Europa - Italien - Cinque Terre

Reisebericht Europa - Italien - Cinque Terre

Der Geruch von Salz, Diesel und irgendetwas undefinierbar Fischigem kitzelte in meiner Nase, während ich versuchte, die Ducati durch die engen Gassen von La Spezia zu manövrieren. Ich sag’s euch, das ist kein Motorrad für diese Verhältnisse. Eher ein rollender Muskelprotz, der hier einfach nur unnötig breite Kurven fährt. Aber hey, was soll’s. Man lebt nur einmal, und ich habe mir geschworen, jedes noch so abgelegene Stück Asphalt mit dieser Maschine zu erobern.

Ein spontaner Entschluss

Die Cinque Terre waren eigentlich gar nicht auf meiner ursprünglichen Route. Ich war auf dem Weg nach Sizilien, wollte die Ätna rauf und dann irgendwie wieder zurück. Klingt doch nach Plan, oder? Tja, dann las ich einen Artikel über diese fünf bunten Dörfer, die an der ligurischen Küste kleben, und dachte mir: "Ach, was, ein kleiner Umweg schadet ja nicht." Das war natürlich eine Lüge. Jeder weiß, dass kleine Umwege in der Praxis meistens in riesige Schleifen ausarten. Aber egal. Hauptsache, es gibt Espresso und Kurven.

Die Ducati und Ich

Die Ducati ist schon eine besondere Beziehung. Sie ist nicht gerade zimperlich, diese Maschine. Wenn du sie nicht im Griff hast, macht sie dich klein. Aber wenn du ihr den nötigen Respekt zeigst, dann belohnt sie dich mit einem Fahrerlebnis, das süchtig macht. Wir sind schon einiges zusammen durch die Welt gerollt, sie und ich. Von den Alpen bis zum Balkan, von den Pyrenäen bis zu den Dolomiten. Sie hat mehr Kilometer auf dem Tacho als mancher Kleinwagen Lebenserfahrung. Und ich? Ich bin nur der Typ, der versucht, nicht abzustürzen.

Der Grund für diese Tour ist eigentlich ganz einfach. Ich bin 45, habe einen halbwegs gut bezahlten Job, der mich aber langsam aber sicher innerlich auffrisst, und eine Ehe, die… sagen wir mal, eine “konstruktive Pause” macht. Ja, richtig gelesen. Die Frau hat mich rausgeworfen. Nicht direkt mit Worten, eher mit einer strategisch platzierten Sammlung von Umzugskartons vor der Tür. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ankunft in Riomaggiore

Riomaggiore, das erste der fünf Dörfer, war ein einziges Gedränge aus Touristen. Amerikaner mit Baseballcaps, deutsche mit Wanderschuhen, Franzosen mit Baguettes – das volle Programm. Ich parkte das Motorrad am Rande des Ortes, in der Hoffnung, es nicht gleich von einem Rollerfahrer umgesemmelt zu bekommen, und schlenderte dann durch die engen Gassen. Die Häuser waren in allen Farben des Regenbogens gestrichen, die Wäsche hing bunt auf den Balkonen, und der Duft von Pesto lag in der Luft. Es war… kitschig. Aber auf eine charmante Art und Weise.

Ich fand ein kleines Restaurant mit Blick auf den Hafen und bestellte einen Espresso und ein Stück Focaccia. Der Kellner, ein älterer Herr mit einem verschmitzten Lächeln, unterhielt sich angeregt mit einem anderen Gast über die Preise der Olivenölproduktion. Ich verstand kein Wort, aber es klang nach einer ernsten Angelegenheit.

Nach dem Essen erkundete ich noch ein wenig den Ort. Ich kletterte die steilen Treppen hinauf zum Castello, einer alten Burg, die über Riomaggiore thront. Von dort hatte man einen fantastischen Blick auf die Küste. Die Sonne ging langsam unter, und der Himmel färbte sich in leuchtenden Farben. Es war ein magischer Moment.

