Asien - Jordanien - Aqaba

Reisebericht Asien - Jordanien - Aqaba

Der Geruch von Salz, Diesel und etwas Süßem hing in der Luft, als ich aus dem Taxi stieg. Es war heiß, aber nicht diese drückende, feuchte Hitze, die ich von anderen südlichen Ländern kannte. Eher trocken, fast schon kühl im Vergleich zur stickigen Flughafenhalle. Aqaba, Jordanien. Ich hatte es endlich geschafft.

Ein langer Weg hierher

Ich bin kein typischer Tourist. Klar, ich mag es auch, am Strand zu liegen und die Sonne zu genießen, aber das ist selten das Ziel meiner Reisen. Ich bin Künstler, ich arbeite mit verschiedenen Medien – Malerei, Skulptur, Installation – und ich brauche immer wieder neue Impulse, neue Perspektiven. Und die finde ich oft in anderen Kulturen. In den letzten Jahren hatte ich mich intensiv mit der arabischen Kunst beschäftigt, mit ihren Mustern, Farben und Geschichten. Und irgendwann reifte der Entschluss: Ich muss dorthin, wo diese Kunst entstanden ist, wo sie noch lebendig ist, wo sie den Alltag der Menschen prägt. Jordanien schien mir ein guter Ausgangspunkt, ein Land mit einer reichen Geschichte und einer vielfältigen Kultur.
Ich hatte Monate mit der Planung verbracht, hatte Bücher gelesen, Dokumentationen gesehen, Gespräche mit Menschen geführt, die Jordanien bereits besucht hatten. Aber all das konnte mich nicht auf das vorbereiten, was ich jetzt sah. Die Stadt war anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Nicht so glänzend und modern, wie man es oft in Reisebroschüren sieht. Eher rau, authentisch, ein bisschen heruntergekommen, aber voller Leben. Die Gebäude waren niedrig, meist aus hellem Stein, mit bunten Fensterläden und verblichenen Fassaden. Überall waren Menschen unterwegs – Männer in traditioneller Kleidung, Frauen mit Kopftüchern, Kinder, die spielten und lachten.

Erste Eindrücke vom Hafen

Der Hafen war das Herz der Stadt. Überall waren Boote, Fischer, Händler, Touristen. Der Lärm war ohrenbetäubend – das Hupen der Autos, das Rufen der Verkäufer, das Plätschern des Wassers. Aber inmitten all dieses Chaos spürte ich eine Art von Energie, eine Lebensfreude, die mich sofort in ihren Bann zog. Ich lehnte mich an eine Mauer, beobachtete das Treiben und versuchte, alles aufzusaugen. Die Farben, die Gerüche, die Geräusche, die Menschen. Ich fühlte mich wie ein Schwamm, der mit neuen Eindrücken gefüllt wurde.
Ich hatte ein kleines Hotel in der Nähe des Hafens gebucht, eine Art Familienbetrieb mit einfachen Zimmern und einem Dachterrassen, die einen atemberaubenden Blick auf das Rote Meer bot. Der Besitzer, ein freundlicher Mann namens Hassan, begrüßte mich mit einem breiten Lächeln und einer Tasse starken, süßen Tee. Wir unterhielten uns eine Weile, er erzählte mir von der Stadt, von ihren Sehenswürdigkeiten und von den Menschen, die hier leben. Er bot mir an, mir bei der Suche nach einem lokalen Künstler zu helfen, der mir mehr über die jordanische Kunstszene erzählen konnte. Das war genau das, was ich brauchte.
Ich stellte mein Gepäck in meinem Zimmer ab, das zwar spartanisch eingerichtet war, aber sauber und gemütlich. Ich öffnete das Fenster und atmete tief ein. Der Duft des Meeres vermischte sich mit dem Geruch von Gewürzen und Kaffee. Es war ein Geruch, der mich an ferne Länder und Abenteuer erinnerte. Ich fühlte mich frei und ungebunden, bereit, die Stadt zu erkunden und mich von ihren Geheimnissen verzaubern zu lassen. Ich wusste, dass diese Reise mehr sein würde als nur ein Urlaub. Es war eine Reise zu mir selbst, eine Suche nach Inspiration und neuen Perspektiven.
Die Sonne begann langsam unterzugehen, und der Himmel färbte sich in den schönsten Farben – Orange, Rot, Lila. Ich ging auf die Dachterrasse des Hotels und betrachtete den Ausblick. Das Rote Meer glitzerte im Abendlicht, und die Silhouette der Stadt zeichnete sich vor dem Horizont ab. Ich fühlte mich demütig und dankbar, an diesem besonderen Ort zu sein. Es war ein Moment der Stille und Kontemplation, bevor das Abenteuer wirklich begann, und ich konnte es kaum erwarten, zu entdecken, welche Geschichten und Begegnungen mich in den folgenden Tagen erwarten würden.

