Asien - Israel - Tel Aviv

Reisebericht Asien - Israel - Tel Aviv

Der Geruch von Salz, Sonnencreme und irgendwas undefinierbar Süßem hing in der Luft. Ich stand da, mit meinem viel zu schweren Rucksack, am Ausgang von Ben Gurion Airport. Die Hitze schlug mir entgegen, viel intensiver, als ich es aus Südostasien kannte. Direkt neben mir, ein älterer Mann, der unglaublich viele Plastiktüten mit Datteln schleppte und dabei laut auf Hebräisch ins Telefon schimpfte. Interessant.

Ankunft in einer anderen Welt

Ich hatte mir Israel ehrlich gesagt anders vorgestellt. Irgendwie… religiöser, vielleicht? Natürlich gab es Synagogen und Menschen mit Kippa, aber es war nicht so, als wäre ich in eine mittelalterliche Zeit zurückversetzt worden. Tel Aviv fühlte sich… modern an. Westlich. Fast schon zu westlich, wenn man bedenkt, wo ich herkam. Ich war jetzt seit knapp acht Monaten unterwegs. Angefangen hatte alles mit einem spontanen Flug nach Thailand, nachdem ich meinen Job gekündigt hatte. Eigentlich sollte es nur ein paar Wochen sein, eine kleine Auszeit. Aber dann dachte ich mir: Warum nicht einfach weitermachen? Das Geld, das ich gespart hatte, reichte für ein paar Monate, und ich fand es einfach toll, ständig neue Orte zu sehen, neue Leute kennenzulernen. Aber irgendwann wurde es auch anstrengend. Dieser ewige Wechsel, die ständige Suche nach dem nächsten Hostel, das nächste billige Essen. Und dann die Frage: Was mache ich eigentlich mit meinem Leben? Das Reisen war toll, aber es war auch irgendwie ein Aufschieben. Eine Art, mich vor dem "richtigen Leben" zu verstecken.

Warum Israel? Eine Suche nach… was eigentlich?

Israel war nicht unbedingt mein Traumziel. Ehrlich gesagt, es stand nicht mal auf meiner Liste. Aber dann habe ich angefangen, mich mit der Geschichte und Kultur auseinanderzusetzen. Und ich war neugierig. Ich wollte sehen, was hinter all den Schlagzeilen und politischen Konflikten steckt. Außerdem hatte ich von Freunden gehört, dass Tel Aviv ein großartiger Ort zum Surfen sein soll. Und ich, als ehemalige Wasserratte, konnte dem einfach nicht widerstehen. Auch wenn mein Surfbrett natürlich im Hostel lag und ich erstmal mit dem öffentlichen Nahverkehr klarkommen musste. Die Fahrt mit dem Zug ins Zentrum war… interessant. Überall hingen Wahlplakate. Auf Hebräisch und Arabisch. Und überall diese hochmodernen Gebäude, direkt neben alten, verfallenen Häusern. Ein seltsames Nebeneinander von Alt und Neu. Luxus und Armut.

Erste Eindrücke und ein komisches Gefühl

Ich checkte in ein Hostel im Florentin-Viertel ein. Ein bisschen dreckig, ein bisschen laut, aber irgendwie cool. Und vor allem: billig. Die anderen Reisenden waren eine bunte Mischung aus allen möglichen Ländern. Ein paar Israelis, die gerade ihren Wehrdienst beendet hatten, ein paar Deutsche, die auf der Suche nach dem heiligen Land waren, und ein paar Amerikaner, die einfach nur Party machen wollten. Das Florentin-Viertel selbst ist ein bisschen wie ein Kreuz zwischen Berlin-Kreuzberg und Bangkok. Streetart überall, kleine Cafés, coole Bars, und eine unglaublich entspannte Atmosphäre. Aber es gab auch etwas… Unbehagen. Eine unterschwellige Spannung. Ich konnte es nicht genau benennen, aber es fühlte sich an, als ob jederzeit etwas passieren könnte. Ich setzte mich in ein kleines Café und bestellte einen starken, schwarzen Kaffee. Der Kellner, ein junger Mann mit langen Haaren und einem Bart, unterhielt sich angeregt auf Hebräisch mit einem anderen Gast. Ich versuchte, mir ein paar Wörter zu merken, aber es war hoffnungslos. Diese Sprache war komplett neu für mich. Ich beobachtete die Leute auf der Straße. Viele junge Leute, die in Shorts und T-Shirts herumspazierten. Aber auch ältere Menschen, die traditionelle Kleidung trugen. Und immer wieder diese Soldaten mit ihren Waffen. Es war ein merkwürdiges Bild. Ich hatte das Gefühl, in einem Land angekommen zu sein, das voller Widersprüche ist. Ein Land, das sowohl unglaublich modern als auch unglaublich traditionell ist. Ein Land, das sowohl wunderschön als auch beängstigend ist. Ich wusste noch nicht, was die nächsten Wochen bringen würden. Aber ich war gespannt. Und ich war bereit, mich auf dieses Abenteuer einzulassen. Denn ich hatte das Gefühl, dass diese Reise mich nicht nur zu neuen Orten führen würde, sondern auch zu mir selbst. Ich würde lernen, diese Widersprüche zu verstehen und meine eigene Position in dieser komplexen Welt zu finden. Und vielleicht, nur vielleicht, würde ich auch herausfinden, was ich eigentlich vom Leben will.

