Europa - Griechenland - Korfu

Reisebericht Europa - Griechenland - Korfu

Der Geruch von Pinien und Salzwasser hing in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Duft von reifen Feigen, die irgendwo am Straßenrand lagen. Ich saß auf dem Rücken eines klapprigen Pick-ups, das mehr ein Haufen Rost als ein Fahrzeug war, und versuchte, nicht zu sehr zu wackeln. Der Fahrer, ein älterer Mann mit wettergegerbtem Gesicht und freundlichen Augen, summte eine melancholische Melodie, die ich nicht kannte, aber die sich seltsam vertraut anfühlte. Hinter uns lag der Flughafen Korfu, vor uns eine kurvenreiche Straße, die sich durch Olivenhaine und Zypressen schlängelte.

Der Plan und die Sehnsucht

Es war ein Impuls gewesen, dieser Trip. Einer dieser Momente, in denen man einfach nur raus musste, weg von all dem. Die Uni, die Beziehung, die Erwartungen – alles fühlte sich plötzlich erdrückend an. Ich hatte mich nach etwas Echtem, etwas Unkompliziertem gesehnt. Und dann hatte ich von Workaway gehört. Die Idee, gegen Kost und Logis zu arbeiten, anstatt mein Erspartes zu verbrennen, klang perfekt. Korfu war nur ein Punkt auf der Karte, aber ein Punkt, der Versprechen barg. Versprechen von Sonne, Meer, und einer Pause vom Alltag. Ich hatte mir vorgestellt, ich würde hier neue Leute kennenlernen, mich in das langsame griechische Leben verlieben, vielleicht sogar etwas über mich selbst herausfinden. Klingt kitschig, ich weiß. Aber manchmal braucht man einfach so eine kleine Auszeit, um wieder zu spüren, was wirklich zählt.

Ankunft in Paleokastritsa

Paleokastritsa war noch viel grüner, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Hügel waren mit Olivenbäumen und Zypressen bedeckt, die sich bis zum türkisfarbenen Meer hinunterzogen. Das Wasser war so klar, dass man bis auf den Grund sehen konnte. Es war wunderschön, aber auch ein bisschen überwältigend. Alles war so anders als zu Hause, so ruhig und friedlich. Ich wurde von Maria abgeholt, der Frau, bei der ich für die nächsten zwei Wochen arbeiten sollte. Sie führte ein kleines Olivenölgeschäft am Hafen, und ich half ihr bei der Ernte, der Verarbeitung der Oliven und dem Verkauf des Öls an Touristen. Maria war eine warmherzige Frau, die mich sofort in ihre Familie aufgenommen hatte. Sie sprach kaum Englisch, aber wir verstanden uns trotzdem irgendwie. Durch Gesten, Lächeln und die universelle Sprache der Gastfreundschaft.

Die ersten Tage

Die Arbeit war hart, aber befriedigend. Stundenlange körperliche Arbeit unter der griechischen Sonne, gefolgt von einem kühlen Bad im Meer. Am Abend saßen wir dann alle zusammen am Tisch, aßen hausgemachte griechische Spezialitäten und sprachen – oder versuchten es zumindest. Ich lernte ein paar Brocken Griechisch, und Maria lernte ein paar Brocken Deutsch. Es war ein amüsantes Zusammenspiel von Worten und Gesten. Ich erkundete die Umgebung, wanderte durch die Olivenhaine, besuchte versteckte Buchten und badete in kristallklarem Wasser. Ich traf andere Reisende, hörte ihre Geschichten und teilte meine eigenen. Es war schön, Teil einer Gemeinschaft zu sein, auch wenn sie nur für kurze Zeit bestand.

Melancholie am Meer

Aber trotz all der Schönheit und der neuen Erfahrungen überkam mich manchmal eine tiefe Melancholie. Ich fühlte mich verloren, entwurzelt, als ob ich nirgendwo wirklich hingehörte. Vielleicht lag es an der Entfernung zu meiner Familie und meinen Freunden, vielleicht an der ungewohnten Umgebung, vielleicht einfach nur an mir selbst. Ich saß oft am Strand, beobachtete die Wellen und dachte nach. Über meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft. Über meine Träume und meine Ängste. Über das, was ich wirklich vom Leben wollte. Und je länger ich nachdachte, desto klarer wurde mir, dass ich noch lange nicht wusste, wohin meine Reise mich führen würde. Aber ich wusste, dass ich bereit war, es herauszufinden. Diese ersten Tage auf Korfu hatten mich schon verändert. Ich fühlte mich freier, unabhängiger und gleichzeitig verletzlicher. Ich hatte das Gefühl, am Scheideweg meines Lebens zu stehen. Und während ich in den Sonnenuntergang blickte, wusste ich, dass ich bereit war, den nächsten Schritt zu wagen, egal wohin er mich führen würde.

