Nordamerika - Kuba - Trinidad

Rum, Ropa Vieja und ein Hauch von Vergessenheit

Die Klimaanlage brummte so laut, dass ich fast überhörte, wie der Zollbeamte mir ein freundliches, aber bestimmtes "Bienvenido a Cuba!" zurief. Bienvenido, ja, dachte ich, hoffentlich auch ein ordentliches Glas Rum. Denn die letzten 24 Stunden waren… anstrengend. Nicht etwa, weil der Flug unbequem war, ganz im Gegenteil. Die First Class bei United war, wie man es kennt, solide. Nein, das Problem war die Vorbereitung. Oder besser gesagt, die fehlende.

Die Spontaneität hat ihren Preis

Ich bin ja eigentlich der Typ für akribische Planung, Excel-Tabellen, detaillierte Routenbeschreibungen. Aber meine Frau, Charlotte, die hat da andere Vorstellungen. "Wir brauchen einen Tapetenwechsel, etwas Ungeplantes!", hatte sie entschieden, und ehe ich mich versah, hatte sie Flüge nach Kuba gebucht. Nach Kuba! Mein erster Impuls war, mich hinter einem Berg von Kochbüchern zu verschanzen und zu hoffen, dass sich das Ganze von selbst erledigt. Aber Charlotte, die kann hartnäckig sein. Und da ich Wert auf einen funktionierenden Ehefrieden lege, fand ich mich also wieder in Havanna, mit einem Koffer voller Leinenhemden und einer vagen Vorstellung davon, wie das Ganze ablaufen soll.

Havanna: Ein Hauch von Vergessenheit

Der José Martí International Airport ist… sagen wir mal, authentisch. Nicht unbedingt modern, nicht unbedingt effizient, aber definitiv kubanisch. Überall wuselten Menschen herum, es roch nach Kaffee und Zigaretten, und die Lautsprecher spuckten unverständliche Durchsagen aus. Nach einer gefühlten Ewigkeit und einigen freundschaftlichen Gesprächen mit den Zollbeamten (ich hatte offenbar die falschen Formulare ausgefüllt – Charlotte!) hatte ich endlich meinen Koffer und einen Fahrer für die Fahrt ins Hotel. Das Hotel Saratoga, ein Juwel im Herzen Havannas, war eine Wohltat. Stilvoll, elegant, mit einem atemberaubenden Blick auf den Parque Central. Ich hatte Charlotte schon fast verziehen, als ich feststellte, dass die Minibar leer war. Leer! Das ist ein Verbrechen gegen die Lebensqualität, dachte ich. Aber das Personal war sofort zur Stelle und brachte eine Flasche Havana Club Anejo, um den Schaden zu begrenzen.

Erste Eindrücke und kulinarische Erwartungen

Die ersten paar Stunden verbrachte ich damit, durch die Altstadt zu schlendern. Havanna ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Verfallene Prachtbauten, bunte Oldtimer, überall Musik und das Lachen der Menschen. Es ist chaotisch, laut, aber unglaublich faszinierend. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie die Stadt ausgesehen haben muss, bevor Castro an die Macht kam. Sicherlich glamouröser, aber auch sicherlich weniger authentisch.

Kulinarisch hatte ich hohe Erwartungen. Ich hatte mir vorgestellt, kubanische Spezialitäten wie Ropa Vieja oder Lechon Asado in den besten Restaurants der Stadt zu genießen. Aber die ersten beiden Restaurants, die ich ausprobierte, waren… enttäuschend. Eher touristisch geprägt, mit überteuerten Preisen und mittelmäßigem Essen. Charlotte hatte Recht mit ihrer Mahnung, dass Kuba nicht das Land für Gourmet-Esser sei. Aber ich gab nicht auf. Ich musste einfach das richtige Restaurant finden.


Die Suche nach dem perfekten Essen und dem wahren Kuba führte mich tiefer in die Stadt hinein, weg von den Touristenpfaden und näher zu den Menschen, die hier leben. Und ich ahnte bereits, dass diese Reise mehr werden würde, als nur ein luxuriöser Tapetenwechsel.

Centro Habana: Zwischen Stolz und Verfall

Ich landete schließlich in Centro Habana, einem Viertel, das deutlich anders war als das polierte Havanna Vieja. Hier war das Leben rauer, authentischer. Die Fassaden waren bröckelig, die Straßen voller Schlaglöcher, aber überall hingen Wäscheleinen zwischen den Häusern, und die Menschen saßen auf ihren Veranden und lachten. Ich hatte mich nach einem Empfehlung von einem Taxifahrer aufgemacht, einem älteren Herrn, der mir versicherte, das beste Paladar (privates Restaurant) der Stadt zu kennen.

Paladar San Cristobal: Ein kulinarischer Glücksgriff

Und er hatte Recht. Das Paladar San Cristobal war versteckt in einem unscheinbaren Hinterhof, aber das Essen war unglaublich. Keine schicken Menükarten, keine übertriebene Präsentation, einfach ehrliche, kubanische Küche. Ich bestellte Ropa Vieja, ein zartes Rindfleischgericht, das in einer Tomatensauce geschmort wurde, und es war das beste, das ich je gegessen hatte. Dazu einen frisch gepressten Mangosaft und einen kubanischen Kaffee – perfekt.

