Europa - Spanien - Gran Canaria

Salz auf der Haut, Stille im Herzen

Der Geruch von Salz und etwas undefinierbar Süßem kitzelte in meiner Nase, während ich aus dem Bus stieg. Es war dieser Geruch, der mir sofort sagte: Ja, hier bin ich richtig. Gran Canaria. Die Luft war warm, aber nicht drückend, eher wie eine sanfte Umarmung. Um mich herum das bunte Treiben am Busbahnhof in Las Palmas – ein Mix aus Einheimischen, Touristen, dem lauten Gackern von Hühnern (wo kamen die denn her?) und dem ständigen Hupen der kleinen, bunten Busse.

Ein bisschen Hintergrund

Ich bin Lisa, gerade 22 geworden und – naja, sagen wir mal, ich befinde mich in einer Lebensphase, in der ich viel Zeit habe und wenig Geld. Klingt erstmal nicht ideal, aber ich sehe das anders. Nach meinem Bachelor in Psychologie hatte ich einfach das Bedürfnis, rauszukommen, mich zu verlieren und mich selbst wiederzufinden. Nicht im klassischen Sinne von “Ich mache eine Weltreise, um mich selbst zu finden”, sondern eher so…im kleinen Rahmen. Europa ist groß genug. Und Spanien…Spanien hat mich schon immer irgendwie angezogen. Diese Mischung aus Lebensfreude, Melancholie und diesem ganz besonderen Licht. Ich hatte mir ein Budget von – sagen wir mal – sehr wenig gesetzt. Das bedeutete: Hostels, Couchsurfing, günstige Flüge und viel zu Fuß unterwegs sein. Keine luxuriösen Hotels oder teuren Restaurants. Dafür aber echtes Leben, echte Begegnungen und die Freiheit, einfach zu sein.

Der erste Eindruck

Las Palmas wirkte anders, als ich es erwartet hatte. Ich hatte mir irgendwie eine typische Touristenhochburg vorgestellt, aber es war viel lebendiger, authentischer. Eine Mischung aus alten, verfallenen Häusern und modernen Gebäuden, kleinen Gassen und breiten Boulevards. Überall hingen Wäscheleinen zwischen den Häusern, und aus den offenen Fenstern drang Musik. Es roch nach frisch gebackenem Brot und starkem Kaffee. Ich hatte ein kleines Hostel in der Altstadt gebucht, und der Weg dorthin führte mich durch ein Labyrinth aus Gassen. Überall kleine Werkstätten, Obststände und winzige Cafés. Ich blieb oft stehen, um die Leute zu beobachten, ihre Gespräche aufzuschnappen, ihre Gesichter zu studieren. Es war faszinierend.

Achtsamkeit im Alltag

Ich versuchte, jeden Moment bewusst wahrzunehmen. Die Wärme der Sonne auf meiner Haut, den Geschmack des starken Kaffees, das Lachen der Kinder, die auf der Straße spielten. Es war eine bewusste Entscheidung, mich zu verlangsamen, den gegenwärtigen Moment zu genießen und mich nicht von meinen Gedanken mitreißen zu lassen. Ich hatte mit Achtsamkeitsübungen angefangen, bevor ich überhaupt an die Reise gedacht hatte. Es ging mir nicht darum, perfekt zu sein oder alle meine Probleme zu lösen, sondern einfach darum, präsenter im Leben zu sein. Und es funktionierte. Ich fühlte mich ruhiger, ausgeglichener und zufriedener.

Der Strand und die erste Meditation

Schließlich erreichte ich das Hostel, checkte ein und machte mich direkt auf den Weg zum Strand. Ich brauchte das Meer. Das Rauschen der Wellen, der Geruch von Salz, das Gefühl des Sandes unter meinen Füßen – all das beruhigte mich sofort. Ich setzte mich in den warmen Sand, schloss die Augen und begann zu meditieren. Es war nicht einfach. Der Wind wehte, es gab Lärm von Touristen und Möwen, und meine Gedanken sprangen von einem zum anderen. Aber ich versuchte, mich auf meinen Atem zu konzentrieren, die Geräusche und Empfindungen einfach vorbeiziehen zu lassen. Nach einer Weile gelang es mir, in einen Zustand der Ruhe und Gelassenheit einzutauchen. Ich fühlte mich mit dem Meer, dem Himmel und der Erde verbunden. Es war ein wunderschönes Gefühl. Ich wusste, dass diese Reise nicht nur eine Möglichkeit war, dem Alltag zu entfliehen, sondern auch eine Chance, mich selbst besser kennenzulernen und meine innere Ruhe zu finden. Und mit diesem Gefühl im Herzen begann ich, mich auf die kommenden Tage und Abenteuer einzulassen, bereit, die Insel und mich selbst zu erkunden.