Ein erster Eindruck

Die Cinque Terre sind anders, als ich erwartet hatte. Sie sind zwar wunderschön, aber auch unglaublich touristisch. Überall wimmelt es von Menschen, und man muss sich regelrecht durch die Gassen kämpfen, um überhaupt etwas zu sehen. Aber unter all dem Trubel spürt man auch eine gewisse Authentizität. Die Dörfer sind lebendig, die Menschen sind freundlich, und das Essen ist ausgezeichnet. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen werden. Ich werde versuchen, abseits der ausgetretenen Pfade zu wandern und die Cinque Terre von ihrer schönsten Seite kennenzulernen. Aber zuerst brauche ich noch einen Espresso und vielleicht ein Stück Tiramisu. Und dann geht’s weiter nach Manarola, dem zweiten der fünf Dörfer, das ich erkunden will. Dort angekommen, war mir klar, dass dieser Trip mehr werden würde als nur eine Reise entlang der Küste.Manarola empfing mich mit einer noch dichteren Menschenmenge als Riomaggiore. Es war, als hätte man alle Touristen Italiens in diesem winzigen Dorf zusammengepfercht. Ich versuchte, das Motorrad irgendwie in eine der wenigen freien Nischen zu bugsieren, was sich als nahezu unmöglich erwies. Die Gassen waren so eng, dass ich befürchtete, mit dem Windschutzscheibe noch jemanden umzulegen. Irgendwann gab ich auf und parkte das Ding einfach am Rande des Ortes, in der Hoffnung, es würde nicht gleich von einem gelangweilten Teenager geklaut.

Die Farben von Manarola

Manarola selbst ist wirklich atemberaubend. Die Häuser klammern sich an den steilen Felsen, als hätten sie Angst, ins Meer zu fallen. Sie sind in allen möglichen Farben gestrichen – Gelb, Rot, Orange, Rosa – und bilden einen herrlichen Kontrast zum blauen Himmel und dem türkisfarbenen Wasser. Ich schlenderte durch die engen Gassen, vorbei an kleinen Werkstätten, Restaurants und Läden, die Souvenirs verkauften. Überall roch es nach frischem Fisch, Pesto und Espresso. Ich entdeckte einen kleinen Platz mit Blick auf den Hafen und bestellte mir einen Aperol Spritz. Der Kellner war ein junger Mann mit einem verschmitzten Lächeln und einer Vorliebe für Fußball. Wir unterhielten uns (bzw. er redete, ich nickte und versuchte, ein paar italienische Wörter zu entziffern) über die aktuelle Saison.

Ein Missverständnis mit Folgen

Ich wollte eigentlich nur ein paar Fotos machen, aber irgendwie geriet ich in ein hitziges Gespräch mit einem älteren Herrn, der offensichtlich ein lokaler Fischer war. Ich hatte versehentlich seinen Fang fotografiert, und er war davon nicht begeistert. Ich versuchte, mich zu entschuldigen, aber er verstand kein Englisch. Ich versuchte es mit Händen und Füßen, was die Situation nur noch verschlimmerte. Irgendwann kam ein anderer Fischer vorbei und übersetzte. Es stellte sich heraus, dass der ältere Herr einfach nur stolz auf seinen Fang war und wollte, dass ich ihn loben. Als ich das tat, entspannte er sich sofort und bot mir sogar ein Stück getrockneten Tintenfisch an. Der schmeckte… sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig.

Vernazza und die versteckte Trattoria

Am nächsten Tag fuhr ich weiter nach Vernazza, dem dritten der fünf Dörfer. Vernazza ist meiner Meinung nach das schönste von allen. Es hat eine malerische Bucht mit einem kleinen Sandstrand, einen mittelalterlichen Burgturm und eine charmante Altstadt mit engen Gassen und bunten Häusern. Ich verirrte mich ein wenig in den Gassen und entdeckte eine kleine Trattoria, die offensichtlich nur von Einheimischen besucht wurde. Ich bestellte mir Spaghetti alle Vongole und einen lokalen Wein. Das Essen war einfach unglaublich. Der Besitzer, ein älterer Mann mit einem freundlichen Gesicht, kam an meinen Tisch und unterhielt sich mit mir (wiederum auf Italienisch, das ich nur teilweise verstand). Ich hatte das Gefühl, als wäre ich in einer anderen Welt.