Jaffa – Mehr als nur Postkartenmotive

Am nächsten Tag bin ich nach Jaffa, dem alten Hafenviertel. Natürlich total touristisch, aber trotzdem irgendwie faszinierend. Die engen Gassen, die alten Steinhäuser, der Blick aufs Meer… es war, als wäre ich in eine andere Zeit zurückversetzt worden. Ich bin durch die Gassen geschlendert, habe mir die alten Kirchen und Moscheen angesehen und versucht, die Atmosphäre aufzusaugen.

Aber auch hier gab es die Schattenseite. Überall diese Souvenirläden, die kitschige Postkarten und überteuerte Datteln verkauften. Und die Touristenmassen, die sich durch die Gassen drängten. Es war schwer, das authentische Jaffa hinter all dem Trubel zu entdecken.

Ich bin in ein kleines Café gegangen, das etwas abseits der Haupttouristenroute lag. Der Kellner war ein älterer Mann, der kaum Englisch sprach. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, und ich habe einen starken türkischen Kaffee und ein Stück Baklava bestellt. Es war unglaublich lecker, und ich habe die Ruhe und die Atmosphäre genossen.

Der Carmel Market – Ein Fest für die Sinne… und den Geldbeutel

Der Carmel Market in Tel Aviv ist ein absolutes Muss. Ein riesiger Markt, auf dem man alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Frisches Obst und Gemüse, Gewürze, Käse, Fleisch, Fisch, Kleidung, Schuhe, Schmuck… einfach alles. Es war ein einziges Chaos, ein lautes, buntes, duftendes Chaos.

Ich habe mich durch die Gänge geschoben, habe probiert und gerochen, habe gefeilscht und gelacht. Die Händler waren lautstark und aufdringlich, aber auch freundlich und humorvoll. Ich habe mir ein paar Granatäpfel, Datteln und eine Tüte frische Gewürze gekauft. Alles super günstig – zumindest, wenn man gut verhandeln kann.

Allerdings bin ich dann doch ein bisschen erschrocken, als ich gesehen habe, wie viel einige Touristen für ein paar Olivenölflaschen bezahlt haben. Da wurde ganz schön aufgerundet! Man muss wirklich aufpassen, nicht über den Tisch gezogen zu werden.

Pannenkuchen am Strand

Natürlich musste ich auch ans Meer. Ich bin zum Gordon Beach gegangen, einem der beliebtesten Strände in Tel Aviv. Ich wollte ein bisschen surfen, aber leider war das Wasser viel zu kalt. Und ich hatte vergessen, dass ich gar kein Surfbrett habe. Na toll.

Also habe ich mich einfach in die Sonne gelegt und das Treiben beobachtet. Überall junge Leute, die Volleyball spielten, sonnten oder ins Meer sprangen. Es war eine entspannte Atmosphäre, aber auch ein bisschen oberflächlich. Ich hatte das Gefühl, dass hier alle nur darauf aus sind, Spaß zu haben und sich zu präsentieren.

Auf dem Heimweg bin ich dann noch in ein kleines Falafel-Restaurant gegangen. Das Falafel war unglaublich lecker, aber leider habe ich mir dann doch den Magen verhauen. War wohl nicht alles ganz frisch.

Zwischen Tradition und Moderne

Was mir an Tel Aviv am meisten aufgefallen ist, ist der Kontrast zwischen Tradition und Moderne. Einerseits gibt es hier eine unglaublich liberale und weltoffene Atmosphäre. Man kann machen, was man will, und niemand schaut komisch. Andererseits spürt man immer wieder die Präsenz der Religion und die konservativen Werte.

Ich habe zum Beispiel gesehen, wie ultra-orthodoxe Juden in ihren traditionellen Kleidern durch die Straßen gegangen sind, während ein paar Meter weiter junge Leute in Mini-Shorts und Bikinis gesessen haben. Das war schon ein merkwürdiges Bild.

