Licht und Schatten an der Côte d'Azur
Ankunft in Cannes
Ich hatte mich für den Bus entschieden, weil ich so direkter im Geschehen war. Der Zug wäre schneller gewesen, aber ich wollte die Landschaft sehen, die kleinen Dörfer und die Art, wie das Licht auf den Weinbergen spielte. Es war eine bewusste Entscheidung, langsamer zu reisen, um wirklich in die Atmosphäre einzutauchen. In den letzten Jahren hatte ich mich fast ausschließlich auf Tierwelt konzentriert. Bären in den Karpaten, Luchse in den Alpen, die scheuen Gemsen im Nationalpark Hohe Tauern – ich hatte versucht, die Verletzlichkeit und Schönheit dieser Tiere festzuhalten. Aber irgendwann spürte ich das Bedürfnis nach einer Veränderung. Nach Menschen, nach Städten, nach etwas anderem als unberührter Natur.Ein neues Projekt
Dieses Projekt hier, Cannes und die Côte d'Azur, war anders gedacht. Es sollte nicht nur um die Landschaft gehen, sondern um das Licht, die Farben, die Atmosphäre. Und um die Menschen, die hier leben und arbeiten. Ich hatte mir vorgenommen, das alltägliche Leben einzufangen, die kleinen Momente, die oft übersehen werden. Den Fischer, der sein Netz repariert, die ältere Dame, die auf einer Bank sitzt und Zeitung liest, die Kinder, die am Strand spielen. Ich schulterte meinen Rucksack und ging langsam die Promenade entlang. Es war noch nicht Hochsaison, aber es waren bereits einige Touristen unterwegs. Die meisten schienen die typischen Sehenswürdigkeiten anzusteuern, die Luxusboutiquen und das Palais des Festivals. Ich wollte mich davon fernhalten. Ich suchte nach dem authentischen Cannes, nach dem Leben abseits der glitzernden Fassade.Erste Beobachtungen
Die Architektur war interessant. Viele Gebäude im Belle-Époque-Stil, mit verschnörkelten Fassaden und kleinen Balkonen. Aber es gab auch moderne Bauten, die sich irgendwie in das Gesamtbild einfügten. Es war ein Mix aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne. Ich blieb vor einer kleinen Bäckerei stehen und kaufte mir ein Croissant. Es war noch warm und schmeckte köstlich. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Treiben. Ein Mann ging mit seinem Hund spazieren, eine Frau schob einen Kinderwagen, ein paar Jugendliche redeten und lachten. Es war ein ganz normaler Tag in einer Küstenstadt. Und genau das wollte ich festhalten. Die Luft war erfüllt vom Duft von Meerwasser, Sonnencreme und frisch gebackenem Brot. Es war eine Mischung, die mich sofort an Urlaub erinnerte, aber es war mehr als das. Es war ein Geruch, der eine bestimmte Lebensart verkörperte, eine Mischung aus Entspannung, Genuss und Sorglosigkeit. Ich spürte, wie meine Schultern lockerer wurden und ich mich langsam in die Atmosphäre einlehnte. Ich hatte mir ein kleines Hotel in einer Seitenstraße gemietet, abseits des Trubels. Es war einfach, aber sauber und gemütlich. Der Vermieter, ein freundlicher Mann namens Jean-Pierre, begrüßte mich mit einem Glas Wein und erzählte mir ein wenig über die Stadt. Er meinte, Cannes sei mehr als nur Glamour und Luxus. Es sei eine Stadt mit Geschichte und Tradition, mit einer starken Identität und einer lebendigen Kultur. Er empfahl mir, den Markt zu besuchen, die Altstadt zu erkunden und die kleinen Buchten zu entdecken. Ich nahm seine Ratschläge gerne an. Es war klar, dass dieser Ort mehr zu bieten hatte, als auf den ersten Blick erkennbar war, und ich begann, die ersten Ideen für meine Aufnahmen zu entwickeln. Ich wollte nicht nur schöne Bilder machen, sondern Geschichten erzählen, die Seele dieses Ortes einfangen.Der Markt Forville und die Altstadt
