Reisebericht Nordamerika - Mexiko - Mexiko-Stadt
Warum gerade Mexiko-Stadt?
Die Idee zu dieser Reise war eigentlich ganz spontan entstanden. Wir hatten uns in den letzten Jahren hauptsächlich auf Europa konzentriert, Italien, Frankreich, Spanien – alles wunderschön, klar, aber irgendwie auch schon ein bisschen durchgekaut. Wir wollten etwas Neues, etwas Echtes, etwas, das uns aus unserer Komfortzone lockt. Und dann stolperten wir in einer Dokumentation über die mexikanische Küche. Nicht nur die Tacos und Enchiladas, die wir alle kennen, sondern die unglaubliche Vielfalt, die Geschichte dahinter, die Zutaten, die Techniken… das war’s. Klaus hatte dann noch herausgefunden, dass Mexiko-Stadt ein wahres Kulturzentrum ist, mit Museen, Galerien, historischen Stätten… ein Paradies für uns beide, sozusagen.
Die erste Fahrt durch die Metropole
Der Verkehr war… intensiv. Sanft gesagt. Eine Mischung aus alten VW Käfern, modernen SUVs und Bussen, die aussahen, als hätten sie schon bessere Tage gesehen. Hupen waren allgegenwärtig, aber es war keine aggressive Huperei, sondern eher eine Art kommunikatives Instrument. “Ich bin hier!”, “Ich will jetzt links!”, “Achtung, ich komme!”. Unser Fahrer, ein freundlicher Mann namens Ricardo, navigierte geschickt durch den Chaos. Er erzählte uns, dass der Verkehr in Mexiko-Stadt wirklich berüchtigt ist und dass man oft stundenlang im Stau stehen kann. Aber er meinte auch, dass man sich irgendwann daran gewöhnt. Ich glaube, das braucht noch etwas Zeit.
Was uns sofort auffiel, war die Architektur. Eine wilde Mischung aus Kolonialstil, Art Déco und modernen Gebäuden. Überall bunte Fassaden, kunstvolle Details, kleine versteckte Innenhöfe. Es war, als würde die Stadt ihre Geschichte mit Stolz zur Schau stellen. Und dann die Gerüche! Nicht nur der Duft von Chilis, sondern auch der von frischem Obst, geröstetem Mais, süßen Backwaren. Es war eine olfaktorische Explosion, die uns sofort in ihren Bann zog.
Unser erstes kulinarisches Abenteuer
Ricardo hatte uns zu einem kleinen, unscheinbaren Restaurant geführt, das er als “das beste authentische mexikanische Essen der Stadt” bezeichnete. Es sah nicht gerade glamourös aus, eher wie ein Familienbetrieb, aber das war uns egal. Wir wollten ja gerade das Authentische erleben. Die Speisekarte war auf Spanisch, aber Ricardo übersetzte uns die wichtigsten Gerichte. Wir entschieden uns für Mole Poblano – eine komplexe Sauce aus Chilis, Schokolade, Nüssen und Gewürzen – und Tacos al Pastor – mariniertes Schweinefleisch, das an einem vertikalen Spieß gegrillt wird.
Es war unglaublich! Das Mole Poblano war reichhaltig, tiefgründig, mit einer subtilen Schärfe, die sich langsam auf der Zunge entfaltete. Und die Tacos al Pastor waren zart, saftig, mit einer perfekten Balance aus süß, salzig und würzig. Dazu gab es selbstgemachte Tortillas und eine erfrischende Agua de Jamaica – ein Getränk aus Hibiskusblüten. Wir waren im Himmel!
Während wir aßen, beobachteten wir die anderen Gäste. Familien, Geschäftsleute, Studenten, Touristen… eine bunte Mischung von Menschen, die alle das gleiche Ziel hatten: gutes Essen und gute Gesellschaft. Es war eine lebendige, fröhliche Atmosphäre, die uns sofort wohlfühlen ließ.
Die ersten Eindrücke waren überwältigend. Mexiko-Stadt ist eine Stadt der Gegensätze, eine Stadt der Energie, eine Stadt der Leidenschaft. Eine Stadt, die uns schon jetzt in ihren Bann gezogen hat. Und wir sind gespannt darauf, was die nächsten Tage noch bringen werden, denn ich spüre, dass wir hier noch so viel zu entdecken haben, vor allem kulinarisch.
