Mauritius mit 70: Wenn der Bingo-Gewinn zum Abenteuer wird
Der Plan (oder das Fehlen davon)
Helga hatte sich das Ganze als romantische Flucht vorgestellt. Ich als pragmatischen Menschen sah es eher als eine kostengünstige Möglichkeit, dem nächsten Winter zu entgehen. Wir hatten ein kleines Hotel in Flic en Flac gebucht, angeblich direkt am Strand. "Direkt" ist relativ, wie ich gleich feststellen sollte. Und das alles, weil ich im letzten Jahr beim Bingo gewonnen hatte – ein glücklicher Zufall, der uns die Reise ermöglichte. Helga sagt, ich bin ein hoffnungsloser Fall für Glücksspiele, aber hey, was solls? Hauptsache, wir haben etwas zu erzählen.Erste Orientierung
Nachdem wir den Flughafen hinter uns gelassen hatten, stiegen wir in einen dieser kleinen Busse, die scheinbar das gesamte Inselleben transportieren. Die Fahrt nach Flic en Flac war…interessant. Ich hatte das Gefühl, wir würden jede noch so kleine Hütte und jede noch so krumme Palmenstaude passieren. Die Musik im Bus war eine Mischung aus Reggae, Techno und irgendwelchen lokalen Klängen, die meine Ohren fast zum Bluten brachten. Helga lächelte zufrieden, sie kann sich ja an alles gewöhnen. Ich hingegen versuchte, mich an die Vorstellung eines ruhigen Strandes zu klammern.Flic en Flac – Die Realität
Als wir endlich ankamen, stellte sich heraus, dass "direkt am Strand" bedeutete: fünf Minuten Fußweg, vorbei an einem Imbissstand, der verdächtig nach frittiertem Fisch roch, und einer Reihe von Touristen, die aussahen, als hätten sie sich verlaufen. Das Hotel selbst war…einfach. Sagen wir mal so, es hatte Charme. Und eine Klimaanlage, die gelegentlich funktionieren wollte. Das Zimmer war klein, aber sauber, und das Wichtigste: es hatte ein Fenster mit Blick auf…eine Mauer. Na super.Die ersten Begegnungen
Am Abend machten wir einen kleinen Spaziergang durch Flic en Flac. Der Ort war voller Leben, Touristen, Einheimische, Händler, die uns alles Mögliche andrehen wollten. Helga war begeistert, ich war genervt. Ein junger Mann versuchte, uns einen Ausflug mit dem Boot zu verkaufen, der angeblich die "schönsten Buchten der Insel" umfassen sollte. Ich sagte ihm freundlich, dass wir eher Typen sind, die auf einer Bank sitzen und die Möwen beobachten. Er schaute mich etwas enttäuscht an, zog aber bald weiter, um das nächste Opfer zu finden. Ich beobachtete die Leute und ihre kleinen Geschäfte, wie sie versuchten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es war ein bunter, lauter, manchmal auch chaotischer Ort. Aber irgendwie auch…authentisch. Und mitten in diesem Trubel entdeckten wir einen kleinen Imbissstand, der kreolische Spezialitäten anbot. Helga wollte unbedingt probieren, also bestellten wir etwas, das wir nicht wirklich identifizieren konnten. Es schmeckte nach Curry, Fisch und irgendwelchen exotischen Gewürzen. Und es war überraschend lecker. Nach dem Abendessen saßen wir auf einer Bank am Strand und beobachteten den Sonnenuntergang. Das Meer war ruhig, der Himmel leuchtete in allen Farben. Helga lächelte mich an, und ich musste zugeben, dass dieser Ort doch seinen Reiz hatte. Vielleicht, nur vielleicht, würden wir diese Reise doch noch genießen. Aber eines war sicher: das Abenteuer hatte gerade erst begonnen, und ich ahnte, dass es noch einige Überraschungen geben würde. Und ich, der alte Walter, war gespannt, was noch alles auf uns zukommen würde, während wir uns durch diese Insel navigierten, mit unserem kleinen Budget und unseren großen Erwartungen.Der Markt von Port Louis – Ein Spaziergang durch das Chaos
