Europa - Island - Südküste (Vík)

Island – Eine Reise entlang der Südküste

Der Geruch von Salz und kaltem Wind kitzelte in der Nase, während wir aus dem Jeep stiegen. Nicht der typische Flughafen-Duft, das war klar. Keflavík hatte uns ausgespuckt, und jetzt standen wir wirklich hier, auf Island. Die Luft war so klar, dass die fernen Berge scharf vor dem grauen Himmel standen. Es war Mitte September, die Hochsaison war vorbei, und das gefiel uns ausgezeichnet. Wir, das sind Thomas und ich, beide so um die 55, mit einer gemeinsamen Schwäche für Kultur, gutes Essen und Landschaften, die nicht im Reisekatalog überlaufen sind.

Warum Island?

Die Idee zu dieser Reise hatte sich vor ein paar Jahren im Gespräch mit Freunden verdichtet. Wir hatten schon viel gesehen in Europa – Italien, Frankreich, Spanien, die klassischen Ziele. Aber irgendwie fehlte uns das Besondere, das Unberührte. Island schien genau das zu versprechen. Wir hatten uns intensiv mit der Geschichte und Geologie der Insel auseinandergesetzt, Bücher gelesen, Dokumentationen angesehen. Uns faszinierten die Wikinger, die vulkanische Aktivität, die Sagen und Mythen, die in dieser Landschaft verwurzelt sind. Und natürlich die Nordlichter, ein Traum, den wir unbedingt verwirklichen wollten.

Die Südküste als Ausgangspunkt

Wir hatten uns bewusst für die Südküste als Ausgangspunkt entschieden. Sie ist relativ leicht von Keflavík aus erreichbar, bietet aber eine unglaubliche Vielfalt an Landschaften – von schwarzen Sandstränden über Gletscher bis hin zu Wasserfällen und Felsformationen. Vík í Mýrdal, das kleine Dorf, das wir als Basis für die ersten Tage gewählt hatten, schien der ideale Ort zu sein, um die Gegend zu erkunden und das authentische Island kennenzulernen. Wir hatten ein kleines Ferienhaus mit Blick auf die Küste gemietet, und ich freute mich schon darauf, jeden Morgen mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse zu sitzen und die Aussicht zu genießen.

Die Fahrt von Keflavík nach Vík dauerte etwa zweieinhalb Stunden. Die Landschaft veränderte sich ständig. Zuerst dominierten Lavafelder, bedeckt mit Moos und Flechten. Dann ging es durch grüne Täler und an kleinen Flüssen entlang. Wir hielten immer wieder an, um Fotos zu machen und die Aussicht zu genießen. Besonders beeindruckend war der Blick auf den Eyjafjallajökull, den Gletscher, der 2010 für den Flugverkehr in ganz Europa zum Stillstand gebracht hatte. Es war surreal, diesen Berg mit eigenen Augen zu sehen, nachdem wir so viel über die Auswirkungen des Ausbruchs gelesen hatten.

Erste Eindrücke von Vík

Vík selbst ist ein beschauliches Dorf mit etwa 300 Einwohnern. Es liegt an einem schwarzen Sandstrand, der von hohen Felsformationen gesäumt ist. Die Kirche von Vík, die auf einem Hügel thront, ist ein Wahrzeichen des Dorfes und bietet einen herrlichen Blick auf die Umgebung. Wir checkten in unserem Ferienhaus ein, einem gemütlichen Holzhaus mit Blick auf den Strand. Die Einrichtung war einfach, aber zweckmäßig, und es fehlte an nichts.

Nachdem wir unser Gepäck abgestellt hatten, machten wir einen ersten Spaziergang durch das Dorf. Es gab ein paar kleine Geschäfte, ein Restaurant und eine Tankstelle. Die Atmosphäre war entspannt und freundlich. Wir kauften ein paar Lebensmittel ein und kehrten dann in unserem Ferienhaus ein, um den Abend ausklingen zu lassen. Wir kochten uns ein einfaches Abendessen und saßen dann auf der Terrasse, um die Aussicht zu genießen. Der Himmel war bewölkt, aber es war trotzdem schön. Wir hörten dem Rauschen des Meeres zu und ließen die Eindrücke des Tages Revue passieren.