Ich glaube, Tel Aviv ist ein Spiegelbild von Israel selbst. Ein Land voller Widersprüche, voller Konflikte, aber auch voller Schönheit und Energie. Und ich bin froh, dass ich hier sein konnte, um all das zu erleben. Auch wenn ich mich nicht immer wohl gefühlt habe und auch ein paar negative Erfahrungen gemacht habe. Diese Reise hat mir jedenfalls wieder mal gezeigt, wie vielfältig und komplex die Welt ist und dass es nicht immer einfach ist, sich in ihr zurechtzufinden.

Die nächsten Tage würden zeigen, ob ich noch tiefer in diese Gegensätze eintauchen und die verborgenen Schichten dieses faszinierenden Landes entdecken würde, bevor ich mich auf den Weg zum nächsten Abenteuer machen würde.

Die Tage in Tel Aviv vergingen wie im Flug. Ich habe versucht, so viel wie möglich zu sehen und zu erleben, aber ich habe auch gelernt, mich zu entspannen und einfach nur das Leben zu genießen. Es war ein ständiges Auf und Ab zwischen Begeisterung und Frustration, zwischen Neugier und Ablehnung.

Mehr als nur Postkartenmotive

Ich bin immer wieder in das Florentin-Viertel zurückgekehrt. Es ist ein bisschen wie ein Magnet. Die Streetart, die kleinen Cafés, die entspannte Atmosphäre… es ist einfach ein cooler Ort. Aber es ist auch ein Ort, der mich nachdenklich macht. Ich habe oft beobachtet, wie junge Leute in ihren teuren Klamotten durch die Straßen gingen, während ein paar Meter weiter ältere Menschen auf der Straße bettelten. Dieser Kontrast ist krass und macht mich wütend.

Jenseits der Touristenpfade

Ich habe auch versucht, abseits der Touristenpfade zu wandern. Ich bin in einen kleinen Park gegangen, in dem sich hauptsächlich Einheimische aufhielten. Dort habe ich mich mit einem älteren Mann unterhalten, der mir viel über die Geschichte und Kultur Israels erzählt hat. Er war ein ehemaliger Soldat und hatte viele Geschichten zu erzählen. Aber er war auch sehr kritisch gegenüber der Politik seines Landes.

Die Herausforderung des Reisens mit kleinem Budget

Das Reisen mit kleinem Budget ist nicht immer einfach. Man muss oft Kompromisse eingehen und auf Luxus verzichten. Aber es hat auch seine Vorteile. Man lernt, die einfachen Dinge im Leben zu schätzen und kommt mit Menschen ins Gespräch, die man sonst nie kennengelernt hätte. Ich habe zum Beispiel in einem Hostel mit einem jungen Mann aus Syrien gewohnt. Er war auf der Flucht vor dem Krieg und hatte alles verloren. Aber er war trotzdem voller Hoffnung und Lebensfreude. Das hat mich sehr beeindruckt.

Was ich gelernt habe

Israel ist ein Land voller Widersprüche. Es ist ein Land, das sowohl wunderschön als auch beängstigend ist. Es ist ein Land, das sowohl modern als auch traditionell ist. Es ist ein Land, das sowohl liberal als auch konservativ ist. Und ich glaube, dass man nur dann wirklich etwas über dieses Land verstehen kann, wenn man bereit ist, sich mit all seinen Widersprüchen auseinanderzusetzen.

Ich bin nicht mit allen Meinungen und Werten einverstanden, die ich in Israel kennengelernt habe. Aber ich habe gelernt, die Perspektive anderer Menschen zu verstehen und ihre Geschichten zu respektieren. Und das ist etwas, das ich in meinem Leben immer wieder mitnehmen werde.

Ich bin froh, dass ich diese Reise gemacht habe. Es war eine Herausforderung, aber es war auch eine Bereicherung. Ich habe viel gelernt, viel gesehen und viel erlebt. Und ich bin dankbar für all die Menschen, die ich auf meinem Weg kennengelernt habe.

Bevor ich weiterreise, habe ich noch einen letzten Tipp für alle, die nach Tel Aviv kommen: Seid offen für neue Erfahrungen, seid bereit, euch mit den Widersprüchen des Landes auseinanderzusetzen und seid respektvoll gegenüber den Menschen und ihrer Kultur. Und vergesst nicht, das Falafel zu probieren!

    👤 Abenteuersuchender Alleinreisender (28), Fokus auf Extremsportarten und abgelegene Orte ✍️ spirituell und achtsam