Posen: Mehr als nur Quarkbällchen
Warum Posen?
Die Idee zu dieser Reise kam uns eigentlich ganz spontan. Wir sind beide Studentinnen, ich studiere Geschichte, Lena Germanistik. Wir lieben es, neue Kulturen kennenzulernen, aber das Budget ist, wie bei den meisten Studenten, eben begrenzt. Wir wollten unbedingt an die Ostsee, aber die Preise in den typischen Badeorten waren einfach unbezahlbar. Dann bin ich bei meiner Recherche auf Posen gestoßen. Eine Stadt mit einer reichen Geschichte, wunderschöner Architektur und – das Beste – relativ günstigen Preisen. Außerdem liegt sie nicht allzu weit von der Küste, also eine perfekte Kombination für uns. Wir hatten uns vorgenommen, etwa zwei Wochen zu reisen, mit Posen als erstem Stopp.Die Anreise und der erste Eindruck
Der Bus vom Flughafen in die Innenstadt war überraschend leer. Wir saßen am Fenster und beobachteten die Landschaft. Posen wirkte erstmal sehr grün, mit vielen Parks und alten Bäumen. Die Gebäude waren eine Mischung aus verschiedenen Stilen – vom historischen Barock bis hin zu modernen Neubauten. Es war nicht so „aufpoliert“ wie manche andere europäische Städte, sondern eher authentisch und lebendig. Wir hatten ein kleines Apartment über Airbnb gebucht, in der Nähe des Altmarktplatzes. Der Schlüsselübergabe war unkompliziert, unser Gastgeber ein freundlicher älterer Herr, der uns ein paar Tipps für Restaurants und Sehenswürdigkeiten gab. Das Apartment war zwar klein, aber gemütlich eingerichtet und hatte alles, was wir brauchten.Der Altmarktplatz und die Croissant-Kultur
Der Altmarktplatz (Stary Rynek) ist das Herz von Posen. Er ist wunderschön anzusehen, mit den bunten Bürgerhäusern und dem Rathaus im Renaissance-Stil. Überall saßen Leute in den Cafés und Restaurants, genossen die Sonne und das Treiben. Aber das Besondere an Posen ist, meiner Meinung nach, die Croissant-Kultur. Überall gibt es kleine Bäckereien, die sogenannte "Rogale Świętomarcińskie" verkaufen – das sind süße Croissants mit Mohnfüllung und Puderzucker. Lena und ich haben uns natürlich sofort welche gegönnt. Sie waren unglaublich lecker, aber auch ziemlich sättigend!
Wir verbrachten den ersten Nachmittag damit, einfach durch die Altstadt zu schlendern, die Gassen zu erkunden und die Atmosphäre aufzusaugen. Wir entdeckten kleine Läden mit Handwerkskunst, versteckte Innenhöfe und gemütliche Cafés. Es war ein bisschen so, als wären wir in die Zeit zurückgereist.
Erste kulinarische Entdeckungen
Das Essen in Posen ist deftig und lecker. Wir haben in einem traditionellen polnischen Restaurant "Pierogi" gegessen – das sind gefüllte Teigtaschen, die es in verschiedenen Varianten gibt. Ich hatte Pierogi mit Fleisch und Kraut, Lena mit Kartoffeln und Käse. Dazu haben wir "Kompot" getrunken – das ist eine Art Fruchtkompott. Es war ein perfekter Abschluss für den Tag.
Nach dem Abendessen sind wir noch am Warta-Fluss entlang spaziert. Die Sonne war schon untergegangen, aber der Himmel leuchtete noch in den schönsten Farben. Es war ein magischer Moment, den wir so schnell nicht vergessen würden. Wir waren uns einig: Posen ist eine Stadt, die man unbedingt gesehen haben muss. Jetzt, wo wir einen ersten Eindruck von der Stadt gewonnen hatten, wollten wir uns tiefer in ihre Geschichte und Kultur eintauchen und die weniger bekannten Sehenswürdigkeiten erkunden.
