Reisebericht Asien - Südkorea - Seoul
Ankunft in der Neonstadt
Ich bin Lena, 20 Jahre alt und gerade dabei, ein bisschen die Welt zu erkunden, bevor es richtig ernst wird mit dem Studium. Das klassische Gap Year, aber mit ein paar eigenen Regeln. Ich versuche, so viel wie möglich mit wenig Geld zu schaffen. Deswegen Backpacking und Workaways. Im Gegenzug für ein paar Stunden Arbeit am Tag gibt’s Unterkunft und Verpflegung. Perfekt, um länger an einem Ort zu bleiben und wirklich in die Kultur einzutauchen. Südkorea stand schon lange auf meiner Liste. Nicht nur wegen des K-Pop und der Dramen, die ich heimlich gucke, sondern auch wegen der Geschichte, dem Essen und der scheinbaren Gegensätze zwischen Tradition und Moderne. Ich hatte mich monatelang vorbereitet, koreanische Grundkenntnisse gelernt (was noch lange nicht bedeutet, dass ich mich fließend verständigen kann) und versucht, so viel wie möglich über die Gepflogenheiten zu lernen. Die U-Bahn war das erste, was ich von der koreanischen Effizienz zu spüren bekam. Sauber, pünktlich und unglaublich gut ausgeschildert – auch auf Englisch. Ich hatte mir vorher eine T-Money Card besorgt, eine aufladbare Karte für den öffentlichen Nahverkehr, und konnte problemlos bis zu meinem Hostel fahren.Erster Eindruck: Myeongdong und die Beauty-Welt
Mein Hostel lag in Myeongdong, einem Viertel, das berühmt ist für seine Kosmetikgeschäfte und Streetfood-Stände. Es war verrückt! Überall Menschen, die in Geschäften verschwanden und mit Tüten voller Masken und Cremes wieder herauskamen. Der Duft von Hautpflegeprodukten lag in der Luft, vermischt mit dem Geruch von gebratenem Hühnchen und süßen Pfannkuchen. Ich checkte ein und ließ erstmal mein Gepäck fallen. Das Hostel war klein, aber sauber und gemütlich, mit einer kleinen Gemeinschaftsküche und einem Aufenthaltsraum. Meine Mitbewohner waren ein bunt gemischter Haufen aus der ganzen Welt: ein japanischer Student, ein australisches Paar und ein amerikanischer Englischlehrer.Nach einer kurzen Pause wagte ich mich wieder hinaus. Ich schlenderte durch die Straßen von Myeongdong, beobachtete die Menschen und versuchte, alles aufzusaugen. Die Schaufenster waren unglaublich kreativ gestaltet, mit lebensgroßen Puppen, blinkenden Lichtern und ausgefallenen Displays. Ich fühlte mich wie in einem riesigen, bunten Spielplatz.
Streetfood-Premiere und kleine Pannen
Natürlich musste ich auch das Streetfood probieren. Ich entschied mich für Tteokbokki, kleine Reiskuchen in scharfer Gochujang-Sauce. Es war unglaublich lecker, aber auch unglaublich scharf! Meine Zunge brannte, aber ich konnte nicht aufhören zu essen. Ich versuchte mich mit einfachen Worten auf Koreanisch zu verständigen, was oft zu amüsanten Situationen führte. Einmal wollte ich nach dem Weg fragen und sagte versehentlich "Ich bin ein Apfel". Die Verkäuferin schaute mich verdutzt an, aber zum Glück konnte mir ein freundlicher Passant auf Englisch helfen.Ich merkte schnell, dass Seoul eine Stadt der Kontraste ist. Hier stehen ultramoderne Wolkenkratzer neben jahrhundertealten Tempeln, und traditionelle Hanoks liegen direkt neben hippen Cafés. Es ist eine Stadt, die sowohl faszinierend als auch verwirrend ist. Die ersten Stunden in Seoul waren ein wilder Ritt, aber ich fühlte mich unglaublich aufgeregt und voller Energie. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier noch viele unvergessliche Erfahrungen machen würde. Und während ich so durch die belebten Straßen wanderte, wurde mir klar, dass dies erst der Anfang meiner Reise war und dass ich jetzt das Herz dieser pulsierenden Metropole erkunden werde.
Bukchon Hanok Village: Ein Schritt zurück in die Zeit
Am nächsten Tag wollte ich etwas abseits des Trubels entdecken und machte mich auf den Weg nach Bukchon Hanok Village. Das Viertel liegt zwischen dem Gyeongbokgung Palast und dem Insadong Viertel und ist bekannt für seine traditionellen koreanischen Häuser, die sogenannten Hanoks. Es war ein komplett anderer Vibe als in Myeongdong. Ruhiger, friedlicher und viel grüner. Die engen Gassen waren gesäumt von wunderschönen Häusern mit geschwungenen Dächern und kunstvollen Verzierungen. Viele der Hanoks waren noch bewohnt, andere dienten als Teehäuser, Galerien oder kleine Museen. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Gassen zu schlendern, Fotos zu machen und die besondere Atmosphäre aufzusaugen. Ich geriet ein wenig durcheinander und verirrte mich in den verwinkelten Gassen. Zum Glück traf ich eine ältere Dame, die mir den Weg zu einem kleinen Teehaus zeigte. Dort trank ich einen köstlichen grünen Tee und unterhielt mich mit der Besitzerin, die mir viel über die Geschichte des Viertels erzählte. Sie sprach zwar kein Englisch, aber mit Händen und Füßen und ein paar koreanischen Wörtern konnten wir uns einigermaßen verständigen.Insadong: Kunst, Handwerk und Souvenirs
Von Bukchon ging es weiter nach Insadong, einem Viertel, das für seine Kunstgalerien, Handwerksläden und Teehäuser bekannt ist. Hier konnte ich wunderschöne Keramiken, Kalligraphien und traditionelle koreanische Malereien bewundern. Ich kaufte ein paar kleine Souvenirs für meine Familie und Freunde, darunter ein handbemaltes Tee-Set und ein paar traditionelle koreanische Papiertücher. Ich probierte auch Ssanggya, ein koreanisches Sandwich mit verschiedenen Füllungen, das an einem kleinen Straßenstand verkauft wurde. Es war unglaublich lecker und sättigend.Ein bisschen peinlich war’s dann aber: Ich wollte ein bestimmtes kleines Holzspielzeug kaufen und versuchte, den Preis zu verhandeln. Ich hatte mir ein paar koreanische Sätze gemerkt, aber meine Aussprache war offenbar miserabel. Statt “Bitte etwas günstiger” sagte ich etwas, das wohl bedeutete “Ich möchte das Spielzeug kostenlos”. Der Verkäufer lachte herzlich und gab mir das Spielzeug trotzdem für einen reduzierten Preis.