Der Weg zurück

Auf dem Rückweg nach Riomaggiore, vorbei an Corniglia und Monterosso, wurde mir klar, dass diese Reise mehr war als nur ein Abstecher entlang der Küste. Es war eine Reise zu mir selbst, eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und neue Energie zu tanken. Die Cinque Terre sind zwar touristisch, aber sie haben auch eine gewisse Magie, die einen in ihren Bann zieht. Und irgendwie, inmitten des ganzen Trubels, fand ich eine innere Ruhe, die ich schon lange nicht mehr gespürt hatte. Ich verließ die Cinque Terre mit dem Gefühl, dass ich nicht nur wunderschöne Fotos, sondern auch unvergessliche Erinnerungen mitgenommen hatte, und dass diese Reise den perfekten Auftakt für ein neues Kapitel in meinem Leben markierte.

Die Tage in den Cinque Terre vergingen wie im Flug. Ich hatte mir vorgenommen, jeden Winkel dieser kleinen Dörfer zu erkunden, und ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen. Natürlich nicht ohne ein paar Pannen und Missverständnisse, aber hey, das gehört doch dazu, oder?

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich versuchte, mit meinem Motorrad durch die engen Gassen von Manarola zu navigieren. Es war ein einziges Chaos. Ich habe gefühlt jede Mauer gestreift und bin kurz davor gewesen, in den Hafen zu stürzen. Aber irgendwie habe ich es doch geschafft, ohne größeren Schaden anzurichten. Die Einheimischen haben nur gelacht und mir mit einem Achselzucken entgegengewiesen.

Reflexionen am Abend

Abends, wenn die Sonne unterging und die Dörfer in goldenes Licht getaucht waren, saß ich oft in einem der kleinen Restaurants und genoss ein Glas lokalen Wein. Ich beobachtete die Menschen, lauschte ihren Gesprächen und versuchte, ein bisschen von dem italienischen Lebensgefühl aufzusaugen. Es war eine wunderbare Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Ich habe gelernt, dass man in den Cinque Terre nicht unbedingt einen Plan braucht. Man sollte sich einfach treiben lassen, die kleinen Gassen erkunden, die versteckten Trattorien entdecken und sich von der Schönheit der Landschaft verzaubern lassen. Und natürlich sollte man unbedingt das Pesto probieren. Es ist wirklich unglaublich lecker.

Ein paar Tipps für deine Reise

Wenn du planst, die Cinque Terre zu besuchen, habe ich ein paar Tipps für dich. Erstens: Pack nicht zu viel ein. Du wirst viel laufen und die engen Gassen sind nicht gerade ideal für große Koffer. Zweitens: Sei bereit, dich zu verlieren. Die Dörfer sind ein Labyrinth aus engen Gassen und du wirst dich garantiert verirren. Aber keine Sorge, das ist Teil des Charmes. Drittens: Sei offen für neue Erfahrungen. Probiere das lokale Essen, unterhalte dich mit den Einheimischen und lass dich von der Atmosphäre der Dörfer verzaubern.

Ich habe auch festgestellt, dass die Cinque Terre am besten außerhalb der Hauptsaison besucht werden. Im Sommer sind die Dörfer überfüllt mit Touristen und es ist schwer, die Atmosphäre zu genießen. Im Frühling oder Herbst ist es ruhiger und du kannst die Schönheit der Landschaft in vollen Zügen genießen.

Abschied von der Küste

Als es Zeit war, weiterzuziehen, fiel mir der Abschied schwer. Ich hatte mich in die Cinque Terre verliebt und wollte eigentlich gar nicht mehr weg. Aber ich wusste, dass es noch viele andere Orte auf der Welt gibt, die ich erkunden wollte. Ich verließ die Cinque Terre mit dem Gefühl, dass ich nicht nur wunderschöne Fotos, sondern auch unvergessliche Erinnerungen mitgenommen hatte, und dass diese Reise den perfekten Auftakt für ein neues Kapitel in meinem Leben markierte.

Ich schwöre, ich komme wieder. Vielleicht nicht mit der Ducati, aber vielleicht mit einem Roller. Das wäre dann ein ganz anderes Abenteuer.

    👤 Outdoor-Enthusiast (30) der Wandern, Klettern und Mountainbiken liebt ✍️ nostalgisch und melancholisch