Das Leben in der Altstadt von Korfu-Stadt

Nach zwei Wochen bei Maria in Paleokastritsa zog es mich nach Korfu-Stadt. Ich wollte das pulsierende Leben spüren, die Gassen erkunden und mich von der Energie der Stadt mitreißen lassen. Ich fand über Workaway eine Familie, die ein kleines Souvenirlädchen in der Altstadt betrieb und Hilfe suchte. Das Lädchen war winzig, vollgestopft mit handgemachten Keramiken, Olivenholzprodukten und natürlich jeder Menge griechischem Honig.

Zwischen Touristen und Katzen

Die Altstadt war ein Labyrinth aus engen Gassen, bunten Häusern und versteckten Innenhöfen. Überall wimmelte es von Touristen, aber auch von Einheimischen, die ihren Alltag lebten. Alte Männer saßen auf kleinen Stühlen vor ihren Häusern und spielten Schach, Frauen hingen Wäsche auf, Kinder jagten sich durch die Gassen. Und überall waren Katzen. Dicke, faule Katzen, die sich in der Sonne aalten oder hungrig bettelten. Ich verbrachte Stunden damit, einfach nur durch die Gassen zu schlendern, die Atmosphäre aufzusaugen und die kleinen Dinge zu beobachten. Eines Tages sollte ich ein großes Paket mit Keramiken zum Hafen bringen. Klingt einfach, war es aber nicht. Ich hatte mich total verfranzt in den Gassen und fand einfach nicht mehr zurück zum Hauptplatz. Ich fragte fünf verschiedene Leute nach dem Weg, aber jeder schien eine andere Meinung zu haben. Irgendwann landete ich in einem kleinen Innenhof, in dem eine alte Frau Wäsche aufhängte. Sie verstand kein Wort Englisch, aber sie erkannte meine Verzweiflung und zeigte mir mit Handzeichen den Weg. Ich war so erleichtert, dass ich ihr fast eine Umarmung gegeben hätte.

Ein Tag in der Bucht von Agios Gordios

Ich brauchte eine Auszeit vom Trubel der Stadt, also beschloss ich, einen Tag an der Bucht von Agios Gordios zu verbringen. Die Bucht war bekannt für ihren langen Sandstrand und das kristallklare Wasser. Ich nahm den Bus und fuhr die kurvenreiche Küstenstraße entlang. Die Landschaft war atemberaubend, mit steilen Klippen, grünen Hügeln und dem türkisfarbenen Meer. Am Strand angekommen, suchte ich mir einen ruhigen Platz und legte mich in die Sonne. Ich las ein Buch, schwamm im Meer und beobachtete die Leute. Es war ein perfekter Tag, um einfach mal abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Am Abend saß ich in einem kleinen Strandrestaurant und aß frischen Fisch. Der Sonnenuntergang war spektakulär, der Himmel leuchtete in allen Farben. Ich fühlte mich frei und glücklich, genau dort, wo ich war.

Missverständnisse und Lachen

Ich versuchte, ein paar Brocken Griechisch zu lernen, aber es war nicht immer einfach. Ich verwechselte oft Wörter oder sagte Sätze, die einfach keinen Sinn ergaben. Einmal wollte ich im Supermarkt nach Olivenöl fragen, aber ich sagte versehentlich "Olivenaffe". Der Verkäufer schaute mich verwirrt an, aber dann brach er in Gelächter aus. Ich lachte mit ihm, obwohl ich mich ein bisschen blöd fühlte. Diese kleinen Missverständnisse machten das Reisen erst richtig lustig. Die Tage vergingen wie im Flug. Korfu hatte mich verzaubert, mit seiner Schönheit, seiner Wärme und seiner Gastfreundschaft. Ich hatte nicht nur neue Orte entdeckt, sondern auch viel über mich selbst gelernt. Ich hatte gemerkt, dass ich flexibler und unabhängiger war, als ich gedacht hatte. Und ich hatte gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Aber während ich mich auf meine Weiterreise vorbereitete, beschlich mich ein Gefühl der Wehmut – das Ende dieses Kapitels bedeutete auch, einen Teil von mir zurückzulassen.