Nördliche Aromen im Gwangjang Market
Mein persönliches Highlight war aber der Besuch des Gwangjang Markets. Dieser riesige Markt ist ein Paradies für Foodies. Überall gab es Stände mit köstlichen koreanischen Spezialitäten: Bindaetteok (Mungbohnen-Pfannkuchen), Mayak Gimbap (Mini-Kimchi-Rollen) und Bibimbap (Reis mit Gemüse und Fleisch). Ich probierte alles, was mir vor den Augen kam. Es war unglaublich vielfältig und lecker. Ich setzte mich an einen der Tische und teilte mir ein paar Gerichte mit anderen Reisenden. Es war eine tolle Atmosphäre und eine großartige Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen.Der Markt war allerdings auch ein bisschen überwältigend. Es gab so viele Menschen, Geräusche und Gerüche. Ich verlor mich mehrmals und brauchte ewig, um den Ausgang zu finden. Aber selbst das konnte meine Begeisterung nicht trüben. Seoul hatte mich mit seiner Vielfalt, seiner Energie und seiner Gastfreundschaft begeistert. Ich hatte die Stadt als modernen und pulsierenden Ort kennengelernt, der aber gleichzeitig seine Traditionen bewahrt. Es war eine Reise, die mich verändert hatte und mir viele unvergessliche Erinnerungen beschert hatte, und ich wusste, dass dies noch lange nicht meine letzte Reise nach Südkorea sein würde.
Die letzten Tage in Seoul vergingen wie im Flug. Ich saß an einem kleinen Tisch in einem Café im Viertel Hongdae, schlürfte an einem Eistee und versuchte, all die Eindrücke der letzten Wochen zu verarbeiten. Es war eine unglaubliche Zeit, voller neuer Erfahrungen, interessanter Begegnungen und leckerem Essen. Ich hatte mich in die pulsierende Energie dieser Stadt verliebt, aber auch die ruhigen Momente in den traditionellen Vierteln genossen.
Hongdae selbst ist ein lebendiges Viertel, das von Studenten und Künstlern geprägt ist. Überall gibt es kleine Galerien, Indie-Musikclubs und gemütliche Cafés. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Straßen zu schlendern, die Straßenmusiker anzuhören und die kreative Atmosphäre aufzusaugen.
Workaway: Mehr als nur Unterkunft
Mein Workaway-Aufenthalt bei einer koreanischen Familie war definitiv ein Highlight meiner Reise. Ich half ihnen im Alltag, kochte, putzte und spielte mit ihren Kindern. Im Gegenzug lernte ich die koreanische Kultur aus erster Hand kennen, probierte traditionelle Gerichte und verbrachte Zeit mit Einheimischen. Es war eine wunderbare Erfahrung, die mir viel über das Leben in Korea beigebracht hat.
Ein letzter Blick auf die Tempel
Bevor ich weiterreiste, besuchte ich noch einmal den Gyeongbokgung Palast und den Jogyesa Tempel. Die majestätischen Gebäude und die friedliche Atmosphäre waren ein schöner Kontrast zum Trubel der Stadt. Ich setzte mich auf eine Bank im Palastgarten und beobachtete die Menschen, die vorbeigingen. Es war ein Moment der Ruhe und Besinnung, bevor es wieder auf die Reise ging.
Was ich gelernt habe und meine Tipps
Seoul ist eine Stadt, die viele Facetten hat. Es ist eine Stadt der Kontraste, in der Tradition und Moderne nebeneinander existieren. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, offen für neue Erfahrungen zu sein und sich auf die lokale Kultur einzulassen. Und ich habe gelernt, dass man mit wenig Geld viel erleben kann, wenn man bereit ist, ein bisschen kreativ zu sein.
Wenn ich anderen Reisenden Tipps geben müsste, würde ich sagen: Probiert das Streetfood, verliert euch in den Vierteln, lernt ein paar koreanische Wörter und seid offen für Begegnungen mit Einheimischen. Und ganz wichtig: Lasst euch von der Energie dieser Stadt mitreißen!
Seoul hat mich verändert. Ich bin selbstbewusster geworden, habe gelernt, mit neuen Situationen umzugehen und bin noch begeisterter davon, die Welt zu erkunden. Ich bin dankbar für all die Erfahrungen, die ich in dieser Stadt gemacht habe, und ich weiß, dass ich Seoul nie vergessen werde.