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Inselträume mit 70: Praslin und die Erinnerung an Elisabeth

Der Geruch von feuchter Erde und blühenden Frangipani-Bäumen schlug mir beim Aussteigen aus dem kleinen Propellerflugzeug entgegen. Praslin, Seychellen. Endlich. Ich hatte lange darauf gespart, wirklich lange. Mit 70 Jahren denkt man ja doch etwas anders über Urlaub, als mit 20. Keine Backpacker-Touren mehr, eher solides Mittelklasse-Hotel und ein bisschen Ruhe. Und ganz ehrlich, ein bisschen Luxus darf es auch mal sein. Ich hab’s mir verdient.

Anreise und erste Eindrücke

Die Anreise war… sagen wir mal, abenteuerlich. Nicht schlecht abenteuerlich, eher so, dass man als ehemaliger Maschinenbauingenieur doch ein paar kritische Blicke auf die Wartung der Flugzeuge wirft. Aber alles gut gegangen. Der Flughafen auf Praslin ist eher eine nette Landebahn mit einem kleinen Gebäude. Nix mit riesigen Duty-Free-Shops und Menschenmassen. Das gefiel mir. Ich hatte im Voraus ein kleines Hotel in Côte d'Or gebucht, das "Cocoa Bay". Keine fünf Sterne, aber die Bewertungen waren gut und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte. Und das Wichtigste: Es lag direkt am Strand. Die Taxifahrt dorthin war schon ein Erlebnis für sich. Die Straßen sind eng, kurvig und die Fahrer… sagen wir mal, sie haben ihren eigenen Fahrstil entwickelt. Aber immer mit einem Lächeln, das muss man ihnen lassen.

Die ersten paar Kilometer habe ich mich gefragt, ob ich nicht doch zu viel erwartet habe. Viel Grün, klar, aber auch viel Baustellenlärm. Praslin ist im Wandel, das merkt man. Viele neue Hotels entstehen, die Infrastruktur wird ausgebaut. Hoffentlich bleibt dabei trotzdem noch ein Stück vom ursprünglichen Charme erhalten.

Ein bisschen Hintergrund

Ich bin ja schon seit Ewigkeiten ein Afrika-Fan. Als junger Ingenieur habe ich ein paar Jahre in Südafrika gearbeitet, das hat mich geprägt. Die Tierwelt, die Menschen, die Landschaft… das ist einfach etwas Besonderes. Aber Afrika ist groß und vielfältig, und ich wollte schon immer mal die Inselwelt im Indischen Ozean erkunden. Die Seychellen sind ja bekannt für ihre traumhaften Strände und ihre einzigartige Natur.

Aber es ist nicht nur das Paradies, das mich hierherlockt hat. Ich bin auch ein bisschen auf der Suche. Meine Frau, Elisabeth, ist vor zwei Jahren verstorben. Wir hatten uns vorgenommen, noch viele Länder gemeinsam zu bereisen. Jetzt reise ich allein. Es ist schwer, aber ich versuche, ihren Geist in meinen Abenteuern lebendig zu halten. Sie hätte sich diese Reise bestimmt gewünscht.

Côte d'Or und die ersten Erkundungen

Cocoa Bay war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Einfach, aber sauber und freundlich. Mein Bungalow lag nur wenige Meter vom Strand entfernt, und von meiner Terrasse aus konnte ich direkt auf das türkisfarbene Meer blicken. Ich habe mich sofort wohlgefühlt.

Nach dem Auspacken bin ich gleich an den Strand gegangen. Der Sand war weich und weiß, das Wasser kristallklar. Es waren zwar ein paar Touristen da, aber es war trotzdem noch viel Platz. Ich habe mir einen Liegestuhl gesucht und einfach die Seele baumeln lassen. Die Sonne war warm, die Luft mild und der Blick auf das Meer einfach atemberaubend.

Ich bin dann noch ein bisschen am Strand entlangspaziert. Côte d'Or ist ein schöner, flacher Strand, ideal zum Schwimmen und Schnorcheln. Es gibt ein paar kleine Restaurants und Bars, aber alles in allem ist es sehr ruhig und entspannt. Ich habe mir in einem der Restaurants ein Mittagessen bestellt – gegrillten Fisch mit Reis und Salat. Es war köstlich.

Am Abend bin ich noch an der Strandpromenade entlanggegangen und habe den Sonnenuntergang beobachtet. Der Himmel färbte sich in den schönsten Farben – rot, orange, violett. Es war ein magischer Moment.