Wir hatten uns vorgenommen, die nächsten Tage damit zu verbringen, die Südküste zu erkunden. Wir wollten die Wasserfälle Skógafoss und Seljalandsfoss besuchen, den Gletscher Sólheimajökull wandern und die schwarzen Sandstrände von Reynisfjara und Dyrhólaey erkunden. Und natürlich hofften wir, die Nordlichter zu sehen. Aber bevor wir uns auf den Weg machten, wollten wir uns noch etwas Zeit nehmen, um Vík kennenzulernen und das authentische Island zu erleben. Denn wir wussten, dass diese Reise uns noch viele unvergessliche Momente bescheren würde und wir freuten uns darauf, tiefer in die Kultur und die faszinierende Natur dieser einzigartigen Insel einzutauchen.

Ein Tag in Vík: Kirche, Strand und ein unerwarteter Sturm

Der nächste Morgen begann bewölkt, aber trocken. Nach einem stärkenden Frühstück machten wir uns auf den Weg, um die Kirche von Vík genauer zu betrachten. Die rote Holzkirche, offiziell „Vík í Mýrdal Church“, ist wirklich malerisch und thront auf einem Hügel über dem Dorf. Was uns aber viel mehr beeindruckte, war der kleine Friedhof drumherum. Die Grabsteine waren unterschiedlich gestaltet, einige sehr schlicht, andere mit kunstvollen Verzierungen. Es war ein stiller Ort, der zum Nachdenken anregte. Wir erfuhren, dass die Kirche mehrmals durch Vulkanausbrüche und Stürme beschädigt wurde und jedes Mal wieder aufgebaut wurde – ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit der Menschen hier.

Reynisfjara: Mehr als nur schwarzer Sand

Am Nachmittag ging es dann zu Reynisfjara, dem schwarzen Sandstrand. Ich hatte schon Fotos gesehen, aber die Realität war noch überwältigender. Die Basaltsäulen, die an der Küste aufragen, sind ein wahres Naturwunder. Sie entstanden durch die Abkühlung von Lava und erinnern an eine riesige Orgel. Wir schlenderten am Strand entlang, beobachteten die tosenden Wellen und genossen die raue Schönheit der Landschaft. Thomas, der sich für Geologie interessiert, erklärte mir die Entstehung der Felsformationen und die Kräfte, die hier am Werk sind.

Es war allerdings auch ein bisschen unheimlich. Der Strand ist bekannt für seine gefährlichen „Sneaker Waves“, also plötzlich auftretenden, hohen Wellen, die unvorsichtige Besucher ins Meer reißen können. Es gab deutliche Warnschilder, und wir hielten uns unbedingt daran, nicht zu nah an die Wasserkante zu gehen. Wir sahen ein paar Touristen, die sich trotzdem nicht dran hielten und von einer Welle überrascht wurden – zum Glück ging alles gut, aber es war schon ein Schock.

Ein plötzlicher Herbststurm

Am späten Nachmittag änderte sich das Wetter schlagartig. Der Wind peitschte auf, dunkle Wolken zogen auf und es begann zu regnen. Innerhalb von Minuten entwickelte sich ein regelrechter Herbststurm. Wir beeilten uns zurück zum Ferienhaus, aber wurden trotzdem vom Regen durchnässt.

Es war ein bisschen unangenehm, aber auch faszinierend, zu sehen, wie die Natur hier toben kann. Wir machten es uns mit einer Tasse Tee und einem guten Buch gemütlich und lauschten dem Sturm, der draußen wütete. Es war ein perfekter Moment, um die Seele baumeln zu lassen und die Ruhe zu genießen. Wir hatten uns vorgenommen, am nächsten Tag den Gletscher Sólheimajökull zu wandern, aber der Sturm stellte unsere Pläne vorerst in Frage. Ob das klappt, würde das Wetter entscheiden – und wir hatten gelernt, dass man in Island das Wetter nicht unbedingt vorhersagen kann.

