Europa - Kroatien - Zagreb

Zagreb und der Plavac Mali: Eine kleine Balkan-Entdeckung

Der Duft von frisch gemahlenem Kaffee und einer Prise Diesel hing in der Luft, als ich aus dem Zagreb Airport kam. Nicht gerade die romantischste Mischung, aber irgendwie… ehrlich. Und das passte irgendwie zu meinem ersten Eindruck von Kroatien. Ich hatte mir unter “Balkan” irgendwie etwas wilder vorgestellt, aber hier, vor mir, war eine Stadt, die modern wirkte, ohne ihre Geschichte zu verstecken. Ein bisschen wie ein alter Freund, der sich einen neuen Haarschnitt gegönnt hat.

Warum eigentlich Zagreb?

Die Idee zu dieser Reise kam mir beim letzten Weinabend mit meinen Kumpels. Wir diskutierten über die großen Weinregionen Europas – Bordeaux, Toskana, Rheingau – und irgendwer warf ein, dass Kroatien da ziemlich unterschätzt ist. Ich muss sagen, ich hatte selbst noch nie wirklich an kroatischen Weinen gedacht. Aber dann fing ich an, mich zu informieren, und je mehr ich las, desto neugieriger wurde ich. Plavac Mali, Dingač, Postup – die Namen klangen vielversprechend. Und die Vorstellung, in einer Region Wein zu probieren, die noch nicht von Touristen überlaufen ist, fand ich einfach reizvoll. Also beschloss ich, es einfach mal zu wagen. Und weil ich nicht nur Wein mag, sondern auch gerne Städte erkunde, entschied ich mich für Zagreb als Ausgangspunkt.

Ich bin ja mittlerweile in einem Alter, in dem ich selten spontan irgendwelche Backpacking-Trips mehr mache. Mir geht's eher darum, ein paar schöne Tage zu haben, gutes Essen und guten Wein zu genießen und ein bisschen was zu sehen. Keine Checklisten abhaken, sondern einfach die Atmosphäre aufsaugen. Und das ging hier, in Zagreb, schon beim ersten Blick auf die Stadt richtig gut.

Erster Eindruck: Eine Stadt der Kontraste

Die Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum führte mich an grauen Plattenbauten vorbei, die noch aus sozialistischer Zeit stammten. Aber dann, plötzlich, tauchten zwischen diesen Betonkasteln barocke Kirchen und prächtige Bürgerhäuser auf. Eine seltsame Mischung, aber irgendwie faszinierend. Es wirkte, als hätte die Stadt ihre Vergangenheit nicht vergessen, aber auch den Blick nach vorne gerichtet.

Mein Hotel lag in der Nähe des Hauptplatzes, dem Ban Jelačić-Platz. Ein belebter Ort, voller Menschen, Straßenmusiker und kleinen Cafés. Ich checkte ein und ging sofort wieder raus, um die Gegend zu erkunden. Die Tkalčićeva-Straße, eine schmale Gasse voller Restaurants und Bars, zog mich magisch an. Hier herrschte ein reges Treiben, und ich fühlte mich sofort wohl.

Ich suchte mir ein kleines Bistro und bestellte ein Glas lokalen Wein – natürlich einen Plavac Mali. Dunkel, fruchtig, mit einer angenehmen Säure. Nicht schlecht, wirklich nicht schlecht. Dazu ein paar Oliven und ein Stück Käse. Perfekt. Ich saß da und beobachtete das bunte Treiben um mich herum. Alte Damen, die auf Bänken plauderten, junge Leute, die auf Skates durch die Gasse bretterten, Touristen, die mit ihren Kameras herumgingen. Ein ganz normaler Alltag in Zagreb. Und ich mittendrin.

Aufbruch ins Unbekannte

Ich hatte mir für die nächsten Tage vorgenommen, die verschiedenen Stadtteile zu erkunden, die Museen zu besuchen und natürlich auch einige Weingüter in der Umgebung zu besichtigen. Ich hatte im Internet schon ein paar vielversprechende Adressen gefunden, und ich freute mich darauf, die kroatischen Weine direkt vom Erzeuger zu probieren. Aber bevor es so weit war, wollte ich noch ein bisschen durch die Altstadt schlendern und die Atmosphäre auf mich wirken lassen.

