Europa - Frankreich - Bretagne (Saint-Malo)

Bretagne: Wo Geschichte und Meer sich küssen

Der Geruch von Salz und Algen kitzelte in meiner Nase, während ich aus dem kleinen, gelben Bus stieg. Es war dieser ganz spezielle, leicht muffige Geruch, der nach Meer und irgendwie nach Geschichte roch. Saint-Malo. Ich hatte keine Ahnung, was mich hier erwarten würde, aber es fühlte sich…richtig an. Die bretonische Küste hatte mich schon lange magisch angezogen, diese Vorstellung von rauem Wind, zerklüfteten Felsen und kleinen, verwinkelten Gassen.

Eine Auszeit vom digitalen Leben

Ich bin Alex, Mitte dreißig, und arbeite als Webdesigner. Klingt nach Freiheit, oder? Naja, die Freiheit besteht meistens darin, vor dem Laptop zu sitzen, egal wo auf der Welt. Die letzten Jahre waren geprägt von Co-Working Spaces in Bangkok, Cafés in Lissabon und gelegentlichen Strandtagen in Bali. Es war gut, wirklich gut. Aber irgendwie hatte sich ein Gefühl der Leere eingeschlichen. Alles wirkte austauschbar, die Orte, die Menschen, die Erfahrungen. Ich brauchte etwas Echtes, etwas, das mich wieder mit mir selbst verbindet. Deshalb diese Reise. Keine konkreten Pläne, keine To-Do-Liste, einfach nur das Bedürfnis, dem Alltag zu entfliehen und mich treiben zu lassen. Die Bretagne schien mir der perfekte Ort dafür – weit weg vom digitalen Lärm, mit einer reichen Geschichte und einer Landschaft, die zum Träumen einlädt.

Erster Eindruck: Mauern und Möwen

Die Stadt lag vor mir, umgeben von massiven Stadtmauern. Im 18. Jahrhundert komplett zerstört, im Zweiten Weltkrieg erneut verwüstet, und dann, Stein für Stein, wieder aufgebaut. Das ist Saint-Malo. Es ist, als würde die Stadt sich bewusst gegen die Vergänglichkeit zur Wehr setzen.

Ich schleppte meinen Rucksack über das Kopfsteinpflaster, vorbei an kleinen Crêperien und Souvenirläden. Der Wind pfiff um die Ecken, vermischt mit dem Kreischen der Möwen. Überall hingen bunte Fähnchen, und der Duft von frischem Brot lag in der Luft. Es war ein bisschen kitschig, ja, aber auf eine charmante Art und Weise.

Ich fand ein kleines Zimmer in einem alten Stadthaus, direkt innerhalb der Mauern. Die Einrichtung war einfach, aber gemütlich, mit einem Blick auf einen kleinen Innenhof. Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, ging ich sofort wieder raus. Ich wollte die Stadt erkunden, mich treiben lassen, mich verlieren in den Gassen.

Das Gefühl von Freiheit

Ich wanderte stundenlang umher, ohne Ziel, ohne Plan. Ich beobachtete die Fischer, die ihre Netze reparierten, die alten Männer, die auf Bänken saßen und Karten spielten, die Kinder, die auf den Mauern herumtobten. Überall spürte ich eine gewisse Gelassenheit, eine Lebensart, die entschleunigt und authentisch wirkte.

Ich setzte mich in ein kleines Café am Hafen und bestellte einen Café au Lait und eine Galette, eine herzhafte Crêpe aus Buchweizenmehl. Die Sonne schien warm auf mein Gesicht, und ich genoss einfach den Moment. Es war ein Gefühl von Freiheit, das ich lange nicht mehr gespürt hatte.


Ich begann zu verstehen, warum die Bretagne so viele Künstler und Schriftsteller angezogen hat. Diese Landschaft, diese Geschichte, diese Atmosphäre…es war ein Ort, der die Seele berührte. Ein Ort, an dem man sich selbst wiederfinden konnte. Ich ahnte, dass dies mehr sein würde als nur ein weiterer Urlaub. Dies war der Beginn einer Reise, die mich verändern würde. Ich spürte, dass ich hier bleiben könnte, hier Wurzeln schlagen könnte. Aber zuerst musste ich die Stadt wirklich kennenlernen, ihre Geheimnisse entdecken und mich in ihre Magie verlieben.

Die Altstadt: Ein Labyrinth der Geschichte

Am Nachmittag verlor ich mich absichtlich in den Gassen der Altstadt, dem sogenannten “Intramuros”. Es war ein Labyrinth aus verwinkelten Pfaden, kleinen Plätzen und alten Häusern. Überall hingen Blumenkästen vor den Fenstern, und der Geruch von creperies vermischte sich mit dem Duft von Salz und Meer. Ich entdeckte kleine Buchläden mit vergilbten Schätzen, Galerien mit bretonischer Kunst und winzige Läden, in denen man handgemachten Schmuck und Keramik kaufen konnte. Ich stolperte über die Rue Saint-Vincent, eine der ältesten Straßen der Stadt. Die Häuser hier waren eng aneinandergereiht, mit Fachwerkwänden und schiefen Dächern. Es fühlte sich an, als würde die Zeit hier stillstehen. Ich stellte mir vor, wie die Seeleute und Händler vor Jahrhunderten durch diese Gassen geschlendert sind.

