Ein Traum in Sandstein
Ein Traum wird wahr – irgendwie
Petra. Schon als Kind habe ich von dieser Stadt geträumt, von den Felsfassaden, die aus dem Sandstein gehauen wurden. Bilder in Büchern, dann im Fernsehen. Immer wieder. Und jetzt stand ich hier, in Jordanien, um diesen Traum endlich zu verwirklichen. Zugegeben, die Idee kam etwas spät. Meine Frau, Martha, Gott hab sie selig, hatte immer gesagt: "Ach, das ist doch alles zu anstrengend für alte Leute." Aber seit sie vor zwei Jahren nicht mehr da ist, dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich bin ja noch einigermaßen fit, und ein bisschen Abenteuer hat noch niemandem geschadet.Budget war natürlich ein Thema. Rente ist Rente. Also habe ich mich nach günstigen Angeboten umgesehen, Hostels anstatt Hotels, lokale Busse anstatt Taxis. Man muss ja nicht gleich im Luxus schwelgen. Hauptsache, ich sehe Petra. Das war mir wichtiger als alles andere. Ich hatte mich für eine zehn tägige Reise entschieden, mit Petra als absoluten Höhepunkt. Davor wollte ich aber noch ein bisschen durchs Land ziehen, die Wüste Wadi Rum erleben und vielleicht noch das Tote Meer besuchen.
Die erste Busfahrt
Die Busfahrt von Amman nach Wadi Rum war…interessant. Ein alter, klappriger Bus, vollgestopft mit Menschen, Gepäck und Hühnern. Ja, richtig gelesen, Hühnern. Eine Familie hatte lebendige Federviecher dabei, die den ganzen Weg über gackernd die Fahrt begleiteten. Ich saß neben einem jungen Mann, der mich freundlich anlächelte und versuchte, sich mit gebrochenem Englisch mit mir zu unterhalten. Er arbeitete als Guide in Wadi Rum und erzählte mir begeistert von der Schönheit der Wüste. Ich verstand nur Bahnhof, aber sein Enthusiasmus war ansteckend. Die Landschaft zog an mir vorbei: karge Felsen, weite Ebenen, vereinzelte Dörfer.Ich hatte mir im Hostel in Wadi Rum einen Jeep-Ausflug gebucht, um die Wüste zu erkunden. Es war unglaublich, wie weit sich der Sand erstreckte, wie still es dort war. Nur der Wind, der über die Dünen pfiff, war zu hören. Wir haben eine Beduinenfamilie besucht, haben Tee getrunken und traditionelles Fladenbrot gegessen. Sie waren unglaublich gastfreundlich und haben uns viel über ihre Lebensweise erzählt. Ich habe versucht, mit meinem kargen Arabisch zu antworten, aber das war wohl eher belustigend für sie.
Die Vorfreude auf Petra wächst
Nach Wadi Rum ging es weiter nach Petra. Ich hatte ein kleines Hotel in der Stadt Wadi Musa gebucht, direkt vor dem Eingang zu den Felsen. Die Aufregung war riesig. Ich konnte es kaum erwarten, endlich die berühmte Stadt zu sehen. Als ich am Abend durch die Gassen schlenderte, spürte ich die Geschichte förmlich in der Luft liegen. Überall waren kleine Souvenirläden und Restaurants. Die Luft war erfüllt vom Duft von Gewürzen und gegrilltem Fleisch. Ich habe mich in einem kleinen Restaurant niedergelassen und mir ein traditionelles jordanisches Gericht bestellt: Mansaf. Lammfleisch mit Reis und Joghurt. Sehr lecker.Die Sonne ging unter und die Felsen leuchteten in einem warmen Rotton. Ich saß auf der Terrasse und starrte in die Dunkelheit. Ich konnte es kaum erwarten, den nächsten Tag zu erleben. Ich wusste, dass ich Petra nicht in einem Tag erkunden konnte. Es war eine riesige Stadt, voller Geschichte und Geheimnisse. Aber ich war bereit, mich darauf einzulassen. Und so stand ich kurz davor, endlich den ersten Blick auf die Felsenstadt zu erhaschen, bereit für all die Eindrücke und Wunder, die mich dort erwarten würden.
Der Siq – ein erster Atemzug
Der Tag begann früh. Ich wollte so viel wie möglich von Petra sehen und vermeiden, in der größten Hitze herumzulaufen. Schon der Weg zum Eingang, durch die moderne Stadt Wadi Musa, war ein Erlebnis. Überall kleine Geschäfte, Esel und Pferde, die Touristen transportierten, und der Lärm einer geschäftigen Stadt. Aber dann, kurz vor dem eigentlichen Eingang, begann sich alles zu verändern. Die Landschaft wurde karger, die Gebäude weniger. Und dann, der Siq.Dieser schmale Felsspalt, der sich kilometerlang durch die Berge schlängelt, war einfach atemberaubend. Die Felswände ragten bis zu 80 Meter hoch auf, und das Licht fiel nur spärlich durch die Spalten. Es war kühl und feucht, und ich konnte den Wind pfeifen hören. Ich ging langsam, Schritt für Schritt, und versuchte, jeden Moment auszukosten. Die Felswände waren mit Reliefs und Inschriften bedeckt, Zeugnisse einer vergangenen Zivilisation. Ich sah Überreste von Wasserkanälen, die einst die Stadt mit Wasser versorgten. Es war, als würde man in eine andere Welt eintauchen.
