Nordamerika - Mexiko - Playa del Carmen

Karibische Kurven und lokale Einblicke

Der Geruch von Abgasen und feuchtem Beton hängt in der Luft, vermischt mit einem Hauch von Salz. Ich schalte den Motor meiner BMW R 1250 GS ab und stelle die Füße auf den warmen Asphalt des Parkplatzes. Playa del Carmen. Nach drei Tagen in Guatemala City und einem ziemlich holprigen Grenzübertritt bin ich endlich hier. Die Hitze schlägt mir sofort ins Gesicht, ganz anders als das kühle Hochland, das ich gerade hinter mir gelassen habe.

Ankunft in der Karibik

Ehrlich gesagt war Mexiko nie ganz oben auf meiner Liste. Südamerika, klar. Kanada, unbedingt. Aber Mexiko… irgendwie hatte ich immer das Bild von Massentourismus und Partyhochburgen vor Augen. Ein Vorurteil, das ich jetzt überprüfen wollte. Die Idee kam mir während meiner letzten Tour durch Patagonien. Ein paar Motorradfahrer, die ich getroffen hatte, schwärmten von den kurvigen Küstenstraßen der Yucatán-Halbinsel. Und da ich sowieso vorhatte, die amerikanische Westküste zu erkunden, schien es logisch, einen Abstecher nach Mexiko zu machen.

Der Grenzübertritt von Guatemala war, sagen wir mal, „interessant“. Eine ganze Reihe von Schaltern, Formulare, die nirgendwo richtig beschrieben wurden, und Beamte, die scheinbar jede einzelne Schraube an meiner Maschine begutachten mussten. Ich hatte schon kompliziertere Dinge erlebt, aber es war trotzdem zermürbend. Zum Glück hatte ich mir vorher ein paar Videos auf YouTube angesehen und wusste grob, was auf mich zukommt. Ohne die Vorbereitung hätte ich wahrscheinlich noch eine halbe Ewigkeit gebraucht.

Erste Eindrücke

Playa del Carmen ist… laut. Sehr laut. Hupende Taxis, dröhnende Musik aus den Bars, das Stimmengewirr der Touristen. Aber es ist auch lebendig, bunt, irgendwie anziehend. Die Quinta Avenida, die Fußgängerzone, ist voll mit Souvenirläden, Restaurants und Clubs. Überall sind amerikanische und kanadische Flaggen zu sehen. Ein klarer Hinweis darauf, wer hier das Sagen hat. Aber auch mexikanische Kultur ist präsent, wenn man genauer hinsieht. Die kleinen Taquerias versteckt in den Seitenstraßen, die Mariachi-Bands, die auf den Plätzen spielen. Es ist ein interessanter Mix.

Ich habe mir ein kleines Hotel in der Nähe des Strandes gemietet. Einfach, aber sauber und mit Klimaanlage. Luxus, nachdem ich die letzten Wochen in oft spartanischen Unterkünften verbracht habe. Das Motorrad steht sicher geparkt im Innenhof. Ich bin froh, dass ich die zusätzliche Versicherung abgeschlossen habe. Hier gibt es anscheinend eine höhere Rate an Diebstahl. Ein kurzer Blick auf die Karte zeigt, dass Tulum und die Ruinen von Chichen Itza nicht weit entfernt sind. Das sind meine nächsten Ziele. Ich plane, die Küstenstraße entlangzufahren und ein paar Tage in Tulum zu verbringen, bevor ich ins Landesinnere aufbreche.

Die ersten Stunden habe ich damit verbracht, mich zu orientieren und ein paar Vorräte einzukaufen. Wasser, Snacks, Sonnencreme. Das Übliche. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel man auf einer Motorradtour braucht. Und wie schnell man es verbraucht. Das Abendessen habe ich in einer kleinen Taqueria gegessen. Ein paar Tacos al Pastor und ein Glas Horchata. Köstlich. Ich habe mit dem Besitzer ein bisschen Smalltalk gehalten. Er erzählte mir, dass Playa del Carmen in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Viele Amerikaner und Kanadier kaufen hier Immobilien oder verbringen ihren Ruhestand. Das hat zwar die Wirtschaft angekurbelt, aber auch die Preise erhöht.

