Europa - Kroatien - Hvar

Reisebericht Europa - Kroatien - Hvar

Der Geruch von Salzwasser und Pinien kitzelte in meiner Nase, während ich versuchte, den Koffer aus dem überfüllten Kofferraum des Mietwagens zu wuchten. Finn, mein fast 15-jähriger, stand schon ungeduldig daneben, die Kopfhörer um den Hals, und filmte alles mit seinem Handy. Typisch. Nicht, dass er es jemals anschauen würde, aber festhalten musste er alles.

Ein neuer Anfang

Die letzten Monate waren… anstrengend. Nach der Trennung von Toms Vater fühlte ich mich, als würde ich ständig auf einem Hochseil balancieren, nur um alles irgendwie zusammenzuhalten. Arbeit, Haushalt, Finn – und dann noch das Gefühl, selbst leer zu sein. Ich brauchte dringend eine Pause. Etwas, das uns beide aus der Routine riss, uns ein bisschen aufatmen ließ. Kroatien, Hvar – die Idee kam mir fast wie ein Zufall, als ich abends ziellos durch Instagram scrollte. Türkisblaues Wasser, weiße Häuser, Sonne – es sah einfach… friedlich aus. Und Finn, der sonst so wortkarg ist, hatte überraschend begeistert mit „Ja, klar!“ reagiert. Das war genug.

Die Fahrt ins Paradies

Die Fahrt von Split nach Hvar war kurviger und langsamer, als ich erwartet hatte. Die Landschaft war atemberaubend, aber ich musste mich konzentrieren, um nicht rückwärts über die Klippen zu rollen. Finn döste im Fond, ab und zu ein genervtes Stöhnen, wenn ich eine besonders abenteuerliche Kurve nahm. Ich lächelte innerlich. Er war eben ein Teenager. Als wir dann endlich in Hvar Stadt ankamen, war ich platt. Es war viel belebter, viel touristischer, als ich es mir vorgestellt hatte. Kleine Gassen, gefüllt mit Cafés und Souvenirläden, Menschen, die in allen Richtungen herumliefen. Ich hatte mir etwas ruhigeres, authentischeres vorgestellt.

Erste Eindrücke

Wir hatten ein kleines Apartment gemietet, etwas außerhalb des Zentrums, mit Blick auf die Bucht. Der Vermieter, ein freundlicher älterer Herr namens Ante, wies uns die Schlüssel zu und erklärte uns kurz die wichtigsten Regeln. "Kein Lärm nach 22 Uhr", sagte er mit einem Augenzwinkern. "Und genießen Sie die Ruhe." Ruhe? Hier? Ich schmunzelte. Aber Ante hatte Recht. Sobald man die Menschenmassen hinter sich ließ und den kleinen Pfad hinunter zum Meer ging, fand man tatsächlich eine Art Frieden. Das Wasser war kristallklar, die Sonne wärmte die Haut, und der Duft von wildem Thymian lag in der Luft.
Ich stand auf dem kleinen Balkon, eine Tasse Kaffee in der Hand, und beobachtete die Boote, die auf dem Wasser tanzten. Finn war noch im Bett, wahrscheinlich vertieft in irgendein Computerspiel. Ich hoffte, dass er sich hier, fernab von seinem Alltag, ein bisschen entspannen konnte. Er hatte in letzter Zeit so mit sich gekämpft, so versucht, stark zu sein. Ich wollte, dass er einfach nur er selbst sein konnte.

Ein Neustart für uns beide

Ich atmete tief durch. Es war ein Gefühl, als würde ich einen Neustart wagen. Nicht nur für mich, sondern auch für Finn. Weg von den Erinnerungen, den Sorgen, den Erwartungen. Hier, auf dieser kleinen Insel, wollten wir einfach nur leben, lachen und die Sonne genießen. Die erste Erkundungstour durch die Stadt hatte uns einige charmante Restaurants und kleine Läden offenbart. Wir hatten ein köstliches Mittagessen mit frischem Fisch und lokalen Spezialitäten gegessen und danach noch ein Eis am Hafen. Finn hatte sogar gelächelt. Ein echtes Lächeln, nicht nur so ein gezwungenes. Das war alles, was ich mir wünschte. Jetzt galt es, die Insel zu erkunden, die verborgenen Buchten zu entdecken und uns einfach treiben zu lassen. Wir hatten eine Woche Zeit, um uns neu zu definieren und unsere Beziehung zu stärken. Und ich hatte das Gefühl, dass dies der perfekte Ort dafür war, um die ersten Schritte in Richtung eines neuen Lebens zu gehen.

