Europa - Dänemark - Bornholm

Bornholms grüne Seele

Der Geruch von Salz und leichtem Diesel hing in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Duft von frisch gebackenen Brötchen. Ich stand also da, am Fähranleger in Rønne, Bornholm, und versuchte, meine viel zu große, dunkelblaue Reisetasche festzuhalten, während ein kleiner Windstoß über die Mole pfiff. Um mich herum quiekten Möwen, und eine kleine Gruppe älterer Herren in gestrickten Westen diskutierte lautstark über den Fang des Tages. Es war… anders.

Bornholm: Eine spontane Entscheidung

Ich hatte Bornholm ehrlich gesagt nur auf der Karte entdeckt, während ich in einer Internetcafé in Prag saß und verzweifelt nach einem günstigen Reiseziel suchte. Mein Budget war, sagen wir mal, ambitioniert. Hostelbetten für fünf Euro die Nacht, Instantnudeln und Daumen stoppen – das war der Plan. Eigentlich wollte ich durch Osteuropa trampen, aber nach ein paar Tagen in Polen und Tschechien hatte ich gemerkt, dass mein Deutsch einfach nicht für die Kommunikation mit den Busfahrern reichte. Und der Regen… oh Gott, der Regen! Also beschloss ich, nach Skandinavien zu fliegen. Dänemark schien noch halbwegs erschwinglich, und Bornholm – diese grüne Insel in der Ostsee – klang nach dem perfekten Ort, um ein bisschen Ruhe zu finden und vielleicht ein paar nette Leute kennenzulernen.

Die Anreise

Die Fahrt mit der Fähre von Sassnitz war ziemlich unspektakulär. Graues Wasser, ein paar andere Fähren in der Ferne und unendlich viel Himmel. Aber als die Küste von Bornholm näher kam, wurde es interessanter. Hohe Klippen, dichte Wälder und kleine, bunte Häuser schossen aus dem Grün hervor. Rønne selbst ist eine kleine, aber charmante Stadt. Die Gassen sind eng und verwinkelt, und überall gibt es kleine Geschäfte und Cafés. Ich hatte mir ein kleines Zimmer in einem Hostel am Stadtrand gebucht. Es war einfach, aber sauber und die Leute dort waren supernett.

Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, machte ich mich gleich auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Ich schlenderte durch die Gassen, vorbei an Fachwerkhäusern und kleinen Galerien. Überall hingen Blumenkästen an den Fenstern und es roch nach frischem Brot und Kaffee. Ich landete in einem kleinen Café, wo ich mir einen Zimtschnecken und einen starken Kaffee gönnte. Ich saß draußen, beobachtete die Leute und genoss einfach die Atmosphäre.

Erste Eindrücke und der Hunger nach Abenteuer

Es ist schwer zu beschreiben, aber Bornholm hat sofort etwas in mir ausgelöst. Es ist nicht so touristisch überlaufen wie andere skandinavische Inseln, und die Natur ist einfach atemberaubend. Überall gibt es Radwege, die durch die Wälder und entlang der Küste führen. Ich hatte mir ein altes Mountainbike gemietet und plante, die Insel mit dem Rad zu erkunden.

Das Hostel war voll mit Backpackern aus aller Welt. Ich traf einen Typen aus Australien, der seit einem Jahr unterwegs war, eine junge Frau aus Kanada, die sich in einen dänischen Fischer verliebt hatte, und einen alten Mann aus Deutschland, der die Insel schon seit über 50 Jahren kannte.


Am Abend kochte ich mir in der Hostelküche eine Dose Ravioli (Luxus!) und unterhielt mich mit den anderen Backpackern. Wir tauschten Reisegeschichten aus, planten gemeinsame Ausflüge und lachten viel. Es war schön, Teil einer kleinen Gemeinschaft zu sein, die das gleiche Abenteuer suchte.

Ich hatte keine festen Pläne für die nächsten Tage. Ich wollte einfach die Insel erkunden, die Natur genießen und mich treiben lassen. Ich wollte wandern, radfahren, schwimmen und vielleicht ein paar nette Leute kennenlernen. Ich wollte einfach sein und das Leben genießen. Ich wusste, dass ich auf Bornholm etwas Besonderes finden würde, und ich war gespannt darauf, was die nächsten Tage bringen würden. Und so begann meine Reise, die mich von den sanften Hügeln im Westen zu den dramatischen Klippen im Süden und zu den versteckten Stränden im Osten führen sollte. Ich war bereit, die Insel mit allen Sinnen zu erleben und mich von ihrer Schönheit verzaubern zu lassen.

