Perlen, Pfauen und Pragmatismus: Eine Reise nach Dubrovnik
Ankunft und erste Eindrücke
Der Flughafen ist klein, übersichtlich. Kaum aus der Ankunftshalle raus, wurden wir von einer Wand aus Hitze und dem ohrenbetäubenden Lärm der Roller und Autos getroffen. Ich muss sagen, die Infrastruktur hier ist... speziell. Enge Straßen, überall parkende Autos, eine Mischung aus mittelalterlicher Bausubstanz und modernem Tourismus. Nicht unbedingt hässlich, aber definitiv chaotisch. Und heiß. Verdammt heiß. Ich beobachtete einen älteren Mann, der mit einem Esel durch die Gegend trabte und offensichtlich versuchte, eine Touristenfamilie zu überzeugen, sich auf ihm fotografieren zu lassen. Das war schon irgendwie bizarr. Aber auch ehrlich. Keine aufgesetzte Show, einfach nur ein Mann, der versucht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.Warum eigentlich Kroatien?
Anna ist Geschichtsfan. Römische Ruinen, mittelalterliche Burgen, das ist ihr Element. Sie hatte Dubrovnik als „die Perle der Adria“ beschrieben, als eine Stadt, die die Geschichte förmlich atmet. Ich hingegen sehe eher eine Touristenfalle, die versucht, ihren Charme zu bewahren. Klingt zynisch, ich weiß. Aber ich bin da ehrlich. Ich bin halt eher der Typ für unberührte Natur, für das Knistern eines Lagerfeuers unter dem Sternenhimmel, nicht für mittelalterliche Stadtmauern und Souvenirläden. Wir hatten uns ein kleines Apartment außerhalb der Altstadt gebucht, was sich als kluge Entscheidung herausstellte. Etwas abseits des Trubels, mit einem kleinen Balkon und Blick auf das Meer. Es war eine Erleichterung, dem Gedränge zu entkommen und ein bisschen durchzuatmen.Erste Erkundungen
Die Altstadt ist natürlich beeindruckend. Die Stadtmauern sind gut erhalten, die Gassen eng und verwinkelt. Überall Restaurants, Cafés, Souvenirläden. Es ist wie ein Freilichtmuseum, in dem man ständig darauf achten muss, nicht von einem der zahllosen Touristen angefahren zu werden. Ich habe mich gefragt, wie das hier eigentlich funktioniert. Wie kann eine so kleine Stadt so viele Menschen aufnehmen? Und wie kann sie ihren ursprünglichen Charakter bewahren, wenn sie ständig von Touristen überrannt wird? Ich sah einen alten Mann, der auf einer Bank saß und Schach spielte. Er ignorierte den Trubel um ihn herum völlig. Das fand ich irgendwie bewundernswert. Wir haben uns verlaufen, natürlich. In den engen Gassen findet man sich schnell zurecht, aber das ist ja auch Teil des Charmes. Wir sind an kleinen Geschäften vorbeigekommen, in denen handgefertigte Produkte verkauft wurden. Ich habe eine kleine Holzschnitzerei gekauft, einen Esel. Als Erinnerung an diesen etwas skurrilen Ort. Es ist zwar nicht meine Art von Urlaub, aber ich versuche, offen zu sein. Vielleicht kann ich hier doch noch etwas entdecken, das mich überrascht. Vielleicht gibt es hinter all dem Touristenrummel noch eine echte, authentische Kultur. Und vielleicht, nur vielleicht, kann ich meine Frau glücklich machen. Aber eins ist sicher: Ich werde die Augen offen halten, und ich werde nicht alles glauben, was ich sehe. Denn ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, kritisch zu sein, und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Ich hatte das Gefühl, dass diese Reise mehr zu bieten hatte, als nur Postkartenmotive und touristische Attraktionen. Es ging darum, die Seele dieser Stadt zu ergründen, und zu verstehen, wie sie überlebt hat, trotz aller Widrigkeiten. Und ich war gespannt darauf, herauszufinden, ob ich dabei erfolgreich sein würde.Lokrum – Eine Insel voller Pfauen und Illusionen
Am nächsten Tag beschlossen wir, mit der Fähre zur Insel Lokrum zu fahren. Anna hatte gelesen, dass es dort ein ehemaliges Kloster, einen botanischen Garten und – das fand ich am interessantesten – eine große Population von Pfauen geben soll. Die Überfahrt war angenehm, das Wasser klar und blau. Schon beim Anlegen fiel auf, dass Lokrum wesentlich ruhiger war als Dubrovnik. Kaum Touristen, dafür viel Grün und eine entspannte Atmosphäre. Der botanische Garten war beeindruckend, mit Pflanzen aus aller Welt. Aber was mir wirklich in Erinnerung blieb, waren die Pfauen. Überall, einfach überall waren sie. Stolzierten über die Pfade, sonnten sich auf den Mauern des Klosters, suchten in der Nähe der Cafés nach Essensresten. Anna war begeistert, ich eher amüsiert. Es wirkte alles etwas surreal, wie ein schlecht gemachtes Natur-Musical. Ein Pfau versuchte sogar, mir die Sonnenbrille vom Kopf zu ziehen. Ich musste lachen. Wir sind zum „Salzsee“ gelaufen, einem kleinen Binnensee, der durch eine Verbindung zur Adria gespeist wird. Der See sollte angeblich heilende Eigenschaften haben. Wir haben uns nicht getraut, hineinzuspringen, aber viele andere Touristen taten es. Ich bezweifle, dass das Wasser besonders gesund ist, aber es sah erfrischend aus.Pile – Zwischen Souvenirs und Sonnenbrand
Zurück in Dubrovnik erkundeten wir das Viertel Pile. Das Tor von Pile ist der Haupteingang zur Altstadt und ein beliebtes Fotomotiv. Aber was mich wirklich an diesem Ort störte, waren die Souvenirläden. Überall das gleiche Zeug: Schlüsselanhänger, Postkarten, T-Shirts mit kitschigen Motiven. Ich verstehe nicht, warum die Leute so etwas kaufen. Das hat doch keinen Wert, keine Seele.