Ein Missgeschick am Hafen

Am Abend wollte ich zum Hafen gehen, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Ich dachte, ich hätte den Weg im Griff, aber irgendwie verirrte ich mich und landete am falschen Ende des Hafens. Es war dunkel und windig, und ich stolperte über eine lose Pflasterstein und landete unsanft im Sand. Zum Glück ging es mir gut, nur mein Stolz hatte etwas gelitten. Ein paar Fischer lachten mich amüsiert an, aber ich konnte auch über mich selbst lachen. Ich rappelte mich auf und setzte meinen Weg fort. Schließlich erreichte ich den richtigen Ort und wurde mit einem atemberaubenden Anblick belohnt. Die Sonne ging im Meer unter und tauchte den Himmel in ein Farbenmeer aus Rot, Orange und Violett. Die Fischerboote schwankten sanft im Wasser, und die Möwen kreischten über mir. Es war ein magischer Moment, der mir für immer in Erinnerung bleiben wird.

Fort National: Ein Spaziergang mit Geschichte Am nächsten Tag beschloss ich, das Fort National zu besuchen, eine Festung, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde. Es liegt auf einer kleinen Insel, die bei Flut vom Festland abgeschnitten ist. Ich ging über eine lange Steinbrücke hinüber und erkundete die alten Mauern und Kasematten. Das Fort hatte eine bewegte Geschichte. Es diente als Gefängnis, als Militärstützpunkt und als Zufluchtsort für Flüchtlinge. Heute ist es ein beliebtes Touristenziel, aber es hat seinen ursprünglichen Charme nicht verloren. Von den Mauern aus hatte man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Meer.

Ich saß eine Weile auf einer alten Kanone und beobachtete die vorbeifahrenden Boote. Der Wind pfiff mir um die Ohren, und ich fühlte mich frei und ungebunden. Es war ein Moment der Ruhe und Besinnung, den ich dringend gebraucht hatte.


Die Tage in Saint-Malo vergingen wie im Flug. Ich hatte mich in diese Stadt verliebt, in ihre Geschichte, ihre Schönheit und ihre Lebensart. Ich wusste, dass meine Reise noch lange nicht zu Ende war, aber ich spürte, dass Saint-Malo einen besonderen Platz in meinem Herzen gefunden hatte, und dass ich diese Erfahrungen mitnehmen würde, um meinen eigenen Weg zu finden.

Der Wind hatte sich gelegt, und die Sonne schien golden auf die alten Mauern von Saint-Malo. Ich saß auf einer Bank am Hafen und beobachtete das geschäftige Treiben. Fischer, die ihre Netze reparierten, Touristen, die Eis aßen, und Möwen, die hungrig umherflogen. Es war ein friedliches Bild, das sich tief in mein Herz eingebrannt hatte.

Ein Gefühl von Ankommen

Ich hatte schon viele Orte auf der Welt gesehen, aber Saint-Malo war anders. Es war, als würde die Stadt mich willkommen heißen, mich einladen, Teil ihrer Geschichte zu werden. Ich hatte das Gefühl, angekommen zu sein, nicht nur an einem Ort, sondern auch bei mir selbst.

Die Tage vergingen wie im Flug, und ich nutzte jede Minute, um die Stadt zu erkunden. Ich schlendete durch die engen Gassen, besuchte die alten Kirchen und Museen, und probierte die lokalen Spezialitäten. Besonders gut hat mir die Galette geschmeckt, eine herzhafte Crêpe aus Buchweizenmehl. Und natürlich der frische Fisch, den man direkt am Hafen kaufen konnte.

Der Abschied fällt schwer

Es war Zeit, Saint-Malo zu verlassen. Der Abschied fiel mir schwer. Ich hatte mich in diese Stadt verliebt, in ihre Geschichte, ihre Schönheit und ihre Lebensart. Ich hatte das Gefühl, ein Stück meines Herzens hier zurückzulassen.

Meine Tipps für Saint-Malo

Wenn du auch nach Saint-Malo reisen möchtest, habe ich ein paar Tipps für dich:

Nimm dir Zeit

Saint-Malo ist eine Stadt, die man nicht in wenigen Stunden erkunden kann. Nimm dir Zeit, um die Stadt in Ruhe zu genießen, um durch die Gassen zu schlendern, um die Menschen zu beobachten und um die Atmosphäre aufzusaugen.

Probiere die lokalen Spezialitäten

Die bretonische Küche ist köstlich. Probiere die Galettes, den frischen Fisch und den Kouign Amann, ein süßes Gebäck aus Butter und Zucker.

Verliere dich in der Geschichte

Saint-Malo hat eine reiche Geschichte. Besuche die Stadtmauern, das Fort National und das Musée d'Histoire de la Ville pour découvrir les secrets du passé.

Ich werde Saint-Malo nie vergessen. Es ist ein Ort, der mich verändert hat, der mir gezeigt hat, wie wichtig es ist, im Moment zu leben, die Schönheit der Welt zu genießen und sich mit sich selbst zu verbinden.

    • Die Stadtmauern von Saint-Malo
    • Der Strand von Sillon
    • Das Musée d'Histoire de la Ville
    • Die Altstadt (Intramuros)
👤 Alleinreisender digitaler Nomade um die 30 ✍️ romantisch und verträumt