Nordamerika - Aruba - Oranjestad

Karibikfieber auf zwei Rädern

Der warme, salzige Wind peitschte mir ins Gesicht, als ich den Helm abnahm. Irgendwo zwischen den Palmen und den bunten Häusern von Oranjestad dröhnte Reggae-Musik. Kein Hochglanzprospekt-Karibik-Feeling, eher ein authentisches, leicht chaotisches Leben. Ich hatte es geschafft. Aruba.

Ein langer Weg und ein verregneter Abschied

Die letzten Wochen waren eine ziemliche Herausforderung gewesen. Los ging’s in Seattle, dann runter die Westküste, quer durch die USA, ein kurzer Abstecher nach Mexiko und dann der lange Sprung über den Atlantik. Die Maschine, meine treue BMW R1250GS, hatte jede Meile geschluckt. Aber der Abschied von den USA war alles andere als trocken gewesen. Dauerregen in Florida, der mich fast vom Bike gefegt hätte. Ich hatte mich gefühlt, als würde der Kontinent mich nicht gehen lassen wollen.

Warum Aruba? Eine spontane Entscheidung

Ehrlich gesagt, Aruba stand gar nicht auf meiner ursprünglichen Route. Ich hatte eher Südamerika im Blick. Aber ein Gespräch mit einem alten Biker in New Orleans hatte alles verändert. Er hatte mir von Aruba erzählt, von den endlosen Stränden, den trockenen Landschaften und der entspannten Atmosphäre. „Kopf frei kriegen“, hatte er gesagt. Und genau das brauchte ich. Nach Monaten des rastlosen Fahrens, der Planung und der Organisation.

Oranjestad: Mehr als nur bunte Fassaden

Oranjestad empfing mich mit einer Mischung aus holländischem Kolonialstil und karibischer Lebensfreude. Überall bunte Häuser, kleine Geschäfte und Restaurants. Aber es war mehr als nur eine Postkartenkulisse. Man spürte eine gewisse Energie, eine Mischung aus Tradition und Moderne. Ich parkte das Bike in der Nähe des Hafens, ein bisschen skeptisch, ob es hier sicher stand. Aber bis jetzt alles gut.

Die Luft war feucht und schwer, voller Gerüche von exotischen Früchten, Meeresfrüchten und Dieselabgasen. Ich ging ein paar Schritte durch die Stadt, vorbei an kleinen Cafés und Werkstätten. Überall lächelnde Gesichter. Ein älterer Mann spielte auf einer Mundharmonika, ein melancholisches Lied, das mich sofort in seinen Bann zog. Es war anders, als alles, was ich bisher auf meiner Reise erlebt hatte.

Ich hatte mir ein kleines Hotel in der Nähe des Strandes gebucht, ein unscheinbarer Bau mit ein paar Zimmern und einer kleinen Terrasse. Der Besitzer, ein freundlicher Mann namens Ricardo, begrüßte mich mit einem breiten Lächeln und einem Glas eiskalten Fruchtsaft. „Willkommen auf Aruba“, sagte er. „Genieße die Sonne und den Wind.“

Ich ließ mich auf der Terrasse nieder und blickte aufs Meer. Türkisblaues Wasser, weiße Sandstrände und Palmen, die sich im Wind wiegten. Es war ein Paradies. Ich spürte, wie die Anspannung der letzten Wochen von mir abfiel. Ich war angekommen. Endlich Zeit, durchzuatmen und die Seele baumeln zu lassen.

Die ersten Stunden verbrachte ich damit, einfach nur zu beobachten. Das Treiben auf den Straßen, die Fischer, die ihre Netze auslegten, die Touristen, die am Strand sonnten. Ich war Teil dieser Welt, aber gleichzeitig auch nur ein Beobachter. Ein Fremder in einem fremden Land.

Abends ging ich in ein kleines Restaurant am Hafen und bestellte gegrillten Fisch mit Reis und Bohnen. Es schmeckte fantastisch. Ich saß dort, beobachtete die Boote, die in den Hafen ein- und ausliefen, und lauschte den Gesprächen der Einheimischen. Ich fühlte mich wohl. Geborgen. Frei.