Denn eines war mir schon klar: Zagreb war mehr als nur eine Anlaufstelle für meine Weintour. Es war eine Stadt mit Geschichte, mit Charakter und mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Und ich hatte das Gefühl, dass ich hier noch so einiges entdecken würde. Die Mischung aus Geschichte, Kultur und dem Versprechen neuer Weinaromen ließ mich gespannt auf die kommenden Tage blicken. Jetzt hieß es erstmal, die Stadt aufzusaugen und mich von ihrer Energie treiben zu lassen. Und vielleicht, ganz vielleicht, den besten Wein meines Lebens zu finden.

Ich hatte also meinen ersten Eindruck von Zagreb gewonnen und war bereit, tiefer in die kulinarische und kulturelle Szene einzutauchen.Ich hatte also meinen ersten Eindruck von Zagreb gewonnen und war bereit, tiefer in die kulinarische und kulturelle Szene einzutauchen.

Gornji Grad: Zwischen Sakralbauten und versteckten Bars

Am nächsten Morgen startete ich mit der Erkundung des Gornji Grad, der Oberstadt. Schon allein der Weg dorthin war ein Erlebnis. Eine kurze Fahrt mit der Standseilbahn – die älteste ihrer Art in Europa, wie mir der freundliche Schaffner erklärte – und schon befand ich mich in einer ganz anderen Welt. Enge Gassen, Kopfsteinpflaster, mittelalterliche Häuser… es fühlte sich an, als wäre ich in einem Filmset gelandet.

Ich schlenderte an der St.-Markus-Kirche vorbei, deren buntes Dach einfach atemberaubend ist. Drinnen war es dann aber überraschend dunkel und kühl. Irgendwie hatte ich mir mehr Licht und Farbe erwartet. Aber die Kirche hatte trotzdem ihren Reiz. Direkt daneben befindet sich das Parlament, ein imposantes Gebäude, das aber gerade renoviert wurde. Also blieb mir nur ein kurzer Blick von außen.

Was mich aber wirklich begeisterte, waren die kleinen, versteckten Bars und Cafés, die sich in den Gassen versteckten. Ich entdeckte eine winzige Bar, die auf einen kleinen Innenhof ausgerichtet war. Dort saß ich dann bei einem Glas lokalem Bier und beobachtete das Treiben. Die Atmosphäre war einfach unglaublich entspannt und authentisch. Ich kam mit ein paar Einheimischen ins Gespräch, die mir ein paar Tipps für die besten Weingüter in der Umgebung gaben. Ein guter Tipp, wie sich herausstellte.

Dolac-Markt: Ein Fest für die Sinne

Am Nachmittag ging es dann zum Dolac-Markt, dem größten und bekanntesten Markt in Zagreb. Wow, da war aber was los! Ein unglaublicher Trubel, laute Verkäufer, duftende Gewürze, frisches Obst und Gemüse… ein Fest für die Sinne. Ich kaufte ein paar lokale Spezialitäten – Käse, Olivenöl, getrocknete Feigen – und probierte mich durch die verschiedenen Köstlichkeiten. Irgendwann stolperte ich über einen Stand, an dem ein älterer Mann hausgemachten Rakija anbot. Na klar, probierte ich auch davon. Ein bisschen zu stark für meinen Geschmack, aber die Geste war nett.

Dabei hatte ich dann eine kleine Pannen. Ich wollte noch ein paar frische Trauben kaufen, aber irgendwie kam es zu einem Missverständnis mit der Verkäuferin. Ich dachte, sie hätte mir einen Preis genannt, sie aber einen ganz anderen im Kopf gehabt. Am Ende zahlte ich mehr, als ich eigentlich wollte, aber ich wollte den Frieden wahren. Ist ja auch nicht so schlimm, dachte ich mir.

Weinprobe am Rande der Stadt

Einer der Tipps, die ich von den Einheimischen bekommen hatte, führte mich am nächsten Tag zu einem kleinen Weingut etwas außerhalb der Stadt. Das Weingut lag in einer wunderschönen Hügellandschaft, umgeben von Weinbergen. Der Winzer, ein sympathischer Mann namens Ivan, begrüßte mich herzlich und führte mich durch seine Kellerei. Er erklärte mir die verschiedenen Rebsorten und Weinherstellungsverfahren. Natürlich durfte ich auch probieren. Und was soll ich sagen? Die Weine waren ausgezeichnet. Besonders ein Plavac Mali aus einer kleinen Parzelle hat es mir angetan. Dunkel, fruchtig, würzig, mit einem langen Abgang. Ein echter Geheimtipp.