Ich habe mich dann für den nächsten Tag vorgenommen, die Insel ein bisschen genauer zu erkunden. Es gibt ja ein paar Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben soll – die Vallée de Mai, den Anse Lazio, den Anse Georgette. Aber ich wollte es nicht zu eilig haben. Ich wollte einfach die Zeit genießen und die Schönheit dieser Insel auf mich wirken lassen. Ich ahnte schon, dass dies eine ganz besondere Reise werden würde. Eine Reise, die mir nicht nur neue Eindrücke und Erfahrungen bringen würde, sondern auch eine Gelegenheit, meine Erinnerungen an Elisabeth zu ehren und meinen eigenen Frieden zu finden. Die ersten Tage vergingen wie im Flug, und ich war gespannt darauf, was die kommenden Tage noch bringen würden, denn ich hatte das Gefühl, dass Praslin noch viele Geheimnisse für mich bereithalten würde.

Die Vallée de Mai – Ein Schritt zurück in die Urzeit

Am nächsten Tag hatte ich mir vorgenommen, die Vallée de Mai zu besuchen. Das ist ein UNESCO-Weltnaturerbe und bekannt für seine einzigartigen Palmenwälder. Ich bin zwar kein großer Wanderer mehr, aber ich wollte mir das nicht entgehen lassen. Mit dem Bus war ich gut hinkommen, zumindest theoretisch. Die Busse fahren zwar regelmäßig, aber sie sind oft überfüllt und halten nicht immer an den Haltestellen. Ich musste ein bisschen improvisieren und ein paar Einheimische fragen, die mir freundlicherweise den richtigen Bus gewiesen haben.

Die Vallée de Mai ist wirklich beeindruckend. Riesige Palmen ragen in den Himmel, und der Boden ist mit Farnen und anderen Pflanzen bedeckt. Es ist fast so, als wäre man in einer anderen Zeit gelandet. Ich habe mir einen Führer gemietet, der mir alles über die Coco de Mer Palmen erzählt hat. Diese Palmen sind berühmt für ihre riesigen Früchte, die an weibliche Hüften erinnern. Der Führer hat mir erklärt, dass diese Früchte früher als Aphrodisiakum galten und sehr wertvoll waren.

Ich war ein bisschen skeptisch, was das angeht, aber die Früchte sind wirklich riesig und ungewöhnlich. Es war interessant zu erfahren, wie die Samen durch die Meeresströmungen verbreitet werden und wie sie an anderen Inseln der Seychellen gewachsen sind. Ich habe auch ein paar seltene Vögel gesehen, darunter den Seychellen-Paradiesvogel.

Die Wanderung durch die Vallée de Mai war anstrengend, aber lohnend. Ich habe viele Fotos gemacht und versucht, die Atmosphäre dieses einzigartigen Ortes einzufangen. Auf dem Rückweg bin ich dann fast in eine Schlammpfütze getreten. Zum Glück habe ich mich noch rechtzeitig gefangen und meinen weißen Schuh nicht ruiniert. Man muss schon aufpassen, wo man hintritt.

Anse Lazio und die Herausforderung des öffentlichen Nahverkehrs

Nach der Vallée de Mai wollte ich unbedingt zum Anse Lazio, einem der schönsten Strände der Seychellen. Ich hatte im Reiseführer gelesen, dass man dorthin mit dem Bus fahren kann, aber es sollte eine ziemliche Herausforderung werden. Die Busse sind zwar regelmäßig, aber sie sind oft überfüllt und halten nicht immer an den gewünschten Haltestellen.

Ich musste dreimal umsteigen und bin mehrmals an der richtigen Haltestelle vorbeigefahren, weil der Bus zu voll war. Ich habe dann einen Einheimischen gefragt, der mir freundlicherweise geholfen hat, den richtigen Bus zu finden. Er hat mir sogar seinen Platz angeboten, was sehr nett von ihm war.

Der Anse Lazio ist wirklich atemberaubend. Der Sand ist weich und weiß, das Wasser kristallklar und die Felsen ragen dramatisch aus dem Meer. Es war zwar ein bisschen überfüllt, aber es war trotzdem noch genügend Platz, um ein Sonnenbad zu nehmen und im Meer zu schwimmen. Ich habe mir ein Eis gekauft und einfach die Seele baumeln lassen.