Die ersten Eindrücke waren überwältigend, und ich ahnte, dass diese kleine Insel mich noch mit vielen Überraschungen begegnen würde.

Die Rundkirken und das verregnete Dueodde

Am nächsten Morgen wachte ich mit einem leichten Muskelkater auf – die Fahrt mit dem überfüllten Zug von Prag hatte ihren Tribut gefordert. Aber die frische Luft und der Duft von Kaffee aus der Hostelküche machten alles wieder gut. Ich beschloss, mich erstmal den berühmten Rundkirken Bornholms zu widmen. Die Insel soll über ein Dutzend davon haben, kleine mittelalterliche Kirchen mit einzigartiger Bauweise. Ich radelte also los, zunächst nach Nylars, einem kleinen Dorf im Landesinneren.

Nylars und die stille Schönheit

Die Kirche in Nylars war wirklich beeindruckend. Sie liegt inmitten eines kleinen Friedhofs, umgeben von alten Bäumen. Ich setzte mich auf eine Bank und genoss einfach die Ruhe. Es war ein friedlicher Ort, weit weg vom Trubel der Stadt. Im Inneren der Kirche war es kühl und dunkel, und der Duft von altem Holz und Weihrauch lag in der Luft. Ich betrachtete die alten Fresken und versuchte, mir vorzustellen, wie das Leben hier vor Jahrhunderten ausgesehen haben muss.

Nach Nylars radelte ich weiter nach Allinge, einem kleinen Küstenort im Norden der Insel. Allinge ist bekannt für seine Granitfelsen und seine Kunsthandwerksläden. Ich schlenderte durch die kleinen Gassen und bewunderte die handgefertigten Schmuckstücke, Keramiken und Gemälde. Ich kaufte mir eine kleine Holzfigur als Souvenir – einen kleinen, blau gestrichenen Hummer. Ein bisschen kitschig, aber ich fand ihn süß.

Dueodde und das pechige Wetter

Der nächste Tag sollte eigentlich ein Strandtag werden. Ich hatte gehört, dass Dueodde im Süden Bornholms einen der schönsten Sandstrände Europas hat. Ich packte also meine Badesachen, eine Decke und ein Buch ein und radelte los. Doch das Wetter spielte nicht mit. Als ich am Strand ankam, goss es in Strömen. Der Wind peitschte den Sand auf, und die Wellen schlugen hoch.

Ich versuchte, unter einem kleinen Dünenabschnitt Schutz zu suchen, aber es half nicht viel. Ich war klatschnass und fror. Ich beschloss, mich in ein kleines Café in der Nähe zurückzuziehen und mir einen heißen Kakao zu gönnen. Ich saß am Fenster und beobachtete den Sturm. Der Strand war leer, und das Meer war wild und ungestüm. Es war eigentlich ganz schön dramatisch, aber ich hätte mir den Tag doch lieber etwas sonniger vorgestellt.


Trotz des schlechten Wetters konnte ich die Schönheit des Strandes erkennen. Der Sand war unglaublich fein und weiß, und das Wasser war kristallklar. Ich stellte mir vor, wie es hier im Sommer aussieht, wenn die Sonne scheint und das Wasser warm ist. Ich beschloss, am nächsten Tag noch einmal zurückzukommen, in der Hoffnung auf besseres Wetter.

Rønne bei Nacht und die unerwartete Live-Musik

Am Abend kehrte ich nach Rønne zurück. Die Stadt war bei Nacht ganz anders als am Tag. Die Straßen waren leer, und die Lichter spiegelten sich im Wasser. Ich schlenderte durch die Gassen und suchte nach einem Restaurant, wo ich zu Abend essen konnte. Ich landete in einer kleinen Kneipe, wo gerade eine Live-Band spielte.

Die Band spielte eine Mischung aus Jazz und Blues, und die Atmosphäre war toll. Ich setzte mich an die Bar, bestellte ein Bier und lauschte der Musik. Ich kam mit einigen Einheimischen ins Gespräch, die mir von der Insel und ihren Bewohnern erzählten. Es war ein schöner Abend, und ich fühlte mich willkommen und geborgen.

Ich merkte, dass Bornholm mehr zu bieten hatte, als nur schöne Strände und Rundkirken. Es war eine Insel mit einer reichen Geschichte, einer vielfältigen Kultur und einer freundlichen Bevölkerung. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier noch viele Entdeckungen machen würde. Und während ich in der Kneipe saß und der Musik lauschte, wusste ich, dass diese Reise noch lange nicht zu Ende war.