Ich verbrachte ein paar Stunden auf dem Weingut, plauderte mit Ivan und genoss die Ruhe und die Aussicht. Es war ein perfekter Nachmittag. Am Abend kehrte ich nach Zagreb zurück, voller Eindrücke und mit ein paar Flaschen Wein im Gepäck. Ich hatte das Gefühl, die Stadt und ihre Umgebung wirklich kennengelernt zu haben. Und ich wusste, dass ich noch lange an diese Reise zurückdenken würde.

Die Mischung aus urbanem Flair, historischem Charme und der Entdeckung außergewöhnlicher Weine hatte Zagreb zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht, und ich blickte gespannt auf die letzte Etappe meiner Balkan-Entdeckung.

Die letzten Tage in Zagreb waren wie ein guter Wein – sie wurden immer besser, je länger sie zogen. Ich hatte mir vorgenommen, die Stadt einfach auf mich wirken zu lassen, und das hat wunderbar geklappt. Ich bin nicht der Typ, der unbedingt alle Sehenswürdigkeiten abklappern muss. Mir geht es mehr darum, die Atmosphäre aufzusaugen, die Leute zu beobachten und das lokale Essen und den Wein zu genießen. Und das alles hat Zagreb in Hülle und Fülle zu bieten.

Rückblick auf die Weinreise

Besonders die Weinprobe auf dem kleinen Weingut etwas außerhalb der Stadt hat es mir angetan. Der Winzer, Ivan, war ein unglaublich freundlicher und kompetenter Mann, der mir mit viel Leidenschaft seine Weine präsentiert hat. Und der Plavac Mali, den ich dort probiert habe, war wirklich etwas Besonderes. Dunkel, fruchtig, würzig, mit einem langen Abgang… ein Wein, an den ich mich noch lange erinnern werde. Ich habe gleich ein paar Flaschen mitgenommen, um sie zu Hause noch einmal zu genießen.

Mehr als nur Wein

Aber Zagreb hat noch viel mehr zu bieten als nur guten Wein. Die Stadt ist voller Geschichte, Kultur und Charme. Die Oberstadt mit ihren engen Gassen und historischen Gebäuden ist ein wahres Juwel. Auch der Dolac-Markt ist einen Besuch wert. Dort kann man das lokale Leben hautnah erleben und sich mit frischen Produkten eindecken. Und natürlich sollte man sich auch die vielen Cafés und Restaurants nicht entgehen lassen. Dort kann man das lokale Essen und den Wein in entspannter Atmosphäre genießen.

Ein paar Tipps für die nächste Reise

Wenn du planst, nach Zagreb zu reisen, habe ich ein paar Tipps für dich. Erstens: Nimm dir Zeit, die Stadt einfach auf dich wirken zu lassen. Hetze nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, sondern genieße die Atmosphäre und das lokale Leben. Zweitens: Probiere den lokalen Wein. Der Plavac Mali ist wirklich etwas Besonderes, aber es gibt auch noch viele andere gute Weine zu entdecken. Und drittens: Verliere dich in den Gassen der Oberstadt. Dort kannst du viele versteckte Juwelen entdecken und das wahre Zagreb erleben.

Fazit

Zagreb ist eine Stadt, die mich wirklich überrascht hat. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartet, aber ich bin positiv überrascht worden. Die Stadt ist voller Geschichte, Kultur und Charme, und die Menschen sind unglaublich freundlich und gastfreundlich. Und natürlich ist der Wein hervorragend. Ich kann Zagreb nur jedem empfehlen, der eine authentische Balkan-Erfahrung sucht. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen.

    • Gornji Grad (Oberstadt)
    • Weinprobe bei Ivan (lokales Weingut)
    • Dolac-Markt (als kultureller Ort)
    • Tkalčićeva-Straße (Beispiel für lebhaftes Viertel)
👤 Weinliebhaber (50) der Weinregionen erkundet und Weinproben unternimmt ✍️ locker und umgangssprachlich