Coyoacán: Kunst, Kaffee und ein bisschen Chaos
Am nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, Coyoacán zu erkunden, ein Viertel, das als das künstlerische Herz von Mexiko-Stadt gilt. Ricardo hatte uns dorthin gebracht, und ich muss sagen, es war ein Volltreffer. Die Straßen waren gepflastert, die Häuser bunt gestrichen, und überall hingen Blumenkästen. Es fühlte sich an, als wären wir in ein Postkartenmotiv geraten.
Wir schlenderten durch die Gassen, vorbei an kleinen Galerien, Kunsthandwerksläden und Cafés. Überall spielten Straßenmusiker, verkauften Künstler ihre Werke und saßen Leute draußen und plauderten. Es war eine entspannte, lebendige Atmosphäre, die uns sofort gefiel. Wir landeten in einem kleinen Café, das “Café Avellaneda” hieß, und bestellten uns einen Café de Olla – Kaffee, der mit Zimt und Piloncillo (roher Zuckerrohr) gekocht wird. Ein Gedicht! Klaus probierte einen “Churro con Chocolate” – ein frittiertes Gebäck, das in Schokolade getunkt wird – und war begeistert. Ich glaube, er hätte den ganzen Tag nur Churros essen können.
Unser Ziel in Coyoacán war das Frida-Kahlo-Museum, auch bekannt als “Casa Azul”. Frida Kahlo ist eine der berühmtesten Künstlerinnen Mexikos, und ihr Haus ist ein faszinierender Ort, um ihr Leben und Werk kennenzulernen. Das Haus ist in einem tiefen Blauton gestrichen, und der Innenraum ist voller persönlicher Gegenstände, Gemälde und Fotos. Es war unglaublich berührend, durch die Räume zu gehen und einen Einblick in ihr Leben zu bekommen. Natürlich war es auch sehr voll, und wir mussten uns durch eine riesige Menschenmenge kämpfen, aber es hat sich gelohnt.
Ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit: Xochimilco
Am nächsten Tag wagten wir uns etwas weiter aus der Stadt, nach Xochimilco, einem Netzwerk von Kanälen und künstlichen Inseln, die von den Azteken angelegt wurden. Wir mieteten eine “Trajinera” – ein bunt bemaltes Boot – und ließen uns durch die Kanäle treiben. Es war eine surreale Erfahrung. Überall fuhren Boote mit Musik, Essen und Getränken. Einige Boote hatten Mariachi-Bands an Bord, andere verkauften handgemachte Souvenirs. Es war ein fröhliches, chaotisches Spektakel.
Wir hatten uns mit einigen Snacks und Getränken eingedeckt, aber es dauerte nicht lange, bis wir von anderen Booten mit Essen und Getränken überschüttet wurden. Die Verkäufer ruderten von Boot zu Boot und boten ihre Waren an. Ich glaube, wir haben an diesem Tag mehr Tacos, Quesadillas und Mezcal getrunken, als gut für uns war. Es war ein bisschen peinlich, als wir versuchten, uns abzuwehren, aber die Leute waren sehr freundlich und entschuldigten sich sofort. Es war einfach ein bisschen viel des Guten.
Der Markt der Aromen: Mercado Medellín
Einer der Höhepunkte unserer Reise war der Besuch des Mercado Medellín, einem riesigen Markt in der Colonia Roma. Der Markt ist ein Paradies für Feinschmecker. Überall gibt es Stände mit frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Käse, Gewürzen und vielem mehr. Die Düfte waren überwältigend. Wir haben uns durch die Gänge geschlängelt und probiert, was uns ins Auge fiel.
Wir haben uns einige ungewöhnliche Früchte gekauft, die wir noch nie zuvor gesehen hatten, wie zum Beispiel “Pitaya” (Drachenfrucht) und “Chayote” (eine Art Kürbis). Wir haben uns auch einige handgemachte Käsesorten und Gewürze gekauft, um sie als Souvenirs mit nach Hause zu nehmen. Und natürlich durften wir nicht vergessen, uns ein paar Tacos al Pastor zu gönnen. Der Markt war ein wahrer Genuss für alle Sinne.