Vegueta – Ein Hauch von Geschichte

Am nächsten Morgen erkundete ich Vegueta, die älteste Stadt von Las Palmas. Ich hatte online gelesen, dass es dort viele historische Gebäude und kleine, verwinkelte Gassen gibt. Und es stimmte. Ich verirrte mich sofort, aber das war ja auch der Sinn der Sache. Ich schlenderte an der Catedral de Santa Ana vorbei, einem beeindruckenden Bau aus Sandstein. Im Inneren war es kühl und still, ein Kontrast zum geschäftigen Treiben draußen. Ich saß eine Weile auf einer Bank und beobachtete die Leute, die an mir vorbeigingen. Viele Einheimische, aber auch Touristen, die die Kirche besuchten. Dann entdeckte ich das Casa de Colón, ein Museum, das an Christoph Kolumbus erinnert. Ich bin normalerweise nicht so der Museumstyp, aber dieses hier war anders. Es war nicht einfach nur eine Sammlung von alten Gegenständen, sondern eine interaktive Ausstellung, die die Geschichte der Kanarischen Inseln und die Rolle, die sie bei den Entdeckungsreisen spielten, lebendig werden ließ. Ich verbrachte Stunden dort und lernte eine Menge über die komplexe Geschichte dieser Inseln.

Ein kleines Missgeschick auf dem Markt

Am Nachmittag wagte ich mich auf den Mercado de Vegueta, den lokalen Markt. Es war ein lebhafter Ort voller Farben, Gerüche und Geräusche. Überall frisches Obst, Gemüse, Käse, Fisch und Fleisch. Ich wollte mir ein paar lokale Köstlichkeiten kaufen und ein Picknick am Strand machen. Ich hatte mich für eine Art Käse entschieden, der unglaublich gut roch, und wollte gerade bezahlen, als mir mein Geldbeutel aus der Hand glitt. Er landete direkt in einem Eimer mit Oliven. Ein Moment der Panik, dann brach jeder in Gelächter aus, inklusive mir. Der Markthändler half mir, den Geldbeutel herauszufischen, und wir konnten gemeinsam darüber lachen. Es war eine kleine Pannen, aber es zeigte mir, dass es okay ist, Fehler zu machen und über sich selbst zu lachen.

Puerto de la Luz – Das Meer ruft

Einen Tag später wanderte ich zum Puerto de la Luz, dem Hafen von Las Palmas. Es war ein beeindruckender Anblick. Riesige Containerschiffe, Fischerboote, Yachten – ein ständiges Kommen und Gehen. Ich setzte mich auf eine Mauer und beobachtete das Treiben. Es roch nach Salz, Diesel und Meer. Ich entdeckte eine kleine Strandbar und bestellte mir einen frisch gepressten Orangensaft. Ich saß dort eine Weile und genoss die Sonne, das Rauschen des Wassers und die entspannte Atmosphäre. Es war ein perfekter Moment. Ich lernte einen alten Fischer kennen, der mir von seinem Leben auf See erzählte. Er hatte sein ganzes Leben auf den Kanarischen Inseln verbracht und kannte jede Bucht und jeden Felsen. Er erzählte mir Geschichten über Stürme, Begegnungen mit Walen und Delfinen und die Schönheit des Ozeans. Es war faszinierend.

Der rote Felsen und die Suche nach Ruhe

Eines Abends, inspiriert von den Erzählungen des Fischers, beschloss ich, den Roque Nublo zu besuchen, einen beeindruckenden Felsen im Inselinneren. Der Weg dorthin war anstrengend, aber die Aussicht war atemberaubend. Ich saß auf dem Felsen und blickte über die Insel. Es war still und friedlich. Ich fühlte mich klein und unbedeutend, aber auch verbunden mit der Natur. Es war ein Moment der Reflexion. Ich dachte über mein Leben, meine Ziele und meine Träume nach. Ich erkannte, dass ich nicht alles kontrollieren kann, aber dass ich meine eigenen Entscheidungen treffen kann. Ich beschloss, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die mir wichtig sind, und meinen eigenen Weg zu gehen. Und mit diesem Gefühl der inneren Klarheit kehrte ich zurück zur Küste, bereit, die letzten Tage meiner Reise in vollen Zügen zu genießen und mich gleichzeitig auf das Fazit meiner Reise vorzubereiten.