Am nächsten Tag beschlossen wir, einen Ausflug nach Port Louis zu machen, der Hauptstadt der Insel. Helga hatte im Reiseführer gelesen, dass es dort einen riesigen Markt geben soll, auf dem man alles kaufen kann. "Alles" stellte sich als eine Untertreibung heraus. Der Markt war ein einziger Tummelplatz aus Farben, Gerüchen und Menschenmassen. Wir wurden sofort von Händlern umringt, die uns ihre Waren andrehen wollten: Gewürze, Kleidung, Souvenirs, Obst, Gemüse, und irgendwelche seltsamen Dinge, die wir nicht einmal identifizieren konnten.Ich versuchte, mich durch die Menge zu navigieren, aber es war fast unmöglich. Ich stolperte über einen Sack voller Zwiebeln, wich einem Mann aus, der einen riesigen Hering in der Hand trug, und wurde fast von einer Frau mit einem Korb voller Mangos überrannt. Helga lachte mich aus, aber ich war alles andere als amüsiert. Ich fühlte mich wie ein Spielball in einem menschlichen Pinball-Automaten.
Die Gewürze und die Verhandlungstaktik
Helga hingegen war im Element. Sie liebte es, zu feilschen, und sie war eine wahre Meisterin darin. Sie handelte mit einem älteren Mann um eine Tüte Zimt, und nach zehn Minuten intensiver Verhandlungen hatte sie den Preis um die Hälfte reduziert. Ich war beeindruckt, aber auch erschöpft. Alleine die Vorstellung, stundenlang mit den Händlern zu streiten, war mir zu viel.
Wir kauften einige Gewürze, ein paar Postkarten und eine seltsame Holzfigur, die angeblich Glück bringen soll. Ich war mir nicht sicher, ob sie wirklich Glück brachte, aber zumindest war sie ein lustiges Souvenir. Auf dem Rückweg zum Hotel stiegen wir in einen Bus, der gefüllt war mit Einheimischen und Touristen. Die Musik war so laut, dass ich meine Ohren zuhalten musste, und der Fahrer fuhr, als ob er einen Formel-1-Grand-Prix gewinnen wollte. Ich klammerte mich an meinen Sitz und betete, dass wir heil im Hotel ankommen würden.
Grand Baie – Touristenfalle oder Paradies?
Ein paar Tage später beschlossen wir, nach Grand Baie zu fahren, einem beliebten Badeort im Norden der Insel. Der Ort war voller Hotels, Restaurants, Geschäfte und Touristen. Es war, als ob man in eine postkartenperfekte Welt eingetaucht wäre. Aber es war auch ein bisschen künstlich und übertrieben. Überall hingen Werbebanner, die uns zu Ausflügen, Wassersportaktivitäten und Shopping-Touren einluden. Ich fühlte mich wie in einem riesigen Einkaufszentrum.
Der Strand und die Sonnenbrille
Wir machten einen Spaziergang am Strand entlang und ließen uns auf einer Bank nieder. Das Wasser war kristallklar, und die Sonne schien hell. Helga zog ihre Sonnenbrille auf und begann, die Seele baumeln zu lassen. Ich versuchte, mich zu entspannen, aber es war schwer. Überall waren Menschen, die lärmten, Musik spielten und sich sonnten. Ich sehnte mich nach einem ruhigen Ort, an dem ich einfach nur die Natur genießen konnte.
Plötzlich stellte ich fest, dass meine Sonnenbrille weg war. Ich suchte überall, aber ich konnte sie nicht finden. Ich vermutete, dass sie mir gestohlen worden war. Ich war sauer und frustriert. Helga versuchte, mich zu beruhigen, aber ich war nicht in Stimmung. Ich beschloss, mir eine neue Sonnenbrille zu kaufen. Aber die Preise in den Geschäften waren unverschämt hoch. Ich entschied mich, ohne Sonnenbrille auszukommen. Es war zwar unangenehm, aber ich wollte mein Geld nicht für eine unnötige Sache ausgeben.