Die kleinen Pannen und Überraschungen gehören für uns zu jedem guten Urlaub dazu – sie machen die Reise erst richtig authentisch und unvergesslich. Und so saßen wir da, in unserem kleinen Ferienhaus an der Südküste Islands, und freuten uns auf die weiteren Abenteuer, die noch vor uns lagen – egal, wie das Wetter spielen würde.

Der nächste Morgen brachte uns eine angenehme Überraschung: Der Sturm hatte sich gelegt, und die Sonne kämpfte sich durch die Wolken. Das bedeutete, dass unser geplanter Ausflug zum Gletscher Sólheimajökull doch noch stattfinden konnte. Wir hatten uns im Vorfeld eine geführte Wanderung gebucht, und ich war gespannt, wie es sein würde, auf einem Gletscher zu laufen.

Auf dem Gletscher

Die Fahrt zum Gletscher dauerte etwa eine halbe Stunde. Unterwegs sahen wir wieder diese typisch isländischen Landschaften – grüne Weiden, schwarze Lavafelder und imposante Berge. Als wir am Gletscher ankamen, bekamen wir von unseren Guides die notwendige Ausrüstung – Steigeisen, Eispickel und Helme. Ich muss sagen, ich war schon ein bisschen nervös, aber auch aufgeregt.

Die Wanderung auf dem Gletscher war ein unvergessliches Erlebnis. Das Eis schimmerte in allen möglichen Farben – von strahlendem Weiß bis zu tiefem Blau. Unsere Guides erklärten uns die Entstehung des Gletschers und die Auswirkungen des Klimawandels. Es war erschreckend zu sehen, wie schnell das Eis schmilzt. Wir passierten tiefe Spalten und beeindruckende Eisformationen. Es war anstrengend, aber die Mühe hat sich gelohnt. Die Aussicht vom Gletscher war atemberaubend.

Rückblick und persönliche Highlights

Nach ein paar Tagen in Vík mussten wir uns schweren Herzens verabschieden. Die Südküste Islands hat uns in ihren Bann gezogen. Wir haben so viel erlebt und gesehen – von schwarzen Sandstränden über beeindruckende Wasserfälle bis hin zu majestätischen Gletschern. Die isländische Landschaft ist einfach einzigartig und unvergleichlich.

Was uns besonders beeindruckt hat, war die Natürlichkeit und Unberührtheit der Landschaft. Island ist noch ein Land, in dem die Natur ihre ursprüngliche Schönheit bewahrt hat. Aber auch die Kultur und die Geschichte der Insel haben uns fasziniert. Die Isländer sind ein stolzes und unabhängiges Volk, das seine Traditionen pflegt.

Wir haben uns vorgenommen, bald wieder nach Island zu reisen, um noch mehr von dieser faszinierenden Insel zu entdecken. Es gibt noch so viel zu sehen und zu erleben.

Praktische Tipps für eine Reise an die Südküste

Wenn ihr eine Reise an die Südküste Islands plant, hier ein paar Tipps von uns:

  • Packt wetterfeste Kleidung ein: Das Wetter in Island kann sich schnell ändern. Es ist wichtig, dass ihr gut vorbereitet seid und wetterfeste Kleidung dabei habt.
  • Bucht Unterkünfte im Voraus: Besonders in der Hochsaison sind die Unterkünfte schnell ausgebucht. Es ist daher ratsam, im Voraus zu buchen.
  • Mietet ein Auto: Um die Südküste Islands zu erkunden, ist ein Mietwagen ideal. So könnt ihr flexibel unterwegs sein und die Landschaft in eurem eigenen Tempo genießen.
  • Probiert die lokale Küche: Die isländische Küche ist vielfältig und lecker. Probiert unbedingt die frischen Fischgerichte und das berühmte Skyr.

Und noch ein letzter Tipp: Lasst euch einfach treiben und genießt die einzigartige Atmosphäre Islands. Es ist ein Land, das euch noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    • Sólheimajökull Gletscher
    • Reynisfjara (Schwarzer Sandstrand)
    • Reynisfjara
    • Vík í Mýrdal
👤 Paar Mitte 50, kulturinteressiert und genussorientiert ✍️ fachkundig und expertenwissen