Die letzten Tage auf Gran Canaria vergingen wie im Flug. Ich hatte gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen, die Schönheit der Natur zu erkennen und die Stille in mir selbst zu finden. Ich hatte mich von dem Druck befreit, etwas sehen oder erreichen zu müssen, und mich einfach treiben lassen. Das war befreiend.

Letzte Eindrücke und Reflexionen

Ich wanderte noch einmal durch Vegueta, die Altstadt, und genoss die Atmosphäre. Ich saß in einem kleinen Café und beobachtete das Treiben. Die Menschen waren freundlich und offen, und ich fühlte mich willkommen. Ich aß ein Bocadillo, ein typisches spanisches Sandwich, und trank einen starken Kaffee. Es war perfekt.

Ich verbrachte einige Stunden am Strand, las ein Buch und beobachtete die Wellen. Ich fühlte mich eins mit dem Meer und dem Himmel. Ich meditierte und versuchte, die Ruhe und Gelassenheit, die ich gefunden hatte, in mir zu verankern. Es war eine tiefe und transformative Erfahrung.

Die Suche nach Authentizität

Gran Canaria hatte mir gezeigt, dass es nicht darum geht, luxuriöse Hotels oder teure Restaurants zu besuchen, um ein erfülltes Leben zu führen. Es geht darum, authentisch zu sein, die kleinen Dinge zu schätzen und sich mit der Natur zu verbinden. Es geht darum, im gegenwärtigen Moment zu leben und dankbar für das zu sein, was man hat.

Ich hatte viele inspirierende Menschen getroffen, die ihren eigenen Weg gingen und ihre Träume verfolgten. Sie hatten mir gezeigt, dass es möglich ist, ein erfülltes Leben zu führen, auch wenn man wenig Geld hat. Ich hatte gelernt, dass wahre Freiheit darin besteht, unabhängig von äußeren Umständen zu sein und sich selbst treu zu bleiben.

Ein Abschied auf dem Roque Nublo

Am letzten Abend fuhr ich noch einmal zum Roque Nublo, dem Felsen im Inselinneren. Ich wollte mich von dieser magischen Insel verabschieden. Ich saß auf dem Felsen und blickte über die Insel. Die Sonne ging unter, und der Himmel leuchtete in allen Farben. Es war ein atemberaubender Anblick.

Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit für all die Erfahrungen, die ich auf Gran Canaria gemacht hatte. Ich hatte mich selbst besser kennengelernt, meine innere Ruhe gefunden und gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Ich wusste, dass diese Reise mich für immer verändern würde.

Empfehlungen für andere Reisende

Wenn du auf der Suche nach einem Ort bist, um dem Alltag zu entfliehen und dich selbst wiederzufinden, dann kann ich dir Gran Canaria nur empfehlen. Es ist eine magische Insel, die dich mit ihrer Schönheit und ihrer Energie verzaubern wird.

Vergiss die Touristenorte und suche nach der Authentizität. Sprich mit den Einheimischen, entdecke die kleinen Gassen und genieße die Schönheit der Natur. Nimm dir Zeit, um zu meditieren, zu lesen und zu schreiben. Und vergiss nicht, dankbar für das zu sein, was du hast.

    • Vegueta – Die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und der Kathedrale.
    • Roque Nublo – Ein beeindruckender Felsen im Inselinneren mit atemberaubender Aussicht.
    • Playa de las Canteras – Der lange Sandstrand in Las Palmas, ideal zum Sonnenbaden und Schwimmen.
    • Casa de Colón – Das Museum, das an Christoph Kolumbus erinnert und die Geschichte der Kanarischen Inseln lebendig werden lässt.
    • Las Palmas – Die lebendige Hauptstadt mit ihren vielen kleinen Cafés und Geschäften.
👤 Backpackerin Anfang 20 mit sehr kleinem Budget ✍️ spirituell und achtsam