Die Tage in Mexiko-Stadt waren ein unvergessliches Erlebnis. Die Stadt hat uns mit ihrer Vielfalt, ihrer Energie und ihrer Gastfreundschaft verzaubert. Wir haben so viel entdeckt, so viel gegessen und so viel gelacht. Und wir wissen, dass dies nicht unsere letzte Reise nach Mexiko sein wird, denn es gibt noch so viel mehr zu entdecken und zu genießen.
Der Abschied von Mexiko-Stadt fiel uns schwerer als erwartet. Es war nicht nur die Stadt selbst, die uns in ihren Bann gezogen hatte, sondern auch die Art und Weise, wie sie uns berührt hatte. Es war eine Reise, die alle Sinne angesprochen hatte – die Farben, die Gerüche, die Geschmäcker, die Klänge. Wir hatten uns in die pulsierende Energie der Stadt verliebt, in die Freundlichkeit der Menschen und in die unglaubliche Vielfalt der Küche.
Mehr als nur Tacos und Tequila
Klar, Tacos und Tequila sind ein wichtiger Bestandteil der mexikanischen Kultur, aber es gibt so viel mehr zu entdecken. Die Mole-Saucen, die mit unzähligen Zutaten und viel Geduld zubereitet werden, die Chapulines – geröstete Heuschrecken, die überraschend lecker sind – und die Mezcales, die aus verschiedenen Agaven hergestellt werden und jeweils einen einzigartigen Geschmack haben. Wir haben uns bewusst darauf konzentriert, die authentische Küche zu erleben, abseits der Touristenpfade. Wir haben uns in kleinen Familienrestaurants verpflegt, auf Märkten probiert und uns von den Einheimischen beraten lassen.
Kunst und Kultur an jeder Ecke
Mexiko-Stadt ist ein Paradies für Kunst- und Kulturliebhaber. Die Museen sind erstklassig, die Galerien vielfältig und die historischen Stätten beeindruckend. Wir haben das Frida-Kahlo-Museum besucht, das uns tief bewegt hat, die Ruinen von Teotihuacán erkundet, die uns in eine andere Zeit versetzt haben, und die wunderschöne Kathedrale bewundert, die ein Meisterwerk der Kolonialarchitektur ist. Aber auch abseits der großen Sehenswürdigkeiten gibt es unendlich viel zu entdecken. Die Straßenkunst, die farbenfrohen Fassaden, die kleinen Kunsthandwerksläden – die Stadt ist ein lebendiges Kunstwerk.
Ein paar Tipps für eure Reise
Wenn ihr selbst nach Mexiko-Stadt reisen möchtet, hier ein paar Tipps, die uns geholfen haben:
Lasst euch treiben. Plant nicht zu viel, sondern lasst euch einfach treiben und entdeckt die Stadt auf eigene Faust. Verirrt euch in den Gassen, sprecht mit den Einheimischen und lasst euch überraschen.
Probiert alles aus. Seid mutig und probiert alles, was euch angeboten wird. Auch wenn es ungewöhnlich aussieht oder klingt. Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie lecker es ist.
Lernt ein paar grundlegende Spanischkenntnisse. Auch wenn viele Leute Englisch sprechen, wird es euch helfen, wenn ihr ein paar grundlegende Spanischkenntnisse habt. Es wird eure Interaktionen mit den Einheimischen erleichtern und euch helfen, tiefer in die Kultur einzutauchen.
Seid vorsichtig. Mexiko-Stadt ist eine große und pulsierende Stadt, aber es gibt auch Kriminalität. Seid vorsichtig mit euren Wertsachen und meidet dunkle und abgelegene Gegenden.
Genießt es! Mexiko-Stadt ist eine Stadt, die euch verzaubern wird. Genießt die Atmosphäre, die Kultur, die Menschen und das Essen. Und lasst euch von der Magie dieser Stadt mitreißen.
Wir werden Mexiko-Stadt nicht vergessen. Es war eine Reise, die uns bereichert hat, inspiriert hat und uns neue Perspektiven eröffnet hat. Wir werden wiederkommen, das ist sicher. Und wir empfehlen jedem, der auf der Suche nach einem einzigartigen und unvergesslichen Reiseziel ist, einen Besuch in dieser faszinierenden Stadt.