang genau nach unserem Geschmack. Und es war fantastisch!Földváry – Mehr als nur Weinkeller
Földváry ist ein Labyrinth aus engen Gassen und kleinen Plätzen. Die Häuser sind oft renoviert, aber es gibt immer noch Spuren der Vergangenheit zu erkennen. Überall hängen Weinreben, und der Duft von Weinessig und frischem Brot liegt in der Luft. Wir haben uns einfach treiben lassen und sind von Keller zu Keller gewandert. Dabei haben wir nicht nur Wein probiert, sondern auch viel über die ungarische Weinkultur gelernt. Ein besonders sympathischer Winzer, Herr Kovács, hat uns stundenlang von der Geschichte des Bikavér erzählt und uns verschiedene Sorten probieren lassen. Er erklärte uns, dass der "Stierblut"-Wein früher von den türkischen Herrschern aus der Region inspiriert war, die starke, dunkle Weine bevorzugten.Es war nicht nur der Wein, der uns beeindruckt hat. Wir haben auch kleine Handwerksbetriebe entdeckt, in denen Keramik, Holzspielzeug und handgemachter Schmuck hergestellt werden. Lisa hat sich sofort in eine kleine Keramikschale verliebt, die sie unbedingt kaufen wollte. Leider stellte sich heraus, dass der Ladenbesitzer gerade Mittagspause machte – und das mitten in der Hauptsaison! Wir mussten eine halbe Stunde warten, aber es hat sich gelohnt. Lisa war überglücklich mit ihrer neuen Schale, und wir haben noch einen kleinen Plausch mit dem sympathischen Keramiker geführt.
Das Thermalbad – Entspannung pur
Neben Wein und Handwerk wollte wir natürlich auch die Thermalbäder genießen, für die Eger bekannt ist. Wir haben uns für das "Lámpás fürdő" entschieden, ein relativ kleines, aber charmantes Bad im Herzen der Stadt. Es war eine gute Wahl. Das Wasser war angenehm warm, und es gab verschiedene Becken und Saunen zur Auswahl. Wir haben uns stundenlang entspannt und die Ruhe genossen.Allerdings gab es auch eine kleine Pannen. Ich hatte meine Schwimmbrille vergessen, und Lisa hatte nur eine dabei. Also musste ich mich mit einem der alten, abgenutzten Brillen aus dem Bad aushelfen. Die war so verkratzt, dass ich kaum etwas sehen konnte! Es war lustig, aber auch ein bisschen frustrierend.
Kulinarische Entdeckungen
Abseits des Weins haben wir auch die ungarische Küche entdeckt. In einem kleinen Restaurant namens "Csirkefarmi" haben wir "Csirkepaprikás" (Paprikahähnchen) mit selbstgemachten Nudeln gegessen. Es war köstlich! Die Soße war cremig und würzig, und das Hähnchen war zart und saftig. Außerdem haben wir "Lángos" probiert, eine Art frittiertes Fladenbrot, das mit Sauerrahm und Käse belegt wird. Es ist ein einfaches Gericht, aber es schmeckt unglaublich gut.Wir haben festgestellt, dass die ungarische Küche sehr herzhaft und deftig ist. Aber es gibt auch viele vegetarische Gerichte, wie zum Beispiel "Tökfőzelék" (Kürbisragout) oder "Babgulyás" (Bohneneintopf). Und natürlich darf man die ungarischen Desserts nicht vergessen, wie zum Beispiel "Dobostorta" (Dobos-Torte) oder "Somlói Galuska" (Somlóer Klöße).
Nach ein paar Tagen in Eger waren wir uns einig: Diese Stadt hat uns verzaubert. Es ist ein Ort, der authentisch, charmant und entspannend ist. Und nach all den kulinarischen Genüssen und kulturellen Entdeckungen, fühlten wir uns bereit, die nächste Etappe unserer Reise zu beginnen – und mit einer tiefen Wertschätzung für die verborgenen Schätze Europas.
Die letzten Tage in Eger sind wie im Flug vergangen. Es ist schwer zu glauben, dass wir bald wieder abreisen. Aber wir nehmen so viele schöne Erinnerungen mit, die uns noch lange begleiten werden. Es war mehr als nur ein Urlaub; es war eine Erfahrung, die uns gezeigt hat, dass es auch abseits der ausgetretenen Pfade noch so viel zu entdecken gibt.
Abschied vom Bikavér
Die Weinproben haben uns besonders gut gefallen. Nicht nur der Wein selbst, sondern auch die Geschichten, die dahinter stecken. Wir haben gelernt, dass der Bikavér nicht nur ein Getränk ist, sondern ein Teil der ungarischen Kultur und Geschichte. Es ist ein Wein, der stark, würzig und voller Charakter ist – genau wie die Menschen in Eger.
Mehr als nur Wein und Geschichte
Aber Eger hat noch viel mehr zu bieten als Wein und Geschichte. Die Architektur ist wunderschön, die Parks sind einladend und die Menschen sind freundlich und gastfreundlich. Wir haben uns von Anfang an wohlgefühlt und konnten die Seele baumeln lassen. Es war eine willkommene Abwechslung zum stressigen Alltag.
Ein paar Tipps für eure Reise
Wenn ihr auch nach Eger reisen möchtet, hier ein paar Tipps von uns:
Probiert den Bikavér! Natürlich! Aber lasst euch nicht nur den Standard-Bikavér servieren. Fragt nach verschiedenen Sorten und lasst euch von den Winzern beraten. Jeder Weinberg hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter.
Verliert euch in den Gassen von Földváry. Dieses Viertel ist ein Labyrinth aus kleinen Gassen und versteckten Höfen. Hier könnt ihr die authentische Atmosphäre von Eger erleben und lokale Handwerker treffen.
Besucht die Burg bei Sonnenuntergang. Der Ausblick auf die Stadt und die Umgebung ist einfach atemberaubend. Es ist der perfekte Ort, um den Tag ausklingen zu lassen.
Nehmt euch Zeit für die Thermalbäder. Die Thermalbäder in Eger sind bekannt für ihr heilendes Wasser. Es ist die perfekte Möglichkeit, sich zu entspannen und neue Energie zu tanken.
Fazit
Eger ist ein unentdecktes Juwel, das es wert ist, entdeckt zu werden. Es ist ein Ort, der authentisch, charmant und entspannend ist. Wir haben uns hier wie zu Hause gefühlt und werden Eger auf jeden Fall wieder besuchen.
Vielleicht nicht direkt für einen Strandurlaub, aber für eine romantische Auszeit vom Alltag, abseits der großen Touristenströme, ist Eger eine fantastische Wahl.