Die Souks und ihre Geschichten

Am nächsten Morgen, nach einem Frühstück mit Fladenbrot, Hummus und unglaublich starkem Tee, machte ich mich auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Hassan hatte mir geraten, zuerst die Souks zu besuchen, die alten Märkte in der Altstadt. Und er hatte Recht. Es war ein Labyrinth aus engen Gassen, voll mit kleinen Läden, die alles Mögliche verkauften – Gewürze, Stoffe, Schmuck, Lederwaren, Kunsthandwerk. Der Duft von Weihrauch und orientalischen Parfüms lag in der Luft, vermischt mit dem Geräusch von Händlern, die ihre Waren anpriesen und feilschen.
Ich verbrachte Stunden damit, durch die Gassen zu schlendern, die Menschen zu beobachten und mich treiben zu lassen. Ich kaufte ein paar kleine Souvenirs – eine handgemalte Keramikschale, einen Satz Gewürze, eine lederne Geldbörse – aber das war nicht der Hauptgrund für meinen Besuch. Ich wollte die Atmosphäre aufsaugen, die Energie der Stadt spüren, die Geschichten der Menschen hinter den Waren erfahren. Ich kam ins Gespräch mit einem alten Mann, der seit über 50 Jahren Gewürze verkaufte, und er erzählte mir von den alten Handelsrouten, von den Karawanen, die einst durch diese Stadt zogen, und von den Geheimnissen der Gewürze. Es war faszinierend.

Ein Missverständnis und ein Lächeln

Natürlich gab es auch kleine Pannen. Ich versuchte, in einem kleinen Laden eine bestimmte Art von Stoff zu kaufen, aber mein Arabisch war miserabel, und der Verkäufer sprach kein Englisch. Es kam zu einem lustigen Missverständnis, bei dem wir uns gegenseitig anredeten und gestikulierten, bis wir schließlich in einem Lachen ausbrachen. Ein anderer Kunde übersetzte dann für uns, und ich konnte den Stoff kaufen. Es war eine kleine Anekdote, aber sie zeigte mir, wie offen und freundlich die Menschen hier sind. Sie sind bereit, sich anzustrengen, um mit einem Fremden zu kommunizieren, auch wenn es schwierig ist.
Später am Tag wanderte ich in den christlichen Stadtteil, der sich deutlich von den anderen Vierteln unterschied. Hier waren die Gebäude etwas gepflegter, die Straßen sauberer, und die Atmosphäre ruhiger. Ich besuchte eine kleine Kirche, die St. Georgskirche, und war beeindruckt von ihrer Schönheit und ihrem Alter. Die Kirche war voller Fresken und Ikonen, die Geschichten aus der Bibel erzählten. Ich saß eine Weile da und betrachtete die Kunstwerke, versuchte, ihre Bedeutung zu erfassen, und spürte eine tiefe Ehrfurcht vor der spirituellen Kraft dieses Ortes.

Blick auf das Rote Meer von der Festung

Ein weiteres Highlight war der Besuch der Mamluk-Festung, die im 16. Jahrhundert erbaut wurde, um die Stadt vor Angriffen zu schützen. Die Festung war zwar in einem baufälligen Zustand, aber sie bot einen atemberaubenden Blick auf das Rote Meer. Ich kletterte auf die Mauern und betrachtete den Horizont, wo das blaue Wasser des Meeres auf den roten Sand der Wüste traf. Es war ein spektakulärer Anblick, der mich daran erinnerte, wie klein und unbedeutend ich im Angesicht der Natur bin.
Die Begegnungen mit den Menschen, die intensiven Eindrücke und die pulsierende Energie der Stadt begannen, sich in meinem Kopf zu verfestigen. Ich spürte, wie neue Ideen und Inspirationen in mir aufkeimten – Farben, Formen, Muster, die ich in meinen zukünftigen Kunstwerken verwenden konnte. Es war, als ob die Stadt meine Kreativität beflügelte und mir neue Perspektiven eröffnete. Ich wusste, dass ich hier noch lange nicht fertig war mit dem Erkunden und Entdecken, aber ich hatte bereits das Gefühl, dass diese Reise mich für immer verändern würde und mich mit einem reichen Schatz an Erfahrungen bereichern würde, der meine Kunst nachhaltig beeinflussen wird.