Abseits der Touristenpfade

Der nächste Morgen begann mit einem kleinen Chaos. Finn hatte sich im Bad eingeschlossen und ich versuchte vergeblich, die Tür zu öffnen. Schließlich kam Ante mit einem Schweizer Messer angerannt und befreite uns. "Typisch Teenager", grummelte er lachend. Wir lachten alle drei. Es war ein guter Start in den Tag, irgendwie.

Der Duft von Lavendel

Wir beschlossen, einen Ausflug ins Landesinnere zu machen, weg von der Trubel der Stadt. Ante hatte uns einen Tipp gegeben: "Fahren Sie nach Brusje. Dort gibt es Lavendelfelder und eine wunderschöne Aussicht." Die Fahrt dorthin war abenteuerlich, auf schmalen, kurvigen Straßen, aber es lohnte sich. Vor uns erstreckten sich Felder voller duftendem Lavendel, so weit das Auge reichte. Die Luft war erfüllt von diesem betörenden Geruch. Finn, der normalerweise kein Fan von Blumen war, zog überraschend sein Handy heraus und machte unzählige Fotos. Er schien die Ruhe und die Schönheit des Ortes zu genießen. Wir kauften ein kleines Lavendelsäckchen und setzten uns auf eine alte Steinmauer, um die Aussicht zu bewundern. Unten lag Hvar Stadt, winzig und malerisch, eingebettet zwischen dem blauen Meer und den grünen Hügeln.

Stari Grad – Ein Hauch von Geschichte

Ein weiteres Highlight war unser Besuch in Stari Grad, der ältesten Stadt Kroatiens. Die Stadt ist von einer alten Stadtmauer umgeben, die bis in die griechische Antike zurückreicht. Wir schlenderten durch die engen Gassen, vorbei an alten Steinhäusern und kleinen Boutiquen. Besonders beeindruckt hat uns die Festung Petrica, die hoch über der Stadt thront. Von dort aus hatte man einen fantastischen Blick auf die Bucht und die umliegenden Inseln. Finn war überraschend interessiert an der Geschichte des Ortes und stellte viele Fragen. Wir aßen in einem kleinen Konoba, einem traditionellen kroatischen Restaurant, zu Mittag. Es gab gegrillten Fisch, Kartoffeln und einen Salat mit frischen Kräutern. Alles schmeckte unglaublich lecker.

Eine kleine Panne am Strand

Wir hatten uns einen Tag am Strand Pokonji Dol vorgenommen. Ein langer Kiesstrand, etwas außerhalb der Stadt. Es war wunderschön, aber auch ziemlich belebt. Finn wollte unbedingt schnorcheln, also mieteten wir uns eine Ausrüstung. Alles verlief gut, bis Finn plötzlich schrie. Er hatte sich in einem Seegrasbett verfangen und kam nicht mehr frei. Ich versuchte, ihn zu befreien, aber es gelang mir nicht. Schließlich kam ein junger Mann, der am Strand arbeitete, uns zu Hilfe. Er befreite Finn und stellte fest, dass er sich leicht am Bein verletzt hatte. Es war nichts Ernstes, aber es musste gereinigt und verbunden werden. Wir verbrachten den Rest des Tages damit, auf einer Liege zu entspannen und uns um Finns Wunde zu kümmern. Es war nicht der ideale Strandtag, aber wir lachten viel darüber und es schweißte uns noch mehr zusammen.
Am Abend saßen wir auf unserem Balkon, tranken Wein und blickten auf das funkelnde Meer. Finn war still, aber ich konnte sehen, dass er entspannt war. Er hatte sich hier, auf dieser kleinen Insel, ein Stück weit von seinen Sorgen befreit. Und ich hatte das Gefühl, dass wir beide einen wichtigen Schritt in Richtung eines neuen Lebens gemacht hatten, ein Leben, in dem wir nicht nur nebeneinander existierten, sondern wirklich füreinander da waren. Die Tage vergingen wie im Flug und bald stand unsere Abreise bevor, doch die Erinnerungen, die wir hier gesammelt hatten, würden uns für immer begleiten.

