Asien - China - Shanghai

Reisebericht Asien - China - Shanghai

Die Luft roch nach etwas Süßlichem und gleichzeitig nach Abgasen, eine seltsame Mischung, die mich sofort daran erinnerte, dass wir wirklich angekommen waren. Es war heiß, feucht und laut – ein Schock nach dem klimatisierten Flug. Der Sohn, 16, zog die Augenbrauen hoch, die Tochter, 12, klammerte sich fester an meinen Arm. Wir standen am Ausgang des Flughafens Pudong in Shanghai, inmitten eines gewuseligen Chaos aus Taxifahrern, Gepäckträgern und Menschenmassen.

Erste Orientierung

Die Reise nach China hatten wir uns lange gewünscht. Nicht einfach nur Urlaub am Strand, sondern wirklich eintauchen in eine andere Kultur. Die Kinder waren schon groß genug, um das zu verstehen und mitzugehen – und ehrlich gesagt, brauchten wir als Familie auch mal wieder etwas Neues. Wir hatten uns bewusst für Shanghai entschieden, eine Stadt, die Tradition und Moderne zu verbinden scheint. Ein bisschen wie ein Fenster nach China, dachten wir. Der Taxifahrer, der uns schließlich ansteuerte, sprach kaum Englisch, aber mit Händen und Füßen sowie der Adresse unseres Hotels – vorher sorgfältig auf Chinesisch ausgedruckt – klappte es dann doch. Die Fahrt ins Stadtzentrum war beeindruckend. Endlose Autobahnen, hoch aufragende Wolkenkratzer, aber auch immer wieder kleine Gassen mit traditionellen Häusern. Überall blinkende Lichter, Werbetafeln und natürlich unzählige Motorroller. Es war ein visuelles Feuerwerk.

Das Hotel und die erste Erkundung

Unser Hotel lag im French Concession District, einem Viertel mit vielen alten, europäischen Gebäuden. Es war eine ruhige Oase inmitten der Großstadt. Wir checkten ein und ließen erstmal das Gepäck fallen. Die Kinder waren sofort begeistert von den kleinen, traditionellen Teehäusern und den französischen Bistros, die es hier gab. Nach einer kurzen Verschnaufpause machten wir uns auf den Weg, um die Gegend zu erkunden. Die Straßen waren gesäumt von Platanen und kleinen Geschäften. Überall roch es nach Essen – nach gebratenem Reis, Nudeln und exotischen Gewürzen. Wir probierten verschiedene Snacks von Straßenhändlern – kleine Teigtaschen, süße Bällchen und frische Früchte. Die Tochter war sofort von den kleinen, niedlichen Accessoires in den Geschäften begeistert. Der Sohn fotografierte alles, was ihm vor die Linse kam – die alten Gebäude, die belebten Straßen, die ungewöhnlichen Reklametafeln.

Ein erster Kulturschock

Es war nicht immer einfach. Die Sprachbarriere war oft frustrierend. Auch das Verhalten der Menschen war anders, direkter und manchmal auch ungeduldiger. Wir mussten uns daran gewöhnen, dass man nicht immer sofort verstanden wurde und dass man manchmal einfach mit Gesten und Mimik kommunizieren musste. An einem kleinen Nudelstand versuchte ich, eine Bestellung aufzugeben. Ich zeigte auf die Nudeln und sagte auf Englisch, was ich wollte. Der Mann hinter dem Tresen schaute mich verwirrt an. Schließlich kam eine Frau vorbei und übersetzte. Es stellte sich heraus, dass ich versehentlich etwas ganz anderes bestellt hatte. Aber am Ende lachten wir alle darüber. Es war auch etwas ungewohnt, wie offen die Menschen uns anstarrten. Als westliche Touristen fallen wir natürlich auf. Aber es war nicht böse gemeint, eher Neugierde. Wir versuchten, uns daran zu gewöhnen und freundlich zu lächeln.

Wir erkannten schnell, dass wir nur die Oberfläche kratzen konnten und dass es noch so viel mehr zu entdecken gab. Shanghai war eine Stadt voller Kontraste, eine Stadt, die uns immer wieder überraschte. Und wir waren gespannt darauf, mehr zu sehen und zu erleben – besonders jetzt, wo wir uns langsam an die ungewohnte Umgebung gewöhnten und anfingen, die Stadt mit anderen Augen zu sehen.

Yu Garden und die Kunst der Entspannung

Am nächsten Tag beschlossen wir, den Yu Garden zu besuchen. Der Garten war eine Oase der Ruhe inmitten der hektischen Stadt. Überall kleine Teiche, bizarre Felsformationen, kunstvoll geschnitzte Pavillons und natürlich jede Menge Pflanzen. Es war unglaublich, wie viel Grün es hier gab. Die Kinder waren begeistert, die Karpfen zu füttern und sich in den kleinen Gassen zu verstecken. Es war aber auch unglaublich voll. Überall Touristen, die Selfies machten und versuchten, einen guten Blick auf die Sehenswürdigkeiten zu erhaschen. Wir versuchten, uns ein wenig abseits zu drängen und die Atmosphäre zu genießen. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete die Menschen. Es war faszinierend, wie unterschiedlich sie waren und wie sie alle an einem Ort zusammenkamen.