Ich habe auch ein paar Einheimische kennengelernt, die mir von ihrem Leben auf Praslin erzählt haben. Sie waren sehr freundlich und offenherzig und haben mir viele interessante Einblicke in die Kultur und Lebensweise der Seychellen gegeben.

Ein Abend in Baie Sainte Anne

Am Abend bin ich nach Baie Sainte Anne gefahren, dem größten Ort auf Praslin. Ich wollte mir den Markt ansehen und ein bisschen durch die Stadt bummeln. Der Markt war schon geschlossen, aber es gab trotzdem noch ein paar Restaurants und Bars geöffnet. Ich habe mir ein Abendessen in einem kleinen Restaurant bestellt und den Abend bei einem Glas Bier ausklingen lassen.

Baie Sainte Anne ist ein lebhafter Ort, aber trotzdem noch entspannt und gemütlich. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Menschen hier sehr freundlich und gastfreundlich sind.

Nach ein paar Tagen auf Praslin hatte ich das Gefühl, die Insel gut kennengelernt zu haben. Ich hatte die Schönheit der Natur genossen, die Kultur und Lebensweise der Menschen kennengelernt und ein paar neue Freunde gefunden. Es war eine unvergessliche Reise, die ich nie vergessen werde. Und so kehrte ich langsam, aber sicher, mit vielen Erinnerungen und einem beruhigten Herzen in mein Hotel zurück, bereit für die letzten Tage auf dieser paradiesischen Insel.

Die letzten Tage auf Praslin vergingen wie im Flug. Ich habe versucht, noch so viel wie möglich von dieser wunderschönen Insel aufzusaugen, bevor es wieder zurück nach Hause ging. Ich bin nicht mehr der Jüngste, und wer weiß, wann ich noch einmal die Gelegenheit haben werde, so weit zu reisen.

Ein stiller Abschied am Anse Georgette

Am vorletzten Tag bin ich zum Anse Georgette gefahren. Dieser Strand ist bekannt für seine unberührte Schönheit und seine ruhige Atmosphäre. Ich wollte noch einmal ganz allein sein und meine Gedanken sortieren. Ich habe einen Liegestuhl gefunden und mich in den Sand gelegt. Die Sonne war warm, das Wasser kristallklar und der Wind flüsterte leise durch die Palmen.

Ich habe an Elisabeth gedacht. An unsere gemeinsamen Reisen, an unsere Liebe, an unser Leben. Es tat weh, aber es war auch tröstlich, ihre Erinnerung in meinem Herzen zu tragen. Ich glaube, sie hätte diesen Ort geliebt.

Kulinarische Entdeckungen und kleine Freuden

Ich habe auch versucht, die lokale Küche kennenzulernen. Ich habe in kleinen Restaurants gegessen, wo die Einheimischen ihre Mahlzeiten einnahmen. Ich habe gegrillten Fisch, Curry und andere Spezialitäten probiert. Es war lecker und authentisch.

Ich habe auch gelernt, die kleinen Freuden des Lebens zu schätzen. Ein gutes Buch, ein Glas Wein, ein freundliches Gespräch mit einem Einheimischen. Es sind die einfachen Dinge, die das Leben lebenswert machen.

Fazit und Empfehlungen

Praslin ist eine wunderschöne Insel, die ich jedem empfehlen kann, der Ruhe, Entspannung und Natur sucht. Es ist zwar nicht ganz billig, aber es gibt Möglichkeiten, auch mit kleinem Budget einen schönen Urlaub zu verbringen.

Ich habe gelernt, dass das Alter kein Hindernis für Reisen sein muss. Man muss nur etwas mehr Zeit einplanen und sich auf seine Bedürfnisse einstellen. Und man muss offen sein für neue Erfahrungen und Begegnungen.

Wenn ich noch einmal nach Praslin reisen würde, würde ich mir wieder ein einfaches Hotel suchen, abseits des Trubels. Ich würde mehr Zeit am Strand verbringen und die Natur genießen. Und ich würde versuchen, noch mehr Einheimische kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören.

Ich bin dankbar für die Zeit, die ich auf Praslin verbringen durfte. Es war eine Reise, die mir viel bedeutet hat. Und ich bin froh, dass ich diesen Traum noch verwirklichen konnte.

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👤 Rentner (70) mit kleinem Budget ✍️ fachkundig und expertenwissen