Die Mischung aus Naturschönheiten, kulturellen Erlebnissen und unerwarteten Begegnungen hatte mich tief beeindruckt und bereitete mich auf die letzten Tage meiner Reise vor.

Die letzten Tage auf Bornholm vergingen wie im Flug. Ich hatte mir vorgenommen, noch einmal nach Dueodde zu fahren, und diesmal hatte ich Glück: Die Sonne schien, und der Strand war fast leer. Ich verbrachte den ganzen Tag damit, am Strand zu liegen, zu lesen und im Meer zu schwimmen. Das Wasser war eiskalt, aber erfrischend. Es war der perfekte Abschluss meiner Reise.

Rückblick und kleine Entdeckungen

Ich hatte erwartet, eine schöne Insel zu sehen, aber Bornholm hat mich wirklich überrascht. Es ist nicht nur die Natur, die atemberaubend ist, sondern auch die Atmosphäre, die Ruhe und die Freundlichkeit der Menschen. Ich habe gelernt, dass man nicht viel Geld braucht, um glücklich zu sein. Oft reichen schon die kleinen Dinge, wie ein schöner Sonnenuntergang, ein gutes Buch oder ein nettes Gespräch mit einem Fremden.

Die kleinen Dinge, die zählen

Ich erinnere mich noch gut an den alten Mann, den ich auf dem Markt in Rønne getroffen habe. Er verkaufte selbstgemachte Marmelade und Honig. Wir haben uns lange unterhalten, und er hat mir viele Geschichten über die Insel erzählt. Er hat mir auch ein paar Tipps gegeben, wo ich die besten Wanderwege finde. Ich habe ihm eine Dose Ravioli geschenkt – als Dankeschön für seine Gastfreundschaft.

Ich habe auch gelernt, dass man nicht immer einen Plan braucht. Manchmal ist es besser, einfach auf sich treiben zu lassen und die Dinge geschehen zu lassen. Ich habe viele spontane Entscheidungen getroffen, und ich habe es nicht bereut. Ich habe neue Leute kennengelernt, neue Orte entdeckt und neue Erfahrungen gemacht. Und das ist es, was das Reisen so besonders macht.

Abschied und ein Versprechen

Am letzten Abend saß ich noch einmal am Hafen von Rønne und beobachtete die Fähre, die mich zurück ins Festland bringen würde. Ich fühlte mich traurig, Bornholm zu verlassen, aber ich wusste, dass ich eines Tages zurückkommen würde. Diese Insel hat einen besonderen Platz in meinem Herzen gefunden. Ich habe versprochen, dass ich wiederkommen und die vielen kleinen, versteckten Ecken erkunden werde, die ich noch nicht gesehen habe. Und ich hoffe, dass ich dann wieder die gleiche Ruhe und Geborgenheit empfinden werde.

Meine persönlichen Tipps für Bornholm

Wenn du nach Bornholm reist, solltest du unbedingt dein Fahrrad mitbringen oder dir eines mieten. Die Insel ist perfekt zum Radfahren, und du kannst so viele schöne Orte entdecken, die mit dem Auto nicht erreichbar sind. Probiere unbedingt die lokalen Spezialitäten, wie die Bornholmer Räucherfisch und die selbstgemachte Marmelade. Besuche die Rundkirken und lerne mehr über die Geschichte der Insel. Und nimm dir Zeit, die Natur zu genießen – wandere durch die Wälder, schwimme im Meer und beobachte den Sonnenuntergang. Du wirst es nicht bereuen.

Bornholm ist mehr als nur eine Insel – es ist ein Lebensgefühl. Es ist ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann, neue Energie tanken kann und sich mit der Natur verbunden fühlen kann. Es ist ein Ort, an dem man einfach glücklich sein kann. Und ich bin froh, dass ich diese Insel entdeckt habe.

    • Rønne Hafen (gemütliche Atmosphäre, gute Ausgangsbasis für Erkundungen)
    • Nylars Rundkirche (friedlicher Ort, beeindruckende mittelalterliche Architektur)
    • Dueodde Strand (feiner Sand, klares Wasser, ideal zum Sonnenbaden und Schwimmen)
    • Markt in Rønne (lokale Produkte, freundliche Menschen, authentische Atmosphäre)
    • Rønne Stadtzentrum (kleine Gassen, Fachwerkhäuser, charmante Geschäfte)
👤 Backpackerin Anfang 20 mit sehr kleinem Budget ✍️ beschreibend und detailliert