Als wir am Abend zum Hotel zurückkehrten, stellten wir fest, dass wir unsere Busfahrkarte verloren hatten. Wir mussten zu Fuß zurücklaufen, was eine lange und anstrengende Wanderung war. Ich war müde, hungrig und frustriert. Aber Helga blieb positiv und ermutigte mich, weiterzumachen. Schließlich erreichten wir das Hotel und fielen erschöpft ins Bett. Nach all den kleinen Pannen und Überraschungen wurde uns klar, dass Mauritius nicht das perfekte Paradies war, das wir uns vorgestellt hatten, aber es war ein Ort voller Abenteuer, Kontraste und unerwarteter Begegnungen – und trotz allem ein Ort, der uns im Gedächtnis bleiben würde.
Nach einer Woche auf dieser Insel kann ich sagen: Mauritius ist…interessant. Nicht unbedingt das Paradies, das auf den Postkarten versprochen wird, aber definitiv ein Ort, an dem man ein paar unvergessliche Momente erleben kann. Und das alles, obwohl meine Füße ständig sandig waren und Helga mich regelmäßig wegen meiner angeblichen Sturheit zur Rede stellte.
Rückblick auf das Chaos
Die Klimaanlage im Hotel hat zwar öfter gestreikt, als funktioniert, und der Bus war ein rollendes Chaos, aber irgendwie haben wir es überlebt. Wir haben den Markt in Port Louis unsicher gemacht, wo ich fast von einem Sack Zwiebeln überfahren worden wäre, und wir haben versucht, die schönsten Strände der Insel zu erkunden, obwohl Helga ständig darauf bestand, dass wir unbedingt einen bestimmten Sonnenuntergang fotografieren müssen. Ich sage euch, das ist anstrengend, wenn man schon 70 ist.
Was man wirklich braucht
Was ich gelernt habe? Mauritius ist teuer, wenn man sich nicht vorbereitet. Die Restaurants sind oft überteuert, und die Ausflüge kosten ein Vermögen. Also mein Tipp: Kauft eure Snacks im Supermarkt, esst in den kleinen lokalen Imbissen und verzichtet auf die teuren Ausflüge. Das spart Geld und gibt euch die Möglichkeit, das echte Mauritius kennenzulernen. Und noch ein Tipp: Nehmt Sonnencreme mit, viel Sonnencreme. Die Sonne hier ist gnadenlos.
Die kleinen Dinge zählen
Die wirklich schönen Momente waren die kleinen Dinge: Ein freundliches Lächeln von einem Einheimischen, ein köstlicher Mango-Saft, ein ruhiger Spaziergang am Strand. Das sind die Dinge, die man sich wirklich merkt. Und auch das Gefühl, etwas Neues entdeckt zu haben, auch wenn es nur ein kleiner Imbiss in einer abgelegenen Gasse war. Das ist es, was das Reisen so besonders macht.
Fazit
Mauritius ist kein perfektes Paradies, aber es ist ein Ort, der es wert ist, besucht zu werden. Vor allem, wenn man bereit ist, sich auf das Chaos einzulassen und die kleinen Dinge zu schätzen. Und wer weiß, vielleicht gewinnt ja auch ihr beim Bingo und könnt euch dieses Abenteuer leisten. Dann sagt Helga und mir Bescheid, wir geben euch gerne noch ein paar Tipps. Aber versprecht mir eines: Nehmt Sonnencreme mit.
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- Der Markt in Port Louis (chaotisch, aber authentisch)
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- Flic en Flac (unser Strand, der etwas entfernt lag)
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- Die kleinen lokalen Imbisse (günstig und lecker)