Ich habe versucht, ein anständiges Souvenir für meine Nichte zu finden, aber alles war entweder zu teuer oder von schlechter Qualität. Am Ende habe ich ein kleines Fläschchen Olivenöl gekauft. Das ist zumindest etwas Authentisches.
Ich habe mir einen Sonnenbrand zugezogen, obwohl ich Sonnencreme benutzt habe. Die Sonne ist hier einfach zu stark. Ich fühlte mich wie ein Krebs. Anna lachte mich aus.
Das Fischerdorf Konvale – Ein Hauch von Echtheit
Am Abend sind wir nach Konvale gefahren, einem kleinen Fischerdorf außerhalb der Altstadt. Dort wollten wir zu Abend essen. Das Viertel ist wesentlich ruhiger und authentischer als die Altstadt. Es gibt nur wenige Touristen, dafür viele Einheimische.
Wir haben ein kleines Restaurant gefunden, das direkt am Hafen lag. Die Atmosphäre war entspannt und gemütlich. Wir haben frischen Fisch gegessen, der direkt aus dem Meer gefangen wurde. Das Essen war köstlich.
Ich habe mit einem alten Fischer gesprochen, der seit 50 Jahren seinen Lebensunterhalt mit dem Fischen verdient. Er erzählte mir, dass das Leben hier nicht einfach ist, aber dass er seine Arbeit liebt. Er erzählte mir auch, dass er sich Sorgen um die Zukunft macht, weil der Tourismus das Viertel verändert. Er hat Recht. Es ist immer das gleiche Dilemma.
Die Reise neigte sich dem Ende zu, und ich begann zu erkennen, dass Dubrovnik mehr zu bieten hatte, als ich ursprünglich gedacht hatte, auch wenn es nicht ganz meinem Idealbild eines perfekten Urlaubs entsprach.
Die letzten Tage in Dubrovnik vergingen wie im Flug, und ich muss sagen, dass ich meine anfängliche Skepsis etwas revidiert habe. Es ist immer noch nicht mein ideales Urlaubsziel – ich bevorzuge die Stille der Savanne oder den dichten Dschungel – aber ich habe gelernt, die besondere Atmosphäre dieser Stadt zu schätzen. Es ist eine Mischung aus Schönheit, Geschichte und Pragmatismus, die irgendwie faszinierend ist.
Die Schattenseiten des Tourismus
Was mir jedoch immer noch unangenehm ist, ist der massive Tourismus. Die Stadt ist überfüllt, die Preise sind astronomisch und es ist schwer, einen authentischen Einblick in das Leben der Einheimischen zu bekommen. Ich habe oft das Gefühl, dass Dubrovnik zu einer Art Themenpark geworden ist, in dem die Geschichte und Kultur nur noch dazu dienen, Touristen anzulocken. Das ist schade, denn die Stadt hat so viel Potenzial.
Ein Spaziergang durch Konvale
Ein Highlight war ein abendlicher Spaziergang durch Konvale. Dieses kleine Fischerdorf ist ein Kontrast zur geschäftigen Altstadt. Hier kann man noch das echte Dubrovnik erleben. Die Menschen sind freundlich, die Atmosphäre ist entspannt und das Essen ist köstlich. Ich habe ein Gespräch mit einem alten Fischer geführt, der mir von seinem Leben erzählt hat. Er hat mir gesagt, dass der Tourismus zwar viele Arbeitsplätze geschaffen hat, aber auch die Lebensqualität der Einheimischen beeinträchtigt hat. Das hat mich zum Nachdenken angeregt.
Lokrum – Mehr als nur Pfauen
Die Insel Lokrum war eine willkommene Abwechslung vom Trubel der Stadt. Die Natur ist wunderschön, die Atmosphäre ist entspannt und die Pfauen sind einfach nur lustig. Aber Lokrum ist mehr als nur eine Postkartenidylle. Die Insel hat eine bewegte Geschichte und beherbergt einige interessante Ruinen. Es ist ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen und die Natur genießen kann.
Meine persönlichen Empfehlungen
Wenn du nach Dubrovnik reist, möchte ich dir ein paar Tipps geben. Erstens, versuche, die Stadt außerhalb der Hauptsaison zu besuchen. Dann ist es weniger überfüllt und die Preise sind niedriger. Zweitens, erkunde die Stadt abseits der ausgetretenen Pfade. Verliere dich in den kleinen Gassen, besuche die weniger bekannten Museen und sprich mit den Einheimischen. Drittens, nimm dir Zeit für einen Ausflug auf die Insel Lokrum. Die Insel ist wunderschön und bietet eine willkommene Abwechslung vom Trubel der Stadt.
Fazit
Dubrovnik ist eine Stadt, die polarisiert. Sie ist schön, aber auch überlaufen. Sie ist historisch, aber auch kommerziell. Sie ist authentisch, aber auch touristisch. Ich bin immer noch nicht sicher, ob ich die Stadt wirklich mag, aber ich habe gelernt, sie zu respektieren. Dubrovnik ist ein Ort, der einen zum Nachdenken anregt und einem die Komplexität der modernen Welt vor Augen führt.
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- Die Altstadt von Dubrovnik
- Insel Lokrum
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- Konvale