Nanjing Road – Ein Shopping-Marathon

Am Nachmittag wagten wir uns auf die Nanjing Road, die berühmte Einkaufsstraße Shanghais. Es war ein Wahnsinn. Menschenmassen, blinkende Lichter, laute Musik und jede Menge Geschäfte. Von Luxusboutiquen bis zu kleinen Souvenirläden war alles dabei. Die Tochter war sofort Feuer und Flamme und wollte in jedem Laden etwas kaufen. Der Sohn hingegen war eher gelangweilt und zog es vor, die Leute zu beobachten. Wir versuchten, uns durch die Menge zu kämpfen, aber es war fast unmöglich. Überall drängelten sich die Menschen und versuchten, einen guten Platz zu ergattern. Wir beschlossen, eine Pause einzulegen und in einem kleinen Café einen Tee zu trinken.

Französische Konzession – Verloren in der Zeit

Am Abend kehrten wir in die Französische Konzession zurück, aber diesmal wagten wir uns tiefer in die kleinen Gassen hinein. Es war, als würden wir in eine andere Zeit reisen. Die alten Häuser, die Platanenalleen, die kleinen Cafés und Bistros – alles wirkte so charmant und authentisch. Wir entdeckten ein kleines Restaurant, das traditionelle Shanghai-Küche servierte. Es war ein Glücksgriff. Das Essen war unglaublich lecker und der Service sehr freundlich. Wir saßen lange zusammen und genossen den Abend. Auf dem Rückweg zum Hotel verloren wir uns kurz in den kleinen Gassen. Es war aber kein Problem. Wir schlenderten einfach ein wenig umher und entdeckten immer wieder neue interessante Orte. Schließlich fanden wir den Weg zurück zum Hotel.

Die Tage in Shanghai vergingen wie im Flug. Wir hatten viel gesehen und erlebt, aber es war noch so viel mehr zu entdecken. Die Stadt hatte uns in ihren Bann gezogen und wir waren uns sicher, dass wir irgendwann wiederkommen würden – vielleicht, um tiefer in die Kultur einzutauchen und die versteckten Schätze Shanghais zu erkunden, denn wir hatten das Gefühl, gerade erst an die Oberfläche gekratzt zu haben und die wirkliche Seele der Stadt noch vor uns lag.

Die letzten Tage in Shanghai waren eine Mischung aus Aufregung, Entdeckung und einer gewissen Müdigkeit. Die Stadt ist unglaublich energiegeladen und man muss sich ihr anpassen, um sie wirklich genießen zu können. Wir hatten uns vorgenommen, nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern auch in das alltägliche Leben einzutauchen. Und das ist uns, glaube ich, ganz gut gelungen.

Mehr als nur Sehenswürdigkeiten

Wir sind natürlich auch in den berühmten Yu Garden gegangen und haben die kunstvoll gestaltete Landschaft bewundert. Aber genauso unvergesslich waren die kleinen Momente: das Beobachten der Einheimischen beim Tai Chi im Park am Morgen, das Probieren von Street Food in den versteckten Gassen, die Gespräche mit den freundlichen Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind.

Besonders beeindruckt hat uns die Vielfalt der Stadt. Auf der einen Seite die modernen Wolkenkratzer in Pudong, auf der anderen Seite die traditionellen Häuser in den alten Vierteln. Diese Mischung aus Alt und Neu macht Shanghai so einzigartig und faszinierend. Der Kontrast ist einfach unglaublich.

Kulturelle Unterschiede und kleine Missverständnisse

Es gab auch einige kulturelle Unterschiede, an die wir uns gewöhnen mussten. Die Menschen sind direkter und offener als wir es gewohnt sind. Manchmal gab es auch kleine Missverständnisse, aber wir haben gelernt, darüber zu lachen und die Situation mit Humor zu nehmen.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als wir versuchten, ein Taxi zu nehmen. Wir hatten die Adresse auf Chinesisch geschrieben, aber der Taxifahrer konnte sie trotzdem nicht finden. Nach einer halben Stunde und vielen Gesten und Mimik haben wir es dann doch geschafft. Es war anstrengend, aber auch lustig.

Ein Fazit und ein paar Tipps

Shanghai ist eine Stadt, die man erlebt haben muss. Es ist ein Schmelztiegel der Kulturen, eine Stadt voller Energie und Lebensfreude. Aber es ist auch eine Stadt, die einem zu denken gibt. Sie zeigt einem, wie unterschiedlich die Welt sein kann und wie wichtig es ist, offen und tolerant zu sein.

Wenn ihr nach Shanghai reist, solltet ihr euch auf jeden Fall die Zeit nehmen, um in das alltägliche Leben einzutauchen. Verlasst die touristischen Pfade und erkundet die versteckten Gassen und Viertel. Probiert das Street Food und sprecht mit den Einheimischen. Und seid offen für neue Erfahrungen.

Hier sind noch ein paar konkrete Tipps:

  • Nutzt die Metro: Die U-Bahn in Shanghai ist sehr effizient und preiswert.
  • Lernt ein paar grundlegende chinesische Sätze: Auch wenn die meisten Menschen in den Touristengebieten Englisch sprechen, wird es euch dankbar sein, wenn ihr ein paar grundlegende Sätze auf Chinesisch kennt.
  • Seid auf das Wetter vorbereitet: Shanghai kann im Sommer sehr heiß und feucht sein. Packt also leichte und atmungsaktive Kleidung ein.

Für uns als Familie war die Reise nach Shanghai ein unvergessliches Erlebnis. Wir haben viel gelernt, viel gesehen und viel gelacht. Und wir sind uns sicher, dass wir irgendwann wiederkommen werden.

    👤 Fotograf (35) der atemberaubende Landschaften und Tierwelt dokumentieren möchte ✍️ kritisch und hinterfragend