Die Sonne geht langsam unter und färbt den Himmel in ein warmes Orange. Ich sitze auf meinem Balkon und beobachte das Treiben auf der Straße. Es ist ein faszinierender Anblick. Ich spüre, dass ich mich hier wohlfühle. Irgendwie ist Playa del Carmen anders, als ich erwartet habe. Es ist nicht nur ein Partyziel, sondern auch ein Ort mit Geschichte, Kultur und einer gewissen Lebensfreude. Und ich bin gespannt darauf, mehr davon zu entdecken. Ich packe die letzten Dinge für die morgige Fahrt zusammen, während der Duft von Meerwasser und frittierten Tacos in der Luft liegt. Morgen geht es weiter, Richtung Tulum, und ich bin gespannt, welche Abenteuer mich dort erwarten. Aber bevor ich das tue, muss ich mir die Umgebung noch etwas genauer ansehen und versuchen, hinter die glänzende Fassade des touristischen Paradieses zu blicken.

Ich schloss die Tür ab und verließ das Hotel, entschlossen, etwas abseits der ausgetretenen Pfade zu erkunden. Die Quinta Avenida war bereits wieder voll mit Menschen, ein Gewimmel aus Touristen, Verkäufern und Straßenkünstlern. Ich bog in eine Seitenstraße ab, die mich in das Viertel *El Centro* führte.

Abseits der Touristenpfade

El Centro ist das alte Herz von Playa del Carmen, ein Labyrinth aus engen Gassen, farbenfrohen Häusern und kleinen Werkstätten. Hier wohnten die Einheimischen, hier spielte sich das echte Leben ab. Keine Souvenirläden, keine Touristenfallen, sondern kleine Geschäfte, in denen man alles fand, was das Herz begehrte. Ich schlenderte durch die Gassen, vorbei an Bäckereien, Metzgereien und Gemüsehändlern. Der Duft von frisch gebackenem Brot und exotischen Früchten lag in der Luft. Ich blieb vor einem kleinen Laden stehen, der handgefertigte Hüte verkaufte. Der Besitzer, ein älterer Mann mit freundlichen Augen, zeigte mir stolz seine Arbeit. Die Hüte waren aus Stroh geflochten und mit bunten Bändern verziert. Ich kaufte einen als Andenken.

Ein unerwarteter Zwischenfall

Auf dem Rückweg zum Hotel passierte dann etwas Unerwartetes. Ich wollte eine Abkürzung nehmen und fuhr in eine enge Gasse. Plötzlich spürte ich einen Ruck am Motorrad. Ich hielt sofort an und stieg ab. Ein junger Mann auf einem Roller hatte mich angefahren. Zum Glück ging es ihm gut, aber mein Motorrad hatte eine kleine Schramme bekommen. Wir tauschten Versicherungsdaten aus und einigen uns darauf, den Schaden zu melden. Es war zwar ärgerlich, aber ich war froh, dass niemand ernsthaft verletzt worden war. Der Vorfall zeigte mir, dass man auch in einem vermeintlich sicheren Urlaubsort vorsichtig sein muss.

Der lokale Markt

Am nächsten Tag beschloss ich, den *Mercado Municipal* zu besuchen. Der Markt war ein Erlebnis für alle Sinne. Überall roch es nach frischen Lebensmitteln, Gewürzen und exotischen Früchten. Die Stände waren voll mit farbenfrohen Waren. Ich kaufte ein paar Avocados, Mangos und ein paar Chilischoten. Die Verkäuferin, eine freundliche Frau mit einem breiten Lächeln, gab mir Tipps, wie ich die Chilischoten am besten zubereiten konnte. Ich probierte auch ein paar lokale Spezialitäten, wie *cochinita pibil* und *sopa de lima*. Es war köstlich. Der Markt war ein Ort, an dem man die lokale Kultur hautnah erleben konnte.