Am nächsten Morgen ging ich früh zum Markt Forville. Jean-Pierre hatte ihn mir wärmstens empfohlen und gesagt, dass ich dort das wahre Gesicht von Cannes kennenlernen würde. Er hatte Recht. Es war ein lebendiger, bunter Ort, voller Gerüche und Geschmäcker. Fischer, die ihren Fang des Tages anboten, Bauern, die frisches Obst und Gemüse verkauften, Händler, die Käse, Wurst und Oliven anpriesen. Die Menschen schrien, feilschten, lachten. Es war ein Chaos, aber ein angenehmes. Ich fotografierte die Gesichter der Händler, die Hände, die das Obst sortierten, die Augen, die nach dem besten Stück Käse suchten. Ich versuchte, die Energie dieses Ortes einzufangen, die Authentizität, die Ehrlichkeit. Ich kaufte mir ein paar Tomaten, eine Baguette und einen Stück Käse und setzte mich auf eine Bank, um zu frühstücken. Es war einfach, aber lecker. Ich beobachtete die Menschen und versuchte, ihre Geschichten zu erahnen. Der alte Mann, der jeden Morgen zum Markt kam, um sich eine Zeitung und einen Kaffee zu holen. Die junge Mutter, die für ihre Kinder einkaufte. Der Tourist, der versuchte, sich mit dem französischen Vokabular zu verständigen. Jeder hatte seine eigene Geschichte, seine eigenen Sorgen, seine eigenen Hoffnungen.Verlaufen in den Gassen
Nach dem Markt erkundete ich die Altstadt, Le Suquet. Es war ein Labyrinth aus engen Gassen, steilen Treppen und alten Häusern. Ich verirrte mich schnell, aber das war kein Problem. Ich liebte es, einfach umherzuwandern und die Atmosphäre aufzusaugen. Die Häuser waren eng aneinandergereiht, die Fassaden bunt bemalt, die Fenster mit Blumen geschmückt. Überall hingen Wäscheleinen, von denen der Duft von frisch gewaschener Kleidung in der Luft lag. Ich entdeckte kleine Läden, in denen Kunsthandwerk verkauft wurde, kleine Cafés, in denen man einen Kaffee trinken konnte, kleine Restaurants, in denen man lokale Spezialitäten probieren konnte. Ich blieb vor einem kleinen Antiquitätengeschäft stehen und betrachtete die alten Fotos, die vergilbten Briefe, die rostigen Spielzeuge. Es war, als ob die Zeit hier stillgestanden hätte. Ich wollte gerade eine besonders enge Gasse fotografieren, als ich stolperte und fast hinfiel. Ein älterer Mann fing mich auf. Er lachte und sagte etwas auf Französisch, das ich nicht verstand. Ich bedankte mich und wir unterhielten uns ein paar Minuten. Er erzählte mir, dass er schon sein ganzes Leben in Cannes gelebt hatte und dass er die Veränderungen der Stadt miterlebt hatte. Er war stolz auf seine Heimat, aber er sorgte sich auch um die Zukunft. Er meinte, der Tourismus habe die Stadt verändert und dass die ursprüngliche Atmosphäre verloren gegangen sei.Das Hafenviertel und die Boote
Am Nachmittag ging ich zum Hafen. Dort lagen unzählige Boote vor Anker, von kleinen Fischerbooten bis hin zu luxuriösen Yachten. Die Sonne spiegelte sich auf dem Wasser und schuf ein faszinierendes Farbenspiel. Ich beobachtete die Fischer, die ihre Netze reparierten, die Segler, die sich auf ihren nächsten Törn vorbereiteten, die Touristen, die die Boote bestaunten. Ich fotografierte die Boote aus verschiedenen Perspektiven, versuchte, ihre Schönheit und Eleganz einzufangen. Ich fotografierte die Details, die Seile, die Segel, die Anker. Ich fotografierte die Menschen, die auf den Booten arbeiteten oder sich entspannten. Ich versuchte, die Atmosphäre dieses Ortes einzufangen, die Freiheit, die Abenteuerlust, die Entspannung. Während ich fotografierte, bemerkte ich, dass ich meine Lieblingslinse verloren hatte. Ich suchte überall, aber ich konnte sie nicht finden. Ich war frustriert und enttäuscht. Es war eine teure Linse und ich brauchte sie für meine Arbeit. Ich beschloss, am nächsten Tag wiederzukommen und die Gegend noch einmal abzusuchen. Es war ein Zeichen dafür, dass es hier noch mehr zu entdecken und zu dokumentieren gab, und dass meine Reise noch lange nicht zu Ende war.Ich saß am nächsten Morgen in einem kleinen Café und trank einen Café au Lait. Die Sonne schien bereits hell, aber es wehte ein leichter Wind vom Meer, der die Hitze etwas erträglicher machte. Ich überlegte, wie ich meine verloren gegangene Linse ersetzen sollte, und wie ich meine Arbeit fortsetzen konnte. Aber ich wusste auch, dass ich mir keine Sorgen machen sollte. Cannes war ein Ort, der einem immer wieder neue Möglichkeiten bot.