Der Schatzhäuser-Platz – überwältigend
Und dann, am Ende des Siq, der Moment, auf den ich so lange gewartet hatte. Das Schatzhaus, Al-Khazneh, tauchte vor mir auf, wie eine Vision. Es war noch viel beeindruckender, als ich es mir vorgestellt hatte. Die Fassade, in den Fels gehauen, war unglaublich detailliert und filigran. Die Sonne schien darauf und ließ den Sandstein in einem warmen Rosa leuchten. Ich stand einfach nur da und starrte, sprachlos. Um mich herum wimmelte es von Touristen, aber ich habe es nicht wahrgenommen. Ich war gefangen von der Schönheit und der Geschichte dieses Ortes.Ich verbrachte Stunden auf dem Schatzhäuser-Platz, beobachtete die Menschen, fotografierte und versuchte, die Atmosphäre aufzusaugen. Ich ging weiter, vorbei an den Königsgräbern, riesigen Monumenten, die in den Fels gehauen wurden. Jeder einzelne Stein schien eine Geschichte zu erzählen. Ich kletterte auf die Aussichtsplattform, um einen Blick auf das Tal zu erhaschen. Von dort oben konnte man die gesamte Stadt überblicken. Ich sah das Kloster, Ad Deir, in der Ferne, und beschloss, am nächsten Tag dorthin zu wandern.
Kleine Pannen und unerwartete Begegnungen
Natürlich gab es auch kleine Pannen. Ich habe mich einmal in den verwinkelten Gassen verirrt und musste einen Einheimischen um Hilfe bitten. Er hat mich freundlicherweise zurück zum Schatzhäuser-Platz geführt und mir noch einen Tee angeboten. Ich habe auch versucht, mit einem Kamel zu reiten, aber das war keine gute Idee. Ich bin ein bisschen unsicher im Sattel, und das Kamel war auch nicht besonders kooperativ. Ich bin fast heruntergefallen, aber zum Glück hat mich ein junger Mann aufgefangen.Aber die unerwarteten Begegnungen waren das Schönste. Ich habe mich mit anderen Reisenden unterhalten, habe ihre Geschichten gehört und meine geteilt. Ich habe einen alten Beduinen getroffen, der mir viel über die Traditionen und die Lebensweise der Menschen in Petra erzählt hat. Er hat mir auch ein paar arabische Wörter beigebracht. Ich habe gelernt, dass Petra nicht nur ein Ort der Geschichte und der Schönheit ist, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Es war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde, und obwohl meine Füße schmerzten und meine Beine müde waren, fühlte ich mich lebendiger und glücklicher als je zuvor, wissend, dass dieser Traum, den ich so lange gehegt hatte, endlich in Erfüllung gegangen war.
Die letzten Tage in Petra waren ein Rausch der Eindrücke. Ich bin zwar kein Mensch, der stundenlang wandert, aber hier hat es mich gepackt. Ich bin immer wieder durch den Siq gegangen, habe die verschiedenen Felsformationen bewundert und versucht, die Energie dieses Ortes aufzusaugen. Es ist schwer in Worte zu fassen, was Petra so besonders macht. Es ist nicht nur die Schönheit der Architektur, sondern auch die Geschichte, die Atmosphäre, die Stille. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt, weit weg vom Alltag.
Rückblick und kleine Erkenntnisse
Ich habe gelernt, dass man auch mit kleinem Budget reisen kann, ohne auf Komfort zu verzichten. Hostels sind eine gute Alternative zu Hotels, und lokale Busse sind zwar nicht immer pünktlich, aber dafür authentisch. Man muss sich einfach auf die Reise einlassen und die Dinge nehmen, wie sie kommen. Und man muss sich trauen, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Die Menschen in Jordanien sind unglaublich gastfreundlich und hilfsbereit.
Der Kloster-Aufstieg
Der Aufstieg zum Kloster, Ad Deir, war zwar anstrengend, aber die Mühe hat sich gelohnt. Das Kloster ist noch beeindruckender als das Schatzhaus, und die Aussicht von dort oben ist atemberaubend. Ich habe mir eine Tasse Tee in einem kleinen Café in der Nähe des Klosters gegönnt und einfach die Ruhe genossen. Es war ein perfekter Moment.
Abseits der Touristenpfade
Ich habe versucht, auch ein bisschen abseits der Touristenpfade zu erkunden. Ich bin in kleinen Dörfern herumgeschlendert, habe mit Einheimischen geplaudert und die jordanische Kultur kennengelernt. Ich habe gelernt, dass das wahre Jordanien nicht nur aus Petra und dem Toten Meer besteht, sondern auch aus den kleinen Dingen, den einfachen Menschen, den Traditionen und der Gastfreundschaft.
Ein paar Tipps für andere Reisende
Wenn ihr nach Petra reist, solltet ihr unbedingt bequeme Schuhe mitnehmen. Ihr werdet viel laufen, und die Wege sind oft uneben. Nehmt auch ausreichend Wasser mit, besonders im Sommer. Und vergesst nicht, einen Sonnenschutz aufzutragen. Und noch ein Tipp: Lasst euch nicht von den Souvenirenhändlern stressen. Feilschen ist erlaubt, aber nicht bis zur Erschöpfung.
Abschied und Dankbarkeit
Jetzt sitze ich hier, im Hostel in Wadi Musa, und packe meine Sachen. Die Reise neigt sich dem Ende zu. Ich bin müde, aber glücklich. Ich bin dankbar für all die Eindrücke, die ich sammeln konnte, für all die Menschen, die ich kennengelernt habe, und für all die Erfahrungen, die ich gemacht habe. Petra hat mich verzaubert, und ich werde diesen Ort nie vergessen. Es war ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Und das mit 70 Jahren noch, ist doch was!
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- Al-Khazneh (Schatzhaus)
- Ad Deir (Kloster)
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- Wadi Musa (Stadt in der Nähe von Petra)