Der letzte Morgen auf Hvar fühlte sich komisch an. Eine Mischung aus Wehmut und Dankbarkeit. Ich stand auf dem Balkon, eine Tasse Kaffee in der Hand, und blickte auf das glitzernde Meer. Die Sonne war noch nicht ganz aufgegangen, aber der Himmel färbte sich langsam in den schönsten Farben. Finn schlief noch, erschöpft von den letzten Tagen. Ich lächelte. Er hatte sich verändert. Er war lockerer, offener, einfach er selbst. Und das war alles, was ich mir gewünscht hatte.

Abschiednehmen fällt schwer

Das Packen fiel uns beiden schwer. Jeder Gegenstand, jede Kleinigkeit, erinnerte uns an einen besonderen Moment. An den köstlichen Fisch am Hafen, an das Lavendelfeld, an die kleine Panne am Strand. Es waren nicht nur die schönen Orte, die diese Reise unvergesslich gemacht hatten, sondern auch die kleinen, alltäglichen Momente, die uns näher zusammengebracht hatten. Wir hatten gelernt, einander wieder neu zu entdecken, uns aufeinander zu verlassen und einfach nur zusammen zu sein.

Ein Insel-Fazit

Hvar hatte uns überrascht. Es war nicht nur ein wunderschönes Urlaubsziel, sondern auch ein Ort, der uns geholfen hatte, uns selbst besser kennenzulernen. Ich hatte mich lange Zeit von meinen Sorgen und Ängsten blockieren lassen, aber hier, auf dieser kleinen Insel, hatte ich gelernt, loszulassen und das Leben wieder zu genießen. Finn hatte gelernt, seine Gefühle auszudrücken und sich nicht mehr hinter seiner Coolness zu verstecken.

Mehr als nur Urlaub

Es war mehr als nur ein Urlaub gewesen. Es war eine Reise, die uns verändert hatte. Eine Reise, die uns gezeigt hatte, dass wir auch als kleine Familie stark und glücklich sein können. Wir hatten gelernt, dass wir nicht perfekt sein müssen, um uns zu lieben und zu akzeptieren. Und dass das Leben manchmal einfach nur schön ist, wenn man es zulässt.

Meine Hvar-Empfehlungen

Wenn ich jemandem Hvar empfehlen würde, dann würde ich sagen: „Gehen Sie hin und lassen Sie sich treiben.“ Lassen Sie sich von der Schönheit der Insel verzaubern, von der Freundlichkeit der Menschen und von der entspannten Atmosphäre. Verlassen Sie die ausgetretenen Pfade, erkunden Sie die kleinen Buchten und versteckten Restaurants und lassen Sie sich einfach treiben. Und vergessen Sie nicht, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, um die Ruhe und die Stille zu genießen.

Und wenn Sie mit einem Teenager unterwegs sind, dann seien Sie offen für seine Bedürfnisse und Wünsche. Lassen Sie ihn mitentscheiden, was Sie unternehmen wollen, und respektieren Sie seine Grenzen. Und versuchen Sie, sich Zeit zu nehmen, um einfach nur zusammen zu sein, ohne Ablenkung und ohne Druck.

Hvar hat uns viele unvergessliche Momente beschert. Und ich bin sicher, dass wir bald wieder zurückkehren werden, um uns von der Schönheit und der Magie dieser kleinen Insel verzaubern zu lassen.

    👤 Tierliebhaber (40) der Safaris und Tierbeobachtungen unternimmt ✍️ visuell und bildstark