Während ich dort saß und aß, beobachtete ich die Menschen um mich herum. Familien, die gemeinsam zu Mittag aßen, ältere Herren, die Schach spielten, Kinder, die auf der Straße herumtollten. Es war ein lebendiges, authentisches Bild des kubanischen Lebens, weit entfernt von den touristischen Hochburgen. Ich kam ins Gespräch mit der Besitzerin, einer warmherzigen Frau namens Maria, die mir erzählte, wie sie ihr Paladar aufgebaut hatte. Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, aber sie war stolz auf das, was sie erreicht hatte.

Trinidad: Kopfsteinpflaster und Kolonialzauber

Nach Havanna ging es weiter nach Trinidad, einer wunderschönen Kolonialstadt an der Südküste. Die Stadt ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden, und das zu Recht. Die Kopfsteinpflasterstraßen, die bunten Häuser, die historischen Plätze – es ist wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Ich bezog Quartier in einem charmanten Boutique-Hotel namens Casa de la Música, das direkt am Plaza Mayor lag.

Das Problem: Ich hatte vergessen, dass das Hotel auch ein Club war. Und dass kubanische Clubs erst in der Nacht richtig in Gang kommen. Die Musik war ohrenbetäubend, die Bässe dröhnten durch mein Zimmer, und ich konnte kaum einen Gedanken fassen. Charlotte fand es großartig, tanzte bis in die frühen Morgenstunden und warf mir missbilligende Blicke zu, als ich mich über den Lärm beschwerte. Ich zog mir dann Kopfhörer auf und versuchte, ein Buch zu lesen, aber das war auch nicht wirklich möglich. Schließlich gab ich auf und begab mich in die Bar, um zumindest den Lärm in Alkohol zu ertränken.


Trotz des nächtlichen Lärms war Trinidad wunderschön. Ich verbrachte Tage damit, durch die Stadt zu schlendern, die Museen zu besuchen und die lokale Kultur kennenzulernen. Aber hinter der malerischen Fassade verbarg sich auch eine gewisse Tristesse. Die meisten Häuser waren in einem schlechten Zustand, die Infrastruktur war marode, und die Menschen kämpften mit den alltäglichen Problemen des Lebens. Kuba ist ein Land der Gegensätze, dachte ich, ein Land voller Schönheit und Elend, Stolz und Verzweiflung. Und ich spürte, dass diese Reise mich tiefer berühren würde, als ich ursprünglich erwartet hatte.

Die letzten Tage in Trinidad waren ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits die Schönheit der Stadt, die koloniale Architektur, das entspannte Lebensgefühl. Andererseits die Armut, die man an jeder Ecke spürt, die maroden Gebäude, die fehlende Infrastruktur. Es ist ein Land der Gegensätze, Kuba, und diese Gegensätze machen es so faszinierend und gleichzeitig so traurig.

Abschied vom Paradies (und dem Lärm)

Ich gestehe, ich habe mich gefreut, als der Abflugtag endlich gekommen war. Nicht etwa, weil ich Kuba nicht mochte, ganz im Gegenteil. Aber die nächtlichen Konzerte im Casa de la Música hatten meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Charlotte hingegen war enttäuscht, dass die Reise so schnell vorbei war. Sie hatte sich in die Lebensart der Kubaner verliebt, in die Musik, das Essen, die Spontaneität.

Kulinarische Erkenntnisse und ein paar Tipps

Was das Essen angeht, habe ich gelernt, dass man in Kuba nicht unbedingt mit Gourmettempeln rechnen sollte. Aber man kann hervorragend in den sogenannten Paladares essen, den privaten Restaurants, die oft in Wohnhäusern untergebracht sind. Dort bekommt man authentische kubanische Küche zu erschwinglichen Preisen. Mein Favorit war das Paladar San Cristobal in Trinidad, dort habe ich das beste Ropa Vieja meines Lebens gegessen. Und noch ein Tipp: Trinken Sie keinen Leitungswasser, sondern nur abgefülltes Wasser. Und probieren Sie unbedingt den kubanischen Rum, er ist wirklich hervorragend.

Mehr als nur Postkartenidylle

Kuba ist mehr als nur eine Postkartenidylle mit Oldtimern und Sandstränden. Es ist ein Land mit einer bewegten Geschichte, mit stolzen Menschen, die trotz aller Widrigkeiten ihren Alltag meistern. Es ist ein Land, das einen zum Nachdenken anregt, das einen berührt, das einen verändert. Ich bin froh, dass ich diese Reise gemacht habe, auch wenn sie nicht immer einfach war. Und ich hoffe, dass Kuba in Zukunft eine bessere Zukunft hat, eine Zukunft, in der die Menschen ein besseres Leben führen können.

Fazit: Würde ich wieder hinfahren?

Ja, das würde ich. Aber ich würde mich besser vorbereiten, ich würde mehr über die Geschichte und Kultur des Landes lernen, ich würde versuchen, mehr mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Und ich würde Ohrstöpsel mitnehmen, für die Nächte im Casa de la Música.

    • Paladar San Cristobal (Trinidad)
    • Centro Habana (Havanna)
👤 Luxusreisende (50) die exklusive Hotels und Gourmetrestaurants bevorzugt ✍️ humorvoll und ironisch