Ich wusste, dass diese Reise noch viele Abenteuer bereithalten würde. Aber im Moment war ich einfach nur dankbar, hier zu sein. Auf Aruba. In diesem kleinen Stück Paradies.

Die kommenden Tage wollte ich die Insel mit dem Motorrad erkunden. Die raue Nordküste, die versteckten Buchten, die trockenen Landschaften im Inland. Ich freute mich darauf, die Schönheit und Vielfalt Arubas zu entdecken. Aber bevor es losging, wollte ich noch ein paar Stunden am Strand verbringen, die Sonne genießen und einfach nur entspannen. Denn manchmal braucht man eben eine Pause vom Fahren, um neue Energie zu tanken und die Seele baumeln zu lassen. Und Aruba schien der perfekte Ort dafür zu sein.

Doch das Meer flüsterte schon Geschichten von verborgenen Pfaden und unentdeckten Ecken, und ich spürte, dass die eigentliche Reise erst jetzt begann – die Erkundung dieser faszinierenden Insel auf zwei Rädern.

Die Nordküste: Wind, Wellen und verlassene Minen

Am nächsten Morgen sattelte ich die BMW und machte mich auf den Weg. Ich hatte mir vorgenommen, die Nordküste zu erkunden. Abseits der Postkartenstrände sollte es hier wilder zugehen. Und das tat es auch. Der Wind peitschte mir den Staub ins Gesicht, während ich auf der Küstenstraße entlangfuhr. Die Wellen schlugen mit voller Wucht an die Felsen, und der Himmel war bedeckt von dunklen Wolken. Ein beeindruckendes Naturschauspiel.

California Lighthouse und die Suche nach Ruhe

Mein erstes Ziel war der California Lighthouse. Ein weißer Leuchtturm, der hoch oben auf einem Hügel thront und einen atemberaubenden Blick auf die Küste bietet. Der Weg dorthin war kurvig und steil, aber die Aussicht war jede Anstrengung wert. Ich parkte das Bike und wanderte ein Stück am Strand entlang. Fast niemand hier. Nur ein paar Surfer, die sich den hohen Wellen stellten. Ich brauchte diese Ruhe. Einfach nur das Rauschen des Meeres, den Wind in den Haaren und die Sonne auf der Haut.

Die Ruinen von Bushiribana: Ein Hauch von Geschichte

Weiter ging es zu den Ruinen von Bushiribana. Eine verlassene Goldmine, die im 19. Jahrhundert in Betrieb war. Die alten Mauern und Fundamente zeugen von einer bewegten Vergangenheit. Ich stellte das Bike ab und wanderte zwischen den Ruinen umher. Es war ein unheimlicher Ort, aber auch faszinierend. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie das Leben hier vor hundert Jahren ausgesehen haben muss. Harte Arbeit, Entbehrungen und die Hoffnung auf Reichtum.

Plötzlich spürte ich einen leichten Druck im Hinterreifen. Mist! Ein kleines Loch. Ich hatte zwar ein Reparaturset dabei, aber die Hitze und der Wind machten die Arbeit alles andere als einfach. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich das Loch geflickt und den Reifen wieder aufgepumpt. Puh! Eine kleine Panne, aber sie hatte mich daran erinnert, dass man auf Reisen immer mit dem Unerwarteten rechnen muss.

Oranjestad bei Nacht: Reggae, Rum und Lebensfreude

Zurück in Oranjestad wollte ich das Nachtleben erkunden. Ich parkte das Bike in einer Seitenstraße und machte mich auf den Weg in die Innenstadt. Überall Reggae-Musik, leuchtende Farben und der Duft von karibischem Essen. Ich landete in einer kleinen Bar, in der ein Live-Band spielte. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich.

Ich bestellte einen Rum-Cocktail und beobachtete das Treiben um mich herum. Touristen und Einheimische tanzten und lachten. Ein älterer Mann spielte auf einer Trommel, und eine junge Frau sang mit voller Inbrunst. Ich fühlte mich wie ein Teil dieser Gemeinschaft. Ich spürte die Lebensfreude, die von dieser Insel ausging.