Die Tage in Aqaba vergingen wie im Flug. Ich hatte mich schnell an das langsame Tempo der Stadt gewöhnt, an das freundliche Lächeln der Menschen, an den Duft von Gewürzen und Meerwasser. Ich hatte gelernt, mich treiben zu lassen, die kleinen Dinge zu genießen und die Schönheit in der Einfachheit zu entdecken. Es war, als ob die Stadt mich in ihren Bann gezogen hätte, mich von all meinen Sorgen und Ängsten befreit hätte und mir die Möglichkeit gegeben hätte, mich selbst neu zu entdecken.

Mehr als nur ein Urlaub

Ich hatte nicht erwartet, dass diese Reise so tiefgreifend sein würde. Ich war gekommen, um Inspiration für meine Kunst zu finden, und ich hatte mehr als genug gefunden. Aber ich hatte auch etwas anderes gefunden – eine neue Perspektive auf das Leben, eine neue Wertschätzung für die Schönheit der Vielfalt und eine neue Erkenntnis, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den Beziehungen, die wir pflegen, und den Erfahrungen, die wir machen.

Die Farben der Wüste und des Meeres

Ich verbrachte einen Tag in der Wadis Rum, der atemberaubenden Wüstenlandschaft südlich von Aqaba. Die roten Sanddünen, die bizarren Felsformationen und der endlose Himmel waren ein Fest für die Augen. Ich ritt auf einem Kamel durch die Wüste, schlief in einem Beduinenzelt unter dem Sternenhimmel und trank Tee mit den Einheimischen. Es war ein unvergessliches Erlebnis, das mich daran erinnerte, wie klein und unbedeutend wir im Angesicht der Natur sind.


Ich besuchte auch das Aqaba Fort, eine historische Festung, die im 16. Jahrhundert von den Mamluken erbaut wurde. Die Festung bietet einen atemberaubenden Blick auf das Rote Meer und die Stadt. Ich stellte mir vor, wie die Soldaten vor Jahrhunderten hier Wache gehalten hatten, um die Stadt vor Angriffen zu schützen. Es war ein Moment der Kontemplation, der mich daran erinnerte, wie wichtig es ist, die Geschichte zu bewahren und aus ihr zu lernen.

Ein letzter Blick auf die Souks

Bevor ich Aqaba verließ, schlendete ich noch einmal durch die Souks, um ein paar letzte Souvenirs zu kaufen und mich von der Atmosphäre der Stadt zu verabschieden. Ich kaufte eine handgemalte Keramikschale, die mich an die Farben der Wüste und des Meeres erinnern wird, und eine lederne Geldbörse, die mich an die Handwerkskunst der Einheimischen erinnern wird. Ich bedankte mich bei den Händlern für ihre Freundlichkeit und versprach, eines Tages zurückzukehren.

Meine Empfehlungen

Wenn du auf der Suche nach einem authentischen Reiseziel bist, das dich mit seiner Schönheit, seiner Kultur und seiner Gastfreundschaft verzaubern wird, dann solltest du Aqaba unbedingt besuchen. Hier sind ein paar Tipps, die dir bei der Planung deiner Reise helfen können:

  • Sei offen und neugierig: Sprich mit den Einheimischen, probiere die lokale Küche, besuche die historischen Stätten und lass dich einfach treiben.
  • Respektiere die Kultur: Bedecke deine Schultern und Knie, wenn du Moscheen oder andere religiöse Stätten besuchst, und vermeide es, in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken.
  • Verhandle beim Einkaufen: In den Souks ist es üblich, beim Einkaufen zu verhandeln. Sei freundlich und respektvoll, und du wirst sicher einen guten Preis bekommen.

Aqaba ist ein Ort, der dich verändern wird. Es ist ein Ort, an dem du dich selbst neu entdecken, deine Kreativität entfalten und unvergessliche Erinnerungen sammeln kannst. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier verbracht habe, und ich freue mich darauf, eines Tages zurückzukehren.

    👤 Paar Mitte 50, kulturinteressiert und genussorientiert ✍️ authentisch und ehrlich