Der Abschied fiel schwerer als erwartet. Als ich am Morgen des letzten Tages aufwachte, lag ein feiner Nebel über der Altstadt von Korfu-Stadt. Es fühlte sich an, als wolle die Insel mich noch einmal in ihren melancholischen Schleier hüllen. Ich aß ein letztes Frühstück mit Maria, tauschte nochmal ein paar unbeholfene Sätze aus und versprach, zurückzukommen. Es war ein leeres Versprechen, das ich nicht halten konnte, aber es fühlte sich trotzdem richtig an.

Ich verbrachte die letzten Stunden damit, durch die Gassen zu schlendern, die kleinen Läden zu besuchen und die Atmosphäre aufzusaugen. Ich kaufte ein paar Souvenirs – ein handgemachtes Keramikschälchen, eine Flasche Olivenöl, eine Packung griechischer Kräuter – und schenkte Maria eine kleine Schachtel Pralinen als Dankeschön für ihre Gastfreundschaft.

Am Nachmittag setzte ich mich an den Hafen und beobachtete das Treiben. Die Fischer bohrten ihre Netze, die Touristen machten Fotos, die Möwen kreischten über ihren Köpfen. Alles war so friedlich und ruhig, aber in meinem Inneren herrschte ein Gefühl der Unruhe. Ich wusste, dass ich weiterziehen musste, dass ich neue Abenteuer erleben musste, aber ich wusste auch, dass ich Korfu nie vergessen würde.

Die kleinen Dinge, die bleiben

Es waren nicht die spektakulären Sehenswürdigkeiten, die mich am meisten beeindruckt hatten, sondern die kleinen Dinge – der Duft von Olivenblüten, das leise Rauschen des Meeres, das Lächeln der Einheimischen, die warmherzige Gastfreundschaft. Diese kleinen Momente hatten sich in mein Herz gebrannt und würden mich noch lange begleiten.

Ich hatte gelernt, dass Glück nicht an materielle Dinge gebunden ist, sondern an die einfachen Freuden des Lebens – die Sonne auf der Haut, ein gutes Buch, ein herzliches Gespräch. Ich hatte gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein, sondern nur die richtige Einstellung.

Ein paar Tipps für deine Reise

Wenn du nach Korfu reist, solltest du unbedingt folgende Dinge tun:

  • Verliere dich in der Altstadt von Korfu-Stadt: Erkunde die engen Gassen, besuche die kleinen Läden und genieße die Atmosphäre.
  • Besuche Paleokastritsa: Die Bucht ist atemberaubend schön und bietet viele Möglichkeiten zum Schwimmen und Tauchen.
  • Probiere die lokale Küche: Griechisches Essen ist einfach köstlich. Unbedingt Pastitsada, Sofrito und Bourdeto probieren.

Und noch ein Tipp: Sprich mit den Einheimischen. Sie sind offen, freundlich und hilfsbereit. Sie können dir die besten Tipps geben und dir helfen, die Insel besser kennenzulernen.

Abschied und Sehnsucht

Am Abend saß ich noch einmal am Hafen und blickte auf das Meer hinaus. Die Sonne ging unter und färbte den Himmel in leuchtenden Farben. Ich fühlte mich traurig, aber auch dankbar. Dankbar für die Zeit, die ich auf Korfu verbringen durfte, für die Menschen, die ich kennengelernt hatte, und für die Erfahrungen, die ich gemacht hatte.

Ich wusste, dass ich eines Tages zurückkehren würde, aber ich wusste auch, dass Korfu für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben würde. Die Insel hatte mich verändert, hatte mich gelehrt, das Leben zu genießen, die kleinen Dinge zu schätzen und die Schönheit der Welt zu erkennen.

Als ich am nächsten Morgen den Flughafen verließ, warf ich noch einmal einen Blick auf die Insel. Sie lag da, eingebettet in das blaue Meer, friedlich und wunderschön. Ich lächelte und wusste, dass ich sie nie vergessen würde.

    👤 Alleinreisender digitaler Nomade um die 30 ✍️ emotional und bildhaft