Später am Abend wanderte ich noch am Hafen entlang. Die Lichter der Schiffe funkelten im Wasser, und der Wind trug den Geruch von Salz und Meer. Ich blieb stehen und blickte auf das Meer hinaus. Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit für diese Reise. Für die Freiheit, die ich hatte, die Abenteuer, die ich erlebte, und die Menschen, die ich kennenlernte.

Die Insel hatte mich verzaubert. Mit ihrer Schönheit, ihrer Vielfalt und ihrer Lebensfreude. Ich wusste, dass ich diesen Ort nie vergessen würde. Und ich spürte, dass dies erst der Anfang einer langen und aufregenden Reise war – einer Reise, die mich noch viele unvergessliche Momente bescheren würde, bevor ich mich wieder auf den Weg machen würde, um neue Horizonte zu entdecken.

Die Tage auf Aruba vergingen wie im Flug. Ich hatte mir vorgenommen, die Insel intensiv zu erkunden, und das hatte ich auch getan. Kilometerweise habe ich die Küstenstraßen entlanggefahren, die rauen Landschaften im Inland durchquert und die kleinen, versteckten Buchten entdeckt. Aber es waren nicht nur die Landschaften, die mich beeindruckt hatten, sondern auch die Menschen. Ihre Lebensfreude, ihre Gastfreundschaft und ihre entspannte Art haben mich sofort in ihren Bann gezogen.

Ein letzter Blick auf die Nordküste

An meinem letzten Tag auf Aruba fuhr ich noch einmal zur Nordküste. Ich wollte noch einmal den Wind in den Haaren spüren, das Rauschen des Meeres hören und die Weite des Ozeans genießen. Ich hielt an einem kleinen Aussichtspunkt an und blickte auf die tosenden Wellen. Es war ein magischer Moment. Ich fühlte mich frei, unbeschwert und dankbar für diese unglaubliche Reise.

Oranjestad bei Nacht: Abschied und neue Pläne

Am Abend ging ich noch einmal in die Innenstadt von Oranjestad. Ich wollte noch einmal die Atmosphäre genießen, die Musik hören und die Menschen beobachten. Ich setzte mich in ein kleines Café und bestellte einen letzten Rum-Cocktail. Während ich dort saß, dachte ich über die letzten Tage nach. Ich hatte so viel erlebt, so viel gesehen und so viele neue Eindrücke gewonnen. Aruba hatte mich verzaubert, aber es war Zeit, weiterzuziehen.

Fazit: Mehr als nur ein Urlaubsparadies

Aruba ist mehr als nur ein Urlaubsparadies mit weißen Stränden und türkisblauem Wasser. Es ist ein Ort, der einen berührt, der einen inspiriert und der einen mit seiner Lebensfreude ansteckt. Die Insel hat eine einzigartige Atmosphäre, die man so schnell nicht vergisst. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier verbringen durfte, und ich werde diese Reise immer in meinem Herzen tragen.

Meine Tipps für deine Aruba-Reise

Wenn du planst, Aruba zu besuchen, habe ich ein paar Tipps für dich:

  • Miete dir ein Motorrad oder ein Auto. So bist du flexibel und kannst die Insel auf eigene Faust erkunden.
  • Besuche die Nordküste. Hier findest du eine raue und unberührte Landschaft, die einen starken Kontrast zu den belebten Stränden bietet.
  • Probiere die lokale Küche. Aruba hat eine vielfältige Küche, die von der karibischen, holländischen und lateinamerikanischen Küche beeinflusst ist.
  • Sei offen für neue Erfahrungen. Aruba ist ein Ort, der dich überraschen wird. Sei offen für neue Eindrücke und lass dich von der Lebensfreude der Insel anstecken.

Ich werde Aruba in guter Erinnerung behalten und ich hoffe, irgendwann wieder hierher zurückkehren zu können. Aber jetzt ruft die Straße wieder. Ich packe mein Motorrad und setze meine Reise fort. Wohin? Das weiß ich noch nicht. Aber das ist ja das Schöne am Reisen: Man lässt sich treiben und schaut, wohin der Wind einen trägt.

    • California Lighthouse
    • Oranjestad
    • Eagle Beach
    • Bushiribana
👤 Motorradfahrer (45) der auf zwei Rädern die Welt erkundet ✍️ spannend und abenteuerlich