Jüdisches Viertel und die Kaiserburg
Am nächsten Morgen hatten wir uns vorgenommen, das jüdische Viertel zu erkunden. Es liegt nicht weit vom Altmarktplatz entfernt, aber es fühlt sich an, als wäre man in einer anderen Welt. Die Straßen sind enger, die Gebäude heruntergekommener, aber es hat etwas unglaublich Authentisches. Wir haben die Alte Synagoge besichtigt, die heute ein Museum beherbergt. Dort haben wir viel über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Posen erfahren, die vor dem Zweiten Weltkrieg eine blühende Gemeinde war. Es war sehr bewegend und hat uns zum Nachdenken angeregt.Ein kleiner Navigationsfehler
Auf dem Rückweg zum Altmarktplatz haben wir uns ein bisschen verfahren. Posen ist zwar keine riesige Stadt, aber die Gassen sind verwinkelt und ähneln sich manchmal. Wir sind auf einmal in einem Wohngebiet gelandet, wo es keine Touristen gab und wir uns ziemlich verloren fühlten. Zum Glück konnten wir einen älteren Mann fragen, der uns freundlicherweise den Weg wies. Er sprach kein Englisch, aber mit Händen und Füßen und ein paar polnischen Wörtern, die wir gelernt hatten, konnten wir uns verständigen. Es war eine lustige Erfahrung und hat uns gezeigt, dass man auch ohne gemeinsame Sprache kommunizieren kann.Die Kaiserburg und ein bisschen Gartenromantik
Am Nachmittag sind wir zur Kaiserburg (Zamek Cesarski) gefahren. Sie wurde im 19. Jahrhundert erbaut und diente als Residenz für deutsche Kaiser. Die Burg ist beeindruckend und erinnert an ein Schloss aus Märchen. Wir haben die prächtigen Säle besichtigt und den weitläufigen Park erkundet. Dort haben wir uns eine kleine Picknickdecke gekauft und uns in den Schatten eines Baumes niedergelassen, um die Ruhe zu genießen. Es war ein perfekter Nachmittag, um einfach zu entspannen und die Natur zu genießen.Ein kulinarisches Experiment
Lena hatte im Internet von einem kleinen Restaurant gelesen, das traditionelle polnische Suppen anbietet. Wir sind dorthin gegangen und haben uns verschiedene Suppen bestellt – "Żurek" (saure Roggensuppe) und "Barszcz" (Rote-Bete-Suppe). Beides war ungewohnt, aber unglaublich lecker. Ich muss zugeben, dass ich am Anfang etwas skeptisch war, aber Lena hat mich überzeugt, es zu probieren. Es hat sich gelohnt!Abseits der Touristenpfade: Das Viertel Stary Browar
Am nächsten Tag wollten wir etwas abseits der üblichen Touristenpfade erkunden. Wir haben uns für das Viertel Stary Browar entschieden, das früher ein Brauereigelände war. Heute ist es ein lebendiges Kulturzentrum mit Kunstgalerien, Cafés und Boutiquen.Kunst, Design und ein bisschen Chaos
Stary Browar ist ein bisschen anders als die anderen Teile der Stadt. Es ist moderner, kreativer und ein bisschen chaotischer. Wir haben die Kunstgalerien besichtigt, in den Boutiquen gestöbert und in einem der Cafés einen Kaffee getrunken. Es war eine inspirierende Erfahrung und hat uns gezeigt, dass Posen mehr zu bieten hat als nur historische Gebäude und traditionelle Kultur.Ein unerwarteter Regenschauer
Plötzlich zog ein dunkler Wolken auf und es begann zu regnen. Wir wurden überrascht und mussten unter ein Vordach flüchten. Der Regen hörte aber schnell wieder auf und wir konnten unsere Erkundungstour fortsetzen. Es war ein bisschen wie ein kleines Abenteuer. Nach einigen Tagen in Posen hatten wir das Gefühl, die Stadt gut kennengelernt zu haben. Es ist eine Stadt, die uns positiv überrascht hat und die wir gerne weiterempfehlen würden. Die Mischung aus Geschichte, Kultur und moderner Kreativität hat uns begeistert und wir freuen uns schon darauf, irgendwann wiederzukommen, um noch mehr von dieser versteckten Perle Europas zu entdecken.Die letzten Tage in Posen sind viel zu schnell vergangen. Es ist schwer zu glauben, dass unsere kleine Städtereise schon fast vorbei ist. Wir haben noch einen letzten Spaziergang durch den Park Cytadela gemacht, einem riesigen Grünareal, das früher eine Festung war. Die Natur hat sich hier ihren Raum zurückerobert und es ist ein wunderbarer Ort, um einfach abzuschalten und die Ruhe zu genießen.
Rückblick auf Posen
Posen hat uns wirklich überrascht. Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartet, und wurden dann von einer Stadt mit viel Charme, Geschichte und Kultur empfangen. Es ist nicht die typische Touristenstadt, sondern eher ein authentisches polnisches Juwel, das abseits der ausgetretenen Pfade liegt. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, das Essen lecker und günstig und die Atmosphäre entspannt und einladend.
Was uns besonders gefallen hat, ist die Mischung aus verschiedenen Stilen und Einflüssen. Man spürt die deutsche Geschichte, aber auch die polnische Identität. Die Stadt ist modern und lebendig, aber gleichzeitig bewahrt sie ihre Traditionen und ihre Wurzeln.
Ein paar persönliche Tipps
Wenn ihr nach Posen reist, hier ein paar Tipps, die wir euch mit auf den Weg geben möchten:
- Probiert unbedingt die Rogale Świętomarcińskie. Diese süßen Croissants sind eine lokale Spezialität und schmecken einfach himmlisch.
- Verlasst euch nicht nur auf Google Maps. Verirrt euch in den Gassen, entdeckt versteckte Innenhöfe und lasst euch treiben. So findet ihr die wahren Schätze der Stadt.
- Sprecht die Einheimischen an. Sie sind oft sehr hilfsbereit und können euch wertvolle Tipps geben.
Und was jetzt?
Nach Posen geht es weiter an die Ostsee. Wir haben uns für Sopot entschieden, einen beliebten Badeort. Wir freuen uns auf Sand zwischen den Zehen, frische Meeresluft und lange Spaziergänge am Strand. Aber wir sind uns sicher, dass wir Posen in guter Erinnerung behalten werden. Es war ein unvergessliches Erlebnis und wir kommen gerne wieder.
Die Reise hat uns gezeigt, dass man nicht unbedingt viel Geld ausgeben muss, um einen schönen Urlaub zu haben. Oft sind es die kleinen Dinge, die zählen: ein freundliches Lächeln, ein leckeres Essen, eine schöne Landschaft. Und wenn man offen ist für neue Erfahrungen, kann man überall auf der Welt etwas Besonderes entdecken.
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- Altmarktplatz (Stary Rynek)
- Stary Browar
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- Kunstgalerien in Stary Browar
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- Jüdisches Viertel