Am Abend saß ich auf einer Bar am Strand und beobachtete den Sonnenuntergang. Die Sonne tauchte den Himmel in ein warmes Rot und Orange. Die Wellen schlugen sanft an den Strand. Es war ein friedlicher Moment. Ich dachte über die letzten Tage nach. Playa del Carmen war anders, als ich erwartet hatte. Es war nicht nur ein Partyziel, sondern auch ein Ort mit einer reichen Kultur, freundlichen Menschen und einer atemberaubenden Natur. Und ich war froh, dass ich die Chance hatte, diesen Ort zu erkunden. Die Mischung aus touristischem Trubel und authentischem mexikanischem Leben machte diesen Ort zu einem besonderen Erlebnis und ließ mich gespannt darauf sein, wie meine Reise weitergehen würde.

Die letzten Tage in Playa del Carmen waren eine Mischung aus Entspannung, kulturellen Eindrücken und dem ständigen Rhythmus des Lebens in einer Stadt, die zwischen Tradition und Tourismus pendelt. Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten zu erkunden, sondern auch in den Alltag der Einheimischen einzutauchen. Das ist mir, denke ich, ganz gut gelungen.

Reflexionen am Strand

Die Strände hier sind zweifellos wunderschön. Türkisblaues Wasser, feiner Sand, Palmen, die im Wind wiegen. Aber sie sind auch überfüllt. Wenn man einen ruhigen Ort sucht, muss man früh aufstehen oder sich etwas abseits der touristischen Hotspots begeben. Ich habe einige versteckte Buchten entdeckt, die etwas abseits lagen und wo ich die Ruhe genießen konnte. Es ist aber mehr als nur der Strand, der Playa del Carmen ausmacht. Es ist die Energie der Stadt, die Freundlichkeit der Menschen und die Mischung aus Kulturen.

Abstecher ins Landesinnere

Ich habe einen Tagesausflug nach Tulum unternommen. Die Ruinen sind beeindruckend, besonders die Lage direkt am Meer. Aber auch hier war es sehr voll mit Touristen. Ich habe versucht, mir einen ruhigen Moment zu nehmen und die Atmosphäre aufzusaugen. Die Geschichte der Maya ist faszinierend, und es ist beeindruckend zu sehen, wie sie einst gelebt haben. Auf dem Rückweg habe ich einige Cenoten besucht, unterirdische Höhlen mit kristallklarem Wasser. Das war ein unvergessliches Erlebnis.

Kulinarische Entdeckungen

Die mexikanische Küche ist unglaublich vielfältig und lecker. Ich habe mich durch die verschiedenen Taquerias und Restaurants probiert und viele neue Geschmacksrichtungen entdeckt. Besonders gut hat mir die Cochinita Pibil geschmeckt, ein langsam gegartes Schweinefleisch, das unglaublich zart und aromatisch ist. Auch die Sopa de Lima, eine saure Limonensuppe, war ein Genuss. Ich habe mir von einem Koch ein paar Tipps und Tricks gezeigt bekommen, wie ich die Gerichte zu Hause zubereiten kann.

Empfehlungen für Reisende

Wenn ich einen Tipp für Reisende hätte, dann wäre es, sich nicht nur auf die touristischen Hotspots zu konzentrieren. Verlasst die Quinta Avenida, erkundet die Seitenstraßen, besucht den lokalen Markt und sprecht mit den Menschen. So bekommt ihr ein viel authentischeres Bild von Playa del Carmen. Mietet euch ein Fahrrad oder einen Roller und erkundet die Umgebung. Es gibt viele versteckte Strände und Cenoten zu entdecken. Und vergesst nicht, die mexikanische Küche zu genießen.

Playa del Carmen hat mich positiv überrascht. Es ist eine lebendige, farbenfrohe Stadt mit einer reichen Kultur und freundlichen Menschen. Ich werde diesen Ort in guter Erinnerung behalten und hoffe, dass ich eines Tages wiederkommen kann.

    • Ruinen von Tulum
    • Cenoten in der Umgebung
    • Strände von Playa del Carmen (allerdings oft überfüllt)
    • Lokaler Markt (für authentische Einblicke in die Kultur)
    • El Centro (das Viertel mit dem lokalen Flair)
👤 Motorradfahrer (45) der auf zwei Rädern die Welt erkundet ✍️ sachlich und analytisch