Die Suche nach der verlorenen Linse
Ich ging zurück zum Hafen und fragte die Fischer, ob sie meine Linse gesehen hatten. Die meisten schüttelten den Kopf, aber ein älterer Mann erinnerte sich an einen schwarzen Gegenstand, der am Vortag ins Wasser gefallen war. Er meinte, er habe ihn mit einem Haken aus dem Wasser gefischt, aber er habe ihn für einen Müll gehalten und weggeworfen. Ich war enttäuscht, aber ich konnte nichts dagegen tun. Ich beschloss, mir eine neue Linse zu kaufen und meine Arbeit fortzusetzen.
Ein Tag in der Altstadt
Ich verbrachte den Rest des Tages damit, die Altstadt zu erkunden. Ich wanderte durch die engen Gassen, besuchte die kleinen Läden und Cafés und beobachtete die Menschen. Ich fotografierte die alten Häuser, die bunten Fensterläden und die blühenden Blumen. Ich versuchte, die Atmosphäre dieses Ortes einzufangen, die Ruhe, die Schönheit, die Authentizität.
Das Licht der Côte d'Azur
Was mich an Cannes am meisten beeindruckte, war das Licht. Es war anders als alles, was ich zuvor gesehen hatte. Es war warm, golden und intensiv. Es schien alles zu verzaubern, die Häuser, die Boote, die Menschen. Ich verbrachte Stunden damit, das Licht zu studieren, seine Nuancen, seine Veränderungen, seine Magie. Ich versuchte, es in meinen Fotos festzuhalten, seine Wärme, seine Schönheit, seine Intensität.
Rückblick und Empfehlungen
Als ich mich von Cannes verabschiedete, fühlte ich mich erfüllt und inspiriert. Ich hatte viele schöne Fotos gemacht, aber ich hatte auch viel gelernt. Ich hatte gelernt, dass man nicht immer alles kontrollieren kann, dass man manchmal einfach loslassen und dem Fluss des Lebens folgen muss. Ich hatte gelernt, dass man auch in den kleinsten Dingen Schönheit und Inspiration finden kann, wenn man nur genau hinsieht.
Cannes ist ein Ort, der einem etwas zu bieten hat, egal was man sucht. Es ist ein Ort für Luxus und Glamour, aber auch für Ruhe und Authentizität. Es ist ein Ort für Kunst und Kultur, aber auch für Natur und Entspannung. Ich kann jedem empfehlen, Cannes zu besuchen, wenn er die Gelegenheit dazu hat.
Ich würde sagen, dass die Altstadt Le Suquet ein absolutes Muss ist. Die engen Gassen, die alten Häuser, die kleinen Läden und Cafés sind einfach bezaubernd. Man kann stundenlang umherwandern und die Atmosphäre genießen. Außerdem ist der Blick vom Turm der Kirche Notre-Dame de l'Espérance atemberaubend.
Der Markt Forville ist ein weiterer Ort, den man unbedingt besuchen sollte. Hier kann man frisches Obst, Gemüse, Käse und andere lokale Produkte kaufen. Es ist ein lebendiger und bunter Ort, an dem man das authentische Cannes erleben kann.
Und natürlich sollte man einen Spaziergang entlang der Promenade des Anglais machen. Hier kann man das Meer bewundern, die Sonne genießen und das Treiben beobachten. Es ist der perfekte Ort, um sich zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen.
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- Le Suquet (Altstadt)
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- Plages de la Croisette (Strände an der Croisette)
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- Musée de la Castre (Museum in der Altstadt)
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- Marché Forville (Markt)